„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2015



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„40 Tage Nacht“
von Olivier Truc

Lappland nördlich des Polarkreises: In der norwegischen Gemeinde Kautokeino warten die Bewohner auf ein ganz besonderes Ereignis. Nach 40 Tagen durchgehender Dunkelheit wird die Sonne am 10. Januar zum erstenmal wieder für eine halbe Stunde am Horizont zu sehen sein. Dass es am gleichen Tag zu weiteren spektakulären Ereignissen kommen wird, kann kurz zuvor noch niemand ahnen. Ausgerechnet am Tag der ersten Sonnenrückkehr ereignen sich gleich zwei Verbrechen: Kaum wird eine kostbare samische Trommel von einer Galerie als gestohlen gemeldet, findet man den Rentierzüchter Mattis ermordet auf. Beide Ohren wurden ihm abgeschnitten, wie es bei Rache-Aktionen der Renen üblich ist. Kommissar Klemet und seine junge Kollegin Nina arbeiten für die Rentierpolizei, die normalerweise nicht viel mehr zu tun hat, als bei den gelegentlichen länderübergreifenden Konflikten zwischen den samischen Rentierzüchtern zu ermitteln. Gerüchte tauchen auf, die besagen, dass es einen Zusammenhang geben soll zwischen der gestohlenen Trommel und dem Mord, doch von den schweigsamen Bewohnern der Gegend erhalten Klemet und Nina meist nur Andeutungen, die sie kaum zuordnen können. Nicht nur Rivalitäten unter Rentierzüchtern scheinen in dem Fall eine Rolle zu spielen, auch Bergbau-Konzernen könnten verwickelt zu sein, geht es doch um Lizenzen für den Abbau wichtiger neuer Fundstätten in der Region. Und dann gibt es noch das Rätsel um die Trommel, deren Geschichte in die 1930er Jahre zurückreicht und an politische Verwicklungen der damaligen Zeit rührt. Im Laufe der dreiwöchigen Ermittlungen verlängert sich die Tagesdauer auf annähernd fünf Stunden ...

Olivier Truc: 40 Tage Nacht.
Droemer, 496 Seiten, 19,99 €.


„Dark House“
von Thomas Kastura

Zehn Jahre ist es her, dass Professor Knowles und eine Gruppe seiner damaligen Studenten ein soziales Experiment durchgeführt haben: ein verlassenes Gebäude wurde zu einem „Dark House“ umfunktioniert – in mehreren völlig verdunkelten Räumen war für die Teilnehmen nichts mehr sichtbar, aber alles erlaubt. Vor allem sexuelle Phantasien sollten dort ausgelebt werden, um die eigenen Grenzen auszuloten. Wie sehr die Erfahrungen in der Gruppe das Leben aller Teilnehmer verändern würde, das konnte niemand ahnen. Eine der Studentinnen, die junge Hollie, nahm sich kurz danach das Leben. Nie wurde darüber gesprochen, und auch die Erfahrungen im „Dark House“ wurden nie gemeinsam aufgearbeitet. Jetzt, zehn Jahre später, lädt einer der Teilnehmer an dem Experiment alle anderen aus der Gruppe zu einem gemeinsamen Wochenende in einem Cottage an der Küste von Dorset ein, um endlich einmal über die Geschehnisse von damals zu sprechen. Jeder der ehemaligen Teilnehmer scheint in irgendeiner Weise durch die Erlebnisse im „Dark House“ verstört zu sein, und kaum ist man zusammengekommen, gibt es schon den ersten Toten. Jeder misstraut jedem und es allen ist klar, dass der Mord mit den Ereignissen in den verdunkelten Räumen zu tun haben muss. Wer hat ein Motiv und was ist damals wirklich geschehen? Während die Gruppe durch einen Sturm von der Außenwelt abgeschnitten ist, geht das Morden weiter ...

Thomas Kastura: Dark House.
Droemer, 352 Seiten, 16,99 €.


„Das Falsche in mir“
von Christa von Bernuth

Lukas Salfeld führt ein unauffälliges Leben. Der 50-Jährige arbeitet in einer gut bezahlten Position, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Von den Ereignissen in seiner Jugend und seinem zehnjährigen Gefängnis-Aufenthalt wissen seine Familie und sein Umfeld nichts. Mit 16 hatte er seiner Freundin Marion die Kehle durchgeschnitten und ihr, getrieben von seinen sexuellen Fantasien, sogar noch nach derem Tod weitere Verletzungen zugefügt. All die Jahre hatte er seine Leidenschaft im Griff, doch seine Fantasien quälten ihn weiterhin. Als eine junge Frau, die seiner damaligen Freundin sehr ähnlich sieht, brutal ermordet aufgefunden wird, ermittelt Kommissar Gronberg gegen ihn. Für den Kriminalbeamten, der schon damals für Lukas Salfeld zuständig war, sind die Parallelen nur zu offensichtlich. Lukas flieht und taucht unter. Er vermutet, dass es einen Nachahmungstäter geben muss, der die Spuren auf ihn lenken will. Doch sicher ist er sich nicht: Er kann sich nicht daran erinnern, was in der Mordnacht geschah. Schon mehrmals hatte er diese Art von Filmriss ...

Christa von Bernuth: Das Falsche in mir.
DTV, 352 Seiten, 14,80 €.


„Der Killer“
von David Baldacci

Wenn weder Polizei, „FBI“ noch das Militär in der Lage sind, jemanden aufzuhalten, der den USA schadet, kommen gelegentlich Auftragskiller zum Einsatz. Will Robie ist einer der erfolgreichsten Tätigen in diesem Bereich, bisher hat er noch kein Ziel verfehlt. Er hat schon in spektakulären Einsätzen bewiesen, dass er einen kühlen Kopf bewahren kann, und wird deshalb immer wieder gern für neue Fälle engagiert. Doch diesmal laufen die Dinge anders als geplant – dem sonst so skrupellosen Will erscheint sein aktueller Auftrag von Anfang an suspekt, er lässt sein Opfer laufen und wird damit selbst zum Gejagten, der eliminiert werden soll. Auf seiner Flucht trifft er auf die 14-jährige Julie, die ebenfalls verfolgt wird, da sie Zeugin eines Verbrechens geworden ist. Zum erstenmal muss sich Will, der bisher fast allen persönlichen Bindungen aus dem Weg gegangen ist, um jemanden kümmern. Das ungleiche Duo gerät immer wieder in lebensgefährliche Situationen, ihre Flucht ist eine rasante Abfolge unvorhergesehener Wendungen, und nach und nach kommt Will einer unvorstellbaren Verschwörung auf die Spur.

David Baldacci: Der Killer.
Bastei-Lübbe, 592 Seiten, 19,99 €.


„Der Mann mit den schönen Füßen“
von Arto Paasilinna

Fast jedes Jahr im Herbst veröffentlicht der finnische Erfolgsautor Arto Paasilinna ein neues Buch. Dieses jedoch erschien bereits 1985 und wurde erst jetzt ins Deutsche übersetzt. Wie immer erweist Paasilinna sich als Meister der skurrilen Einfälle und des schwarzen Humors. Diesmal geht es um einen Reeder, der alles erreicht hat, was er sich wünschte und vom Schicksal böse überrascht wird. Aulis Rävänder ist erfolgreich, besitzt einen eigenen Schlepper, eine schöne Wohnung in einem teuren Stadtteil Helsinkis und lebt dort zusammen mit seiner attraktiven Frau und den beiden gemeinsamen Kindern. Doch eines Tages verlangt seine Frau aus heiterem Himmel die Scheidung, weil sie einen anderen Mann kennengelernt hat. Rävänder ist am Boden zerstört und zieht sich auf eine abgelegene Insel zurück. Als er in Selbstmitleid versinkt, beschließt er, die Telefonseelsorge anzurufen. Doch er verwählt sich und hat die resolute Fußpflegerin Irene Oinonen am anderen Ende. Die ist nicht nur bereit, Rävänder zuzuhören, sondern auch willens, ihn näher kennenzulernen. Und erst damit beginnen die wirklichen Turbulenzen in Rävänder's Leben.

Arto Paasilinna: Der Mann mit den schönen Füßen.
Bastei-Lübbe, 240 Seiten, 18,99 €.


„Der Sohn“
von Jo Nesbø

Seit vielen Jahren sitzt der 30-jährige Sonny Lofthus im Hochsicherheitsgefängnis Staten in Oslo. Als Jugendlicher verlor er den Glauben an das Gute im Menschen, als er erfuhr, dass sein Vater, ein Polizeibeamter, bestechlich gewesen war. Sonny ist ein Mustergefangener, der niemandem Äger bereitet und bei allen beliebt ist. Und er scheint Verbrechen zu gestehen, mit denen er nie zu tun hatte, um im Knast mit Drogen versorgt zu werden. Bei einem Gespräch mit einem anderen Inhaftierten kommt heraus, dass Sonnys Vater weder korrupt war noch Selbstmord begangen hat, sondern ermordet wurde, um jemand anderen nicht zu enttarnen. Zum zweiten Mal bricht für Sonny eine Welt zusammen, doch diesmal beschließt er, aktiv zu werden. Er bricht aus, um Rache an seinem Vater zu nehmen, und er wird jeden umbringen, der an dem Verbrechen beteiligt war. Ausgerechnet der ehemals beste Freund seines Vaters, der Kriminalbeamte Simon Kefas, wird auf ihn angesetzt. Spannend bis zum Schluss verknüpft Jo Nesbø die Themen Korruption, Drogen- und Menschenhandel mit Fragen nach Moral und Gerechtigkeit. Am Ende gibt es niemanden mehr, der eindeutig zu den Guten oder zu den Bösen gerechnet werden kann.

Jo Nesbø: Der Sohn.
Ullstein, 528 Seiten, 22,99 €.


„Der Totenzeichner“
von Veit Etzold

Dies ist der vierte Krimi um Clara Vidalis und ihr Team vom „LKA Berlin“, und dieses Mal geht es um einen besonders grausamen Ritualmord. Der Boss einer Rocker-Bande, die sich „Deathguards“ nennt, ist bestialisch ermordet aufgefunden worden, mit geöffnetem Brustkorb und fehlendem Herzen. Dem Toten sind außerdem ungewöhnliche Zeichen in die Haut geritzt worden, die an Runen erinnern. Neben ihm liegt sein ebenfalls auf brutale Weise getöteter Kampfhund, der offensichtlich noch versucht hatte, sein Herrchen zu beschützen. Clara Vidalis, Expertin für Pathopsychologie, ist gerade erst aus ihrem Urlaub zurück und muss sich schon mit diesem schockierenden und seltsamen Fall befassen. Man geht zunächst von einer Racheaktion unter Rocker-Banden aus, doch alle Ermittlungen in dieser Richtung laufen ins Leere. Der zum Team gehörende Ermittler Martin Friedrich, genannt „McDeath“, ist vor Jahren in den USA zum Profiler ausgebildet worden und ihm kamen die eingeritzten Zeichen auf dem Körper des Toten von Anfang an vertraut vor. Bei seinen Recherchen stößt er auf einen alten Fall in Los Angeles, und schon bald stellt sich heraus, dass es dort zehn Jahre zuvor eine Serie von Morden gegeben hatte, bei denen die Leichen die gleichen eingeritzten Symbole aufwiesen. Da der Mörder, der nie gefasst wurde, auf seinem letzten Opfer die Botschaft hinterließ, seine Sache noch nicht beendet zu haben, handelt es sich im Falle des getöteten Rockers möglicherweise um den gleichen Täter. Doch dann taucht ein Ermordeter auf, der ganz offensichtlich zweimal nacheinander verstümmelt wurde.

Veit Etzold: Der Totenzeichner.
Lübbe, 432 Seiten, 9,99 €.


„Der Zodiac-Killer –
Wie ich meinen Vater suchte und eine Bestie fand“
von Gary L. Stewart

Seine Identität wurde bis heute nicht geklärt: „Zodiac-Killer“ ist das Pseudonym eines Serienmörders, der in San Francisco und der Bay Area Ende der 1960er mindestens fünf Menschen ermordete. Einige weitere überlebten seine Mordanschläge, und der Killer selbst behauptete, dass 37 Opfer auf sein Konto gingen. Der „Zodiac-Killer“ hielt regen Kontakt zur Presse, er kündigte Morde an und verfasste Briefe zusammen mit codierten Botschaften, die nie entschlüsselt werden konnten. Seiner eigenen Aussage zufolge, enthielten die Botschaften seinen richtigen Namen. Vier Kriminalfilme widmeten sich dem Thema, in einer ganzen Reihe weiterer Filme wird der „Zodiac-Killer“ am Rande erwähnt. Immer wieder behaupteten Menschen, die Identität des Killers zu kennen oder selbst der Täter zu sein, doch alle derartigen Informationen erwiesen sich bisher als unhaltbar. Dies könnte sich mit der Dokumentation von Gary L. Stewart ändern. Stewart wurde wenige Wochen nach seiner Geburt in einem Treppenhaus ausgesetzt und kurz darauf von seinen Pflegeeltern adoptiert. Erst mit fast 40 Jahren lernt er seine leibliche Mutter kennen, die sich überraschend bei ihm meldet. Er erfährt, dass er das Ergebnis einer ungewöhnlichen Affäre ist: seine Mutter war damals 14, sein Vater 27, und deren Flucht vor den Behörden lieferte monatelang Stoff für die Titelseiten der Lokalpresse. Als „Eisdielen-Affäre“ wurde die Verbindung von Stewart's Eltern landesweit bekannt. Stewart beschließt, nach seinem Vater zu forschen, und nimmt Kontakt zu dessen Familie auf. Schon bald taucht in ihm der Verdacht auf, dass der inzwischen Verstorbene der „Zodiac-Killer“ gewesen sein könnte. Seine Lebensgeschichte, die verschiedenen Aufenthalte seines Vaters, das Motiv und viele Zeugenaussagen passen nur zu gut mit dem Ablauf der Mordserie zusammen. Zehn Jahre lang recherchiert Stewart in der Familiengeschichte seines Vaters, in Polizeiarchiven und Zeitungen, befragt Zeugen und kommt zu dem Schluss, dass er der Sohn des „Zodiac-Killer“ ist. Sogar die mysteriösen Codes weiß er zu entschlüsseln und findet darin den Namen seines Vaters. Letzte Sicherheit würde eine DNS-Analyse geben, doch die wird bisher noch von den Behörden verweigert.

Gary L. Stewart: Der Zodiac-Killer –
Wie ich meinen Vater suchte und eine Bestie fand.
Lübbe, 464 Seiten, 9,99 €.


„Die Entführung der Delia Wright“
von Lyndsay Faye

Nach „Der Teufel von New York“ nun der zweite Krimi um Timothy Wilde, einem der ersten Ermittler der New Yorker Polizei in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Stadt ist überfüllt mit den Menschen, die hier angeschwemmt wurden – hunderttausenden Armen, verhungernden irischen Auswanderern, entflohenen Sklaven. Verbrechen und Korruption blühen, Gewalt ist an der Tagesordnung. Die attraktive Blumenverkäuferin Lucy Adams sucht Timothy Wilde auf, um ihn um Hilfe zu bitten – ihr kleiner Sohn Jonas und ihre Schwester Delia sind entführt worden. Lucy's Familie ist nicht rein weiß, sondern ‚gemischter‘ Abstammung. Hier im Norden sind sie zwar freie Bürger, doch Sklavenjäger bringen Farbige in ihre Gewalt, um sie in den Südstaaten zu verkaufen. Timothy ist überrascht, als er nach und nach davon erfährt, in welchem Ausmaß diese Verbrechen verübt werden. Doch mehr noch schockiert ihn die Tatsache, dass Polizisten und Politiker an dieser Praxis mitverdienen. Kaum befasst sich Timothy mit dem Fall, muss er feststellen, dass sein Leben in Gefahr ist. Kurzfristig erhält er Unterstützung von seinem Bruder Valentine, der selbst ein korrupter Beamter ist, doch auch der gerät im Laufe der Ermittlungen in große Schwierigkeiten.

Lyndsay Faye: Die Entführung der Delia Wright.
DTV, 464 Seiten, 14,90 €.


„Die Täuferin – Der Bund der Freiheit“
von Jeremiah Pearson

An der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit befindet sich die Welt im Umbruch. Die Osmanen bedrohen die Grenzen des Heiligen römischen Reiches deutscher Nationen, Kirche und Fürstentümer führen Kriege, um ihre Handelswege zu schützen. Kristina ist noch ein Kind, als ihre Eltern 1517 auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Da die sich für das Recht des Lesenlernens engagiert hatten, wurden sie von der katholischen Kirche als Ketzer verurteilt. Die Erfindung des Buchdrucks liegt noch nicht lange zurück, und bis vor kurzem war die Kenntnis des Lesen und Schreibens Privileg der Geistlichen und Gelehrten. Die Eltern Kristinas gehörten der Glaubensgemeinschaft der Täufer an, die die Menschen in die Lage versetzen wollen, die Heilige Schrift selbst zu studieren. Jahre später entschließt sich Kristina, das Werk ihrer Eltern fortzuführen. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter macht sie sich auf den Weg von Böhmen nach Mainz, um sich dort mit anderen Verfechtern ihrer Vision zu treffen. Unterwegs begegnet ihnen eine kleine Truppe von Bauernkriegern unter der Führung des Leibeigenen Lud. Die zwölf Jungen, die unter Luds Kommando stehen, sind nie zuvor im Krieg gewesen und ihr hitzköpfiger, von den Pocken entstellter Anführer ist bereit, sein Leben für sie zu riskieren. Bis nach Würzburg ziehen sie gemeinsam durch die Lande, der raue Kämpfer Lud und Kristina, die ihr Leben der Liebe und der Gewaltlosigkeit gewidmet hat.

Jeremiah Pearson: Die Täuferin – Der Bund der Freiheit.
Bastei-Lübbe, 608 Seiten, 19,99 €.


„Du bist mein Tod“
von Claire Kendal

Kurz nach der Trennung von ihrem Freund lässt sich Clarissa auf einen One-Night-Stand mit ihrem Kollegen Rafe ein. Doch während Clarissa sich kaum an die betreffende Nacht erinnern kann, meint Rafe, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Er überhäuft die Angebetete mit Geschenken und Briefen, steht ständig vor ihrer Tür, doch Clarissa will nur eins von ihm: dass er sie endlich in Ruhe lässt. Für sie hat ein Alptraum begonnen, aus dem sie nicht herauszukommen scheint. Nirgends fühlt sie sich mehr vor ihrem Verehrer sicher, denn er lauert ihr zu jeder Tageszeit auf. Alle Versuche Clarissas, sich Unterstützung zu holen scheitern – ihre Umgebung hält Rafe's Einsatz für den eines normalen Verliebten. Von einer Hotline für Stalking-Opfer erhält sie den Rat, ihren Verfolger komplett zu ignorieren, nicht einmal mehr mit ihm zu sprechen, doch das scheint Rafe nur noch agressiver zu machen. In ihrer Verzweiflung bewirbt sich Clarissa als Jury-Mitglied für einen Prozess, der an einem anderen Ort stattfinden wird. Zu ihrer Freude wird ihr Antrag angenommen und sie kann ihrer Heimatstadt sieben Wochen lang den Rücken kehren. Doch auch dort macht Rafe sie nach kurzer Zeit ausfindig. Clarissa entscheidet sich, die Verteidigung nach Vorn anzutreten und beginnt damit, Nachforschungen über Rafe anzustellen. Dabei muss sie feststellen, dass dessen letzte Freundin spurlos verschwunden ist ...

Claire Kendal: Du bist mein Tod.
List, 368 Seiten, 14,99 €.


„Eiffel über Eiffel“
von Philippe Couperie-Eiffel

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit Dominique Bouvard

Der Eiffelturm machte den Namen seines Erbauers unsterblich; dass Gustave Eiffel (* 1832; † 1923) sehr viel mehr geleistet hat als nur das berühmte Pariser Wahrzeichen zu konstruieren, ist allerdings weitgehend in Vergessenheit geraten. Bereits als junger Ingenieur erhielt Eiffel den Auftrag, in Bordeaux den Bau einer Eisenbahnbrücke zu planen und zu leiten. Das erfolgreich ausgeführte Projekt begründete seinen guten Ruf in Ingenieurskreisen und war der Auftakt zu einer ungewöhnlichen Karriere. Unter den mehr als 300 baulichen Meisterwerken des ‚Eisenzauberers‘, wie Eiffel damals genannt wurde, befinden sich Hallenkonstruktionen wie der Budapester Bahnhof, die Post von Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) und die Skelettkonstruktion der Freiheitsstatue in New York. Ab 1888 war Eiffel außerdem am Bau des Panama-Kanals beteiligt. Dieses Großprojekt jedoch markierte eine Wendung in seinem Schaffen. 1892 wurde er beschuldigt, am Finanzskandal um den Bau des Kanals mitbeteiligt gewesen zu sein. In seiner Ehre gekränkt, zog sich der Ingenieur aus dem Berufsleben zurück, um sich anschließend seinen Forschungen zu widmen. Eiffel befasste sich mit der Meteorologie und der Aerodynamik und setzte wichtige Impulse für den modernen Flugzeugbau. Philippe Coupérie-Eiffel dokumentiert das wechselhafte Leben seines Vorfahren von der Kindheit bis zum Tod. Der aufwändig gestaltete Bildband enthält zum Teil unveröffentlichtes Archivmaterial, viele historische Fotos, Dokumente und Zeichnungen. Anlässlich des 125. Jahrestages des Eiffelturms und des 100-jährigen Jubiläums des Panama-Kanals stehen diese beiden Projekte im Mittelpunkt des Werkes.

Eiffel über Eiffel: Philippe Couperie-Eiffel.
Edition Olms, 176 Seiten, 49,95 €.


„Ein Mord, der keiner sein durfte“
von Heinrich Wille

Der Fall Uwe Barschel und die Grenzen des Rechtsstaates

Am 11. Oktober 1987 wurde Uwe Barschel tot in der Badewanne eines Genfer Hotels aufgefunden, und bis heute ist die Frage ungeklärt, ob es sich um Mord oder Selbstmord gehandelt hat. Als Oberstaatsanwalt leitete Heinrich Wille in den 90er Jahren die Ermittlungen. Hier schildert er, welche Ungereimtheiten in dem Fall nie geklärt wurden, wo ganz offensichtlich vertuscht wurde und auf welchen Widerstand er bei seinen Ermittlungen von Anfang an stieß. Präzise und detailreich beschreibt er, wie Politik und Behörden gezielt versuchten, die Aufklärung des Falles zu verhindern. Die Medien scheinen auf Anweisungen aus der Politik Falschinformationen gestreut zu habe, mehrere Zeugen wurden bedroht, ein Zeuge kam, bevor er seine Aussage machen konnte, unter mysteriösen Umständen ums Leben, selbst Wille erhielt Morddrohungen. Auch die Veröffentlichung dieses Buches sollte verhindert werden und konnte erst nach richterlicher Genehmigung erfolgen. Immer noch werden Informationen zum Tode Uwe Barschels vom Verfassungsschutz als „streng geheim“ unter Verschluss gehalten.

Heinrich Wille lebt heute in Lübeck und praktiziert dort als Rechtsanwalt. Zum Fall Uwe Barschel hält er Lesungen und Vorträge.

Heinrich Wille: Ein Mord, der keiner sein durfte.
Knaur, 384 Seiten, 9,99 €.


„Grimmbart“
von Volker Klüpfel und Michael Kobr

Kluftinger's neuer Fall

Der neueste Gaudi-Krimi aus der erfolgreichen Reihe des Allgäuer Autorenduos um Kommissar Kluftinger - diesmal hat Kluftinger es mit einem Mordfall in blaublütigen Kreisen zu tun. Ausgerechnet von seinem Intimfeind Langhammer lässt er sich überreden, zu später Stunde auf Schloss Grimmbart in Bad Grönenbach nach dem Rechten zu sehen. Langhammer weiß zwar nichts Genaues zu berichten, ist aber über einen Anruf seines Freundes, des Barons von Rothenstein, sehr verunsichert. Auf dem Schloss wird Kluftinger bereits erwartet: der Baron teilt ihm mit, dass er seine Frau vermisst. Als die beiden sich auf die Suche nach der Ehefrau des Barons machen, stoßen sie zunächst auf ein fehlendes Gemälde in der Ahnengalerie der Familie. Statt seinem hängt dort ein Polaroidfoto, auf dem die Verschwundene in einem seltsamen Kostüm zu sehen ist, ein Arrangement, das dem ursprünglichen Gemälde nachempfunden ist. Gemeinsam mit dem Hausverwalter finden sie die Baronin bald darauf im Märchenzimmer - auf grausame Weise ermordet und hergerichtet wie die Person auf dem verschwundenen Bild. Als Kluftinger mit seinem Team zu ermitteln beginnt, stellt sich schnell heraus, dass die Verältnisse auf dem Schloss äußerst verwirrend sind. Kaum glaubt man, eine heiße Spur zu haben, tauchen neue Hinweise auf, die in eine andere Richtung führen. Und dann werden noch zwei weitere Tote gefunden, vergraben in der Nähe des Schlosses. Ein so kompilzierter Fall kommt Kluftinger eigentlich gar nicht recht. Sein Sohn Markus will endlich heiraten und es haben sich die Eltern und die Schwester von dessen Freundin Yumiko aus Japan angekündigt, um an der Hochzeit teilzunehmen und anschließend noch eine Woche bei den Kluftingers Urlaub zu machen.

Volker Klüpfel / Michael Kobr: Grimmbart.
Droemer, 480 Seiten, 19,99 €.


„Ich jage dich“
von Lars Kepler

Dies ist der fünfte Roman um den schwedischen Kommissar Joona Linna, verfasst vom Autorenpaar Alexandra und Alexander Ahndoril, das unter dem Pseudonym Lars Kepler veröffentlicht. In Stockholm treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der nach einem sehr speziellen Muster vorgeht: Er stellt alleinstehenden Frauen nach, die er Nachts durch das erleuchtete Fenster filmt. Kurz nachdem er seine Videos auf Youtube eingestellt hat, bringt er seine Opfer auf bestialische Weise um. Für die Polizei bedeutet dies jedesmal einen Wettlauf um Leben und Tod. Unterstützung erhält Ermittler Linna diesmal durch die hochschwangere Kommissarin Margot und seinen Freund, den Psychologen Dr. Erik Balk. Dem stark medikamentenabhängigen Balk fällt auf, dass es Parallelen zu einem früheren Fall gibt, in dem der Täter recht schnell ermittelt werden konnte. Doch als dieser Hinweis die Polizei in die Irre führt, steht der Psychologe plötzlich selbst unter Verdacht. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Bänden dieser Reihe beginnt die Spannung relativ spät, steigert sich dann aber wie üblich bis zum Schluss.

Lars Kepler: Ich jage dich.
Bastei-Lübbe, 688 Seiten, 19,99 €.


„In der Stille der Tod“
von Lieneke Dijkzeu

Dies ist der dritte Fall für Kommissar Paul Vegter. Diesmal sind er und sein Team auf der Suche nach einem verschwundenen Familienvater. Richard Verkallen wurde von seiner Frau Asli als vermisst gemeldet. Für die aus Somalia stammende Asli gerät die Welt aus den Fugen. Sie ist völlig ratlos, ein Verbrechen scheint kaum denkbar, möglicherweise hat ihr Mann die Familie verlassen, weil ihm die Verantwortung für den behinderten Sohn, der taub und autistisch zur Welt kam, zu viel wurde. Eine erste Spur führt die Ermittler zu Gemma van Son, mit der Richard offensichtlich viele Jahre lang ein Verhältnis hatte. Diese leugnet jedoch alles und scheint etwas verbergen zu wollen. Bei ihren weiteren Recherchen stößt das Team auch auf eine Reihe von Geheimnissen in der Familie von Richard Verkallen. Immer mehr spricht dafür, dass Verkallen Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte.

Lieneke Dijkzeul: In der Stille der Tod.
DTV, 320 Seiten, 9,95 €.


„Komplizen des Glücks“
von O. P. Zier

In einem alten Bauernhaus im beschaulichen Salzburger Land lebt die Familie Wirring, die der Nachbarschaft allerlei Anlass zu Klatsch und Tratsch gibt. Tatsächlich passen die Wirrings so gar nicht in die spießig-dörfliche Gegend, in der angepasst zu sein oberstes Gebot ist. Angepasst ist wirklich niemand in der Familie, und es ist schwer zu entscheiden, wer dort den rebellischsten Lebenslauf vorzuweisen hat. Rolf, der Sohn von Claudia und Werner scheint noch der "Normalste" in der Familie zu sein, und tatsächlcih sind ihm seine Eltern manchmal peinlich mit ihrem Lebensstil. Seine Mutter, die man kaum je am heimischen Herd antrifft, ist in der Protest- und Ökologie-Bewegung aktiv. Früher war sie Model, jetzt will sie die Welt verändern. Die Versorgung des gemeinsamen Kindes oblag Werner, der seinen Job in der Werbung an den Nagel gehängt hat, um das Leben besser erforschen zu können. Und dann ist da noch der langhaarige, kiffende Großvater Peter Wirring, der als Rock-Musiker unter dem Namen Pete Wire mit einem alten „VW“-Bus durch die Gegend tingelt und es immerhin zu so etwas wie einer lokalen Größe gebracht hat. Eines Tages als Rolf allein zu Haus ist, klingelt es an der Tür. Die Mutter ist zu einer Demonstration, der Vater auf einer Beerdigung und der Opa auf Tournee. Der schwerkrank aussehende Fremde, der mit einem Koffer in der Tür steht, behauptet, dass er wahrscheinlich Rolf's Onkel sei, von dem niemand in der Familie etwas wissen könne. Peter Schaller geht davon aus, von Rolf's Großvater auf einer Tournee gezeugt worden zu sein; seine Mutter war Kellnerin in dem Gasthaus, in dem dessen Band damals aufgetreten war. Als Rolf's Eltern heimkommen, beschließt man, das neue Familienmitglied aufzunehmen, bis auch der Opa wieder eintrifft. Der neue Onkel hat nur noch wenig Zeit zu leben; er hat das Krankenhaus verlassen, um seinen Vater kennenzulernen. Als sein Onkel bald nach der ersten Begegnung mit dessen Vater stirbt, entschließt sich Rolf, ein Buch über seine Familie zu schreiben.

„Komplizen des Glücks“ ist eine tiefgründige Geschichte über das Unangepasstsein, witzig und bis zum Schluss spannend.

O. P. Zier: Komplizen des Glücks.
Residenz, 360 Seiten, 22,90 €.


„Lübecker Blut“
von Christiane Güth

Kaum ist die junge Kanadierin Jette Eiden in Lübeck eingetroffen, wird sie auch schon Zeugin eines Verbrechens: vor Ihren Augen wird eine Buchhändlerin im Bahnhof erschossen. Jette, die gerade volljährig geworden ist, hat spontan entschieden, endlich einmal in die frühere Heimat ihrer Eltern zu reisen, die vor der Geburt ihrer Tochter nach Kanada ausgewandert waren. Vor allem will sie ihren Großvater kennenlernen, den sie bisher nie getroffen hat, da ihre Mutter keinen Kontakt mehr zu ihm haben wollte. Kurt Eiden ist ein mürrischer alter Mann und gehört nicht gerade zu den spontanen Zeitgenossen. Er ist mehr als überrascht, da seine Enkelin, die eine Weile bei ihm wohnen möchte, ihm den Besuch nicht angekündigt hatte. Doch aufgrund des Mordes an der Buchhändlerin gibt es etwas, das die beiden jenseits ihres verwandtschaftlichen Verhältnisses sofort verbindet: Kurt ist Polizist. Ihre Aussage muss Jette allerdings bei Goran machen, Kurt's neuem Chef, mit dem dieser auf Kriegsfuß steht und den Jette dagegen sehr sympathisch findet. Da Kurt, abwohl er als fähiger Kriminalbeamter gilt, nicht in die Ermittlungen einbezogen wird, beginnt er selbst mit Nachforschungen. Unterstützt wird er dabei – ob er will oder nicht – von seiner Enkeltochter und einer kleinen Schar von Freunden und Nachbarn.

Christiane Güth: Lübecker Blut.
Ullstein, 288 Seiten, 9,99 €.


„Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin“
von Tanja Kinkel

Der neue historische Roman der Bestsellerautorin Tanja Kinkel spielt im 15. Jahrhundert in China und in der Mongolei. In beiden Reichen gelangen kurz nacheinander zwei Frauen an die Macht, deren Lebensweg sich später mehrmals überschneiden wird. Die beiden Länder sind tief verfeindet, die Erinnerung an die Zeit, als die Mongolen den Norden Chinas erobert hatten, sitzt noch tief. Die Mongolei allerdings ist schon lange nicht mehr so mächtig wie unter der Führung Dschingis Khans, die Stämme sind untereinander zerstritten und jeder ist auf den eigenen Vorteil bedacht. Als die junge Manduchai die zweite Frau des amtierenden Khans wird, begreift sie, dass dessen Amt keine große Macht mehr hat. Manduchai träumt davon, die alte Einheit unter den Mongolen wieder herzustellen, doch als Frau sind ihre Möglichkeiten begrenzt. Mit viel Geschick und Verständnis für die Situation aller Betroffenen nimmt Manduchai über ihren Mann allmählich mehr und mehr Einfluss auf die Poitik der Stämme. Fast zur gleichen Zeit geschieht in China etwas Vergleichbares: die Kinderfrau Wan Zhen'er wird zur Konkubine des Kaisers. Als der im Krieg von den Mongolen gefangen genommen wird, taucht sie mit ihrem Schützling, dem Sohn des Kaisers unter, und nutzt all ihre Fähigkeiten, ihre Klugkeit und auch so manche List, um diesem zum Aufstieg zur Macht zur verhelfen. Jahrelang wird sie die Geschicke des Reiches mitbestimmen. Neben der spannenden und sehr lebendig erzählten Geschichte erfährt der Leser viel über die damalige Kultur der Mongolen und Chinesen.

Tanja Kinkel: Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin.
Knaur, 592 Seiten, 22,99 €.


„Mauersegler“
von Christoph Poschenrieder

Fünf Männer, seit Jahrzehnten gut miteinander befreundet, beschließen, eine WG zu gründen. Jeder von ihnen ist ein Individualist für sich, doch jetzt, da alle in die Jahre gekommen sind, will man sich den Herausforderungen des Alters – und letztendlich des Sterbens – gemeinsam stellen. Ernst, der ehemalige Software-Entwickler, hat es finanziell am weitesten gebracht, er besitzt eine Villa am See, in die die fünf Freunde ziehen. Mit dabei sind Carl, Philosoph und Journalist, der uns das Zusammenleben der Gruppe schildert, der Jurist Wilhelm, der im Rollstuhl sitzt, Heinrich, einst Food-Designer, der seine damalige Tätigkeit bereut, und Siegfried der bekannte Dramaturg, jetzt ehrenamtlich tätig an der örtlichen Bühne. Ein sechster Freund ist immer wieder Thema in der Gruppe – Martin, der bei einem Unfall ums Leben kam, damals, als sie noch Kinder waren. Selbstbestimmt haben die fünf ihr Leben gemeistert, und selbstbestimmt wollen sie bis zum Ende bleiben. Als der körperliche Verfall voranschreitet, programmiert Ernst das „Todesengel“-Programm, das jedem dabei helfen soll, herauszufinden, wer ihn auf den letzten Schritten durch das Leben unterstützen kann. Außerdem wird Pflegekraft Katarina eingestellt, gebürtige Kirgisin. Trotz aller persönlicher Schattenseiten genießen die Freunde ihren Lebensabend, bis einer nach dem anderen geht, dem ‚kleinen Martin‘ folgend. Am Ende, als keiner mehr von ihnen da ist, bringt Katarina neues Leben in das Haus ...

Ein tiefsinniges Buch, das dem Thema Tod mit viel Humor begegnet.

Christoph Poschenrieder: Mauersegler.
Diogenes, 224 Seiten, 22,00 €.


„Mit Rosen bedacht“
von Jennifer Benkau

Die Geschichte von Wanda und Karim wird aus zwei Perspektiven erzählt: einmal aus der Zeit von vor etwa vier Jahren, als ihre Liebesbeziehung begann, zum anderen in der Gegenwart, in der Karim schwerverletzt im Koma liegt. Damals, als sie sich kennenlernten, hatte die junge, lebensfrohe Wanda gerade ihr Referendariat an einer Grundschule begonnen. Sie liebte ihren Job, insbesondere den Umgang mit Zahlen. Doch so pedantisch Wanda in der Schule manchmal ist, so naiv geht sie in die Beziehung mit dem Halb-Iraner Karim, über dessen Vergangenheit sie kaum etwas weiß. Fast immer hüllt Karim sich in Schweigen oder blockt die wenigen Fragen Wandas nach seiner Herkunft ab, was diese grundsätzlich akzeptiert. Lange Zeit weiß Wanda noch nicht einmal, wo Karim arbeitet. Ihre romantische Verklärtheit wird erst erschüttert, als ihr Verlobter nur wenige Tage vor der Hochzeit nach einem schweren Unfall ins Koma fällt. Er kommt auf die Intensivstation, und niemand kann Wanda garantieren, dass ihr Partner jemals wieder aufwachen wird. Doch die wirkliche Ernüchterung kommt erst, als Wanda beginnt, Karims Angelegenheiiten zu regeln. Kaum muss sie sich mit der Wohnungsauflösung und der Krankenversicherung ihres Partners befassen, stößt sie auf immer mehr Ungereimtheiten in Karims Leben. Ganz offensichtlich hat er ihr nicht nur Dinge verschwiegen, sondern sie über seine Vergangenheit regelrecht belogen. Wanda begreift, dass sie ihren Verlobten nie wirklich gekannt hat und begibt sich auf die Suche nach seiner Geschichte. Dabei stößt sie auf ein schreckliches Verbrechen, in das Karim verwickelt ist und begibt sich selbst in Gefahr.

Jennifer Benkau: Mit Rosen bedacht.
Lübbe, 320 Seiten, 14,99 €.


„Montecristo“
von Martin Suter

Mehr schlecht als recht verdient sich Jonas Brand seinen Lebensunterhalt als freischaffender Video-Journalist. Lange hat er davon geträumt, richtige Filme zu produzieren, doch es scheint, als ob es damit nichts mehr werden wird. Seine Idee, Dumas' „Grafen von Montecristo“ in einer modernen Fassung zu verfilmen, hält er zwar immer noch für großartig, doch bisher konnte er keinen Förderer finden, der sich von dem Projekt begeistern lleß. Auch als Enthüllungs-Journalist hatte er sich einst gesehen – jetzt arbeitet er für den Boulevard und kann sich kaum noch vorstellen, eines seiner Traumziele zu erreichen. Bis sich die Ereignisse in seinem Leben plötzlich überschlagen. Den Anfang macht ein Zwischenfall im „ICE“ nach Basel. Es kommt zur Notbremsung, da ein Mann aus dem Zug gestürzt und offensichtlich ums Leben gekommen ist. Geistesgegenwärtig schaltet Jonas seine Kamera an, um die Reaktionen und Gespräche der Mitreisenden zu filmen. Für eine Reportage über den Vorfall wird er sicher einen Abnehmer finden. Doch Jonas vergisst den Film zunächst, bis ihm wenige Monate später zufällig zwei 100-Franken-Scheine in die Hände fallen, die die gleiche Seriennummer tragen. Bei seiner Bank will er klären lassen, welcher der Scheine eine Fälschung ist, doch dort bestätigt man ihm, dass beide Noten echt sind. Jonas beschließt, die Geschichte der beiden Scheine zu recherchieren und bittet den einst bekannten Wirtschafts-Journalisten Max Gantmann um Unterstützung. Schon bald stellt sich heraus, dass es einen Zusammenhang geben könnte zwischen den beiden Scheinen und dem Zwischenfall im „ICE“. In beiden Fällen scheinen Spuren in höchste Bankerkreise zu führen. Als seine Wohnung durchwühlt wird, gibt es für Jonas keinen Zweifel mehr: es ist an einer großen Sache dran, die für ihn den Durchbruch bedeuten könnte. Und plötzlich interessiert sich eine bekannte Produktionsfirma für sein Manuskript, das man gern umsetzen würde. Jonas scheint sich zwischen beiden Projekten entscheiden zu müssen und ahnt noch nicht, dass er es mit mächtigen Kreisen zu tun hat, die alles unternehmen werden, um ihn von seinen Recherchen abzubringen.

Ein rasanter Thriller um die Machschaften von Politik und Hochfinanz und um das ganz große Geld.

Martin Suter: Montecristo.
Diogenes, 320 Seiten, 23,90 €.


„Mord in Hangzhou“
von Matlies Ferber

Dies ist der dritte Krimi um den Ex-Agenten James Gerald vom „MI6“, der als rüstiger Rentner seinen alten Kollegen gern noch mal in der ein oder anderen Sache behilflich ist. Gerald, der in der chinesische Großstadt Hangzhou an einer Hochzeitsfeier teilnehmen möchte, wird von seinem ehemaligen Vorgesetzten gebeten, dort einige Ermittlungen anzustellen. Es geht um Sabotage beim chinesischen Teehandel, durch die es schon zu unzähligen Giftopfern gekommen ist. Seiner Freundin Sheila, die 40 Jahre lang seine Sekretärin war, erzählt er nichts von seinem Auftrag, deshalb ist er schwer überrascht, als Sheila in seinem Hotel in Hangzhou auftaucht. James wird kurzerhand zu einem Experten für Yamswurzeln, damit er an der dortigen Universität mehr über die Hintergründe der Angelegenheit in Erfahrung bringen kann. Im Verdacht stehen natürlich indische Teekonzerne, die größte Konkurrenz für den chinesichen Teehandel. Doch schon bald kommen James und Sheila einem hochgefährlichen und intelligenten Einzeltäter auf die Spur ...

Wieder ist der Autorin eine witzige und intelligente „007“-Persiflage gelungen.

Matlies Ferber: Mord in Hangzhou.
DTV, 320 Seiten, 9,95 €.


„Mörderkind“
von Inge Löhnig

Als Fiona sieben Jahre alt ist, wird ihr Vater Ben vor ihren Augen verhaftet. Seine Geliebte ist ermordet worden, und er wird als Täter verdächtigt. Ihr Vater versichert ihr, dass es sich um ein Missverständnis handelt und verspricht, bald wieder zurück zu sein. Doch dieses Versprechen ist das Letzte, das Fiona viele Jahre lang von ihm hören wird. Ben wird wegen Mordes verurteilt und muss für 15 Jahre ins Gefängnis, Fiona's Mutter begeht einen Tag nach der Verurteilung Selbstmord. Ben meldet sich nicht mehr bei seiner Tochter und die wendet sich tief enttäuscht von ihm ab. Sie wächst bei ihrem Onkel Ludwig und seiner Frau Sabine auf, von ihrem Mitschülern und auch anderswo wird sie „Mörderkind“ genannt. Nach Ben's Entlassung verweigert ihm Fiona jeden Kontakt mit ihr. Erst als sie 25 ist, hört sie wieder von ihrem Vater. Ihr Onkel Ludwig teilt ihr mit, dass der bei einem Wohnungsbrand verstorben ist. Fiona fasst die Nachricht zunächst mit Erleichterung auf, doch als sich am nächsten Tag der Rettungsassistent Matthias Stiller bei ihr meldet, gerät ihre Welt aus den Fugen. Stiller ist gekommen, um ihr die letzte Worte ihres Vaters mitzuteilen: „Sag meiner Tochter, dass ich kein Mörder bin.“ Stiller kann sich nicht vorstellen, dass ein Sterbender noch lügen wollte, und auch bei Fiona regen sich erste Zweifel an der Geschichte, die ihr Leben geprägt hat. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach den Hintergründen des damaligen Mordes und schon bald ist Fiona's eigenes Leben in Gefahr.

Inge Löhnig: Mörderkind.
List, 464 Seiten, 9,99 €.


„Nachruf auf den Mond“
von Nathan Filer

Matthew Homes schreibt die Geschichte seines Lebens. Aus der Ich-Perspektive berichtet er abwechselnd über die Ereignisse in seiner Kindheit und über seinen Alltag in der psychiatrischen Klinik in Bristol. Seit Jahren lebt der 19-Jährige hier, denn er leidet an Schizophrenie. Matthew begann mit dem Schreiben weil er sich langweilte, doch nach und nach scheint seine Geschichte auch eine Art Aufarbeitung zu werden. Matthews Geschichte beginnt mit einem Camping-Ausflug seiner Familie, der zehn Jahre zurückliegt. Damals kam sein älterer Bruder Simon bei einem Unfall ums Leben und Matthew hält sich immer noch für schuldig an dessen Tod. Andererseits ist Simon für ihn immer noch präsent, Matthew spricht mit ihm, kann ihn hören, er erblickt ihn in den Wolken und im Mond. Matthew, der sich sich nicht genau daran erinnern kann, was damals passiert ist, berichtet von der Trauer in der Familie, von den Maßnahmen seiner Mutter, ihn von der Außenwelt abzuschirmen, die selbst schon krankhafte Züge aufwiesen, von seinen Schwierigkeiten in der Psychiatrie. Während des Schreibens scheint Matthew mehr und mehr über sich selbst zu erkennen. Der Leser wird anfangs lernen müssen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden, doch so verwirrt und verwirrend manche Sprünge im Erzählfluss sind, bleiben die Aufzeichnungen durchgehend spannend.

Nathan Filer: Nachruf auf den Mond.
Droemer, 320 Seiten, 19,99 €.


„Oh ...“
von Philippe Dijan

Michèle, die Erzählerin dieser Geschichte, berichtet von sich und ihrem turbulenten Leben, vor allem über eine kurze, ereignisreiche Phase, die sich über einige wenige Wochen um einen Jahreswechsel herum ereignete. Als erfolgreiche Filmproduzentin lebt Michèle in der Nähe von Paris und arbeitet in der Stadt. Die selbstbewusste Frau hat sich vor einigen Jahren von ihrem Mann Robert getrennt, vertsteht sich mit dem aber so gut wie lange nicht; nur der gemeinsame Sohn Vincent leidet unter der Situation. Der ist gerade schwerverliebt in seine Freundin Josie, die soeben Mutter geworden ist von einem Mann, der in Thailand im Knast sitzt. Vincent versucht, das Geld für dessen Freilassung von seiner Patentante Anna zu leihen, der besten Freundin und Geschäftspartnerin seiner Mutter. Mit deren Ehemann Robert hat Michèle gerade eine sexuelle Affäre begonnen, aus der sie eigentlich wieder raus will. Mitten in der Vorweihnachtszeit, als Michèle mit ihrer dominanten Mutter im Konflikt liegt, ihren Sohn vor einer verhängnisvollen Beziehung schützen möchte, ihren Exmann vor den Tücken einer Affäre mit einer sehr viel jüngeren Frau warnen möchte, wird sie in ihrem Haus überfallen und vergewaltigt. „Oh!“ ist das einzige, was ihr dazu einfällt. Michèle ist so wütend, dass sie beschließt, den Täter selbst zu finden und zu bestrafen.

Philippe Dijan: Oh ...
Diogenes, 240 Seiten, 21,90 €.


„Showdown –
Der Kampf um Europa und unser Geld“
von Dirk Müller

Dirk Müller, Börsenmakler und Erfolgsautor, wurde international bekannt als „Mr. Dax“. Sein Arbeitsplatz an der Frankfurter Börse lag direkt unter der Anzeigentafel der Kursverläufe, und Müller wurde häufig fotografiert und gefilmt, um der Anonymität der Zahlen ein Gesicht zu verleihen – seine ausgeprägte Mimik und Gestik luden förmlich dazu ein. Sein erstes Buch „Crashkurs“, das er zu Beginn der Finanzkrise herausbrachte, erreichte kurz nach Erscheinen die deutschen Bestseller-Listen. Das ist wenig verwunderlich: Müller versteht es, die Zusammenhänge in Wirtschaft, Politik und Börsenhandel verständlich darzustellen, und auch Menschen für diese Themen zu gewinnen, die zuvor dachten, sie würden sie nicht verstehen. Müller ist bekannt dafür, in seiner Kritik an der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung und der Notenbank kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Er bescheinigte den führenden Wirtschaftsinstituten, eine Rezession noch nicht einmal dann zu erkennen, „wenn sie bereits seit einem halben Jahr tobt“. In seinem neuen Buch legt er dar, warum es nicht nur die Staatsverschuldungen sind, die die aktuelle Wirtschaftskrise begünstigt haben, sondern generelle Fehlentscheidungen bei der Konstruktion des Euro und ein seit langem herrschender Wirtschaftskrieg zwischen den USA und Europa. Müller zeigt Zusammenhänge auf, die in den allgemeinen Nachrichten untergehen oder nicht gebracht werden und er legt einen besonderen Schwerpunkt darauf, welche Bedeutung der Griechenlandkrise aktuell zukommt. Er benennt nicht nur die Gefahren, die Europas Wirtschaft bedrohen, sondern zeigt auch, welche Chancen von der Gesellschaft und vom Einzelnen genutzt werden können.

Dirk Müller: Showdown: Der Kampf um Europa und unser Geld.
Knaur, 272 Seiten, 19,99 €.


„Still – Chronik eines Mörders“
von Thomas Raab

Multi-Talent Thomas Raab, Sänger, Komponist und Autor, hat seinen siebten Krimi um den Restaurator Willibald Adrian Metzger verfasst. Diesmal geht es um einen Mörder, der aus einem ganz ungewöhnlichen Anlass zum Serientäter wird. Als Karl Heidemann 1982 geboren wird, schreit er fast ununterbrochen. Die Eltern unternehmen alles, um ihn zu beruhigen, doch nichts will helfen. Zu guter Letzt wird er in den Keller oder andere abgelegene Räume gebracht, da die Eltern mit den Nerven am Ende sind. Und dort, mit sich allein, beruhigt sich das Kind. Was lange Zeit niemand ahnen kann: der kleine Karl ist hochsensibel und wird es immer bleiben. Er ist mit einem extrem empfindlichen Gehör zur Welt gekommen und reagiert selbst auf die leisesten Geräusche. Und ausgerechnet seine eigene Mutter zählt zu den lauten und unbeherrschten Zeitgenossen. Eine Schule kann Karl später nicht besuchen – er wird von einem ehemaligen Lehrer aus der Nachbarschaft unterrichtet, der sofort erkennt, dass der Junge ganz besondere Anlagen hat. Doch die werden auch durch den engagierten Pädagogen nicht geweckt, Karl bleibt ein ungebildeter Außenseiter mit einem schrecklichen Leiden. Bis er eines Tages entdeckt, wie er seine Qualen zumindest kurzfristig lindern kann. Er beginnt, die Stille des Todes zu erforschen und hinterlässt eine Spur der Blutes, erst in seinem Dorf, dann wo immer es ihn hinzieht.

Thomas Raab: Still – Chronik eines Mörders.
Droemer, 368 Seiten, 19,99 €.


„Tödlicher Lavendel“
von Remy Eyssen

Dr. Leon Ritter, Gerichtsmediziner aus Frankfurt, hat sich entschieden, seinem Umfeld zu entfliehen und einen Job in einer Klinik in Südfrankreich anzunehmen. Er hat den Tod seiner Frau noch nicht ganz überwunden und hofft auf einen Neuanfang in der sonnigen Provence. Doch in dem kleinen Örtchen Lavandou erwarten ihn alles andere als Ruhe und Beschaulichkeit. Bei seiner Ankunft stellt sich heraus, dass man ihn erst eine Woche später erwartet hat und sein Zimmer in der Klinik noch belegt ist. Er muss sich selbst nach einer privaten Unterkunft umsehen und findet diese bei Isabelle Morelle, der stellvertretenden Dienststellenleiterin der Polizei des Ortes. Und kaum hat er sich in seinem Zimmer eingerichtet, wartet auch schon Arbeit auf ihn. Die Leiche eines Mädchens wurde entdeckt und Ritter soll diese untersuchen. Trotz seiner Überzeugung, dass die kleine Carla ermordet wurde, spricht sich Polizeiinspektor Zerna gegen diese Möglichkleit aus. Er betrachtet die Angelegenheit als Unfall und möchte die Untersuchung so bald wie möglich abschließen. Immerhin soll in wenigen Tagen die 100-Jahr-Feier stattfinden und man hat alle Hände voll zu tun. Ritter bleibt bei seinem Urteil und beginnt Informationen zu sammeln, bis zwei weitere Mädchen tot aufgefunden werden. Nun nimmt auch die Polizei ihre Ermittlungen auf, doch besonders engagiert scheint man nicht ans Werk zu gehen. Als auch noch die Tochter von Isabell Morell verschwindet, wird Ritter klar, dass es keine Zeit mehr zu verlieren gilt.

Remy Eyssen: Tödlicher Lavendel.
Ullstein, 464 Seiten, 9,99 €.


„Trümmergöre“
von Monika Held

Diplomatentochter Jula sucht eine Wohnung für sich und ihren Freund. Dabei stößt sie auch auf das Verkaufsangebot der Wohnung, in der sie einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte. Damals, nach dem Ende des Krieges, lebte sie dort zusammen mit ihrer Großmutter und ihrem Onkel. Als sie die Wohnung aus nostalgischen Gründen besichtigt, werden die Erinnerungen an eine ungewöhnliche Kindheit wieder lebendig. Ihr Vater hatte sie bei der Oma untergebracht, da er im diplomatischen Dienst viel auf Reisen war, den Onkel hatte Jula vorher nicht gekannt. Die beiden Erwachsenen nehmen das Kind gern bei sich auf, gehen sich aber untereinander aus dem Weg. Für das kleine Mädchen in der Hamburger Nachkriegszeit sind Trümmer und halbe Häuser normal. Sie spielt „Der Russe kommt“, „Wir bauen ein KZ“ oder „Opa hat sein Bein verloren“. Viel Zeit verbringt sie auf dem Platz, wo ihr Onkel Gebrauchtwagen verkauft, ihre Schularbeiten macht sie in einer Kneipe auf der Reeperbahn. Als sie zwölf wird, entscheidet ihr Vater, dass aus der ‚versauten Göre‘ soll eine höhere Tochter werden soll. Für Jula beginnt ein Doppelleben zwischen Alstervilla und Ganoven-Kiez. Sie lernt, wie sie mit den Menschen aus grundverschiedenen Schichten umgehen kann und muss.

Monika Held: Trümmergöre.
Eichborn, 240 Seiten, 19,99 €.


„Vegan Love Story – Das Kochbuch“
von Rolf Hiltl und Reto Frei

Vegane Küche ist in den letzten Jahren zu einem weltweiten Trend geworden und begeistert vor allem auch die jüngere Generation. Das Kochbuch „Vegan Love Story“ bietet einen abwechslungsreichen Exkurs in die Vielfalt veganer Gerichte und ist entstanden aus der Zusammenarbeit zwischen Rolf Hiltl, dem Mitinhaber des ältesten vegetarische Restaurants der Welt und Reto Frei, dem Mitgründer von tibits, einem Familienunternehmen mit mehreren vegetarischen Fastfood-Restaurants in der Schweiz und in London. Und dabei laufen die Autoren keiner Mode hinterher: Auf der Karte des Hiltl sind seit der Eröffnung im Jahre 1889 zahlreiche vegane Gerichte zu finden und auch für das tibits waren diese von Anfang an Teil des Programms. Hochwertige Öle und Fette aus Samen und Nüssen spielen in vielen der hier vorgestellten Rezepte eine besondere Rolle, und auch die sogenannten „Superfoods“ werden verwendet, Pflanzen und Früchte mit einem besonders hohen Anteil an Vitaminen und Mineralstoffen. Allem voran aber stehen Genuss, Abwechslung und Kreativität. Die 80 raffinierten Rezepte sind unterteilt in Vorspeisen, Suppen, Salate, warme Gerichte, Frühstücke, Drinks und Desserts. Ob Auberginen-Amaranth, Westindische Gurkensuppe, Exotische Frühlingsrollen oder Soja-Schokomousse – alles ist leicht nachzukochen, obwohl sich sogar einige langgehütete Geheimrezepturen darunter befinden.

Rolf Hiltl / Reto Frei: Vegan Love Story – Das Kochbuch.
AT-Verlag, 260 Seiten, 49,00 €.


„Verheißung“
von Jussi Adler-Olsen

Um es vorweg zu nehmen: Der sechste Teil um den dänischen Kommissar Karl Mørck und sein Team wird Neueinsteiger sicher etwas fordern. Wer wenigstens zwei der vorhergehenden Bände kennt, ist dagegen mit den Personen vertraut und dürfte schnell in die Story eintauchen. 17 Jahre lang hat Polizeikommissar Christian Habersaat vergeblich versucht, den Tod einer jungen Frau aufzuklären, die kopfüber in einem Baum hängend aufgefunden wurde. Kurz nachdem er Carl Mørck um Hilfe gebeten hat, kommt er auf schockierende Weise ums Leben – und nur wenig später auch sein Sohn. Das Sonderdezernat „Q“ wurde inzwischen um ein Mitglied erweitert: Nicht ganz freiwillig mussten das Team von Karl Mørck, Rose und Assad den Hühnen Gordon bei sich aufnehmen. Carl ist sich sicher, dass Gordon eingesetzt wurde, um höhere Stellen über ihre Aktivitäten auf dem Laufenden zu halten. Carl, der Habersaat vertröstet hatte, um sich erst mal Zeit zum Ausspannen zu gönnen, fühlt sich nach dessen Tod verantwortlich, den Fall zu untersuchen. Bei der lange zurückliegenden Tat handelte es sich allem Anschein nach um Unfallflucht – eine junge Fußgängerin kam ums Leben; das Unfallfahrzeug wurde nie gefunden. Habersaat allerdings war fest überzeugt davon, dass ein Mord begangen wurde. Sonderdezernat „Q“ beginnt, an zwei Orten gleichzeitig zu ermitteln: einmal am früheren Wohnort von Habersaat und zum anderen auf der Insel Öland, wo der ein charismatischer Sektenführer ein „Zentrum zur Transzendentalen Vereinigung von Mensch und Natur“ gegründet haben soll. Mit Esoterik kann der pragmatische Mørck nun gar nichts anfangen, dass er sich in Lebensgefahr begibt, ahnt er noch weniger.

Jussi Adler-Olsen: Verheißung.
DTV, 608 Seiten, 19,90 €.


„Weiße Magie – mordsgünstig“
von Steve Hockensmith

Alanis McLachlan ist 36, lebt in Chicago und arbeitet in einem Callcenter. Von ihrer Mutter hat sie seit fast 20 Jahren nichts mehr gehört. Aufgrund dramatischer Ereignisse trennte sich die damals 16-Jährige von ihrer Mutter, die bis dahin als Trickbetrügerin mit ihr zusammen quer durch die USA gezogen war, ständig wechselnde Namen, Partner und Geschäftsmodelle inklusive. Nun erhält Alanis einen Anruf von einem Rechtsanwalt, der ihr mitteilt, dass ihre Mutter verstorben ist. Noch überraschter als über diese Nachricht ist sie über die Auskunft, dass ihre Mutter ihr etwas hinterlassen hat: einen Esoterikladen namens „Weiße Magie gut und günstig“ in dem kleinen Ort Berdache in Arizona. Unter dem Namen Athena Passalis hat Alanis' Mutter dort davon gelebt, Tarotkarten zu legen und ist eines Tages ermordet aufgefunden worden. Obwohl sie ahnt, dass damit Ärger verbunden sein wird, fliegt Alanis nach Arizona, um ihr Erbe anzunehmen. Sie plant, die Beisetzung ihrer Mutter zu organisieren und den Laden zu verkaufen, doch dies gestaltet sich schwiertiger als geahnt. Clarice Stewart, eine junge Afro-Amerikanerin, war von Alanis Mutter als Mitarbeiterin angelernt worden und hatte sich erhofft, den Laden zu übernehmen. Da sich die Abwicklung des Nachlasses hinziehen wird, beschließt Alanis, das Geschäft ihrer Mutter vorübergehend selbst weiterzuführen. Sie vermutet, dass ein betrogener Kunde den Mord verübt haben könnte, und wer weiß – vielleicht gelingt es ihr ja, aufzudecken, wer der Betreffende ist. Von Tarot versteht sie zwar nichts, doch das wird bei ihrer Mutter sicher auch nicht der Fall gewesen sein. Tatsächlich geben sich schon bald die schrägesten Gestalten die Klinke von Alanis kleinem Laden in die Hand ...

Steve Hockensmith: Weiße Magie – mordsgünstig.
DTV, 352 Seiten, 9,95 €.


„Wie man mit dem Feuer philosophiert“
von Jens Soentgen

Chemie und Alchemie für Furchtlose

Die Alchemie gilt als Vorläuferin der modernen Chemie, und ihre Wurzeln reichen zurück bis ins alte Ägypten. Meist wird angenommen, die Herstellung von Gold sei das zentrale Thema der Alchimisten gewesen, doch dies ist keineswegs der Fall. Ob im islamischen Kulturkreis oder im Abendland, ob in China oder in Ägypten – die Alchimisten waren in erster Linie frühe Chemiker und Pharmakologen, die die Gesetze der Natur erforschten und ihre Erkenntnisse praktisch umzusetzen versuchten. Die vier Elemente – Feuer, Erde, Luft und Wasser – spielen in der Alchemie eine besondere Rolle, und von diesen vieren ist das Feuer hervorzuheben, ist es doch mehr als die drei anderen für Verwandlungsprozesse der Materie verantwortlich.

So sah es jedenfalls Heraklit und so sieht es auch der Autor Jens Soentgen, studierter Chemiker und Philosoph, der uns hier auf einen unterhaltsamen Streifzug durch die Anfänge der Chemie einlädt und viele praktische Versuche vorstellt, die mit wenigen Mitteln selbst nachvollzogen werden können. Wenn wir heute von Chemie sprechen, denken wir an Wissenschaftler in weißen Kitteln, an die Errungenschaften der Forschung, an Umweltgifte und an große Konzerne. Welchen Beitrag die Alchemisten zu unserem heutigen Wissen geleistet haben, ist kaum noch jemandem bekannt. Und dass es einen Umgang mit chemischen Vorgängen in der Natur schon lange vor den Alchimisten gegeben hat, noch weniger. Waldchemie nennt der Autor diese Zeit, zu deren Verfahren zum Beispiel die Herstellung von Bier, Seife, Gummi und die von Papier aus Elefantendung gehört. Sachkenntnis und lebendiger Schreibstil, viele kleine Anekdoten und Fachwissen, das manche Aspekte unseres Alltags erklärt – der Autor ist begeistert von seinem Thema und versteht es, diese Begeisterung beim Leser ebenfalls zu entfachen. Auch dies ist ein alchemistischer Vorgang.

Jens Soentgen: Wie man mit dem Feuer philosophiert.
Peter Hammer Verlag, 464 Seiten, 29,90 €.

Geändert: 06 / 2020