„Celler Scene“

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GESUNDHEIT
Organspende


INFO:  06  / 2011

Jede Organspende
rettet Menschenleben!

Apotheker unterstĂŒtzen transplantierte Patienten bei der Medikation

HANNOVER.  „In jedem steckt ein Lebensretter“ – so lautet das Motto des „Tags der Apotheke“, der deutschlandweit Anfang Juni stattfindet. Denn jede Organspende rettet Menschenleben. Auch die niedersĂ€chsischen Apotheker rufen an diesem Tag dazu auf, sich mit dem Thema Organspende auseinander zu setzen. Informationen und Organspendeausweise erhalten Interessierte in ihrer Apotheke oder im Internet unter www.dso.de ... Nach wie vor gibt es zu wenig Organspender.

2010 wurden nach Angaben der „Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO)“ mehr als 4.200 Organe transplantiert. In Niedersachsen zĂ€hlte die „DSO“ 362 gespendete Organe ohne Lebendspenden. Dem gegenĂŒber stehen deutschlandweit 12.000 schwer kranke Menschen, die auf eine lebensrettende Transplantation hoffen. Nach wie vor sterben in Deutschland an jedem Tag im Durchschnitt drei Patienten, weil fĂŒr sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan zur VerfĂŒgung steht.

Organtransplantationen sind seit Jahrzehnten etablierte Behandlungsverfahren. Mit dem medizinischen Fortschritt sind auch die Erfolgsraten gestiegen. Bei Nieren sind bis zu 85 Prozent der transplantierten Organe eines toten Spenders nach einem Jahr noch funktionstĂŒchtig. Bei der Lebendspende sind es sogar 93 Prozent. Nach fĂŒnf Jahren arbeiten noch bis zu 84 Prozent der Spendernieren.

Medikamente helfen, die Funktion der Spenderorgane zu erhalten und sie vor körpereigenen Immunreaktionen zu schĂŒtzen. „Dabei kommt es vor allem auf die RegelmĂ€ĂŸigkeit der Medikamenteneinnahme an“, weiß Detlef MĂŒller, Apotheker aus Hannover. Eine Transplantation werde nur erfolgreich bleiben, wenn der Patient sich genau an die Anweisungen des Arztes hĂ€lt und der abgesprochenen Therapie treu bleibe.

FĂŒr viele transplantierte Patienten ist es anfangs schwierig, die Lebensgewohnheiten umzustellen und die regelmĂ€ĂŸige Medikamenteneinnahme in den Tagesablauf zu integrieren. Hierbei berĂ€t der Apotheker und hĂ€lt fĂŒr seine Patienten gleich einen Trick parat: Die Zeit der Medikamenteneinnahme wird in das Mobiltelefon eingegeben. So erinnert der Alarm regelmĂ€ĂŸig an die Tablette.

Die Wirkung der Immunsuppressiva, die alle organtransplantierten Patienten einnehmen mĂŒssen, um die Abwehrreaktionen des Körpers zu unterdrĂŒcken, kann durch viele andere Medikamente wie Antibiotika oder Antidepressiva und auch durch Lebensmittel verstĂ€rkt oder abgeschwĂ€cht werden. So kann z. B. der Genuss von Grapefruitsaft zu einer verstĂ€rkten Wirkung von Immunsuppressiva und in der Folge zu gefĂ€hrlichen Infektionen fĂŒhren. Auch Johanniskraut beeintrĂ€chtigt die Wirkung der Immunsuppressiva stark. Bei transplantierten Stammkunden achtet Apotheker MĂŒller genauestens auf diese Wechselwirkungen. Patienten mit einem Spenderorgan bekommen leichter Infektionen und sollten sich daher auch besonders schĂŒtzen. Es ist jedoch nicht zu empfehlen, sich selbst ohne RĂŒcksprache mit dem Arzt oder Apotheker mit rezeptfreien Medikamenten, Naturheilmitteln oder VitaminprĂ€paraten zu behandeln.

Der Apotheker rĂ€t Patienten nach der Transplantation die ErnĂ€hrung umzustellen: Sie sollten auf rohes Fleisch und Softeis verzichten, weil diese Lebensmittel ein Infektionsrisiko bergen und wenig Alkohol trinken. Ebenso sollten die Patienten ihren Körper regelmĂ€ĂŸig mit FlĂŒssigkeit versorgen und bewusst essen, um Gewichtszunahmen zu vermeiden. Transplantierte sollten sich außerdem vor zu viel Sonne schĂŒtzen. FĂŒr sie gelten die drei „H“s: Hut, Hemd, Hose und ein gutes Sonnenschutzmittel, da Patienten mit einem Spenderorgan ein höheres Risiko haben, an Hautkrebs zu erkranken.

Alexandra Meyer-Holtkamp aus Hannover lebt seit 16 Jahren mit einer Spenderleber. Sie hatte großes GlĂŒck, denn die damals 16-JĂ€hrige wartete nur 24 Stunden auf ihr neues Organ. HĂ€tte sie kein Spenderorgan erhalten, wĂ€re sie innerhalb kurzer Zeit gestorben. Heute lebt die OrganempfĂ€ngerin ein ganz normales Leben. Die tĂ€gliche Medikamenteneinnahme ist fĂŒr sie lĂ€ngst zur Routine geworden. Aufpassen muss Alexandra Meyer-Holtkamp, wenn sie akut krank ist und Medikamente einnehmen muss. Dann fragt sie ihren Apotheker, welche Medikamente sich mit ihren Immunsupressiva vertragen. Die OrganempfĂ€ngerin hat seit Jahren eine Stammapotheke. Das hat viele Vorteile. Der Apotheker weiß, welche Immunsuppressiva seine Patientin einnehmen muss, er kennt die Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und er erinnert seine Patientin rechtzeitig an Folgerezepte. Außerdem hĂ€lt er immer einen Vorrat der lebensnotwendigen Medikamente in der Apotheke bereit, sodass die Patientin sie sofort mitnehmen kann, wenn sie einmal spontan fĂŒr lĂ€ngere Zeit verreisen will. Heute freut sich Alexandra Meyer-Holtkamp gesund zu sein und fĂŒhlt eine grĂ¶ĂŸere Verantwortung fĂŒr die Lebenszeit, die ihr neu gegeben wurde.

Die Vorstellung, ein Gewebe oder ein Organ zu spenden, ist manchem Menschen unheimlich. Viele Ängste sind dabei unbegrĂŒndet und die Folgen des Zögerns fatal. Aus Unsicherheit entscheiden sich viele Angehörige oft gegen eine Spende. Mit einem Organspendeausweis nimmt man seinen Verwandten im Falle des Todes eine schwere Last ab. Ein solcher Ausweis schafft fĂŒr sie und fĂŒr das medizinische Personal Klarheit. Und jeder Organspender rettet nach seinem Tod bis zu sieben Erkrankten das Leben.

GeÀndert:  05 / 2020