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GESUNDHEIT
Erkältung und mehr



(Foto: © Frank R. Bulla)


Übersicht

  • Patentrezepte gegen Erkältungen
  • Sieben populäre Erkältungsirrtümer


INFO: 02 / 2015

Patentrezepte gegen Erkältungen

Symptome frühzeitig behandeln

HANNOVER. Schluckbeschwerden und Kratzen im Hals – wer häufig hustet und sich laufend räuspert, bekommt schnell ein paar Tipps von Freunden oder sogar vom Sitznachbarn im Bus, wie beispielsweise Halstabletten lutschen oder jede Stunde zehn homöopathische Tropfen einnehmen. Fast jeder scheint ein Patentrezept gegen Erkältungen und Halsweh zu haben. Aber was hilft wirklich?

Halsschmerzen sind unangenehm, aber oft harmlos. Meistens werden sie durch einen Virusinfekt ausgelöst und klingen nach einigen Tagen von selbst wieder ab, teilt die „Apothekerkammer Niedersachsen“ mit. Doch so lange möchten die Betroffenen ungern warten, sie wollen die Schmerzen schnell wieder loswerden. In der Apotheke fragen sie deshalb nach ihren bewährten Arzneimitteln, mit denen sie schon vorher gute Erfahrungen gemacht haben, um Halsweh und Schnupfen zu mildern. Häufig werden allerdings Präparate gewünscht, für die es keine wissenschaftlich anerkannten Studien zur Wirksamkeit gibt. Es gibt in der Medizin immer wieder Phänomene wie den Placebo-Effekt, für den es keine eindeutigen Erklärungen gibt. Die meisten Patienten fühlen sich einfach wohler, wenn sie selbst etwas gegen die Symptome unternehmen können. Auch die Homöopathie findet viele Anhänger, obwohl die Wirksamkeit für Fachleute nicht nachweisbar ist. Dennoch gilt: Apothekenpflichtige Halstabletten oder Erkältungsmittel sind durch Behörden zugelassene Arzneimittel, deren Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Wirkstoffqualität geprüft sind.

Symptome ernstnehmen

Wenn das Schlucken schmerzt, sollte man etwas dagegen unternehmen, denn Halsschmerzen sind häufig erste Anzeichen für eine Erkältung. Wer eine beginnende Erkältung selbst therapiert, sollte Folgendes beachten: Bei Halsschmerzen mit hohem Fieber, eitrigem Auswurf oder chronischen bzw. einseitigen Halsschmerzen soll sofort ein Arzt aufgesucht werden. Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen, unter Allergien leiden oder schwanger sind, sollten sich in der Apotheke beraten lassen, welche Erkältungsmittel für sie unbedenklich sind.

Das richtige Mittel im Gespräch mit dem Apotheker finden

Wer ein Kratzen im Hals spürt, sollte sich ausruhen und auf eine vitaminreiche Ernährung achten. Viel Trinken hält die Mundschleimhäute feucht und fördert so den Heilungsprozess. Rauchen ist tabu. Der Apotheker gibt gerne Tipps, welche Erkältungsmittel sich gut in den persönlichen Alltag integrieren lassen. Grundsätzlich unterstützen das Trinken von Tees und heißer Zitrone, Gurgeln mit Salzwasser, Salbeitee oder mit einer verdünnten Wasserstoffperoxidlösung die Heilung. Das Lutschen von Husten- oder Halsbonbons regt die Speichelproduktion an und lindert so die Beschwerden. Auch feuchtkalte Halswickel helfen. Bei einer Erkältung empfinden viele Patienten Hausmittel als wohltuend. Doch nicht immer lassen sich ‚Großmutters Rezepte‘ wie Gurgeln und Halswickel auch am Arbeitsplatz anwenden. Ein Busfahrer wünscht sich schnelle Hilfe für unterwegs, eine Lehrerin will vor den Schülern ohne Schmerzen sprechen, ein Arbeiter am Fließband braucht vor allem ein unkompliziertes Mittel. Hier können Arzneimittel helfen, die Entzündungen direkt im Hals hemmen und Schmerzen lindern. Manch einer leidet so stark unter den Halsschmerzen, dass er keine Nachtruhe findet. Eine Halstablette, die direkt im Rachenraum wirkt, kann Gutes tun und der Patient findet endlich in den wohltuenden Schlaf. Ebenso geeignet sind Schmerzmittel wie „Ibuprofen“, „Paracetamol“ und Acetylsalicylsäure. Die Einnahme von Acetylsalicylsäure, dem Verbraucher unter dem Namen „Aspirin“ bekannt, sollte bei Kindern unter zwölf Jahren unterbleiben. Doch auch hier gilt: Ob Schmerzmittel oder Halstablette, beides sind Arzneimittel. Vor der Einnahme sollte der Patient den Beipackzettel sorgfältig lesen und die Dosierungshinweise beachten. Der Apotheker findet im Gespräch das individuell auf den Patienten abgestimmte Mittel, das auch im Alltag gut anwendbar ist.

Kinder gut versorgen

Kinder unter sechs Jahren sollten bei Halsschmerzen nicht mit Halstabletten behandelt werden, die Benzocain oder Lidocain enthalten. Hier sind Lutschtabletten mit Mineralsalzen anderen Arzneimitteln vorzuziehen. Für erkrankte Säuglinge und Kleinkinder gelten besondere Empfehlungen, über die sich Eltern beim Arzt und Apotheker informieren können.


INFO:  2012

Sieben populäre Erkältungsirrtümer

Erkältung oder Grippe?

HANNOVER. Wenn die Erkältung uns wieder fest im Griff hat, fällt man schnell auf Werbeversprechen, Weisheiten der Kollegen oder das eigene Gesundheitsempfinden herein. Die Apothekerkammer Niedersachsen räumt mit ein paar Irrtümern rund um die Erkältung auf.

1.  Mit Medikamenten ist die Erkältung schnell wieder weg

Das stimmt leider nicht! Bis eine Erkältung komplett wieder abgeklungen ist, dauert es mit oder ohne Arzneimittel ungefähr 14 Tage. Eine Erkältung kann aber mit Hilfe von Medikamenten erträglicher gemacht werden. Nasenspray und Halstabletten verschaffen zum Beispiel eine Linderung der Symptome, heilen können sie die Erkältung nicht. Weiterhin sollte man sich etwas Ruhe gönnen, um die Erkältung nicht zu verschleppen.

2.  Ein Kombipräparat ist die einfachste Lösung

Falsch! Kombipräparate in flüssiger Form enthalten bis zu 18 Prozent Alkohol, beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit und sind nicht für jedermann geeignet. So dürfen diese Arzneimittel nicht angewendet werden bei Asthma, Bluthochdruck oder Schilddrüsenerkrankungen. Kinder sollten diese Medikamente ebenso nicht einnehmen. Die Apothekerkammer Niedersachsen rät zu einer individuell abgestimmten Medikation, die den einzelnen Symptomen gerecht wird. Wer nur Schnupfen hat, braucht kein Kombipräparat gegen Husten und Schnupfen.

3.  Erkältung und Grippe sind identisch

Viele Erkältungsgeplagte glauben, sie hätten eine Grippe, doch hier täuscht das eigene Empfinden in den meisten Fällen. Zwar fühlen wir uns bei einer Erkältung auch schlapp, eine Grippe macht uns jedoch regelrecht handlungsunfähig. Es handelt sich um eine schwere Krankheit, die insbesondere für alte und schwache Menschen einen tödlichen Verlauf haben kann. Eine Erkältung entwickelt sich schleichend, während eine Grippe schnell mit Fieber, Schüttelfrost und Appetitlosigkeit aufwartet. Das matte Gefühl hält auch nach der Erkrankung lange an. Bis sich ein Grippekranker wieder komplett erholt hat, können Wochen oder gar Monate vergehen. Eine Erkältung ist dagegen harmlos.

4.  Hausmittel bringen nichts

Falsch! Hausmittel sind sehr effektiv. Am Anfang einer Erkältung empfehlen Apotheker bei Frösteln oder Schnupfen eine Schwitzkur mit Linden- oder Holunderblütentee. Mithilfe nasser Tücher in der Wohnung, kann man die Luftfeuchtigkeit erhöhen und die Schleimhäute feuchthalten. Malventee hilft gegen Hustenreiz, Thymiantee sorgt für einen produktiven Husten. Tees sind immer eine gute Maßnahme, da gerade kranke Patienten viel warme Flüssigkeit zu sich nehmen sollten. Wer kein Fieber hat, kann auch ein Bad mit ätherischen Ölen nehmen, sonst ist eine Inhalation die bessere Lösung.

5.  Husten deutet immer auf eine Erkältung hin

Husten ist nicht gleich Husten! Patienten sollten in der Apotheke immer erst ihre Symptome beschreiben. Handelt es sich um trockenen Reizhusten oder um produktiven Husten, bei dem die Atemwege von Schleim befreit werden? Manchmal liegt Reizhusten auch in einer Allergie gegen Arzneimittel begründet, z. B. bei einer Arzneimittelunverträglichkeit gegen ACE-Hemmer. Bei produktivem Husten kann eine durch Bakterien verursachte Bronchitis zugrunde liegen, die einer viralen Erkältung aufsitzt. Mit Hilfe des Apothekers kann nach genauer Beschreibung des Hustens die richtige und hilfreiche Therapie gefunden werden. Oder der Apotheker rät einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu stellen.

6.  Bei einer Erkältung braucht man keinen Arzt

Verläuft eine Erkältung nach dem normalen Schema, ist kein Arzt erforderlich. Wer aber sehr starke Symptome hat oder länger als drei Tage Fieber hat, sollte dringend einen Arzt konsultieren. Insbesondere bei Säuglingen, immungeschwächten Personen oder älteren Menschen ist Vorsicht geboten.

7.  Erkältung kommt von Kälte

Das stimmt nur bedingt! Erkältungen werden überwiegend von Viren ausgelöst. Bei einem starken Immunsystem können Viren nichts ausrichten, auch nicht, wenn man ein bisschen friert. Bei einem schwachen Immunsystem und einer kleinen Verkühlung haben Viren eine gute Angriffsfläche. Hier ist der Körper schnell mit der Abwehr überfordert. Ein weiteres Problem sind die durch trockene Heizungsluft und die Kälte draußen bedingten trockenen Schleimhäute. Dies gibt Viren mittels Tröpfcheninfektion die Möglichkeit, in den Körper einzudringen. Hier können Sprays helfen, die die Schleimhäute immer feucht halten.

Geändert:  05 / 2020