„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2014



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„Abschied von Sansibar“
von Lukas Hartmann

Lukas Hartmann's neuer Roman beruht auf der wahren Geschichte von Salme, der Prinzessin von Sansibar, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in den Hamburger Kaufmann Heinrich Ruete verliebt und mit ihm durchbrennt. In Hamburg konvertiert Salme zum christlichen Glauben, heißt jetzt Emily Ruete und gründet mit Heinrich eine Familie. Dieser Bruch mit ihrer Kultur wird Emily's gesamtes Leben prägen, zum Teil noch das ihrer Kinder. Nach dem frühen Unfalltod ihres Mannes ist sie auf sich alleingestellt und muss für drei Kinder sorgen. In Hamburg lebt die ehemalige Prinzessin nun lange Zeit in großer Armut, statt der Freiheiten, die sie in ihrer Heimat hatte, unterliegt sie jetzt der strengen wilhelminischen Etikette. Sie wird Zeit ihres Lebens als Exotin bestaunt, ist auf Geldgeber angewiesen und leidet unter dem norddeutschen Wetter. Mehrmals reist Emily nach Sansibar zurück, doch ihre Hoffnung auf Versöhnung mit der Familie wird nie erfüllt – zu tief war der Tabubruch, der zu der Beziehung zwischen einer muslimischen Prinzessin und einem christlichen Ausländer führte. Als Bismarck versucht, Emily als Druckmittel in der deutschen Außenpolitik zu benutzen, kehrt sie Deutschland den Rücken und lässt sich in Beirut nieder.

Für seine Recherchen nutzte der Schweizer Autor unter anderem die persönlichen Aufzeichnungen und Briefe der ehemaligen Prinzessin.

Lukas Hartmann: Abschied von Sansibar.
Diogenes, 328 Seiten, 22,90 €.


„Attack – Unsichtbarer Feind“
von Douglas Preston und Lincoln Child

Im Gegensatz zu den bisherigen Pendergast-Krimis ist dieser in sich abgeschlossen; er bewegt sich natürlich auf dem gewohnt hohen Spannungsniveau. Corrie Swanson, Studentin an einer Polizeihochschule, will eine forensische Arbeit schreiben und hat bereits ein passendes Thema im Blick. In den Archiven der Universität stieß sie auf einen weit zurückliegenden Fall, in dem ein Bär Menschen angefallen und teilweise auch gefressen haben soll. Damals hatte sich auch Arthur Conan Doyle, der berühmte Autor von Sherlock Holmes, mit der Sache befasst. Der hatte die Geschichte in sein Tagebuch eingetragen, und von diesem Tagebuch wird eine Originalkopie im Archiv aufbewahrt. Als Corrie erfährt, dass die elf Leichen der damals Getöteten umgebettet werden sollen, macht sie sich auf dem Weg nach Colorado, um für Ihre Arbeit zu recherchieren. In Roaring Fork, einer von Milliardären geschätzten Wohngegend, erhält sie zwar zunächst die Erlaubnis, die Leichen der damaligen Minenarbeiter zu begutachten, kurz danach wird ihr dies allerdings verwehrt. Corrie verschafft sich unberechtigt Zugang zu den menschlichen Überresten und stellt fest, dass die Wunden kaum von einem Bären stammen können. Aufgrund ihres Verstoßes gegen das Gesetz wird sie verhaftet und erst freigelassen, als Special Agent Pendergast angereist kommt. Als der den Ort wieder verlässt, überschlagen sich in Roaring Form die Ereignisse ...

Douglas Preston / Lincoln Child: Attack – Unsichtbarer Feind.
Droemer, 480 Seiten, 19,99 €.


„Blutiger Engel“
von Kate Rhodes

„Blutiger Engel“ ist der zweite Fall um die Londoner Psychologin Alice Quentin, die hin und wieder für die Polizei arbeitet und schon im ersten Band geholfen hat, einen Serienmörder aufzuspüren. Diesmal wird sie in einem Fall zu Rate gezogen, in dem zunächst nur der vage Verdacht besteht, es könne sich wieder um einen Serienmord handeln. Ein Bankangestellter wurde vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen, die Tat ist von der Überwachungskamera aufgezeichnet worden. Da in einer Jacket-Tasche des Opfers eine Engelskarte und einige Federn gefunden werden, geht Detective Don Burns von einer Botschaft aus und ahnt, dass diesem Mord noch weitere folgen werden. Burns recherchiert im beruflichen Umfeld des Getöteten und findet immer mehr Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Bank, die zur „Angel Group“ gehört, heraus. Es folgen tatsächlich weitere Morde, alle an Mitarbeitern der Bank, alle Opfern tragen eine Engelskarte bei sich und die gleichen Federn. Alice hat eine ganze Reihe persönlicher Probleme zu bewältigen und kann sich zunächst nicht richtig auf den Fall konzentrieren. Nicht genug, dass ihr ein gewalttätiger Patient das Leben schwer macht, auch in ihrer Familie gibt es schwere Turbulenzen. Daher bemerkt sie zunächst nicht, dass sie sich immer tiefer in Gefahr begibt. Erst als sie selbst eine Engelskarte erhält, wird ihr klar, dass ihr Leben bedroht wird.

Kate Rhodes: Blutiger Engel.
Ullstein, 464 Seiten, 9,99 €.


„Das goldene Ei“
von Donna Leon

Commissario Brunetti's 22. Fall

In der Nachbarschaft der Brunettis ist ein junger Mann gestorben, den vor allem Paola von Sehen kannte. Von allen wurde er „Junge“ genannt, obwohl er Mitte dreißig war, er wirkte geistig zurückgeblieben, konnte nicht sprechen, arbeitete aber in der Wäscherei um die Ecke. Paola ist sehr betroffen, vor allem da sie ihn so häufig bemerkte und praktisch nichts über ihn wusste. Sie bittet ihren Mann, sich zu erkundigen, wer er war und was es mit seinem Tod auf sich hatte. Da der gerade wenig zu tun hat – er soll sich diskret und inoffiziell um eine Angekegenheit kümmern, die dem Ruf des Bürgermeisters schaden könnte – sagt er zu und erkundigt sich nach dem Mann, der an einer Überdosis Schlaftabletten gestorben war. Ungeklärt ist, ob es sich um einen Selbstmord handelt oder um ein Versehen. Behördlich registriert scheint er nirgendwo zu sein, aufgewachsen in der französischen Provinz hatte er nie die Gelegenheit gehabt, eine Schule zu besuchen. Doch Brunetti wird den Eindruck nicht los, dass Ana, die Mutter des Toten, ihm etwas verschweigt. Brunettis beruflicher Ehrgeiz ist geweckt. Doch erst als Ana mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus muss, gelingt es dem Commissario, mehr aus ihr herauszuholen. Nach und nach erfährt er die erschreckende Geschichte des jungen Mannes. Den Auftrag seines Chefs führt er eher nebenbei aus. Dabei geht es um die in Venedig allgegenwärtigen Schmiergeldzahlungen und um bestechliche Beamte.

Donna Leon: Das goldene Ei.
Diogenes, 368 Seiten, 22,90 €.


„Das Los“
von Tibor Rode

An vier Menschen in verschiedenen Gegenden der Welt wird ein ungewöhnliches Angebot herangetragen. Ein mysteriöser Mönch bietet ihnen die Teilnahme an einer Lotterie an, die sein Orden seit dem 18. Jahrhundert praktizieren soll. Nur wenige Menschen gehören zu den Auserwählten, und die vier Betreffenden sind die letzten, auf die das Spiel noch wartet: die Pokerspielerin Trisha, die schon ihre Eltern verraten hat, um an Geld zu kommen, Henri, der in Santa Fu in Hamburg eine lebenslängliche Haftstrafe verbüßt, Pradeep, der, nachdem er alles im Lotto verloren hat, im Slum von Mumbai ums Überleben kämpft und der betrügerische Spekulant Carter, der schon viele Menschen um ihr Vermögen brachte. Alle vier lassen sich auf das Spiel und seine Regeln ein, obwohl der Einsatz alles ist, was sie besitzen. Schließlich winkt ein Gewinn von unermesslichem Wert: die Erfüllung all ihrer Träume. Doch dann geschieht ein Mord, und die Teilnehmer erkennen, wie hoch ihr Risiko wirklich ist. Trotz der fünf Handlungsstränge - die der vier Mitspieler und die der Erfindung des Spiels im 18. Jahrhundert – ist die Story hervorragend aufgebaut. Die Spannung zu Beginn steigert sich durchgehend bis zum Schluss.

Tibor Rode: Das Los.
Bastei-Lübbe, 640 Seiten. 19,99 €.


„Das Teufelsloch“
von Antonia Hodgson

Im Jahr 1727 landet Tom Hawkins, Sohn eines Landpfarrers, im berüchtigten Londoner Schuldgefängnis „The Marshalsea“. Hawkins hatte nie vor, seinem Vater nachzueifern, er liebt die Frauen, das Bier und das Glücksspiel. Gerade noch schien alles bestens zu laufen, hatte er doch endlich das Geld gewonnen, mit dem er am nächsten Tag seine Schulden begleichen musste. Doch auf seinem nächtlichen Heimweg wird er überfallen und ausgeraubt. Nun muss er im Schuldgefängnis ausharren, bis alle Forderungen gegen ihn beglichen sind, doch wie das passieren kann, das weiß Tom nicht. Glück im Unglück darf er zunächst eine Woche in der Abteilung der Begünstigten ausharren, auf der „Master's Side“, in der diejenigen untergebracht sind, die aus gutem Hause kommen. Hier kann, wer Geld hat, fast alles erhalten, selbst Alkohol und Prostituierte. Doch wer wie Tom ohne einen Penny in der Tasche eingeliefert wird, auf den wartet die Common Site – ein Dreckloch, in dem brutale Sitten herrschen und täglich Inhaftierte sterben. Selbst deren verwesende Leichen werden oft erst freigegeben, wenn die Familien sie auslösen. Tom ist schockiert über seine Lage und die Zustände im Gefängnis und er fürchtet den Tag, an dem er in die Abteilung der Verdammten wechseln muss. Unverhofft erhält er eine Chance, wenn auch nur eine sehr kleine, sein Schiksal wieder selbst in die Hand zu nehmen. Gelingt es ihm, einen Mord aufzuklären, der sich vor einiger Zeit in seiner Zelle ereignet hatte, winkt ihm Schuldenfreiheit und die Entlassung aus der Haft. Sein Zellengenosse Fleet, der selbst von den Wächtern im Marshalsea gefürchtet wird, will Tom dabei unterstützen. Doch schon bald gerät Tom in große Gefahr. Die Geschichte um die grausamen Zustände im Schuldgefängnis basiert zum Teil auf realen Ereignissen; Antonia Hodgson hat die Tagebuch-Aufzeichnungen eines Häftlings aus der Zeit in ihrem Roman verarbeitet.

Antonia Hodgson: Das Teufelsloch.
Knaur, 496 Seiten, 19,99 €.


„Das weiße Grab“
von Lotte und Søren Hammer

Nach „Schweinehunde“ ist dies der zweite Krimi des dänischen Geschwisterpaars Lotte und Søren Hammer, und auch hier ist es der Kopenhagener Kommissar Konrad Simonsen, der die Ermittlungen leitet. Diesmal hat er es mit einem Serienmörder zu tun, der eine Reihe von Frauen auf dem Gewissen hat. Alles beginnt mit dem Fund einer gefesselten Frauenleiche, die das tauende Eis freigegeben hat. Das Opfer wurde offensichtlich mit einer Plastiktüte erstickt. Es stellt sich heraus, dass es sich um die seit Jahrzehnten vermisste Maryann Nygaard handelt, die in den 1980ern als Krankenschwester auf einer Radarstation angestellt war. Kommissar Simonsen beginnt mit seinen Nachforschungen unter denkbar ungünstigen Bedingungen: er ist körperlich schwer angeschlagen, vor kurzem wurde bei ihm Diabetes festgestellt. Zusammen mit seiner Kollegin Pauline Berg bearbeitet er den Fall, schnell stoßen die beiden auf Parallelen zu einer ganzen Reihe von Morden in Dänemark. Und Simonsen muss feststellen, dass ihm in einer früheren Ermittlung ein schwerer Fehler unterlaufen ist, der seiner Kollegin nun zum Verhängnis werden könnte. Der Mörder hat auch sie plötzlich im Visier.

Lotte und Søren Hammer: Das weiße Grab.
Knaur, 512 Seiten, 9,99 €.


„Der Jesus-Deal“
von Andreas Eschbach

Zehn Jahre nach Andreas Eschbach's erfolgreichem Roman „Das Jesus-Video“ erscheint nun als Nachfolger „MDer Jesus-Deal“. Um in die Geschichte einzusteigen, muss man den ersten Teil nicht gelesen haben. Wer ihn kennt, weiß bereits, dass es um die Möglichkeit von Zeitreisen geht – das betreffende Video aus ferner Vergangenheit wurde mit einer Kamera aufgenommen, die zum Zeitpunkt der Ereignisse noch gar nicht auf dem Markt erhältlich war. Das Video, das am Ende des ersten Buches gestohlen wurde, taucht nun wieder auf. Stephen Foxx war immer überzeugt gewesen, dass der Vatikan hinter dem Diebstahl steckte, um ein unliebsames Dokument aus der Welt zu schaffen. Nun stellt sich heraus, dass ganz andere Kräfte an der Sache beteiligt sind. Samuel Barron, einer der reichsten Männer der Welt, hat von dem Video erfahren und geht davon aus, dass Zeitreisen möglich sind. Er beauftragt einen russischen Wissenschaftler mit der technischen Umsetzung dieser Vision. Ein Team von fünf jungen Männern, unter ihnen sein Sohn Michael, wird auf die Reise in die Vergangenheit vorbereitet, um Jesus auf Video aufzunehmen. Doch Barron scheit noch ganz andere Pläne zu haben, die weit über das hinausgehen, was er der Gruppe aufträgt.

Andreas Eschbach: Der Jesus-Deal.
Lübbe, 736 Seiten, 22,99 €.


„Der Junge, den niemand sah“
von Cornelia Read

Dies ist der dritte Krimi um Madeline Dare, genannt Maddie. Die ehemalige Journalistin und Lehrerin gerät mal wieder in einen Kriminalfall und entschließt sich, auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen. Maddie unterstützt ihre Cousine Cate, die einen jahrhundertealten, verwilderten Friedhof in Queens herrichten möchte, auf dem einige Familienangehörige bestattet sind. An einem sehr heißen Septembernachmittag stößt sie dort beim Unkrautjäten auf ein Kinderskelett, das kaum aus einem der Gräber stammen kann. Die Mordkommission findet schnell heraus, dass es sich um Teddy Underhill handelt, einen dreijährigen Afroamerikaner, der vor Monaten als vermisst gemeldet wurde. Ungewöhnlich ist, dass die Familie sich erst zwei Wochen nach Teddys Verschwinden an die Polizei gewandt hatte. Er soll von zu Hause weggelaufen sein, als sein Stiefvater gerade schlief. Die Gerichtsmedizin stellt fest, dass der Tod durch schwere Gewaltanwendung eintrat, und bereits eine Befragung der Nachbarn ergibt, dass Teddy zu Hause misshandelt wurde. Selbst das Jugendamt war darüber informiert, doch offenbar wurde nichts unternommen, um dem Jungen zu helfen. Kaum wird Anklage gegen die Mutter und den Stiefvater erhoben, erhalten die Zeugen Drohungen von Freunden der Familie. Als Madeline ihrer jüngere Schwester Pagan von dem Fall erzählt, muss sie erfahren, dass auch die als Kind sexuell belästigt wurde – und auch dort gab es Erwachsene, die davon Kenntnis hatten und nichts unternahmen.

Cornelia Read: Der Junge, den niemand sah.
DTV, 448 Seiten, 9,95 €.


„Der Medicus von Heidelberg“
von Wolf Serno

Auch für seinem zwölften Roman hat Wolf Serno ein Thema aus den Anfängen der modernen Medizin gewählt, das sich als roter Faden durch die Geschichte zieht. Im Kanton Thurgau, im Jahre 1500, beschließt der Schweinekastrator Jacob Nufer, seine schwangere Frau bei lebendigem Leib aufzuschneiden, um das Kind auf die Welt zu holen, also zum erstenmal ein Verfahren anzuwenden, das viel später als Kaiserschnitt bekannt werden wird. Mutter und Kind befinden sich in der Gefahr, eine natürliche Geburt nicht zu überleben. Nufer würde damit gegen die Regeln der Kirche verstoßen, die der Meinung ist, das Kind dürfe erst nach dem Tod der Mutter auf die Welt geholt werden, doch er beruft sich auf eine vage Äußerung des Prälaten Bindschedler, die er als Erlaubnis zu seinem riskanten Versuch deutet. Die Operation glückt, Mutter und Kind überleben die Prozedur, ganz besonders davon beeindruckt ist Nufers zwölfjähriger Sohn Lukas, der bei der Entbindung assistierte. Lukas beschließt, ein Medicus zu werden, und macht sich Jahre später auf den Weg, um seinen Traum zu verwirklichen. Er reist von Basel nach Erfurt und schließlich nach Heidelberg, begegnet unterwegs seiner großen Liebe und wird schließlich mit der gleichen Situation konfrontiert wie einst sein Vater: seine schwangere Geliebte wird die bevorstehende Geburt nur überleben, wenn Lukas Nufer das Kind durch einen Schnitt auf die Welt holt.

Wolf Serno: Der Medicus von Heidelberg.
Knaur, 688 Seiten, 19,90 €.


„Der Ozean am Ende der Straße“
von Neil Gaiman

Der neue Fantasy-Roman von Neil Gaiman (Niemalsland, Der Sternwanderer) beginnt ruhig und unspektakulär. Der Erzähler der Geschichte besucht seine alte Heimat, um an einer Trauerfeier teilzunehmen. Mehr und mehr erinnert er sich an Begebenheiten aus seiner Kindheit, und anstatt nach dem Gottesdienst seine Schwester zu besuchen, wie es verabredet war, will er sich zunächst die Straße ansehen, in der er früher lebte. Das Haus seiner Kindheit steht schon lange nicht mehr, doch es gibt andere Plätze, die er aufsuchen will. Vor allem der Hof am Ende der Straße zieht ihn an, der Ort, an dem seine Freundin Lettie zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter wohnte. Dort begegnet er einer alten Frau, die ihm den Weg zum Ententeich weist, nach dem der Mann sucht. Bis zu diesem Zeitpunkt weiß der Leser fast nichts über den Erzähler, was sich schlagartig ändert, als dieser den Teich findet und von den Erinnerungen aus seiner Kindheit regelrecht überschüttet wird. Von nun an wird die Geschichte aus Sicht des Siebenjährigen erzählt, der er damals war. Im Haus seiner Eltern ist ein Untermieter verstorben, der gerade erst eingezogen war. Kurz darauf lernt der Junge Lettie Hempstock kennen, das Mädchen aus der Nachbarschaft, das in mancherlei Hinsicht ungewöhnlich ist. Als seine Familie das Kindermädchen Ursula Monkton engagiert, ist Lettie die einzige Verbündete des Jungens, der davon überzeugt ist, dass die Frau nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Denn um sie herum ereignen sich immer unglaublichere Dinge ...

Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße.
Eichborn, 240 Seiten, 18,00 €.


„Der raffinierte Mr. Scratch“
von Michael Poore

John Scratch ist der berühmteste Fernsehmoderator der Welt. Vor laufenden Kameras klingelt er an einem Haus, in dem ein glücklich verheiratetes Paar lebt. Als die beiden ihm öffnen, sagt er: "Sie bekommen zehn Millionen $, wenn Sie sich jetzt trennen und nie mehr wiedersehen." Der Mann lehnt ab. Die Frau nicht. Niemand bekommt das Geld, doch die Ehe ist zerstört. Es ist ziemlich schnell klar, dass nur einer in der Lage ist, eine solche Show zu inszenieren: Der Teufel. Mr. Scratch entführt den Leser in verschiedene Stationen der Vergangenheit, immer auf der Suche nach den Sünden und Lastern der Menschen. Ob im alten Ägypten oder im Bürgerkrieg der USA, ob Hiroshima oder „9/11“ – Mr. Scratch hat eine sehr eigene Sicht auf die Dinge. Für ihn sind Kriege und Katastrophen untrennbar verbunden mit Fortschritt und Erneuerung. Die Rahmenhandlung bildet eine Begebenheit im Jahr 1969, als drei erfolglose Musiker beschließen, ihre Seele dem Teufel zu vermachen, um endlich einmal Geld und Ruhm zu erlangen. Tatsächlich verläuft das Leben von Memory, Fish und Zachary von diesem Zeitpunkt an außerordentlich erfolgreich.

Michael Poore: Der raffinierte Mr. Scratch.
Bastei-Lübbe, 448 Seiten, 16,99 €.


„Der Tanz der Möwe“
von Andrea Camilleri

Commissario Montalbano ist inzwischen so berühmt, dass einige seiner Fälle verfilmt werden sollen. Livia, seine Fernbeziehung, findet das so spannend, dass sie einen Kurzurlaub organisiert. Sie möchte den Drehort in einem sizilianischen Tal besuchen, was Montalbano eigentlich gar nicht passt. Wie so oft geraten die beiden schon kurz nach ihrem Zusammentreffen in einen Streit, aber der Commissario wird ohnehin noch einmal ins Büro gerüfen, und kann so Schlimmeres vermeiden. Als er dort erfährt, dass sein Kollege Fazio verschwunden ist, macht er sich umgehend auf die Suche und vergisst, Livia Bescheid zu sagen. Fazio war offensichtlich an einer großen Sache dran, ist angeschossen worden und hat seitdem nichts mehr von sich hören lassen. Kaum beginnt Montalbano mit seinen Ermittlungen, stößt er schon auf zwei Leichen und bald auch auf seinen schwerverletzten Kollegen. Der jedoch kann sich an nichts erinnern und muss sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden. Montalbano ist so mit der Sache beschäftigt, dass er sich einen ganzen Tag lang nicht bei Livia meldet. Doch die hat zum Glück Verständnis für seine Situation, als sie erfährt, worum es geht. Nebenbei setzt er sich mit dem Älterwerden auseinander, und, da er auf die 60 zugeht, mit der Frage, wie lange er seine Arbeit noch machen möchte. Doch so viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihm nicht, denn er hat es momentan nicht nur mit der Mafia, sondern auch mit einem ranghohen Politiker zu tun.

Andrea Camilleri: Der Tanz der Möwe.
Lübbe, 272 Seiten, 19,99 €.


„Der unsichtbare Killer“
von Peter F. Hamilton

Peter F. Hamilton zählt zu den bekanntesten modernen Science Fiction-Autoren, berühmt wurde er vor allem mit seinem „Armageddon“-Zyklus, der Ende der 1990er Jahre erschien. Sein neuer Science Fiction-Thriller beginnt in Newcastle im Jahr 2142. Dort hat Detective Sidney Hurst mit einem brutalen Mordfall zu tun, der sich schon bald als Werk eines Serientäters herausstellt. Hurst findet auffallende Parallelen zu einem Massenmord der sich 20 Jahre zuvor ereignet hat, allerdings nicht in Newcastle, sondern auf dem Tropenplaneten St. Libra, der das Doppelstern-System Sirius umkreist. Durch die Gateway-Technologie ist es der Menschheit gelungen, einige andere Welten zu besiedeln, so auch den Planeten St. Libra, der für seine ungewöhnliche Pflanzenwelt bekannt ist und auf dem ein Algenprodukt angebaut wird, das den Mineralölbedarf auf der Erde deckt. Dieser Rohstoff wird von einer Familie kontrolliert, deren sämtliche Mitglieder Klone von drei noch lebenden, uralten Vorfahren sind. Das Gateway in Newcastle erlaubt den direkten Übergang nach St. Libra, und so begibt sich Hamilton mit seinem Team in die Dschungelwelt, um nach Spuren des damaligen Verbrechens zu suchen. Schon bald darauf kommt es zu neuen Morden.

Peter F. Hamilton: Der unsichtbare Killer.
Bastei-Lübbe, 1136 Seiten, 17,99 €.


„Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag
plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte“
von Yolande Duran-Serrano und Laurence Vidal

In vielen spirituellen Disziplinen ist es das höchste Ziel, einen bleibenden Bewusstseinszustand jenseits des denkenden Verstandes zu erlangen. Manche nennen dies das wahre Selbst, andere Erleuchtung oder Samadhi. Selbst nach jahrzehntelanger meditativer Praxis soll sich ein derartiger Zustand nur sehr selten einstellen. Doch immer wieder einmal tauchen Berichte von Menschen auf, denen dies spontan widerfahren ist – ohne irgendeine Art der spirituellen Schulung erwachen sie plötzlich in einem Bewusstsein, auf das sie nie vorbereitet waren. So erging es auch Yolande Duran-Serrano, die sich nie mit dem Thema Spiritualität befasst hatte und ein ganz normales Leben führte. Eines Tages stellte Yolande fest, dass ihre Gedanken weitgehend verschwunden waren und stattdessen eine tiefe Stille eingekehrt war. Zunächst dachte sie, dies müsse mit dem Älterwerden zusammenhängen, doch als sie andere Menschen befragte und niemand ihr dies bestätigen konnte, bekam sie es mit der Angst zu tun. Sie konsultierte Ärzte und Psychotherapeuten, nur um zu erfahren, dass man bei ihr kein Problem feststellen konnte. Erst Jahre später war sie in der Lage über diesen neuen Zustand, der sich weiterhin vertieft, zu sprechen. Ihre Freundin, die Journalistin Laurence Vidal, hat sie mehrfach interviewt und Yolandes Antworten in diesem Buch zusammengefasst. Immer wieder versucht Yolande neue Worte zu finden, um ihre Wahrnehmung jenseits des normalen Alltagsbewusstseins zu beschreiben. Sie spricht davon, dass sich sich selbst nicht mehr als Persönlichkeit wahrnimmt, sondern mehr und mehr als Teil eines großen Ganzen. Yolande gibt keine Anleitungen, sie weiß selbst nicht, wie „diese Sache“, wie sie es nennt, passieren konnte. Sie berichtet einfach aus ihrer Erfahrung. Doch immer wieder wird für den Leser spürbar, dass das, was man zu sein glaubt, eine Illusion darstellt.

Yolande Duran-Serrano / Laurence Vidal: Die Frau, die an einem ganz
normalen Sommertag plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte.
Knaur, 192 Seiten, 14,99 €.


„Die Kraft der Liebe“
von Erich Fromm

Über Haben und Sein, Liebe und Gewalt, Leben und Tod

Erich Fromm wurde 1900 in Frankfurt am Main geboren und starb 1980 in der Nähe von Locarno im Tessin. Er war einer der berühmtesten Psychoanalytiker seiner Zeit, außerdem Sozialpsychologe und Philosoph. Fromm wurde von Max Horkheimer an das Institut für Sozialforschung nach Frankfurt berufen, später lehrte er in den USA und in Mexiko. Viele seiner Bücher fanden Verbreitung weit über das Fachpublikum hinaus, einige wurden zu Bestsellern, wie „Die Kunst des Liebens“ und „Haben oder Sein“. Fromm's Anliegen war es, die psychische Situation des Einzelnen in ihrer Abhängigkeit vom gesellschaftichen Klima zu untersuchen. In diesem kleinen Zitateband sind Fromms Gedanken und Aussprüche zu verschiedensten Themen gesammelt. Das Vor- und das Nachwort geben einen kurzgefassten Einblick in Fromm's Arbeit und deren Einfluss auf das 20. Jahrhundert.

Erich Fromm: Die Kraft der Liebe.
Diogenes, 176 Seiten, 12,90 €.

 


„Die Stadt der Toten“
von Sara Gran

New Orleans, 2007. Zwei Jahre nach dem verheerenden Hurrikan Katrina herrscht dort immer noch das Chaos. Die Ermittlerin Claire DeWitt erhält den Auftrag, nach dem verschollenen Staatsanwalt Vic Willing zu forschen. Claire ist alles andere als konservativ, eher ein bisschen verrückt und in ihrer Arbeit recht unkonventionell. Sie selbst bezeichnet sich als die beste Ermittlerin der Welt, ihr treuer Begleiter ist „Detection“ ein Handbuch für Privatdetektive des Autors Jacques Silette. Neben diesem Ratgeber nutzt Claire außerdem „I Ging“-Münzen und die Deutung ihrer Träume, und damit hat sie bisher noch jeden Fall lösen können. Ihren neuen Auftrag erhielt sie telefonisch von einem Mann namens Leon Salvatore, der sie bittet, seinen Onkel, den verschollenen Staatsanwalt, zu suchen. Claire geht davon aus, dass der Auftraggeber die Lösung eigentlich selbst kennen muss, doch da sie Geld braucht, nimmt sie den Auftrag an. Sie kennt New Orleans aus der Zeit vor der Katastrophe, auch da war es schon ein Hort des Verbrechens, doch jetzt hat sich alles noch verschlimmert. Polizei und Staatsanwaltschaft werden von Korruption und Rassismus beherrscht, die schwarze Bevölkerung resigniert oder wird kriminell. Am Abend vor dem Hurrikan hat Leon seinen Onkel zum letzten Mal gesehen. Eine Visitenkarte führt Claire auf eine erste Spur, doch schon bald überschlagen sich die Wendungen in diesem Fall auf eine Weise, die selbst sie überrascht.

Sara Gran: Die Stadt der Toten.
Knaur, 368 Seiten, 9,99 €.


„Duell“
von Arnaldur Indriðason

Mit „Duell“ startet Islands erfolgreichster Krimi-Autor seine neueste Romanserie, in deren Mittelpunkt Kommissar Marian Briem steht, der schon in früheren Krimis eine Rolle spielte. Im Sommer 1972 sitzt ein Junge in einem Kino in Reykjavík. Offensichtlich will er den Ton des gerade laufenden Filmes aufnehmen, doch kurz darauf wird er brutal ermordet. Die erschütternde Tat wird im Strudel der Ereignisse von der Öffentlichkeit allerdings kaum wahrgenommen: der russische Schachweltmeister Boris Spasski tritt mitten im Kalten Krieg gegen seinen amerikanischen Herausforderer Bobby Fischer an, und ganz Reykjavík ist in hellem Aufruhr. Die Stadt quillt über vor Besuchern aus der ganzen Welt, und die Polizei ist von ihren zusätzlichen Aufgaben im Rahmen der Schach-WM völlig überfordert. Marian Briem wird die Leitung der Ermittlung an dem Mord des Jungen übertragen, doch was zunächst nach reiner Routine aussieht, konfrontiert die Ermittler mit schwierigsten politischen Verwicklungen hinter den Kulissen.

Arnaldur Indriðason: Duell.
Lübbe, 432 Seiten, 19,99 €.


„Ein langer, langer Weg“
von Sebastian Barry

Sebastian Barry, in Deutschland bereits bekannt durch seine Romane „Ein verborgenes Leben“ und „Mein fernes, fremdes Land“ beschreibt die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus Sicht des 18-Jährigen Willie Dunne aus Dublin. Der junge Ire meldet sich beim Militär, um seinem Vater, einem hohen Polizeibeamten, zu zeigen, was in ihm steckt. Aufgrund seiner geringen Größe hatte Willie keine Chance, bei der Polizei angenommen zu werden, da kommt ihm der Aufruf der Armeeführung ganz recht. Und er gehört zu den Tausenden junger Iren, die an der Seite Englands kämpfen, im Glauben, damit die bereits zugesicherte Unabhängigkeit für ihr Land zu beschleunigen. Hunger, Kälte, Nässe, Todesangst - in den Schützengräben Flanderns überkommen Willie schnell Zweifel am Sinn seines Einsatzes. Die bildhafte Sprache Barrys zieht den Leser sofort in ihren Bann und lässt ihn das Grauen, die Verzweiflung und den Wahn an der Front hautnah miterleben, das Morden, die anfliegenden Granaten, den ersten Giftgasangriff. Doch für Willie und seine Kameraden kommt es noch schlimmer. Nach dem Oster-Aufstand von 1916 werden die jungen Iren an der Front sowohl von England als auch von Irland als Verräter betrachtet.

Sebastian Barry: Ein langer, langer Weg.
Steidl, 368 Seiten, 24,00 €.


„Erwartung“
von Jussi Adler-Olsen

Mit „Erwartung“ liegt der nun fünfte Fall für das „Sonderdezernat Q“ für unaufgeklärte Fälle und den ständig schlecht gelaunten Ermittler Carl Mørck vor. Der 15-jährige Marco träumt von dem, was für die meisten anderen Kinder in seinem Alter selbstverständlich ist: ein geregeltes Leben zu führen und zur Schule gehen zu können. Das aber ist für ihn völlig unerreichbar. Marco ist ein Zigeunerjunge – er wurde von seinem Familien-Clan zum Stehlen und Betteln ausgebildet und lebt auf der Straße. Gelegentlich besucht er Bibliotheken, um seinen Wissensdrang zu stillen. Er besitzt auch einige Schulbücher, die er einmal von einem Lehrer geschenkt bekommen hat. Geborgenheit und Sicherheit konnte er nie erfahren, seinem Clan ist er völlig egal, solange er genügend Geld ranschafft. Eines Tages hört er zufällig ein Gespräch mit, in dem es darum geht, ihn zum Krüppel zu machen, um weiterhin Geld mit ihm verdienen zu können. Marco flieht vor seinen Leuten und versteckt sich in einem nahegelegenen Wald, doch damit verschlimmert sich seine Lage nur noch. Er stößt auf eine Leiche, die nie hätte entdeckt werden dürfen. Nun sind nicht nur seine Leute hinter ihm her, sondern auch eine weit gefährlichere Gruppe, deren Verbindungen bis in die höchsten Kreise der dänischen Gesellschaft reichen.

Jussi Adler-Olsen: Erwartung.
DTV, 576 Seiten, 19,99 €.


„Giftspur“
von Daniel Holbe

Mit „Giftspur“ beginnt eine neue Krimiserie um die Kommissarin Sabine Kaufmann, die schon in der Julia Durant-Reihe von Andreas Franz und Daniel Holbe eine Rolle spielte. Die Ermittlerin ließ sich aus privaten Gründen von Frankfurt in die hessische Provinz versetzen. Nun muss sie sich in einem neuen Team zurechtfinden – einem gerade erst gegründeten Mordkommissariat – das ihr zu Beginn nicht besonders wohlgesonnen ist. Als einzige Frau in der Gruppe, und dann noch eine aus der Sadt, ist man ihr gegenüber nicht nur skeptisch, sondern regelrecht abweisend. Vor allem der Kollege Ralph Angersbach, ebenfalls neu im Team, macht es ihr schwer. Ausgerechnet mit ihm wird sie auf ihren ersten Einsatz geschickt. Als Ulf Reitmeyer, der Besitzer eines großen Bioproduktionsbetriebes verstarb, ging man zunächst von einem Herzversagen aus. Doch schon bald darauf findet man die Leiche eines Angestellten des Betriebes und lässt beide Toten toxikologisch untersuchen. Das Ergebnis ist eindeutig: beide wurden mit dem gleichen Gift ermordet. Was zunächst als leicht zu lösender Fall erscheint, wird mit der Zeit immer verwickelter. Je mehr das Duo in die Szene der Bioproduzenten Einblick bekommt, desto schneller wächst der Kreis der Tatverdächtigen. Zum Glück nähern sich die beiden langsam aneinander an.

Daniel Holbe: Giftspur.
Knaur, 464 Seiten, 9,99 €.


„Glänzende Geschäfte“
von Katharina Münk

Wirtschaftsboss und Top-Manager Dr. Wilhelm Löhring versteht es, aus allem ein Geschäft zu machen. In „Die Insassen“ gelang es ihm während seines Aufenthaltes in der Nervenklinik St. Ägidius, selbige mit Erfolg an die Börse zu bringen. Inzwischen ist Löhring medikamentös eingestellt und wieder auf freiem Fuß, doch jetzt leidet er an einer Sinnkrise. Seine Firma schickt ihn zu einem Personal Coach, der ihm das „Brillenwechsel-Programm“ empfiehlt. Im Zuge dieses Programms unterstützt Löhring den Häftling Kellermann bei dessen BWL-Studien. Kaum erhält Kellermann Freigang, entführt er seinen Mentor und fordert für ihn ein Lösegeld. Doch anscheinend ist Löhring so unentbehrlich nicht und er selbst kann die geforderte Summe nicht aufbringen. Er schlägt vor, Vermögensverwalter Kesch zu kontaktieren, doch auch das bringt niemanden weiter, denn der liegt ermordet in seinem Büro. Kellermann und Kesch allerdings sehen sich zum Verwechseln ähnlich und das bringt Löhring auf seine nächste große Geschäftsidee. Kellermann schlüpft in die Rolle Keschs und begibt sich zu einem Termin mit dem Ex-Investmentbanker Keith Winter, der Skarabäen mit gold- und silberfarbenen Panzern erforschen lässt. Bei dem Treffen wird eine skurrile Geschäftsidee geboren, bei der es natürlich darum geht, potentielle Anleger übers Ohr zu hauen. Eine gelungene Satire, die durchaus einige Anknüpfungspunkte mit dem aktuellen Wirtschaftsgeschehen hat.

Katharina Münk: Glänzende Geschäfte.
DTV, 272 Seiten, 14,90 €.


„Götterfall“
von Sandra Lüpkes

Wencke Tydmers, Fall-Analytikerin beim „LKA“, hat ohnehin schon viel zu viel um die Ohren, nun muss sie auch noch ihre Chefin auf einem Symposium in Island vertreten. „Über die Zusammenhänge altgermanischer Mythen und moderner Politik“ – mit dem Thema kann sie ohnehin nichts anfangen und wo bringt sie ihren Sohn jetzt unter? Mitten in der überstürzten Planung für die Dienstreise werden ihr auch noch mysteriöse Briefe zugestellt. Es handelt sich um Kopien handschriftlicher Notizen ihrer verstorbenen Freundin Doro. Die Erinnerung an Doro's Tod und an das rätselhafte Verschwinden des kleinen Jan vor 20 Jahren hatte Wencke bisher weitgehend verdrängt. Auf dem Flug nach Island muss sie mit Schrecken feststellen, dass sich an Bord auch die beiden damaligen Kolleginnen befinden, mit denen sie vor 20 Jahren in einer Mordsache ermittelte. Die eine ist inzwischen mit dem Politiker verheiratet, dessen Sohn damals getötet wurde, die andere war mit dem Mann befreundet, der für die Tat verurteilt wurde. Während Ihres Aufenthaltes auf Island wird ihr klar, dass der damalige Fall alles andere als geklärt ist. Dass sie selbst Opfer eines Komplotts geworden ist, bemerkt sie allerdings erst sehr spät ...

Sandra Lüpkes: Götterfall.
DTV, 336 Seiten, 14,90 €.


„Hab und Gier“
von Ingrid Noll

Der ehemalige Bibliothekar Wolfram Kemper ist schwer krank und hat nicht mehr lange zu leben. Als kinderloser Witwer wird er ein beachtliches Vermögen hinterlassen. Eines Tages lädt er seine ehemalige Kollegin Karla zu sich nach Hause ein. Auch Karla ist inzwischen alleinstehende Rentnerin, lebt allerdings in sehr bescheidenen Verhältnissen in einer kleinen Wohnung, ein Auto kann sie sich nicht leisten. Karla besucht Wolfram zum erstenmal und wundert sich über die Einladung. Wolfram kommt ziemlich schnell zur Sache: Er bietet Karla ein Viertel seines Vermögens, wenn sie sich um die Beerdigung und die Grabpflege kümmert, die Hälfte, wenn sie ihn bis zu seinem Lebensende pflegt. Auch die andere Hälfte inklusive seiner Weinheimer Villa bietet er ihr an – wenn sie ihn auf eine bestimmte Art zu einem bestimmten Zeitpunkt umbringt. Karla ist über das letzte Angebot schockiert, sagt aber zu, Wolfram bis zum Tod zu pflegen. Eigentlich ist sie sich mit ihrer Entscheidung sicher – bis sie ihrer besten Freundin Judith von der Sache erzählt. Judith hat deutlich weniger Skrupel, schließlich ist Beihilfe zum Selbstmord in diesem Fall keine Straftat. Gemeinsam mit Karla entwickelt sie einen Plan, in den sie allerdings auch noch ihren Freund Cord einweihen muss. Die Pläne der drei entwickeln eine Dynamik, die für niemanden absehbar war und die nach Wolframs Tod erst richtig eskaliert.

Ingrid Noll: Hab und Gier.
Diogenes, 256 Seiten, 21,90 €.


„Himmelfahrt“
von Richard Dübell

Eine Prostituierte wird Zeugin, wie in der Wohnung über ihr ein Mord stattfindet. Bei dem Opfer handelt es sich um den bekannten Bauunternehmer Hannes Waltz. Eigentlich würde der Fall an Hauptkommissar Peter Bernward und seine attraktive Kollegin Flora Sander gehen, aber da die beiden, die vor kurzen noch ein Paar waren, momentan schlecht aufeinander zu sprechen sind, beauftragt der Polizeichef Flora mit den Recherchen. Peter soll sich der Schreibtischarbeit widmen und einen gerade entlassenen Häftling ausfindig machen, was dem natürlich gar nicht passt. Er beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln und muss schon bald feststellen, dass seine Kollegin in Gefahr ist. Erschwerend kommt hinzu, dass in Landshut sintflutartige Regenfälle niedergehen und durch einen Dammbruch die halbe Stadt unter Wasser steht. Als die Verwicklung mit einem älteren Fall offensichtlich wird, kommt es zu überraschenden Wendungen und einem dramatischen Ablauf der Ereignisse.

Richard Dübell: Himmelfahrt.
Ullstein, 384 Seiten, 9,99 €.


„Homöopathie für Skeptiker“
von Irene Schlingensiepen und Mark-Alexander Brysch

Wie sie wirkt, warum sie heilt, was belegt ist

Dr. med. Irene Schlingensiepen arbeitete nach Ihrem Medizinstudium in der Hirnforschung bei Prof. Otto Creutzfeldt am „Max-Planck-Institut“ in Göttingen, 1992 war sie Sachverständige am Bundesverfassungsgericht zu medizinisch-ethischen Fragen. Ursprünglich verstand sich Dr. Schlingensiepen als Gegnerin der Homöopathie, bis sie durch einen Vorfall in der eigenen Familie begann, sich näher mit dem Thema zu befassen. Ihr jüngster Sohn hatte starkes Asthma entwickelt, und keines der gängigen Mittel schlug bei ihm an, bis sie es mit den kleinen Kügelchen probierte, zu denen ihr ein Kollege mehrmals geraten hatte. Das Asthma ihres Sohnes verschwand praktisch über Nacht. Nach jahrelanger Auseinandersetzung mit der Homöopathie und angeregt durch ihre Arbeit in der Hirnforschung entwickelte Dr. Schlingensiepen einen eigenen Ansatz, die sogenannte Quellenhomöopathie, die sie in Berlin unterrichtet. In ihrem Buch geht sie auf den aktuellen Stand der Forschung ein und berichtet über Untersuchungen, die praktisch als Beweis für die Wirksamkeit der Homöopathie gelten können, außerdem beschreibt sie die Geschichte und Entwicklung der Homöopathie und liefert eine Reihe beeindruckender Fallbeispiele. Ganz sicher wird auch dieses Buch nicht die letzten Einwände der Skeptiker beseitigen, es regt aber dazu an, sich dem Thema aufgeschlossener zu nähern, als es normalerweise von Seiten der Homöopathie-Gegner der Fall ist.

Irene Schlingensiepen / Mark-Alexander Brysch:
Homöopathie für Skeptiker.
O. W. Barth, 192 Seiten, 16,99 €.


„Kindertotenlied“
von Bernard Minier

Die Menschen im Süden Frankreichs leiden unter einem besonders heißen und schwülen Gewittersommer, als ein brutaler Mord geschieht. Eine Professorin der Elite-Universität Marsac liegt ertrunken und grausam gefesselt in der Badewanne. In ihrem Rachen steckt eine Taschenlampe, ohrenbetäubende Musik schallt durch die Nacht: die Kindertotenlieder von Gustav Mahler. Kommissar Martin Servaz wird von seiner Jugendliebe nach Marsac gerufen, da deren Sohn unter Mordverdacht steht. Der Kommissar kennt den Ort, er ist hier früher zur Schule gegangen, so wie seine Tochter jetzt. Servaz ist schnell von der Unschuld des Jungen überzeugt, obwohl der im Garten des Opfers vorgefunden wurde und sich nicht erinnern kann, was er zur Tatzeit gemacht hat. Servaz hat dagegen von Anfang an einen einen beklemmenden Verdacht. Gustav Mahler ist der Lieblingskomponist des hochintelligenten und seit Monaten flüchtigen Serienmörders Julian Hirtmann, mit dem er schon früher zu tun hatte. Hirtmann, ehemaliger Staatsanwalt, ist vor kurzem aus einer bestens gesicherten Anstalt für Psychopathen entkommen. Die Ermittlungen führen den Kommissar auf eine Reise in die eigene Vergangenheit. Als er tatsächlich eine Email von Hirtmann bekommt, weiß er, dass nicht nur sein Leben in Gefahr ist, sondern auch das seiner Tochter.

Bernard Minier: Kindertotenlied.
Droemer, 656 Seiten, 19.99 €.


„Knast oder Kühlfach“
von Jutta Profijt

Dies ist nun der fünfte „Kühlfach“-Krimi von Jutta Profijt, und wieder ist die Story witzig, spannend und die Lösung bis zum Schluss kaum zu erahnen. Und wie in den vorhergehenden Fällen wird auch dieser von dem seltsamen Duo Dr. Martin Gänsewein und seinem unsichtbaren Begleiter, dem Geist des ehemaligen Autoknackers Pascha gelöst. Martin allerdings trägt diesmal nur wenig zur Aufklärung der Ereignisse bei, denn der werdende Vater ist vollauf beschäftigt mit Geburtsvorbereitungskursen, Kreißsaal-Besichtigungen, Baby-Ausstattungskatalogen und allem voran natürlich mit der Namenssuche. Dabei wäre sein Engemenment durchaus angebracht – es ist sein Freund Gregor, der unter Mordverdacht steht. Der soll eine Journalistin umgebracht haben und schweigt zu den Vorwürfen. So bleibt die Angelegenheit vor allem an Pascha hängen, der auch gleich zu ermitteln beginnt und schnell auf eine heiße Spur stößt. Die Ermordete hatte wegen einer Reihe von Todesfällen in einer Seniorenresidenz recherchiert, die in ihrer Gesamtheit reichlich mysteriös erscheinen. Doch bei dieser einen heißen Spur wird es nicht lange bleiben ...

Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach.
DTV, 336 Seiten, 9,95 €.


„Küstenmorde“
von Nina Ohlandt

In einer stürmischen Herbstnacht wird auf der Nordseeinsel Amrum ein alter Mann ermordet aufgefunden. Er hängt kopfüber am sogenannten Quermarkenfeuer, einem kleinen Inselleuchtturm. Kurz darauf findet man auch seine brutal ermordete Frau – ihre Leiche wurde am Boden festgenagelt. Hauptkommissar John Benthien von der Kriminalpolizei Flensburg reist an, um mit den Ermittlungen zu beginnen. Er hatte in seiner Laufbahn schon mit einigen schweren Fällen zu tun, doch dieser ist in seiner Grausamkeit mit keinem vergleichbar. Die Abgeschiedenheit der Insel und der undurchschaubare Fall kommen dem Komissar allerdings gerade recht, denn er muss sich von einer Trennung erholen, die gerade erst stattgefunden hat. Eine Weile lang gibt es nicht den geringsten Hinweis auf den Täter, doch dann stoßen Benthien und seine Mitarbeiter auf zwei weit zurückliegende Ereignisse die möglicherweise mit dem Verbrechen in Verbindung stehen. Auch wenn Ohlandts Roman reichlich dramatisch beginnt, überwiegt hier nicht die Schilderungen des Brutalen, sondern der gelungene Spannungsaufbau, der den Leser bis zum Schluss gefangen hält.

Nina Ohlandt: Küstenmorde.
Bastei-Lübbe, 512 Seiten, 8,99 €.


„Mordseekrabben“
von Krischan Koch

Dorfpolizist Thies Detlefsen, der nach „Rote Grütze mit Schuss“ hier seinen zweiten Auftritt hat, macht Urlaub mit der Familie. Gemeinsam mit seiner Frau Heike und den beiden Zwillingstöchtern gehts nach Amrum, um endlich einmal richtig auszuspannen. Doch mit der beschaulichen Urlaubsidylle wird es diesmal nichts – gleich bei Ankunft in der Wellness-Pension entdecken die Zwillinge einen Toten in ihrem Zimmer. Der jedoch verschwindet bald darauf spurlos, um im Laufe der Geschichte an den verschiedensten Orten wieder aufzutauchen. Spätestens als es einen weiteren Toten gibt, ist allen klar, dass Detlefsen ermitteln wird. Gemeinsam mit Kommissarin Nicole Stappenbek aus Kiel macht er sich auf die Suche nach den Hintergründen. Schnell stellt sich heraus, dass selbst auf dem kleinen, ruhigen Nordsee-Eiland allerlei dunkle Machenschaften walten. Es ist weniger die Frage nach dem Täter, die den Leser beschäftigt, in erster Linie amüsiert er sich über diverse schräge Gestalten, die alle ihr eigenes Süppchen kochen, darunter kauzige Insulaner, Baulöwen, ein Freizeitschamane und sogar ein kleiner Mafiosi, den es auf die Insel verschlagen hat. Und dann beginnen, sehr zum Leidwesen ihrer Eltern, auch noch die Zwillinge zu ermitteln. Witzig geschriebener Krimi mit viel trockenem nordischen Humor.

Krischan Koch: Mordseekrabben.
DTV, 272 Seiten, 7,00 €.


„Noah“
von Sebastian Fitzek

Sie nennen ihn Noah. Ob er wirklich so heißt, weiß niemand, auch nicht er selbst. Die Obdachlosen, mit denen er umherzieht, haben ihm diesen Namen gegeben, weil der tätowiert auf der Innenseite seiner Handfläche steht. Noah hat keine Ahnung, wer er ist und wo er herkommt. Er kann sich nicht erinnern, wie er nach Berlin kam, und seit wann er hier auf der Straße lebt. Eines Morgens wachte er an einem stillgelegten U-Bahn-Gleis auf mit einer Schusswunde an der Schulter. Unterstützt durch seinen Freund Oscar ist er schon seit einer ganzen Weile auf der Suche nach seiner Vergangenheit. Eines Tages stößt Noah in einer ältere Zeitung auf ein Bild, das ihm ungewöhnlich vertraut vorkommt. Der Maler des Bildes wird von der New York News gesucht, und auf den Betreffenden wartet eine hohe Belohnung. Noah meldet sich bei der Zeitung und obwohl die Aktion längst abgelaufen ist, ist Celine Henderson, die die Angelegenheit bearbeitet, von seiner Geschichte fasziniert. Noah scheint auf der Suche nach seiner Identität voranzukommen, doch offensichtlich will ihn jemand um jeden Preis davon abhalten, denn mehrmals kommt es zu Angriffen gegen ihn. Dass Noah mit seiner Suche nach sich selbst das Leben aller Menschen auf dem Planeten gefährdet, kann er nicht ahnen.

Sebastian Fitzek: Noah.
Bastei-Lübbe, 560 Seiten, 19,90 €.


„Ostseesühne“
von Eva Almstädt

Dies ist der neunte Krimi in der erfolgreichen Reihe um die Kriminalkommissarin Pia Korittki. Diesmal wird die Lübecker Ermittlerin wegen einer Leiche in einem Feuerlöschteich gerufen, und der Fall entpuppt sich schnell als reichlich verworren. Auf dem abgelegenen Röperhof an der Ostsee lebt die Familie Fuhrmann, die nicht gerade den Kontakt zur Nachbarschaft pflegt. Ihr regelmäßiger Besucher ist Postbote Benjamin Bredow, der seine Tour mit dem Rad abklappert. Als Bredow eines Tages niemanden auf dem Hof antrifft, stößt er auf die besagte Leiche, die sich bereits im Zustand fortgeschrittener Verwesung befindet. Von den Bewohnern des Hofes, Armin und Elsa Fuhrmann und ihrem geistig zurückgebliebenen Sohn Thilo fehlt jede Spur. Pia Korittki und ihr Kollege Heinz Broders beginnen mit der Befragung der Bewohner des nahegelegenen Dorfes und stoßen schon bald auf ein altes Gerücht: auf dem Röperhof soll vor langer Zeit ein junges Mädchen gefangen gehalten worden sein. Da der Fall nie untersucht wurde, weiß niemand, wer das Mädchen gewesen sein könnte und was mit ihm geschah. Die Rechtsmedizin findet heraus, dass es sich bei dem Toten um den Lehrer Ulf Nielsen handelt, der Thilo Fuhrmann früher unterrichtet hatte und ihn schließlich zurückstufte. Doch kaum wird Rache als mögliches Motiv in Betracht gezogen, werden zwei junge Mädchen ermordet aufgefunden. Als wenn der Fall nicht verwirrend genug wäre, kommt es auch noch zu allerlei Turbulenzen im Leben der Kommissarin.

Eva Almstädt: Ostseesühne.
Bastei-Lübbe, 368 Seiten, 8,99 €.


„Passagier 23“
von Sebastian Fitzek

Fünf Jahre ist es her, als Polizei-Psychologe Martin Schwartz seine Frau Nadja und ihren gemeinsamen Sohn Timmy verloren hat. Niemand konnte ihm sagen, was genau geschehen war, doch auf einer Kreuzfahrt auf der „Sultan of the Seas“ soll Nadja sich selbst und Timmy durch einen Sprung ins Meer getötet haben. Schwartz war damals als verdeckter Ermittler an der Aufklärung eines Verbrechens beteiligt. Seitdem ist er ein gebrochener Mann und übernimmt mit Vorliebe Fälle, die ihn das Leben kosten können. Er konnte nie glauben, dass seine Frau Selbstmord begangen hat, und als eine ältere Dame Kontakt zu ihm aufnimmt, um ihm Details zu dem Vorfall mitzuteilen, kehrt Schwartz auf das Kreuzfahrtschiff zurück. Die Rentnerin Gerlinde Dobkowitz, die dort Dauergast ist, berichtet ihm, dass vor kurzem ein Mädchen aufgetaucht sei, das ebenfalls von Bord verschwunden war. Und dieses Mädchen hatte den Teddy von Timmy bei sich. Schwartz erfährt, dass es in der Vergangenheit eine ganze Reihe verschwundener Passagiere auf diesem Schiff gegeben hat; es wird immer unwahrscheinlicher, dass es sich hier ausschließlich im Selbstmorde handeln kann. Doch kaum beginnt Schwartz, Nachforschungen anzustellen, wird die Sache noch verwirrender.

Sebastian Fitzek: Passagier 23.
Droemer, 432 Seiten, 19,99 €.


„Rabenschwestern“
von Gabi Kreslehner

Die bekannte Fotografin Hanna Umlauf wird von ihrem Mann als vermisst gemeldet. Kurz nachdem Kommissarin Franza Oberwieser und ihr Team mit den Ermittlungen beginnen, findet man Gertrud Rabinsky, die beliebte Besitzerin des Töpferladens im Ort, brutal ermordet auf. Schon bald wird klar, dass die beiden Fälle wahrscheinlich miteinander zusammenhängen: Hanna und Gertrud waren Adoptivschwestern, und Hanna wird vom möglichen Opfer zur Tatverdächtigen. Hanna war damals in Gertruds Familie aufgenommen worden, und so sehr sich die beiden Mädchen anfänglich liebten, so sehr wurden sie in ihrer Jugend zu Rivalinnen. Hanna hatte sich lange Zeit zurückgezogen und jeden Kontakt mit der Familie vermieden. Doch in der gibt es noch mehr Verwicklungen, und es tauchen weitere Geheimnisse auf, über die lange Zeit geschwiegen wurde. Nach und nach gerät fast jedes Familienmitglied in Verdacht, da es es viele mögliche Motive für den Mord gibt. Der Fall nimmt immer neue Wendungen, und die Kommissarin ist reichlich gefordert. Nicht zuletzt auch, weil sie frisch verliebt ist in den jüngeren Schauspieler Port.

Gabi Kreslehner: Rabenschwestern.
List, 416 Seiten, 9,99 €.


„Reiner Wein“
von Martin Walker

Bruno, der „Chef de Police“ in dem idyllischen Städtchen Saint-Denis im Périgord, hat sich privat ein bisschen was vorgenommen. Das Haus soll weiter ausgebaut werden, Solarzellen müssen aufs Dach, doch allem voran will er Zeit für seinen neuen Begleiter aufbringen: Ein Basset namens Balzac, der noch nicht richtig erzogen ist. Es ist Feriensaison, und dass man wegen des ein oder anderen Einbruchs gerufen wird, muss man da schon einplanen. Nur in diesem Jahr scheint es eine regelrechte Serie zu geben – einige Ferienhäuser wurden bereits aufgebrochen, Wertgegenstände gestohlen. Der nächste Einbruch trifft den ehemaligen Geheimdienstler Crimson, der all seinen Besitz schriftlich aufgelistet hatte. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Auch das Haus von Francis Fullerton wurde aufgebrochen, doch hier ging es nicht um einen einfachen Diebstahl – der Antiquitätenhändler ist brutal ermordet worden. Bei ihm findet man eine Tausend-Franc-Note – eine, wie sie Bruno noch nie zuvor gesehen hat. Es handelt sich um eine Banknote aus der Vichy-Zeit, und im Haus werden noch sehr viel mehr davon entdeckt. Man geht davon aus, dass es sich um einen Teil der Beute handet, die aus einem spektakulären Zugüberfall französischer Widerstandskämpfer stammt – Geld, das heute kaum noch einen Wert hat. Dennoch wird von verschiedene Seite immer noch nach der Beute gesucht. Bruno wendet sich an eine befreundete Historikerin, um mehr über die Hintergründe zu erfahren. Als deren Nachforschungen erste Ergebnisse zutage bringen, wird auch bei ihr eingebrochen.

Martin Walker: Reiner Wein.
Diogenes, 432 Seiten, 22,90 €.


„Roggen und Schwarzbrot –
Anbauen, mahlen, backen, genießen“
von Rita Kichlerm und Helmut Reiner

Vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Roggen das Hauptgetreide in Europa. Nach und nach wurde er vom Weizen verdrängt, da dieser stärker ausgemahlen werden kann und vielfältigere Backeigenschaften hat. Während Weizenmehl auf sehr verschiedene Weise verbacken wird, lässt sich Roggenmehl fast nur durch Sauerteig zu Brot verarbeiten. Momentan erlebt der Roggen eine kleine Renaissance, was zum Teil daran liegt, dass immer mehr Menschen unter einer Weizenallergie leiden. In Österreich hat sich ein funktionierendes Netzwerk von Anbauern, Müllern und Bäckern erhalten, die seit Generationen bewährte Techniken nutzen und weitergeben und daran interessiert sind, die Qualität dieses Grundnahrungsmittels zu bewahren. Dieses Buch rund um den Roggen beschreibt die Entwicklung der Kulturpflanze von der Steinzeit bis heute. Es befasst sich mit den verschiedenen Sorten, dem Anbau, der Pflanze selbst und deren Verarbeitung. Ein Schwerpunkt sind die landwirtschaftlich und kulturellen Aspekte des Roggenanbaus in Österreich. Dort finden traditionelle Backverfahren immer mehr Verbreitung, uralte Steinbacköfen werden wieder in Betrieb genommen, auch Roggenbier wird im Alpenland gebraut und sogar Whisky destilliert. Und natürlich enthält der gelungene Bildband auch einen Rezeptteil, nicht nur mit Brotrezepten.

Rita Kichlerm / Helmut Reiner: Roggen und Schwarzbrot –
Anbauen, mahlen, backen, genießen.
Verlag Anton Pustet, 192 Seiten, 25,00 €.


„Sieben letzte Worte“
von Franz Zeller

Der sechste Fall für Bruno, „Chef de Police“

Nach „Herzlos“ und „Blutsbande“ ist dies der dritte Krimi um das Ermittlertrio Moll, Oberhollenzer und Pelegrini. Auf den Salzburger Festspielen soll die umstrittene Inszenierung des Haydn-Oratoriums „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ aufgeführt werden. Als kurz vor dem Beginn der Festspiele blutrotes Wasser die Petersmühle hinabfließt, hält man dies für eine ungewöhnliche Werbeaktion für die Aufführung. Doch kurz darauf wird eine im Mühlrad rotierende Leiche gefunden – es handelt sich um die junge Mira Krainer, die die Hauptrolle in dem Stück spielen sollte. Die gutaussehende Mira schien überall beliebt zu sein, war umgänglich und sozial engagiert. Doch schon bald entdecken die Ermittler die Schattenseiten in Miras Leben. Nacktbilder tauchen auf, auf denen sie mit dem Rockstar Jim Loft zu sehen ist. Auch mit dem Regisseur des Stücks hatte sie eine Beziehung, zumindest ließ sich sich auf seine speziellen Obsessionen ein. Der Kreis der Tatverdächtigen wird immer größer, einer von ihnen verschwindet spurlos. Was es wirklich mit dem Mord an der jungen Dartstellerin auif sich hat, bleibt bis zum Schluss rätselhaft.

Franz Zeller: Sieben letzte Worte.
Knaur, 288 Seiten, 8,99 €.


„Siebenschön“
von Judith Winter

Christina Höffgen in Frankfurt bekommt einen mysteriösen Brief mit einer unverständlichen Botschaft zugestellt. Allerdings enthält der Brief eine Adresse – Fordstraße 237 – und die Aufforderung, sich zu beeilen. Es soll um eine Jennifer gehen. Christina bittet ihren Mann, gemeinsam mit ihr zu der angegebenen Adresse zu fahren, weil ihr die Sache keine Ruhe lässt. Doch was das Ehepaar dann entdeckt, ist weitaus erschreckender als alles, was es erwartet hatte – es stößt auf die grausam zugerichtete Leiche einer jungen Frau, die auch noch mit eigenartigen Beigaben versehen wurde: einer toten Katze und einigen Pflanzenteilen. Die beiden Kommissarinnen Emilia Capelli und Mai Zhou von der Zentralen Kriminaldirektion Frankfurt am Main werden gemeinsam auf den Fall angesetzt. Capelli und Zhou müssen zum erstenmal zusammenarbeiten und kommen anfangs gar nicht miteinander klar. Doch es bleibt ihnen nichts anderes übrig als sich aufeinander abzustimmen – anders werden sie kaum eine Chance haben, mit ihren Ermittlungen weiterzukommen. Nach und nach tauchen weitere grausam inszenierte Leichen auf, alle Opfer hatten eine Verbindung zu Psychiater Sander Westen, der natürlich in Verdacht gerät, der Täter zu sein. Doch lange lässt sich diese Theorie nicht halten, und der Mörder hat sein Gesamtwerk offensichtlich noch nicht vollendet.

Judith Winter: Siebenschön.
DTV, 432 Seiten, 9,95 €.


„So finster, so kalt“
von Diana Menschig

Die erfolgreiche Hamburger Rechtsanwältin Merle Hänssler leidet seit Tagen unter Alpträumen, in denen sie von einem Wolf verfolgt wird. Wahrscheinlich ist sie nur überarbeitet, vielleicht hat dies auch mit ihrem Freund zu tun. Bald darauf erfährt sie, dass ihre Oma Mago mit 90 Jahren vertorben ist. In derem kleinen, einsam gelegenen Häuschen im Schwarzwald hatte Merle einen einen großen Teil ihrer Kindheit verbracht. Nun reist sie in ihre ehemalige Heimat, um sich um die Beerdigung und den Nachlass zu kümmern. Sie erinnert sich an viele schöne Stunden von früher und kann auch endlich wieder in Ruhe durchschlafen. Doch dann stößt sie in den Unterlagen der Großmutter auf ein uraltes Dokument, das von einem Johannes stammt, der Ende des 16. Jahrhunderts im Haus lebte und anscheinend besessen war. Merle versteht nicht alles, doch da es sich bei Johannes offenbar um einen ihrer Vorfahren handelt, bittet sie den Freiburger Germanisten Jakob Wolf um Hilfe. Im Dorf verschwinden derweil Kinder auf mysteriöse Weise und auch im Häuschen der Oma, die eine begnadeten Lebkuchenbäckerin war, kommt es zu undurchschaubaren Ereignissen. Merle ist sich bald nicht mehr sicher, was wirklich geschieht und was sie sich vielleicht nur einbildet.

Diana Menschig: So finster, so kalt.
Knaur. 384 Seiten, 8,99 €.


„Tödlicher Steilhang“
von Paul Grote

Mit 40 Jahren steht Georg Hellberger mitten im größten Umbruch seines Lebens. Getrennt von Frau und Kindern, seinen Job an den Nagel gehängt, sucht er Rückzug und Inspiration auf einem Weingut. Er wechselt von Hannover an die Mosel, lässt seinen Geschäftsführer-Posten in einer Sicherheitsfirma hinter sich und begibt sich in ein Praktikum beim Winzer Stefan Sauter. Ein ganzes Sabbatjahr will Hellberger einlegen, um sich darüber klar zu werden, was schief gelaufen ist und wie es weitergehen soll. In der ländlichen Idylle wartet jedoch mehr Aufregung auf ihn als er sich das hätte träumen lassen. Sein Gastgeber muss kurzfristig andere Aufgaben wahrnehmen und als gelernter Betriebswirt soll Hellberger zusammen mit Sauters Assistentin das Büro übernehmen. Ganz aus mit der Ruhe ist es, als kurz nacheinander zwei Winzer zu Tode kommen. Auch wenn alles zunächst nach zwei voneinander unabhängigen Unfällen aussieht, gerät Hellbergers Gastgeber unter Verdacht. Als Sicherheitsfachmann lässt ihm die Sache keine Ruhe – Hellberger beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Wieso sollte ein Winzer von einem Berg stürzen, der ihm seit Jahrzehnten vertraut ist? Und kann es Zufall sein, dass ausgerechnet der Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen den Bau des Hochmosel-Übergangs als zweiter zu Tode kommt?

Paul Grote: Tödlicher Steilhang.
DTV, 416 Seiten, 9,95 €.


„Tödliches Schweigen“
von Tove Alsterdal

Thore Palo, Polizist im Ruhestand, wird gebeten, auf einem abgelegenen Hof im nordschwedischen Torne-Tal nach dem Rechten zu sehen. Lars-Erkki Svanberg wird von seinen Nachbarn vermisst, die ihn seit Tagen nicht gesehen haben. Svanberg war einst als bester Skilangläufer des Nordens bekannt und lebte schon lange zurückgezogen auf seinem Hof. In eisiger Kälte macht sich Thore auf und findet den kauzigen Einzelgänger brutal ermordet vor, erschlagen mit einer Axt. Da die Polizei keine Anhaltspunkte zum Täter findet, beginnt Thore mit eigenen Nachforschungen, schließlich kennt er die Gegend und ihre Bewohner aus seiner früheren Dienstzeit. Das Vermögen des ehemaligen Sportlers könnte ein Motiv sein ... Zur gleichen Zeit kommt die Journalistin Katrine Hedstrand aus London ins Torne-Tal angereist, um ihre Mutter zu besuchen. Katrine muss feststellen, dass ihre Mutter an fortgeschrittener Demenz erkrankt ist, doch noch mehr überrascht sie etwas ganz anderes: in den Unterlagen stößt sie auf ein Kaufangebot eines Maklers, dessen Höhe den Wert des Hauses um ein Vielfaches übersteigt. Der Interessent selbst möchte annonym bleiben. Die Mutter muss noch ein Grundstück in ihrem Heimatdorf nahe der Grenze zu Finnland besessen haben. Katrine beschließt, der Sache nachzugehen und stößt schon bald auf Ereignisse aus dem Leben ihres Großvater, von denen man ihr nie etwas erzählt hatte. Der hatte ihre schwangere Großmutter seinerzeit verlassen und war als überzeugter Kommunist in die Sowjetunion auswandert. Anschließend hatte nie wieder jemand von ihm gehört. Katrine reist bis nach St. Petersburg, um Licht in die Familiengeschichte zu bringen. Währendessen ereignet sich im Dorf ein weiterer Mord.

Tove Alsterdal: Tödliches Schweigen
Lübbe, 464 Seiten, 14,99 €.


„Totensonntag“
von Andreas Föhr

Im fünften Band um Kommissar Clemens Wallner und Polizeiobermeister Leo Kreuthner bereitet letzterer alles für das jährliche ‚Austrinken‘ vor, einem Besäufnis, das zum Saisonende in einer Berghütte am Tegernsee stattfindet. Kreuthner hat auch Wallner, der gerade zum Hauptkommissar befördert wurde, und die Staatsanwältin Claudia Lukas dazu eingeladen. Als Kreuthner ausgerechnet an dem Abends überraschend für einen erkrankten Kollegen einspringen muss, hat er einen bösen Verdacht, der sich durch einen kurzen Anruf auf der Hütte auch sofort bestätigt: der betreffende Kollege ist bereits kräftig am mitfeiern. Kreuthner, der die Dienstvorschriften nicht immer ganz buchstabengetreu auslegt, begibt sich umgehend auf den Weg zur Berghütte und nimmt sogar noch jemanden mit: den inhaftierten Nissl, den er schließlich nicht allein auf dem Revier lassen kann. Kaum bei den Feiernden angekommen, geraten Wallner und Kreuthner in eine Geiselnahme, die sie schließlich mit einer alten Geschichte konfrontiert, die sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs abspielte. Ein Kriegsverbrechen im Mai 1945 scheint mit mit einer mysteriösen Leiche zusammenzuhängen, die 1992 in einem Glassarg in der Kapelle St. Veit gefunden wurde.

Andreas Föhr: Totensonntag.
Knaur, 400 Seiten, 14,99 €.


„Und nachts die Angst“
von Carla Norton

Die inzwischen 22-jährige Reeve LeClaire wurde mit zwölf Jahren entführt und für lange Zeit von einem Triebtäter gefangen gehalten und missbraucht. Erst nach Jahren konnte sie fliehen und ihr Peiniger gefasst werden. Mit Hilfe einer Langzeittherapie hat sie ihre traumatischen Erfahrungen bearbeitet und es geht ihr inzwischen besser. Dennoch hat die damalige Zeit tiefe Spuren in ihrer Seele hinterlassen. Reeve ist nie eine feste Bindung eingegangen, fürchtet sich vor Menschenmengen, engen Räumen und lauten Geräuschen. Einmal in der Woche hat sie noch einen Termin bei ihrem Psychologen Dr. Ezra Lerner. Als Dr. Lerner mit einem weiteren Entführungsopfer zu tun hat, bittet er Reeve, zu einem Treffen mit der kleinen Tilly und ihren Eltern mitzukommen. Tilly ist eines von drei Mädchen, die vor Jahren entführt wurden, und nur sie konnte sich durch einen Zufall befreien. Reeve freundet sich mit der schwer verstörten Tilly an und erfährt von ihr ein Geheimnis, das sie dazu bewegt, selbst nach dem Entführer zu suchen. Dass der Täter längst jeden ihrer Schritte beobachtet, kann sie nicht ahnen. Die ohnehin schon gut aufgebaute Story wird besonders spannend dadurch, dass die Erzählperspektive ständig zwischen der Sicht des Opfers und der des Täters wechselt.

Carla Norton: Und nachts die Angst.
Knaur, 400 Seiten, 8,99 €.


„Unschuldslamm“
von Judith Arendt

Ruth Holländer ist Ende 40 und mit ihrer Lebenssituation weitgehend zufrieden. Die Scheidung hat sie hinter sich, ihr Sohn ist aus dem Haus und die 16-jährige Tochter ist mit dem schlimmsten Teil der Pubertät durch. Vor einigen Jahren hatte sich Ruth einen Traum erfüllt und ihr eigenes Bistro, das „La Paysanne“, eröffnet. Dort arbeitet sie mit einer guten Freundin zusammen und hat auch gut zu tun. Deshalb passt es ihr gar nicht, dass sie eines Tages einen Bescheid vom Berliner Landgericht erhält: Sie wird zur Schöffin berufen. Und gleich in der ersten Verhandlung muss sie in einem Mordfall beisitzen. Die 16-jährige Kurdin Derya wurde ermordet von ihrem Bruder Aras aufgefunden. Obwohl der über ihren Tod zutiefst verstört ist, hält man ihn für den Mörder. Man geht von einem Ehrenmord aus, da Derya im Gegensatz zu ihrer Familie einen stark westlichen Lebensstil pflegte und ihr Vater ihr vor kurzem mitgeteilt hat, dass er sie verheiraten wolle. Ruth ist sofort von dem Fall gefangen genommen. Das ermordete Mädchen war auf der gleiche Schule wie ihre Tochter und auch im gleichen Alter. Und Ruth zweifelt an der Schuld des Angeklagten. Sie beginnt, auf eigene Faust im Umfeld der kurdischen Familie zu ermitteln und schon bald muss sie feststellen, dass sie im gefährlichsten Abenteuer ihres Lebens gelandet ist.

Judith Arendt: Unschuldslamm.
Ullstein, 320 Seiten, 9,99 €.


„Vegane Superfoods“
von Surdham Göb

Surdham Göb hat 26 Jahre Koch-Erfahrung und war unter anderem in veganen Restaurants in San Francisco, New York und Hawaii tätig. Heute hält er Vorträge über vegane Ernährung und gibt Kochkurse in München. Sein erstes Buch „Meine vegane Küche“ hatte er den Grundlagen veganer Ernährung gewidmet, in „Vegane Superfoods“ befasst er sich nun speziell mit denjenigen pflanzlichen Nahrungsmitteln, die über einen besonders hohen und konzentrierten Anteil an wertvollen Nährstoffen verfügen. Dazu gehören zum Beispiel Rohkakao, Lucuma, Maca, Gojibeeren, Carob, rote Bete und Papaya. 70 ästhetisch bebilderte Rezepte bieten eine Fülle von Anregungen für Frühstück, Zwischenmalzeit und Hauptgerichte, für Suppen, Drinks, Snacks für unterwegs und Nachspeisen. Ob Papaya-Salat mit Bananenschaum, Frühlingsrollen mit Erdnus-Sauce, Thai-Curry mit Jasminreis und Tofu oder Mango-Kokos-Kuchen – alle Rezepte sind relativ einfach nachzukochen, die Zutaten problemlos erhältlich.

Surdham Göb: Vegane Superfoods.
AT-Verlag, 192 Seiten, 19,90 €.


„Wenn der Mond stirbt“
von Richard Crompton

In Nairobi wird eine Frau grausam ermordet aufgefunden, ihre Leiche treibt in einem Abwasserkanal. Die Aufklärung einer solchen Tat wird in der kenianischen Hauptstadt ohnehin als zweitrangig angesehen, doch nun stehen auch noch Präsidentschaftswahlen an und man bereitet sich auf Unruhen vor. Die junge Frau war eine Massai, und so liegt es nahe, Sergeant Mollel in den Dienst zurückzurufen, der ebenfalls aus diesem Stamm kommt. Mollel hatte seinen Dienst vor einer Weile quittieren müssen, seitdem fristet er sein Dasein als Verkehrspolizist. Doch mit Herz und Seele ist er immer noch Ermittler, auch wenn er sich gelegentlich über manche Vorschrift hinwegsetzt. Er findet heraus, dass Lucy, die Ermordete, als Prostituierte gearbeitet hat. Und obwohl Beschneidungen in Kenia inzwischen verboten sind, waren ihre Genitalien schwer verstümmelt. Ob von ihrem Mörder oder schon vorher, kann zunächst nicht geklärt werden. Je weiter Mollel recherchiert, auf desto mehr mögliche Tatmotive stößt er. Fast jeder, dem er nachspürt, hat etwas zu verbergen, Gewalt und Korruption sind in dem afrikanischen Staat an der Tagesordnung. Neben der spannenden Story erhält der Leser Eindrücke über das Leben in Kenia, er erfährt von den Spannungen zwischen den Angehörigen verschiedener Stämme und dem politischen Chaos im Land.

Richard Crompton: Wenn der Mond stirbt.
DRV, 384 Seiten, 14,90 €.


„Wie im Wald“
von Elisabeth Klar

Dies ist der erste Roman von Elisabeth Klar, einer jungen Wiener Autorin, die für ihre Erzählungen bereits mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet wurde. „Wie im Wald“ ist eine fesselnd geschriebene Geschichte um eine Familie, die ein dunkles Geheimnis birgt. In einem Haus am Waldrand lebt Karin mit ihrem Freund Alexander. Karin ist hier aufgewachsen, damals lebten hier noch ihre Eltern August und Inge, ihre Geschwister Margarethe und Peter und ihre Pflegeschwester Lisa. Zu Lisa hatte sie immer eine besondere Verbindung, oft sind die beiden Mädchen zusammen in den Wald gegangen, sind Hand in Hand zum Grund des Sees getaucht und haben sich in engen Wurzelhöhlen versteckt. Doch eines Tages kam es zum Bruch – nach dem Tod von August wurde das Pflegekind verstoßen. Als Karin Lisa Jahre später zurück in das Haus holt, hofft sie, an alte Zeiten anknüpfen zu können. Stattdessen verstricken sich die beiden in ein verstörendes Spiel zwischen Anziehung und Abstoßung, das den Leser bis zum Schluss in seinen Bann schlägt. Immer wieder scheint sich der Schleier des Geheimnisses zu lüften, was sich jedesmal als falsche Fährte erweist.

Elisabeth Klar: Wie im Wald.
Residenz, 272 Seiten, 22,90 €.


„Wildes Brot“
von Katharina Bondenstein

Stockbrot kennt wohl jeder, der schon mal eine Feier mit Lagerfeuer für Kinder organisiert hat. Dass es darüber hinaus unzählige weitere Möglichkeiten der Brotzubereitung im Freien gibt, ist kaum bekannt. Katharina Bodenstein's Brotbackbuch befasst sich ausschließlich mit diesem Thema, dem Backen in der Natur, am Grill, am Lagerfeuer. Sie stellt fünf Grundteige vor, die sich vielfältig variieren lassen, zum Beispiel mit Kräutern, Nüssen, Oliven oder Käse. Die mehr als 120 Rezepte benötigen jeweils nur wenige Zutaten und gelingen selbst denen, die in der Kunst des Backens ungeübt sind. Ob hauchdünne Fladen, Brötchen oder knusprige Brote – nur mit Mehl, Hefe, Salz und Wasser lässt sich eine erstaunliche Fülle an Backwerk herstellen. Besonders spannend wird es, wenn es um die Möglichkeiten geht, die sich uns im Freien dazu bieten. Wende-Pizza, Pfannenbrot und Focaccia gelingen in der Glut des Lagerfeuers, auf dem Grill oder in einem selbstgebauten Lehmofen, auf einem Gitterdraht, im Topf und selbst auf einem Spaten als Backblech-Ersatz. So wird das gemeinsame Backen am Feuer zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Katharina Bodenstein: Wildes Brot.
AT-Verlag, 160 Seiten, 19,90 €.

Geändert:  06 / 2020