„Celler Scene“

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DIES UND DAS


Übersicht

  • Tinnitus beeintrĂ€chtigt LebensqualitĂ€t
  • „Sleep-Ring“ gegen das Schnarchen
  • MadenwĂŒrmer bei Kindern

INFO:  11 / 2020

Tinnitus beeintrÀchtigt LebensqualitÀt

OhrgerÀusche sind keine Einbildung

HANNOVER (ak).  Ein lautes Piepen, ein schriller Dauerklingelton, ab und zu ein Brummen: So unterschiedlich OhrgerĂ€usche ausfallen, so verschieden sind auch die Auslöser der unangenehmen BegleitgerĂ€usche. Je nach Schweregrad und persönlichem Leidensdruck können sie die LebensqualitĂ€t beeintrĂ€chtigen – mit erheblichen Folgen wie Stress, Schlaflosigkeit, Depressionen und emotionaler Erschöpfung bis hin zur ArbeitsunfĂ€higkeit oder Suizid. Die „Apothekerkammer Niedersachsen“ rĂ€t Betroffenen, die OhrgerĂ€usche nicht einfach hinzunehmen. Im GesprĂ€ch mit dem Arzt sollte zunĂ€chst geklĂ€rt werden, ob mögliche primĂ€re Grunderkrankungen der Auslöser sind. ÜberbrĂŒckend bis zum Arztbesuch können rezeptfreie Ginkgo-PrĂ€parate, die die Durchblutung verbessern, zum Einsatz kommen. Voraussetzung: Es sprechen keine weiteren Erkrankungen oder andere Medikamente gegen die Einnahme. Betroffene sollten sich in der Apotheke vor Ort sachkundig zur Dosierung eines qualitativ hochwertigen PrĂ€parates beraten lassen. Hier finden Betroffene auch Rat, die wegen ihrer OhrgerĂ€usche unsicher sind.

Tinnitus – physiologische Ursache nur in AusnahmefĂ€llen

Liegt eine gestörte Hörwahrnehmung vor und hören Betroffene GerĂ€usche ohne Schallquelle, ist von einem Tinnitus die Rede (lat.: tinnire = klingeln). Dabei wird zwischen einem objektiven Tinnitus, sprich: es liegen physiologische Ursachen wie eine GefĂ€ĂŸmissbildung oder neurologische Erkrankung vor, und einem subjektiven Tinnitus unterschieden – davon ist ein Gros der FĂ€lle betroffen. Ein Großteil der akuten Tinnitus-FĂ€lle unterliegt einer Spontanheilung. Besteht der Tinnitus mehr als drei Monate und wird chronisch, kann er sich trotzdem innerhalb einiger Jahre wieder zurĂŒckbilden.

Einseitig oder bilateral

Bei 60 Prozent der Betroffenen tritt Tinnitus einseitig, bei 40 Prozent beidseitig auf. Nimmt der Patient das GerĂ€usch eher im Kopf als im Ohr wahr, wird vom „Tinnitus cerebri“ gesprochen. Die Charakteristik des OhrgerĂ€usches wird individuell beschrieben. Zudem lassen sich tonale oder nicht-tonale OhrgerĂ€usche, hohe oder tiefe Frequenzen, variable LautstĂ€rken, variable Zeitmuster (pochend, gleichförmig) und verschiedene AuftrittshĂ€ufigkeiten (dauerhaft, vorhanden, phasenweise) unterscheiden.

VielfÀltige Auslöser

Die Faktoren, durch die die OhrgerĂ€usche entstehen, können neurologischen, funktionalen, medikamentösen, infektiösen oder multifaktoriellen Ursprungs sein. Sie können zum Beispiel auf EntzĂŒndungen des Hörapparates, Morbus MeniĂšre (Innenohr-Erkrankung mit Schwindelsymptomen) oder einer VerhĂ€rtung der Ohrknöchelchen (Otosklerose) zurĂŒckgehen. Weitere mögliche Ursachen: LĂ€rmtraumata durch chronische LĂ€rmbelastungen, Hirntumore, Infektionen durch Viren oder Bakterien (Mumps, Masern, Röteln, Meningitis) und SchilddrĂŒsen-, Nieren- oder Leberfunktionsstörungen. Auch bestimmte Medikamente, zum Beispiel Salicylate, Antibiotika, Chemotherapeutika und Malaria-Medikamente, können OhrgerĂ€usche auslösen. Doch eigenmĂ€chtiges Absetzen der teilweise ĂŒberlebenswichtigen Arzneimitteln ist Tabu.Die Bandbreite zeigt: Eine AbklĂ€rung mit dem Arzt ist unverzichtbar.

Durchblutungsstörung

Stellt der Arzt Durchblutungsstörungen fest, kann zur Verbesserung der Innenohr- und cerebralen Durchblutung ein Ginkgo-biloba-Extrakt eingesetzt werden. Das hierfĂŒr zugelassene Arzneimittel verbessert nachweislich die Fließeigenschaften des Blutes, insbesondere der Mikrozirkulation. Betroffene sollten auf qualitativ hochwertige PrĂ€parate achten und sich zur fĂŒr sie passenden Dosierung beraten lassen.

Stressbedingte OhrgerÀusche

Tinnitus ist kein Symptom einer lebensbedrohlichen Krankheit, allerdings auch keine Einbildung. Bei einem subjektiven Tinnitus ist das GerĂ€usch fĂŒr den Patienten hörbar. Im GesprĂ€ch mit dem Arzt sollte besprochen werden, in welcher Lebenssituation der Tinnitus auftritt und in welchen Situationen er ertrĂ€glich ist.

Hörsturz kommt plötzlich

Ein Hörsturz ist eine plötzlich auftretende Schallempfindungsstörung und tritt hĂ€ufig simultan mit Tinnitus auf. Durchblutungsstörungen galten lange als eine der Hauptursachen fĂŒr Tinnitus. Sie können zwar eine mögliche Ursache eines akuten Tinnitus oder Hörsturzes sein, jedoch keine chronischen ZustĂ€nde mit normalem Hörvermögen erklĂ€ren. Bei einem akuten Hörsturz wird unter anderem eine andere Hochdosis-Kortison-Gabe vorgeschlagen. Die Evidenz bei akutem Tinnitus ist jedoch unklar. Ohne Auftreten eines Hörsturzes sollte laut europĂ€ischer Tinnitus-Leitlinie keine Kortison-Therapie erfolgen.

Verhaltens-Therapie bei chronischen Beschwerden

Der chronische Tinnitus wird den neuesten Leitlinien gemĂ€ĂŸ hauptsĂ€chlich mit kognitiven Verhaltenstherapien behandelt. So soll der Patient mit der Konfrontationstherapie, die auf dem Angstvermeidungsmodell beruht, lernen, dass der Tinnitus kein Alarmsignal darstellt. Durch die Adaption an das Tinnitus-GerĂ€usch und zusĂ€tzliche Entspannungsmethoden gelingt es den Patienten, den Teufelskreis zu durchbrechen. Eine Gewöhnung, die Habituation, an die dauerhaften OhrgerĂ€usche ist sehr wahrscheinlich. Betroffene sollten sowohl Stille als auch ĂŒbermĂ€ĂŸigen LĂ€rm vermeiden, auf eine gute Schlafhygiene achten und mit Entspannungs-Übungen entgegenwirken.

PrÀventiv gesund leben

In 99 Prozent der FĂ€lle kann keine physiologische Ursache gefunden werden. Außer einer ohnehin ratsamen gesunden, psychisch stabilen Lebensweise ist daher keine PrĂ€vention möglich. Bestimmte Berufsgruppen wie Musiker oder Bauarbeiter sollten ihren Hörapparat gut schĂŒtzen und ihn regelmĂ€ĂŸig kontrolliert lassen.

VON FRANK R. BULLA

„Sleep-Ring“ gegen das Schnarchen

Akupressur kann helfen


(Foto: © Frank R. Bulla)

Das Schnarchen ist vermutlich so alt wie die Menschheit und hat schon zu viel Verdruss in manchem Schlafzimmer gefĂŒhrt. In besonders heiklen FĂ€llen greifen Paare zum allerletzten Mittel und arrangieren Möglichkeiten, um nicht mehr im selben Zimmer nĂ€chtigen zu mĂŒssen; im schlimmsten Fall bedeutet das sogar Trennung, denn ein gesunder Schlaf, der durch nichts beeintrĂ€chtigt wird, ist enorm wichtig. Aber bislang – so scheint es – ist noch kein wirklich einfaches wie wirkungsvolles Mittel erfunden, um gegen das Schnarchen anzugehen. Es gibt zwar die unterschiedlichsten mechanischen Hilfsmittel, die wĂ€hrend der Nacht ĂŒber das Gesicht gestĂŒlpt werden – aber schon allein wenn man derer ansichtig wird, kann man sich nicht vorstellen, damit einen gesunden Schlaf finden zu können.

Vor einigen Wochen las ich das Posting einer „Facebook“-Freundin: Sie hatte offenbar eine simple Möglichkeit aufgetan, etwas gegen das nervende Schnarchen ihres LebensgefĂ€hrten zu tun. Das Stichwort lautet: Akupressur – mittels eines an einer Stelle geöffneten Rings (s. Foto!), der an der Innenseite zwei gegenĂŒberliegende unterschiedlich große Verdickungen aufweist. Am kleinen Finger angesteckt, bedienen diese Verdickungen zwei Meridian-Linien, die mit der Nasen- und Rachenregion verbunden sind. MĂ€nner tragen den Ring in der Regel an der Basis des rechten kleinen Fingers, Frauen am linken kleinen Finger, wobei jeweils die kleinere der beiden Verdickungen nach innen weisen muss.

Der Erfolg des „Sleep-Rings“ (erhĂ€ltlich im Internet) soll sich laut Hersteller bereits nach wenigen Wochen einstellen. In vielen FĂ€llen ist die Wirkung bereits nach wenigen Tagen spĂŒrbar; so war das auch in meinem Falle: Normalerweise bekomme ich in den vergangenen Jahren immer mal wieder was von meiner Frau zu hören, wenn ich mich mal wieder in einer Phase befinde, da ich offenbar ganz besonders heftig schnarche. Dann beeintrĂ€chtigt das ihren Schlaf nicht unerheblich. Nachdem ich den Ring eingesetzt hatte, hörte ich wochenlang keine Klagen mehr. Zwar hatte das Schnarchen wohl nicht völlig aufgehört, war aber in Hinblick auf die LautstĂ€rke auf ein sehr ertrĂ€gliches Maß reduziert worden. Erst als mir durch ungeschickte Handhabung (vielleicht hatte ich auch ein ‚Montags-Produkt‘ erwischt) der Ring in zwei Teile zerbrach und ich ihn nicht mehr nutzen konnte, beklagte sich meine Frau in der darauffolgenden Nacht ĂŒber mein heftiges Schnarchen.

Der Ring wurde sehr zeitnah und kostenfrei vom Hersteller ersetzt. Und seither findet meine Frau wieder ihren ungestörten Schlaf.

Den Ring am kleinen Finger spĂŒrt man ĂŒbrigens so gut wie gar nicht, obgleich er relativ eng sitzt, was auch im Sinne des Erfinders ist. Man muss ihn konsequent jede Nacht tragen, allerdings nicht lĂ€nger als zwölf Stunden. Die rund 40 €, die der Ring kostet, sind sicherlich ein stolzer Preis – sieht man allerdings Wirkung und Nutzen, scheint mir das gut investiertes Geld zu sein.

INFO:  07 / 2020

MadenwĂŒrmer bei Kindern

Unangenehm, aber kein Grund zur Panik

HANNOVER (ak).  Kleine Kinder spielen gern, ob am Boden oder im Sandkasten. Sie erkunden die Welt in der Oralphase mit dem Mund und untersuchen auf diese Weise nahezu alles, was ihnen in den Weg kommt. Dabei können die Kinder durch Handkontakt oder durch Einatmen die ovalen, etwa 20 bis 30 ”m Eier der MadenwĂŒrmer aufnehmen und sich infizieren. SchĂ€tzungsweise bis zu 40 Prozent aller FĂŒnf- bis NeunjĂ€hrigen waren bereits von einer Infektion betroffen, in deutschen Kinderarztpraxen werden wöchentlich bis zu fĂŒnf Kinder wegen eines Infektionsverdachts vorgestellt. Der Befall ist meist harmlos, doch den kleinen WĂŒrmern sollte möglichst schnell der Garaus gemacht werden. Haben Eltern einen Anfangsverdacht, empfiehlt die „Apothekerkammer Niedersachsen“ einen sogenannten „Klebestreifen-Test“. Die Apotheken vor Ort geben Tipps zur DurchfĂŒhrung dieses Tests.

LÀstige SchlafrÀuber

MadenwĂŒrmer (Enterobius vermicularis) leben versteckt im Dickdarm, der Parasitenbefall bleibt daher oft lĂ€ngere Zeit unbemerkt. Abends wandert das Weibchen Richtung After und legt dort etwa 10.000 Eier ab. Die Folge: Die Kinder leiden unter nĂ€chtlichem Juckreiz im Anal- und Vaginalbereich. Entsprechend unruhig kann die Nacht ausfallen. Entdecken Eltern beim Windelnwechseln oder im Slip kleine WĂŒrmer, besteht kein Grund zur Panik. Allerdings sollte das betroffene Kind sofort dem Arzt vorgestellt werden. Bei MĂ€dchen besteht die Gefahr, dass der Wurm die weiblichen Genitale befĂ€llt und dort eine EntzĂŒndungsreaktion auslöst. Bei sehr starkem Befall kann es zu DurchfĂ€llen, Bauchschmerzen und Übelkeit kommen, in seltenen FĂ€llen zu entzĂŒndlichen Prozessen in der Darmwand.

Medikation richtig handhaben

In der Selbstmedikation, das heißt ohne Ă€rztliche Verschreibung, kann Pyrvinium, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Anthelminthika, fĂŒr Kinder ab einem Jahr eingesetzt werden. Bei der Gabe von Pyrvinium bildet sich ein Farbstoff, der den Stuhl hellrot einfĂ€rbt und aus Textilien nicht entfernt werden kann – Eltern sollten keinen Schreck bekommen und meinen, es sei Blut im Urin. Sind die Kinder jĂŒnger, sollten Eltern WurmprĂ€parate nur in RĂŒcksprache mit dem Arzt anwenden. FĂŒr die Kleinen gibt es in der Apotheke vor Ort eine Suspension, die vor Gebrauch geschĂŒttelt werden muss und mit Fruchtsaft vermischt werden kann. FĂŒr Ă€ltere Kinder stehen PrĂ€parate zur VerfĂŒgung, deren Wirkstoff jedoch zu leichteren Magen-Darm-Beschwerden fĂŒhren kann, der Wirkstoff ist lediglich lokal im Dickdarm wirksam. Weitere PrĂ€parate mit Wirkstoffen wie Pyrantel, Albendazol und Mebendazol sind verschreibungspflichtig.

Angehörige gleich mitbehandeln

Eine medikamentöse Behandlung ist notwendig, auch wenn MadenwĂŒrmer und Eier nach einigen Wochen von selbst absterben. Ohne entsprechende PrĂ€parate kommt es zu einem stĂ€ndig neuen Befall durch orale Aufnahme oder Inhalation noch vorhandener Eier in der Umgebung. Daher sollten alle infizierten Patienten – Geschwister und Eltern eingeschlossen – die Therapie am selben Tag beginnen und mindestens einmal nach zwei Wochen wiederholen. Schwangere sollten besser den Arzt aufsuchen. Auch eine dritte Einnahme nach weiteren zwei Wochen kann erwogen werden, um alle Entwicklungsstadien des Wurmes zu erfassen. Ist die Therapie nicht erfolgreich, ist das ein Indikator fĂŒr eine erneute Infektion im Familienkreis. Daher werden nahelebende Angehörige vorsorglich mitbehandelt.

Auch Selbstinfektion erneut möglich

Nach einem Erstbefall gelangen durch Kratzen am After aufgrund des verursachten Juckreizes die ausgeschiedenen, klebrigen Eier an HĂ€nde und FingernĂ€gel und von hier zurĂŒck in den Mund (Selbstinfektion) oder auf TĂŒrklinken oder Spielzeug (Weitergabe der Infektion). Da die Eier in einer feuchten Umgebung bis zu drei Wochen infektiös bleiben, ist auch nach erfolgreicher Behandlung des Patienten bei unzureichender Reinigung der Umgebung eine erneute Infektion durch verbleibende Eier möglich.

AusfĂŒhrliche Hygiene

Die Eier bleiben bei kĂŒhlen, feuchten Bedingungen bis zu drei Wochen infektiös. Daher sollten zu Behandlungsbeginn auch BettwĂ€sche, HandtĂŒcher, Kleidung und Kuscheltiere bei 60 Grad gewaschen werden. SchlafrĂ€ume werden grĂŒndlich durchgewischt, TĂŒrklinken und SanitĂ€r-Einrichtungen geputzt und Spielzeug mit heißem Wasser gereinigt. Der Einsatz von Desinfektionsmitteln ist in der Regel nicht notwendig. Es wĂ€re aber fatal zu schlussfolgern, dass eine Infektion ein Indikator fĂŒr einen dreckigen Haushalt ist. Die tĂ€gliche Hygiene ist das A und O: RegelmĂ€ĂŸiges und grĂŒndliches HĂ€ndewaschen mit Seife gehört ebenfalls dazu wie kurz geschnittene FingernĂ€gel. Kleinkinder werden möglichst eng gewickelt, um weiteres Kratzen im Schlaf zu vermeiden. Sogenannte FamilienhandtĂŒcher sollten vermieden werden. Außerdem sollten Obst, GemĂŒse und Salat vor dem Verzehr grĂŒndlich gewaschen werden.

Kita-Besuch möglich

Das Kind darf die KindertagesstÀtte oder den Kindergarten weiterhin besuchen. Die Erkrankung ist zwar nicht meldepflichtig, allerdings sollten das Erzieherteam und Eltern von befreundeten Kindern Bescheid wissen. Damit können weitere Ansteckungen vermieden und auch Ansteckungsherde in der TagesstÀtte aufgedeckt werden.

GeÀndert:  08 / 2020