„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2019



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„Krokodilwächter“
von Katrine Engberg

In Kopenhagen wird eine junge Frau in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Julie war erst vor kurzem in die dänische Haupstadt gezogen, um dort mit dem Literaturstudium zu beginnen. Ihr Nachbar, ein älterer Herr namens Gregers, entdeckte Julie's Leiche, und erlitt bei derem Anblick einen Herzanfall. Als die Polizei-Assistenten Anette Werner und Jeppe Kørner am Ort des Verbrechens eintreffen, finden sie den Körper der jungen Frau brutal zugerichtet vor – übersät mit zahllosen Stichen, das Gesicht durch Schnitte entstellt. Außer dem Nachbarn und einer Mitstudentin lebt nur Julie's Vermieterin Esther de Laurenti mit im Haus. Die pensionierte Hochschuldozentin ist nicht nur über die Tat an sich schockiert – sie gehört einer kleinen Gruppe von Hobby-Autoren an, und die gesamte Szenerie wirkt, als ob sie direkt aus ihrem derzeitigen Manuskript übernommen wäre. Das ermittelnde Team geht von einer heißen Spur aus – Esther kommt aufgrund ihrer körperlichen Konstitution zwar kaum als Mörderin infrage, doch es muss jemand in ihrem Umfeld das Manuskript gelesen haben. Mehrere Menschen aus Esther's Kreis werden nach und nach überprüft, doch mit jedem Verdacht scheint sich der Fall schwieriger zu gestalten. Als schließlich ein weiterer Mord passiert, ahnen Anette Werner und Jeppe Kørner, dass sie die richtige Spur noch nicht gefunden haben ...

Katrine Engberg: Krokodilwächter.
Diogenes, 512 Seiten, 22,00 €.


 Rezensionen von Isabella Magdalena Banger 


„Blutgesang“
von Julia Lange

Als der junge Sängerin Elezei vorgeworfen wird, einen Hüter angegriffen zu haben, einen derjenigen, die in ihrer Stadt für den Frieden sorgen, ist sie gezwungen, ihr gewohntes Umfeld zu verlassen. Sie ist Teil des Stammes der Zatarsi, einem Volk, dem Musik über alles geht und das abgeschottet vom Lärm der Stadt in seinem eigenen Viertel lebt.

Valerian ist ein reicher Adeliger, der nichts anderes will, als sein Leben zu genießen. Als die Hüter herausfinden, dass er verfluchtes Blut hat – ein Umstand, der zu unkontrollierbaren Wutanfällen führt – ist dieses ruhige Leben schlagartig vorbei. Er flieht vor den Hütern, um einen Brandzeichen und lebenslanger Verachtung zu entgehen.

Als er Elezei begegnet, die ihrerseits auf der Flucht vor den Hütern ist, ahnt keiner der beiden, wie unersetzlich sie für einander sein werden. Noch viel weniger ahnen sie allerdings, dass es jemanden im Hintergrund gibt, der von ihrem Handeln profitiert und sie ausnutzt.

Dieses Buch ist fesselnd und voller Fantasie, jeder Charakter so ausgearbeitet, dass man seine Beweggründe nachvollziehen kann, so unverständlich sie im ersten Moment auch sein mögen. Ein spannendes Buch voller interessanter Wendungen.

Julia Lange: Blutgesang.
Knaur, 384 Seiten, 12,99 €.


„Coldest Frost“
von Jennifer Estep

Das Böse zu bekämpfen, ist eine undankbare Aufgabe – man muss immer auf alles vorbereitet sein und droht am Ende immer wieder zu scheitern. Doch genau das ist es, was Rory und ihre Freunde im Team Midgard tun: Sie kämpfen gegen die Schnitter, um die Welt davor zu bewahren, unter ihre grausame Herrschaft zu fallen.

Als sie auf eine weiße Schatulle stoßen, ähnlich der zwei, die die Schnitter in der Vergangenheit an sich reißen wollten, tun sie alles, um das Artefakt zu schützen. Sie ersetzen es durch eine Fälschung, und verstecken das Original im Hauptquartier.
Während ihre Freunde überzeugt sind, alles Mögliche für ihre Sache getan zu haben, bleibt Rory misstrauisch. Ihr erscheint der Keller der Bibliothek nicht sicher. Obwohl sie diesen Gedanken nicht ganz erklären kann, beginnt sie, ohne das Wissen ihrer Freunde einen eigenen Plan auszuarbeiten.

Doch nichts von alledem scheint noch eine Rolle zu spielen, als sie herausfinden, dass die Schnitter kein Interesse an der Schatulle haben, sondern hinter einem viel gefährlicheren Artefakt her sind. In der direkten Konfrontation kommen Rory und ihre Freunde in Berührung mit einem unbekannten Gift, dessen Ausmaße ihnen zunächst nicht bewusst sind. Doch schon bald merkt Rory, wie schnell sie auf sich gestellt sein könnte.

Wird ihr geheimer Plan ihr dabei helfen, ihre Freunde und die ganze Welt vor dem Gift der Schnitter zu retten?

„Mythos Academy Colorado“ ist eine neue Reihe der Autorin, in der sie erneut in die Welt der „Mythos Academy“ eintaucht, wenn auch diesmal mit Gwens Cousine Rory als Hauptfigur an einer anderen Academy. Thema der Reihe ist nach wie vor der Kampf gegen die Schnitter, doch das nutzt sich trotz mehrfacher Wiederholung keinesfalls ab, ganz im Gegenteil: Alle Fans werden von dieser Fortsetzungsreihe begeistert sein. Es bleibt spannend, undurchschaubar und einzigartig.

„Mythos Academy Colorado“ ist eine großartige Buchreihe und „Coldest Frost“ stellt als dritter Band ihren Höhepunkt dar.

Jennifer Estep: Coldest Frost.
Verlag Ivi, 384 Seiten, 17,00 €.


„Dark Elements 4 – Glühende Gefühle“
von Jennifer L. Armentrout

Trinity lebt seit ihrer frühen Kindheit in der abgeschotteten Siedlung der Wächter, doch sie gehört nicht wirklich zu ihnen. Offiziell ist sie ein einfacher Mensch, der den Schutz des Stammes braucht, seit ihre Mutter ermordet wurde, doch das Geheimnis, das sie hütet und von dem nur wenige wissen, geht viel tiefer. Sie darf mit niemandem reden, wird immer bewacht und darf keine Sekunde von ihrem persönlichen Wächter aus den Augen gelassen werden – alles zu ihrer Sicherheit.

Doch je älter Trinity wird, desto enger scheinen ihr die Mauern der Siedlung, der aufgezwungene Schutz. Vielleicht könnte sie sich mit all dem abfinden, doch sie kennt die Macht, die sie in sich trägt und weiß besser als jeder andere: Sie muss nicht beschützt werden.

Ihr Leben ist eintönig und langweilt sie – bis der Stamm von einigen Wächtern aus D. C. besucht wird, die um Hilfe im Kampf mit einem Dämon bitten.

Einer von ihnen ist Zayne – ein Wächter mit besonders hellen Augen, von dem es heißt, er habe einen Teil seiner Seele verloren und es sei besser, sich von ihm fernzuhalten. Trotz der Warnungen läuft Trinity Zayne immer wieder über den Weg. Ihre Beschützer sind darüber nicht allzu glücklich, bis Zayne ihr bei einem Dämonenangriff das Leben rettet.

Der Angriff ändert nicht nur die allgemeine Meinung über Zayne, einer der Dämonen entführt dabei auch Trinity's Beschützer und besten Freund. Um ihn zu retten, verlangt sie kurzentschlossen, mit Zayne nach D. C. gehen zu dürfen, um ihn zu suchen. Um den fremden Wächter davon zu überzeugen, dass sie keine Last ist, sondern die beste Hilfe, die er bekommen kann, offenbart sie ihm ihre Gabe – doch kann sie ihm trauen? Zayne hat selbst mehr Geheimnisse, als ihr liebt ist. Außerdem heißt es, er habe Kontakt zu Dämonen ...

Eine großartige Fortsetzung einer einzigartigen Buchreihe! Da das komplette Buch aus Trinity's Sicht geschrieben ist, die weder Zayne noch seine Vorgeschichte kennt, können auch Leser, die die vorherigen Bände nicht kennen, gut einsteigen. Aber auch alte Fans sollten begeistert von der Leistung sein, die die Autorin hier wieder einmal zeigt. Die Geschichte ist spannend, witzig und traurig zugleich. Wer vorher nicht mit Zayne's Schicksal zufrieden war und ihm ein besseres Ende wünscht: Hier ist es.

Jennifer L. Armentrout: Dark Elements 4 – Glühende Gefühle.
Harper-Collins. 368 Seiten, 17,00 €.


„Das Neinhorn“
von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn

Als im Herzwald im Schatten einer riesigen Lilie ein niedliches kleines Einhorn geboren wird, sind zunächst alle anderen Einhörner begeistert – doch dann beginnt das Kleine zu sprechen. Nur ein einziges Wort zwar, doch das sagt es in jeder Situation: „Nein!

Das Kleine will nicht vom gezuckerten Glücksklee essen, mit Feen tanzen oder zur Schule gehen. Seine Familie ist am Verzweifel und nennen es schließlich nur noch Neinhorn statt Einhorn.

Das Neinhorn denkt nicht darin, sich zu bessern, ganz im Gegenteil: Nachdem es den anderen Einhörnern deutlich seine Meinung zu ihrer Lebensart – Kekse essen, glücklich sein, in Reimen sprechen – gesagt hat, verlässt es seine Familie und zieht in die Welt Richtung Nirgends.

Als es auf dem Weg einen Waschbären trifft, der entweder schlecht hört oder nicht zuhören will, einen Hund, der sich um nichts kümmert, und eine Prinzessin, die nie mit anderen einer Meinung ist, findet es in ihnen seine ersten Freunde. Denn selbst bockig sein bringt mit Freunden mehr Spaß.

„Das Neinhorn“ ist ein unglaublich humorvolles Kinderbuch. Farbenfrohe, charakterstarke Bilder unterstreichen eine witzige, einzigartige Geschichte voller besonderer Ideen und mit einem großartigen Aufbau.

Die Dichtkunst der Einhörner, das Verhalten der vier Freunde und die witzigen Details in Bildern und Text werden nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene begeistern, die einen Sinn für Humor haben und im Herzen junggeblieben sind.

Marc-Uwe Kling, Astrid Henn: Das Neinhorn.
Carlsen, 48 Seiten, 13,00 €.


„Das Schwert der Totengöttin“
von Katharina V. Haderer

Erik Zejn ist Sergeant der Garde Tradeas. Er ist ausgebildeter Kampfmagier, oft schlecht gelaunt und hält sich an Regeln. Vor allem ist er aber eins: Überqualifiziert für die Versetzung in den kleinen Vorort Svonnheim.

In Svonnheim gewinnen die Männer ihre militärischen Ränge beim Kartenspiel, so stehen ihm zu allem Überfluss auch noch unfähige Soldaten und ein viel zu gutmütiger Stellvertreter, der nicht kämpfen kann, zur Verfügung. Trotz der ländlichen Umstände, beharrt Zejn auf das Gesetz und beginnt kurz nach seiner Ankunft die Jagd nach der dortigen Heilerin Mirage, die er ohne Lizenz glaubt.

Kurz darauf bricht das Chaos in Svonnheim aus: Die Toten erheben sich aus ihren Gräbern und bedrohen die Bewohner des Dorfes. Zejn ist überzeugt davon, dass Mirage Ursache des Übels ist und lässt sie festnehmen. Erst als sie in die Hauptstadt, fort von Svonnheim, gebracht wird, bemerkt Zejn, dass er sie zu Unrecht beschuldigt und damit die einzige Hilfe im Kampf gegen die Toten verloren hat. Er reist ihr hinterher, seinen Irrtum bereuend, um die Überfälle auf die Dorfbewohner endgültig stoppen zu können.

Doch weder Zejn noch die Heilerin Mirage ahnen, dass die Toten nicht die einzigen Feinde sind, die es zu besiegen gilt. Immer mehr Hindernisse stellen sich zwischen sie und halten sie davon ab, das Grauen zu beenden.

Ein spannendes Buch, das schwer aus der Hand zu legen ist. Die unerwarteten Wendung tragen dazu bei, den Leser zu begeistern.

Katharina V. Haderer: Das Schwert der Totengöttin.
Knaur Taschenbuch, 385 Seiten, 9,99 €.


„Der letzte Magier“
von Lisa Maxwell

Esta ist nicht nur eine Diebin, sie ist auch eine Magierin. Ihr Talent, die Zeit zu manipulieren, ermöglicht ihr, alles zu stehlen, was sie will, doch sie tut dies ausschließlich im Dienste eines alten Magiers, den sie den Professor nennt. Ihm gegenüber ist sie absolut loyal, da er sie als kleines Kind von der Straße geholt und bei sich aufgenommen hat. Ohne seine Hilfe hätte sie nicht lange gelebt, denn Magier werden von der Gesellschaft verachtet und unterdrückt, insbesondere vom Orden, einer Organisation von reichen Menschen, die auf unnatürlichem Weg Magie erlangt haben.

Um die Welt der Magier aus ihrem Elend zu befreien, schickt der Professor Esta in die Vergangenheit, wo sie ein geheimes Buch vom Orden stehlen soll, das als mächtige Waffe im Kampf gegen sie dienen soll.

In der Vergangenheit will sich Esta einer Gruppe von Magiern anschließen, die ebenfalls gegen den Orden arbeitet und das besagte Buch stehlen will. Sie schafft es, ihr Vertrauen zu gewinnen, doch je mehr Zeit sie mit ihnen verbringt, desto bewusster wird ihr, dass sie sie am Ende hintergehen muss, um ihre Welt zu retten. Doch ist die Zukunft es wirklich wert, ihre Freunde zu betrügen? Bei einem fällt ihr diese Entscheidung ganz besonders schwer: Dem jungen Magier Harte Darrigan, der als Bühnenmagier sein Talent offen zeigt, wobei er vortäuscht, nur Tricks aufzuführen. Ihm kommt sie immer näher, obwohl sie weiß, dass sie nicht länger in der Vergangenheit bleiben darf, als ihr Auftrag es verlangt.

Von Zweifel geplagt muss Esta sich schließlich entscheiden – und erfährt eine unglaubliche und gefährliche Wahrheit, die alle vorherigen Pläne zunichte macht ...

Eine faszinierende Geschichte voller Spannung und Fantasie. Das historische Stadtbild von Manhattan 1926 ist sehr überzeugend wiedergegeben, genau wie das Verhalten der Menschen dieser Zeit. Esta befindet sich im Laufe der Geschichte in unterschiedlichen Zeiten, doch egal wo sie ist, kann der Leser einen gewissen unterschiedlichen Charakter wahrnehmen. Der Handlungsverlauf ist interessant aufgebaut, genau wie das Phänomen der Zeitreise. Esta kann beobachten, wie ihre Handlungen die Zukunft verändern, wie sie zur einzigen wird, die sich an eine alternative Welt erinnert. Ein gutes Buch für jeden, der sich für Magie und die Befreiung der Unterdrückten interessiert.

Lisa Maxwell: Der letzte Magier von Manhattan.
Knaur, 576 Seiten, 16,99 €.


„Der Riese Unta“
von Rosita Magnus

Der Riese Unta sitzt hoch über dem Tal am Untersberg und kann alles beobachten. Er hütet die Geheimnisse des Berges und kennt alle Feen, Zwerge und Berggeister. Nur eines hat er nicht: einen Freund. Immer wieder beobachtet er die Kinder im Tal beim Spielen und wünscht sich nichts mehr, als dabei sein zu können, doch das ist unmöglich. Der Riese sitzt schon so lange am Berg, dass er selbst zu Stein geworden ist und sich nicht bewegen kann. Er wird niemals aufstehen und mit den Kindern über die Wiesen laufen können. Das macht ihn traurig.

Eines Tages bittet er die Feen darum, ihm eins der Kinder zu sich nach oben zu bringen: den kleinen Franz, den er schon so oft mit seinem kleinen Hund gesehen hat. Die Feen erfüllen ihm seinen Wunsch und bringen Franz nach oben auf den Berg. Endlich hat der Riese Unta einen Freund. Auch Franz ist überglücklich, all die Geschichten und Geheimnisse der Berge zu erfahren, die Unta ihm nur zu gerne erzählt. Franz bleibt lange bei dem Riesen und bemerkt gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht, doch natürlich kann er nicht für immer auf dem Berg bleiben.

Als der kleine Junge zurück ins Tal geht, ist Unta untröstlich. Wird Franz einen Weg finden, den Riesen aus seiner Einsamkeit zu befreien?

Rosita Magnus verwendet in ihrer Geschichte nicht nur eigene Ideen, sondern greift auch auf alte Legenden zurück und lässt sich außerdem von ihrem eigenen Leben inspirieren. Bilder und Text wurden im Nachlass der verstorbenen Autorin gefunden und werden hier erstmals veröffentlicht. Die Zielgruppe sind dadurch nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene, die sich für geschichtliche Ereignisse geschrieben von Zeitzeugen interessieren. Dazu kommen die liebevoll ausgearbeiteten Bilder mit fantasievollen Details, die das Lesen dieses Buches zu einer echten Freude machen.

Rosita Magnus: Der Riese Unta.
Edition Kunstschrift, 64 Seiten, 15,00 €.


„Die Wahrheit über das Lügen“
von Benedict Wells

Was tut man, wenn man als erfolgsloser Drehbuchautor unbeabsichtigt in die Vergangenheit reist? Kann man der Versuchung wiederstehen? Ist das eigene Gewissen groß genug, um keine Fehler zu machen, die Menschen derart beeinflussen, dass sie in der Zukunft nicht mehr die sind, die sie hätten werden sollen?

Adrian Brooks steht vor eben diesen Fragen, als er aus der Gegenwart ins Jahr 1973 geworfen wird und somit vier Jahre Zeit hat, George Lucas die Idee für „Star Wars“ zu stehlen. Wird er diesen Schritt tun, um sich selbst zu einer Berühmtheit zu machen, auch wenn es bedeutet, den Mann, den er seine gesamte Kindheit über bewundert hat, zu vernichten?

„Die Wahrheit über das Lügen“ steht in diesem Sammelband im Zentrum weiterer Kurzgeschichten von Benedict Wells, die alle ebenso tiefgründig wie bewegend sind. Ob es nun darum geht, dass zwei Männer, die sich vorher nie begegnet sind, in einem kahlen Raum festgehalten werden, deren einzige Ausstattung eine Tischtennisplatte mit dazugehörigen Schlägern und Ball ist, wo sie um ihr Leben spielen müssen oder ob der es lediglich eine alte Frau ist, die Passanten von ihrem Kater erzählt – Benedict Wells fesselt mit jeder Geschichte.

Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen.
Diogenes Hardcover, 256 Seiten, 22,00 €.


„Die Känguru-Apokryphen“
von Marc-Uwe Kling

Nachdem 2014 der letze Band der Känguru-Trilogie „Die Känguru-Offenbarung“ erschien, legt der Autor jetzt ein neues Buch nach. Die „Känguru-Apokryphen“ sind ein Sammelband mit allen Geschichten aus dem Programm „Wenn alle Stricke reißen, kann man sich nicht mal mehr aufhängen“ und aus den Anthologien „Über Wachen und Schlafen“ und „Über Arbeiten und Fertigsein“. Außerdem enthält das Buch 33 neue Geschichten über den Kleinkünstler, in dessen WG ein kommunistisches Känguru lebt.

Die Apokryphen werden wohl bald im Regal eines jeden Känguru-Fans stehen, doch auch Leser, denen Marc-Uwe Kling und das Känguru vorher kein Begriff waren, werden von der einzigartigen Erzählkunst, die der Autor hier wieder einmal zeigt, begeistert sein. Marc-Uwe Kling geht unangenehme Themen unserer Gesellschaft mit Humor an und bringt den Leser mit jedem Kapitel zum Lachen. Ob das Känguru den Gaszählerstand anruft, um Leute für das Asoziale Netzwerk anzuwerben oder sich mit Marc-Uwe im Tiergarten verläuft – die Inhalte sind so vielseitig, dass jeder seinen Spaß daran haben wird.

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen.
Ullstein Taschenbuch, 208 Seiten, 9,00 €.


„Du bist der Liebe nicht egal“
von Kasie West

Wenn man nicht gern mit Menschen redet, ist das Leben außerhalb der Stadt am See genau das Richtige. So denkt Kate, die nach ihrem Schulabschluss den Bootsverleih ihrer Eltern übernehmen möchte. Ihren Eltern würden zwar lieber sehen, dass sie etwas Neues ausprobiert, doch Kate weiß, was sie will. Das ändert sich schlagartig, als ihre beste Freundin Alana sie überredet, am Potcast-Kurs ihrer Schule teilzunehmen. Überraschenderweise ist Kate unglaublich gut darin, anderen Menschen Ratschläge zu geben. Sie ist witzig und originell und baut sich so ziemlich schnell eine kleine Fangemeinde auf.

Besonders erstaunlich ist aber, wie viel Spaß Kate selbst an dem neuen Hobby hat. Das steigert sich sogar noch, als sich ein anonymer Anrufer, in dem Kate eindeutig den Schwarm ihrer besten Freundin Alana erkennt, bei der Sendung meldet. Für Alana versucht Kate, alles über den Anrufer herauszufinden. Sie ist erfolgreich, muss sich aber immer öfter darin erinnern, dass sie es nur für ihre Freundin tut, nicht für sich selbst.

Eine schöne und inspirierende Geschichte über ein Mädchen, das überzeugt davon ist, seinen Platz im Leben gefunden zu haben und durch Zufall dazu gezwungen ist, den vorgeschriebenen Pfad zu verlassen und darüber nachzudenken, was sie wirklich will.

Kasie West: Du bist der Liebe nicht egal.
Harper-Collins, 304 Seiten, 16,99 €.


„Pik-Bube“
von Joyce Carol Oates

Andrew Rush ist erfolgreicher Schriftsteller. Seine Bücher sind spannend, aber voraussehbar und enden stets mit dem Sieg des Guten über den Bösen. Trotz des internationalen Erfolges, den Andrew feiern kann – seine Werke wurden bereits in 30 Sprachen übersetzt und die Presse bezeichnet ihn als „Andrew Rush, der Stephen King für Bildungsbürger“ – geben ihm seine Romane nicht alles, was er erreichen will.

Mitten in der Nacht, wenn alle in seinem Haus schlafen, steht er heimlich auf und arbeitet unter dem Pseudonym Pik-Bube an Romanen, deren Inhalt verstörend und abstoßend ist. Auch diese Bücher feiern Erfolge, wenn auch nur kleine.
Andrew's Leben bleibt ohne besondere Ereignisse, bis er eines Tages von einer fremden Frau des Plagiats beschuldigt wird. Er ist außer sich und als es zu einem Prozess kommt, fürchtet er um seinen Ruf.

In dieser Zeit der Angst, steht im auf einmal Pik-Bube zur Seite, der mit seiner grausamen Art ganz andere Lösungen für Andrews Probleme hat, als das Gericht vorsieht.

Als Andrew den Fall gewinnt, könnte sich in seinem Leben wieder Normalität einstellen. Aber Pik-Bube treibt immer noch sein Unwesen und lässt ihn nicht los.

Joyce Carol Oates: Pik-Bube.
Droemer Hardcover, 208 Seiten, 19,99 €.


„Wie Eulen in der Nacht“
von Maggie Stiefvater

Die Sorias sind eine merkwürdige Familie. Sie leben weit abseits von allem, mitten in der Wüste, und halten sich von den meisten anderen Lebewesen fern, vor allem von denen, die sie um Hilfe bitten. Wie kommt es also, dass so viele Menschen zu ihnen strömen, dass alle Häuser und Ställe nicht genügen, um sie unterzubringen? Ganz einfach: Die Sorias können Wunder bewirken, die den Menschen die Dunkelheit nehmen und ihre Seelen retten.

Doch ist der erste Teil des Wunders getan, so darf ein sich Soria nicht mehr einmischen, sonst überkommt auch ihn die Dunkelheit. Der Heilige der Familie, Daniel Soria, hat größten Respekt vor seiner Gabe und verfolgt die Traditionen mit Hingabe, bis er den schlimmsten aller Fehler macht: Er mischt sich in ein Wunder ein.

Seine Cousine Beatriz versucht, ihm zu helfen, kann dem von Dunkelheit ergriffenen Daniel aber nicht nahekommen. Die letzte Rettung scheint der junge Pete, der als einziger Wanderer nicht bei den Sorias ist, um ein Wunder zu bekommen, sondern um sich einen Lastwagen zu verdienen.

Maggie Stiefvater: Wie Eulen in der Nacht.
Knaur, 304 Seiten, 14,99 €.


„Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet“
von Rebecca Green

Hast du Angst vor Gespenstern? Oder hast du dich vielleicht immer schon gefragt, was sie gerne machen, was sie essen und vielleicht sogar, ob du irgendwann eins treffen wirst? Dann ist dieses Buch genau das Richtige.

Hier wird der Weg einer ganz besonderen Freundschaft beschrieben: Die einzigartige Freundschaft zwischen einem Mädchen und einem Gespenst. Nachdem sie sich gefunden haben, begleitet das Gespenst das Mädchen durch ihr ganzes Leben: Sie wird älter, gründet eine Familie und ist schließlich eine alte Frau.

Als sie so alt ist, dass sie nicht mehr lesen kann, liest das Gespenst ihr vor, es erzählt ihr Witze und bringt sie zum Lachen.

Und auch als das Mädchen am Ende ihres Lebens angekommen ist, bleibt die Freundschaft zwischen den beiden bestehen.

„Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet“ ist ein Kinderbuch mit Tiefgrund. Es regt Erwachsene zum Nachdenken an und eignet sich sehr gut zum aktiven Vorlesen. Allerdings muss bewusst sein, dass die Hauptfigur am Ende des Buches stirbt. Ihr Tod wird textlich nicht erwähnt, ist jedoch trotzdem klar erkennbar, wobei es aber nicht um die tragische Darstellung geht, sondern vielmehr um die Freundschaft zwischen dem Mädchen und dem Gespenst, die bis nach dem Tod bestehen bleibt.

Insgesamt ist es ein sehr schönes Buch, teilweise witzig, mit liebevollen, originellen Zeichnungen, die zwar einfach gehalten sind, aber einen unverkennbaren Charakter aufweisen. Wer dieses Buch gelesen hat, wird keine Angst mehr vor Gespenstern haben.

Rebecca Green: Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet.
Diogenes, 40 Seiten, 18,00 €.

Geändert:  05 / 2020