„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2001



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„Astrologie – was ist das eigentlich?“
von Martin A. Banger

Monatlich erscheinen neue Titel zum Thema „Astrologie“. Gerade die FĂŒlle an Veröffentlichungen macht den Einstieg in das Thema fĂŒr Interessierte aber sehr schwierig. Wer sich zunĂ€chst allgemein ĂŒber die Astrologie informieren will, ohne gleich Berechnungs-Techniken zu erlernen, muss lange nach geeigneter Literatur suchen. Wer erste Deutungsschritte lernen möchte, ist genauso ĂŒberfordert. Werke fĂŒr Einsteiger gibt es nur wenige, und die trennen nur selten Wesentliches von Unwesentlichem. „Astrologie – Was ist das eigentlich?“ fĂŒllt diese LĂŒcke und wendet sich in erster Linie an den Laien. Der Leser findet darin einen Überblick ĂŒber die Entwicklung der westlichen Astrologie, ZusammenhĂ€nge, die zum Teil wenig bekannt sind und HintergrĂŒnde, die in astrologischen Ratgebern oft fehlen. Wer einen Astrologen aufsucht, nimmt meist eine FĂŒlle wichtiger Erkenntnisse fĂŒr sich mit. Da es den Rahmen einer Beratung ĂŒberschreitet, zu erklĂ€ren, wie Astrologie funktioniert, versteht jedoch kaum jemand, wie der Astrologe zu seinen Aussagen kommt.

Das Wertvollste, das die Astrologie neben all ihren Deutungs- und Prognose-Techniken zu bieten hat, ist ihre ganz eigene Weise, zu SchlĂŒssen zu kommen – eine Sicht, die sich von allem unterscheidet, was die Naturwissenschaften in dieser Hinsicht zu bieten haben. Der erste Teil des Buches klĂ€rt, was Astrologie ist und wieso sie funktioniert. Dabei wird auf hĂ€ufig gestellte Fragen und weitverbreitete Vorurteile eingegangen. Im zweiten Teil findet der Leser eine kurze EinfĂŒhrung in die astrologische Deutung. Wer tiefer einsteigen will, bekommt einen Weg zur Horoskop-Deutung aufgezeigt, die sich in der Praxis bewĂ€hrt hat.

Martin A. Banger: Astrologie – was ist das eigentlich?
Iris, 123 Seiten, 19,80 DM.


„Beinarbeit“
von Katy Munger

In Casey Jones' Vergangenheit gibt es einen dunklen Punkt: Weil sie im GefĂ€ngnis saß, wird sie nie eine Lizenz als Privatdetektivin bekommen. Also muss sie das Grobe fĂŒr Bobby Dee erledigen, der allerdings viel zu fett, faul und gefrĂ€ĂŸig ist, um aus seinem Stuhl aufzustehen. Casey dagegen ist gut in Form: 80 Kilo Muskeln, ein rasiermesserscharfer Verstand und ein waffenschein-pflichtiges Mundwerk. All das braucht sie in ihrem Job als Bodyguard fĂŒr eine Politikerin dringend: Ihre Klientin wird des Mordes verdĂ€chtigt. Und in den SĂŒdstaaten sind zwar die Manieren fein, aber der Wahlkampf ist unerbittlich.

Katy Munger: Beinarbeit.
Unionsverlag, 284 Seiten, 16,90 DM.


„Bluthunde“
von Don DeLilio

Im nĂ€chtlichen Manhattan wird die Leiche eines Mannes in Frauenkleidern gefunden. Wie sich herausstellt, gehörte auch er zu dem Reigen undurchsichtiger Figuren, die alle ein Ziel verbindet: Sie sind auf der Jagd nach einem verschollenen Film pornographischer Natur, der angeblich im FĂŒhrer-Bunker des Dritten Reiches gedreht wurde. Niemand weiß so genau, ob diese Rolle existiert. Aber sie wĂ€re ein Vermögen wert.

Don DeLilio's frĂŒher Kult-Roman erstmals im Taschenbuch ...

Don DeLilio: Bluthunde.
Goldmann, 286 Seiten, 14,90 DM.


„Der Prokurator von San Marco“
von Don DeLilio

Venedig 1797: Antonio Dolfin, Spross einer alten Adelsfamilie, hat sich wĂ€hrend seiner Lehrjahre im diplomatischen Dienst nicht mit Ruhm bekleckert. UnbekĂŒmmert hat er sich mit Kreisen eingelassen, die von den verruchten freigeistigen Schriften der Franzosen beeinflusst waren und sogar ein VerhĂ€ltnis mit der Frau des französischen Botschafters in Konstantinopel begonnen.Als er des Landesverrats angeklagt mit dem Schiff in Venedig einlĂ€uft, steht Napoleon mit seinen Truppen auf dem Festland. Doch zu seiner Verwunderung denkt niemand daran, ihn vor Gericht zu stellen, sondern jeder möchte ihn auf seine Seite ziehen. Langsam wird deutlich, dass alle Welt glaubt, Dolfin wisse von einem riesigen Schatz. BilderrĂ€tsel werden ihm zugespielt, und der junge Mann erkennt, dass hinter ihnen der Prokurator von San Marco steckt, sein Lehrmeister. Sollte er doch noch eine Chance bekommen, sein Fehlverhalten wieder gutzumachen und die Lagunenstadt zu retten?

Lapo Sagramoso: Der Prokurator von San Marco.
LĂŒbbe, 351 Seiten, 14,90 DM.


Der Teufelsvogel des Salomon Idler“
von Peter Dempf

Augsburg im DreißigjĂ€hrigen Krieg. Der Schuster Salomon Idler erhĂ€lt von einem fremden Magister den Auftrag, eine LederhĂŒlle fĂŒr ein verschnĂŒrtes Manuskript zu nĂ€hen. Als der Auftraggeber nicht wieder auftaucht, öffnet Idler das BĂŒndel und entdeckt die PlĂ€ne zu einer Flugmaschine. Idler erkennt, dass sie als Waffe kriegsentscheidend sein könnte, behĂ€lt die Papiere aber, weil ihn der Traum vom Fliegen fasziniert. Der schwedische Stadthauptmann Stiema, der mit seinen Truppen Augsburg belagert, und die Agenten der kaiserlich-katholischen Heere waren den geheimnisvollen Zeichnungen bereits auf der Spur und beginnen sich nun fĂŒr den Schuster zu interessieren. Idler fangt in einem Versteck mit dem Bau des FluggerĂ€tes an und manövriert sich damit zwischen die Kriegsparteien. Als sein Haus durchsucht und verwĂŒstet und seine Frau misshandelt wird, taucht er unter und flieht in die Obhut der Augsburger Bettler, die ihn vor seinen Verfolgern verbergen. Die Lebensbedingungen in Augsburg werden unterdessen immer schwieriger. Die Pest wĂŒtet in der Stadt und auch die Belagerung macht die Versorgungslage immer schwieriger. Als Idler seine ersten Flugmodelle von einem Kirchturm gleiten lĂ€sst, verursacht er einen Aufruhr unter den verĂ€ngstigten Stadtbewohnern.

Peter Dempf: Der Teufelsvogel des Salomon Idler.
Eichborn; 39,80 DM.


„Die blutroten Tomaten der Rosalia Morales“
von Dietmar Schönherr

Welch Überraschung fĂŒr Chele, den EuropĂ€er, EhrenbĂŒrger von Granada, als er sich von einem Tag auf den anderen im GefĂ€ngnis wiederfindet. Und das ganze nur, weil Rosalia, eine energische Marktfrau, mit gezielten SchĂŒssen Überreifer Tomaten, Mangos und Papayas Caccorro, den zwar nicht gewĂ€hlten, aber doch vom Staatsminister korrekt ernannten BĂŒrgermeister der Stadt, in eine peinliche Situation brachte. FĂŒr Chele, der als unbeteiligter Zuschauer die GemĂŒseschlacht mit herzlichem Lachen quittierte, folgte die Strafe auf den Fuß: GefĂ€ngnis. Die Anklage lautet auf öffentliche Ruhestörung und VerĂ€chtlichmachung einer Amtsperson, des BĂŒrgermeisters von Granada.

In seinem Roman „Die blutroten Tomaten der Rosalia Morales“ erzĂ€hlt Dietmar Schönherr in einer bilderreichen Sprache die Geschichte von Chele, der sichmit seinem ebenso belesenen wie gewitzten GefĂ€ngniswĂ€rter Amado die Zeit bis zum Prozess mit dem ErzĂ€hlen von Geschichten vertreibt. Dietmar Schönherr, seit ĂŒber 50 Jahren Schauspieler auf BĂŒhne, TV und Kino-Leinwand tĂ€tig, entdeckte 1985 seine Liebe fĂŒr Nicaragua. Seitdem ist er dort in mehreren Entwicklungshilfe-Projekten aktiv.

Dietmar Schönherr: Die blutroten Tomaten der Rosalia Morales.
Eichborn Verlag, 125 Seiten, 32,00 DM.


„Die Reise des Sonnengottes“
von Susan Llewellyn

Ägypten zur Zeit des dritten Ramses: Das einst so strahlende und ĂŒbermĂ€chtige Reich am Nil wird von vielen Seiten bedroht. Skrupellose Nomaden gefĂ€hrden durch ÜberfĂ€lle auf Karawanen und die königliche Flotte den wirtschaftlichen Bestand des Reiches. Eine innere Opposition gruppiertsich um den Sohn des regierenden Pharaos, der es kaum erwarten kann, seinen Vater in der Regierung abzulösen. Ramses III. sucht sein Heil in der Ehe: Er heiratet Hattusha, die junge und schöne Tochter des Hethiterkönigs. Diese Ehe soll einen politischen Bund besiegeln und Ägyptens Zukunft sichern. Doch Hattusha, die in ihrer neuen Heimat den Namen Khanefrues erhĂ€lt, kann sich mit Ramses dem alten gebrochenen Mann, nicht anfreunden. Beistand erfĂ€hrt sie vor allem von Seiten Ahmoses, eines tapferen Kriegers, der die junge Braut mit den Sitten und GebrĂ€uchen Agyptens vertraut machen soll. Aber der Hofstaat und die zahlreichen Frauen des Pharaos blicken mit Argwohn auf die Prinzessin, denn mit der Geburt eines mĂ€nnlichen Nachkommen wĂŒrde unweigerlich ein Kampf um die Thronfolge entfesselt werden.

Susan Llewellyn: Die Reise des Sonnengottes.
LĂŒbbe, 559 Seiten, 16,90 DM.


„Die Synchronoptische Weltgeschichte“
von Arno Peters

Der seltsame Titel sagt, was dieses Monumentalwerk von allen anderen Geschichtswerken unterscheidet: Der Bremer Professor Peters wollte die Gleichzeitigkeit und die Folge von Geschichts-Ereignissen sichtbar machen. Peters suchte und fand eine neue Art der Geschichtsschreibung: Analog zur Landkarte erfand er die Zeitkarte. Auf großen Tableaus lĂ€sst sich jeweils ein ganzes Jahrhundert ĂŒbersehen und jedes historische Geschehen seiner Zeit zuordnen. So, wie sich in einem Atlas die ErdoberflĂ€che ĂŒberblicken lĂ€sst, wird hier die Weltgeschichte in ihren AblĂ€ufen und ZusammenhĂ€ngen dargestellt. Aktualisiert bis zum Internet. Parallel zueinander und farbkodiert laufen Ereignisse aus Wirtschaft, Geistesleben, Religion, aus Kriegen und Revolutionen ab. Man sieht die Struktur der Zeit, so wie man mit einer Landkarte auf einen Blick die Strukturen von LĂ€ndern und Kontinenten erkennt. Ein Indexband erschließt und vertieft die Informationen des Zeitatlas'. Hier finden Sie auf rund 1.200 Spalten rund 10.000 Biografien.

Arno Peters: Die Synchronoptische Weltgeschichte.
Zweitausendeins, 403 Seiten, 99,00 DM.


„Die vier letzten Dinge“
von Andrew Taylor

Die kleine Lucy Appleyard wird an einem kalten Winternachmittag aus dem Haus ihrer Tagesmutter entfĂŒhrt, und damit beginnt ein Alptraum fĂŒr ihre Eltern – Michael, den Polizisten, gegen den ein Disziplinarverfahren ansteht, und Sally, die gerade in einer der gewalttĂ€tigsten Gegenden von London eine Pfarrstelle angetreten hat. Als die ersten grĂ€sslichen Funde gemacht werden – auf einem Friedhof, in einer Kirche -, wird klar, dass es sich um Botschaften handelt, die sich auf Lucy beziehen. Doch erst nach und nach stellt sich heraus, dass sie einen Hinweis auf die Eschatologie enthalten, die Lehre von den vier letzten Dingen: Tod und Gericht, Himmel und Hölle. Die Polizei weiß nicht mehr weiter, nun ist der Rat der Theologen gefragt – zum Beispiel der von David Byfield, Michael's Pate, dem der junge Polizist in dieser entsetzlichen Situation mehr vertraut als seiner Frau.

Andrew Taylor's packender Psycho-Krimi beschreibt das Denken und das Verhalten ganz gewöhnlicher Menschen in außergewöhnlichen Situationen.

Andrew Taylor: Die vier letzten Dinge.
Zsolnay, 363 Seiten, 39,80 DM.


„Echnaton“
von Nağib Machfus

In der Rede zur Verleihung des Nobelpreises nannte Machfus sich einen Abkömmling auch der pharaonischen Zivilisation. In diesem Roman wendet er sich dem Alten Ägypten zu. Wenige Jahrzehnte nach Echnaton's Tod geht der junge Historiker Merimun auf die Suche nach der Wahrheit. Er befragt 14 Zeitzeugen nach ihren Erlebnissen: GenerĂ€le, Priester, KĂŒnstler, enge Vertraute und Familienmitglieder erzĂ€hlen ihm ihre Geschichte. Nach Echnaton's Sturz und der Niederlage der Utopie stehen in ihren Berichten Hass und stille Bewunderung dicht nebeneinander. Zuletzt dringt Merimun auch zu Nofretete vor. Von den neuen Machthabern in einem zerfallenen Palast eingesperrt, wird sie sich des Verrats an ihrer großen Liebe bewusst.

Nağib Machfus gehört zu den bedeutendsten arabischen Autoren der Gegenwart. 1988 wurde ihm der „Nobelpreis fĂŒr Literatur“ verliehen.

Nağib Machfus: Echnaton.
Unionsverlag, 189 Seiten, 16.90 DM.


„Erling's Fall“
von Ketil BjĂžrnstad

Amtsrichter Erling Fall hatte den Boden unter den FĂŒĂŸen verloren, als Merete ihn nach zwölf Jahren Ehe verließ. Erling gab sich, von Merete wegen Telefon-Terrors angezeigt und von seinem Amtsrichterposten beurlaubt, nur noch seinen Rache-Gedanken hin. Bis sein alter Freund Gudmund Kvaernland auftauchte, ein erfolgreicher Unternehmer. Er nahm ihn mit auf eine Expedition zum Himalaya, anschließend nach Taiwan und machte ihn zum juristischen Berater seines Unternehmens. Auf dem Flug dorthin hatte Erling zum erstenmal getrĂ€umt, einen Menschen zu töten, Merete zu töten. Doch als er Frauen kennenlernte, die schöner waren als Merete, und als eine davon, die in Taiwan bekannte Autorin Sophie Lee, ihm nach Paris folgte, schien es, als habe er Merete endlich vergessen. Als auch Sophie ihm zu entgleiten beginnt, tötet Erling wirklich.

Ketil BjĂžrnstad: Erling's Fall.
Insel, 276 Seiten, 39,80 DM.


„Feilschen Sie um jeden Preis“
von Sven Rohde

Bisher bezahlten wir Deutsche brav den Preis, der auf der Ware stand. Denn Feilschen war gesetzlich verboten. Doch mit dem Fall des Rabattgesetzes wird alles anders: Der ‚Basar Deutschland‘ öffnet seine Pforten. Es gilt, den gĂŒnstigsten Preis fĂŒr Waren auszuhandeln. Doch was tun, wenn man nicht jeden VerkĂ€ufer um den kleinen Finger wickeln kann? Was ist das Geheimnis eines erfolgreichen RabattjĂ€gers? Charme, Frechheit oder HartnĂ€ckigkeit? Viele Wege können zum Erfolg fĂŒhren: Sven Rohde zeigt, wie man sich am besten auf ein VerkaufsgesprĂ€ch vorbereitet, welche Strategien und Argumente man verfolgen und auf welche Taktiken seitens der VerkĂ€ufer man sich einstellen sollte, um möglichst hohe Rabatte zu erzielen.

Sven Rohde: Feilschen Sie um jeden Preis.
Ullstein, 233 Seiten, 14,90 DM.


„Food – Die ganze Welt der Lebensmittel“
von Christian Teubner und Alexandra Cappel (Hrsg.)

Gutes Essen fangt bekanntlich bei der Wahl der Zutaten an. Das Angebot an Nahrungsmitteln ist bei uns so groß wie noch nie. Die meisten auf WochenmĂ€rkten, in FeinkostlĂ€den und gut sortierten SupermĂ€rkten prĂ€sentierten Produkte hat der Verbraucher auch irgendwann schon einmal probiert. Von einigen kennt aber sogar der HĂ€ndler nicht viel mehr als den Namen. Nicht selten stellt sich die Frage, wie das angebotene Produkt ĂŒberhaupt schmeckt oder welche Art der Verarbeitung hierfĂŒr infrage kommt. „Food“ ist ein großformatiges Lexikon fĂŒr alle kulinarisch wichtigen Produkte und deren Verwendung in der KĂŒche – eine Warenkunde, die die ganze Bandbreite der Lebensmittel aus aller Welt in Wort und Bild abdeckt: Obst und GemĂŒse, KrĂ€uter und GewĂŒrze, Fisch und Fleisch, Wild und GeflĂŒgel, Schinken, Wurst und KĂ€se werden getrennt nach den einzelnen Produktgruppen vorgestellt. Informationen zu Charakteristik und Geschmack der ca. 3.000 Lebensmittel, Hinweise zum Einkauf sowie praktische Tipps fĂŒr die Zubereitung machen das Buch zu einem fundierten Nachschlagewerk und erstklassigen Einkaufsratgeber fĂŒr Feinschmecker und Hobby-Köche, die es genauer wissen wollen. Ein aufwendiger Bildband, der zum Staunen, BlĂ€ttern und Schmökern einlĂ€dt.

Christian Teubner und Alexandra Cappel (Hrsg.):
Food – Die ganze Welt der Lebensmittel.
Teubner Edition, 335 Seiten, ca. 3.000 Farbfotos, 98,00 DM.


„Frau Dr. Wolf's Methode“
von Muriel Spark

Psychiaterin Dr. Hildegard Wolf genießt ein gutes Renommee. Mit ihrer Methode, selbst zu reden und die Patienten nur ausnahmsweise zu Wort korrunen zu lassen, hat sie Schule gemacht. Eines Tages erscheint ein EnglĂ€nder in ihrer Pariser Praxis und behauptet, der verschollene Lord Lucan zu sein – der berĂŒhmt-berĂŒchtigte adlige Mörder einer Kinder-Nanny. Das ist fĂŒr Dr. Wolf an sich nichts, was sie aus der Fassung bringen könnte. Und doch ist sie irritiert: Denn sie hat noch einen zweiten Patienten, der dasselbe von sich behauptet. Ist einer von beiden der echte Lucan? Wenn ja, welcher? Und: Warum wenden sich beide an sie? Vor allem die letzte Frage versetzt sie in Unruhe. Denn Dr. Wolf ist zwar mit allen Wassern gewaschen, doch ihre Weste ist deshalb noch lange nicht rein. Eines ist ihr deshalb schon bald klar: Die beiden Herren wollen sie erpressen. Von nun an halten sich die drei mit List, Witz und TĂŒcke gegenseitig in Schach. Jedes Mittel ist recht, wenn es nur erlaubt, ungestraft davonzukommen.

Muriel Spark: Frau Dr. Wolf's Methode.
Diogenes, 175 Seiten, 32.90 DM.


„Frauen gegen Hitler“
von Martha Schad

Sie waren Pazifistinncn, Publizistinnen, engagierte Politikerinnen, KĂŒnstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Studentinnen, Ehefrauen und MĂŒtter, sie gehörten der gehobenen Gesellschaft an oder kamen aus dem Arbeitermilieu: Frauen, die an Hitler's politischen FĂ€higkeiten zweifelten, die den Mut aufbrachten, ihn und sein Regime zu kritisieren, Verfolgten und GeĂ€chteten halfen und dafĂŒr aus dem Deutschen Reich ausgewiesen wurden oder aus Furcht um ihr Leben ins Exil gingen, die Berufsverbot erhielten, in GefĂ€ngnissen und Konzentrationslagern elendig zugrunde gingen oder unverzĂŒglich zum Tode verurteilt wurden. In ihrem fundiert recherchierten und eindrucksvollen Buch dokumentiert die renommierte Historikerin Martha Schad nicht nur die Biografien bekannter WiderstandskĂ€mpferinnen wie Sophie Scholl und Marion GrĂ€fin Dönhoff, sondern es kommen erstmals beeindruckende, einer grĂ¶ĂŸeren Öffentlichkeit noch nicht bekannte Frauen zu Wort, die aus den unterschiedlichsten Motiven gegen Hitler in der Öffentlichkeit und im Verborgenen opponierten und damit ein beispielloses Zeugnis von Zivilcourage ablegten.

Martha Schad: Frauen gegen Hitler.
Heyne, 367 Seiten, 43,90 DM.


„Gottes verbotene Worte“
von Alfred Pfabigan

Was die Bibel verschweigt

Wie die Bibel entstanden ist, das weiß keiner so genau. Fest steht nur, daß ihre Herausgeber eine Unmenge von Texten unter den Tisch fallen ließen. Die gnostischen und manichĂ€ischen Traditionen wurden ebenso verdrĂ€ngt wie die Zeugnisse der ‚Volksreligion‘. Dabei waren jene Texte oft einflussreicher als die offizielle Variante.

Pfabigan ediert die Texte, die durch pĂ€pstliches Dekret zum Teufelswerk erklĂ€rt und in alle Ewigkeit verdammt wurden. Und was da geschrieben steht, unterscheidet sich oft stark von der offiziellen Variante. So hat Abraham in seinen Jugendjahren Götzenbilder auf dem Markt verhökert, Maria's JungfrĂ€ulichkeit wurde ausfĂŒhrlich geprĂŒft und Jesus drangsalierte nicht nur seine Spielkameraden, sondern trieb Joseph zur Verzweiflung, bis dieser stöhnte: „Wer soll das Kreuz auf sich nehmen und diesen Knaben erziehen?“ Folgt man dem Evangelium Barnabas, so wurde auch nicht Jesus gekreuzigt, sondern Judas – als Strafe fĂŒr den Verrat. So ĂŒberlebte Jesus und sprach, er sei nicht der richtige Messias, der kĂ€me spĂ€ter und sein Name sei Mohammed. SpĂ€testens jetzt weiß man, warum die Kirche diese Passagen strikt verboten hatte.

Alfred Pfabigan: Gottes verbotene Worte.
Eichborn, 430 Seiten, 39,80 DM.


„Gut backen – Die besondere Backschule“
und „Gut kochen – Die besondere Kochschule“
von Christian Teubner

Gut kochen und backen zu können – wer will das nicht!? Mit der ansprechend gestalteten Gourmet-Koch- und Backschule aus der „Teubner-Edition“ und etwas Engagement – kein Problem! Allerdings geht's dabei nicht um die richtige Zubereitung allein. Denn gut zu kochen fĂ€ngt beim Einkauf an. Frische und hochwertige Zutaten sind fĂŒr eine gute KĂŒche Grundvoraussetzung. Die Warenkunde ist daher eine spannende Pflicht-LektĂŒre fĂŒr AnfĂ€nger und fortgeschrittene Köche gleichermaßen. Auf die GĂŒte der Zutaten unbedingt zu achten, hat sich auch beim ‚Gut backen‘ bewĂ€hrt. Man lernt die einzelnen Ingred ienzien kennen und deren QualitĂ€t zu prĂŒfen. Backgeheimnisse werden gelĂŒftet: Warum und welche Krem z. B. mit dem Schneebesen besser gelingt als mit der KĂŒchenmaschine; oder warum Biskuit nicht gleich Biskuit ist. Wertvolle technische Tipps kann man leicht in die Praxis umsetzen. Ob Konfekt, Kuchen oder KĂ€segebĂ€ck, ob Plunderteilchen oder Butterkremtorte, in der breiten Rezeptpalette der Gourmet-Backschule findet sich fĂŒr jede Gelegenheit das passende GebĂ€ck.

Christian Teuber: Gut backen – Die besondere Backschule /
Gut kochen – Die besondere Kochschule.
Teubner Edition, je 384 Seiten, ca. 1.000 Fotos, beide BĂ€nde im Geschenk-Schuber zusammen 99,00 DM.


„Isabelle und die Wasser des Teufels“
von Mircea Eliade

Ein junger Mann reist nach Indien, um nach dem Abschluss seiner Doktorarbeit ĂŒber asiatische Skulpturen seine Studien zu vertiefen. Was zunĂ€chst wie der Beginn einer wissenschaftlichen Karriere erscheint, offenbart sich jedoch bald als der Anfang einer zerstörerischen Besessenheit. Die Monate in Indien nutzt der junge Mann zu einem großangelegten Selbstversuch, der nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer aus der Bahn wirft. Die 16-jĂ€hrige Isabelle und der 19-jĂ€hrige Tom, die Kinder der Familie, bei der er sich einmietet, ĂŒben eine große Anziehungskraft auf ihn aus, die binnen kurzem ĂŒber eine freundschaftliche Beziehung hinausfĂŒhrt. Die Exerzitien, die der Doktor den beiden und sich auferlegt, schlagen ins Gegenteil um, werden zu Versuchungen und mĂŒnden schließlich in VerfĂŒhrung und Vergewaltigung. Die kĂŒnstlerische und wissenschaftliche KreativitĂ€t des Doktors beginnt zu schwinden. Auf der Suche nach neuer Inspiration entwickelt er teuflische PlĂ€ne, er gibt allen sexuellen und rauschhaften Verlockungen nach und kompensiert seine UnfĂ€higkeit zu schreiben mit dem Versuch, Macht auszuĂŒben.

1930 erschienen, war dies der erste veröffentlichte Roman des WortfĂŒhrers der rumĂ€nischen Existentialisten. Bereits hier wird das zentrale Motiv des bedeutenden Romanciers und Religionswissenschaftlers Eliade offenbar: der Einbruch des Fantastischen in das AlltĂ€gliche, des Irrationalen in das Rationale, der Kampf des DĂ€monischen mit dem Heiligen.

Mircea Eliade: Isabelle und die Wasser des Teufels.
Insel Verlag, 220 Seiten, 38,00 DM.


„Judas“
von Elise Title

Superintendant Natalie Price hat einen Job, bei dem sie sich auf ihre Menschenkenntnis verlassen muss: Als Leiterin von "Horizon House" bereitet sie Schwerverbrecher auf die Haft-Entlassung vor. Sie ist es, die ĂŒber Urlaub und Freigang entscheidet. Eine FehleinschĂ€tzung kann schlimme Folgen haben. Dean Walsh sitzt bereits seit acht Jahren wegen Vergewaltigung im GefĂ€ngnis und hat schon immer seine Unschuld beteuert. Natalie hat keine Bedenken, ihm Freigang zu gewĂ€hren. Doch als Natalies beste Freundin Maggie ermordet wird und Dean untertaucht, beginnt sie an sich selbst zu zweifeln: Nicht nur in Dean scheint sie sich geirrt zu haben, auch Maggie fĂŒhrte ein verborgenes Leben, ja nicht einmal Natalies Kollegen und ihr eigener Mann sind, was sie scheinen. Und als Natalie suspendiert wird, ist allein auf Detective Leo Coscarelli Verlass, denn unter all den VerdĂ€chtigen und VerrĂ€tern befindet sich ein Mörder.

Elise Tille: Judas.
Scherz, 44,90 DM.


„Vergiss die Toten nicht“
von Mary Higgins Clark

Die erfolgreiche New Yorker Kolumnistin Nell McDermott beschließt, fĂŒr den amerikanischen Kongress zu kandidieren, entbrennt zwischen ihr und ihrem Mann, dem Architekten Adam Cauliff, ein heftiger Streit. Noch ehe sie sich wieder versöhnen können, kommt Adam ums Leben, als seine Yacht explodiert. Adam wird nun im Nachhinein von seinen ehemaligen GeschĂ€fts-Partnern der Schieberei beschuldigt. Nell ist von der Unschuld ihres Mannes ĂŒberzeugt, und versucht, seinen Ruf zu retten. Sie geht davon aus, dass ihr Mann Opfer eines Bestechungsskandals in der Immobilien-Branche wurde. Stichhaltige Informationen veranlassen sie schließlich, die Ermittlungen auf eigene Faust voranzutreiben. Je weiter sie sich allerdings der Lösung des Falls nĂ€hert, desto stĂ€rker begibt sie sich auch in Lebensgefahr.

Mary Higgins Clark: Vergiss die Toten nicht.
Heyne, 383 Seiten, 39,80 DM.


„Schwarzbuch Markenfirmen“
von Hans Weiss und Klaus Werner

Markenfirmen wie „Adidas“, „McDonald's“, „Mercedes“, „NestlĂ©â€œ, „Samsung“ und „Siemens“ setzen die Trends in der Konsum-Industrie. Sie diktieren Mode-Strömungen genauso wie internationale Vereinbarungen. Ihre Konzern-UmsĂ€tze ĂŒbertreffen die Wirtschaftskraft zahlreicher LĂ€nder. Ihr Einfluss ist teilweise grĂ¶ĂŸer als der von Regierungen und politischen Institutionen. Der Wert einer Marke und damit die Macht der Konzerne misst sich lĂ€ngst nicht mehr am gehandelten Produkt, sondern an dessen Image: „Aspirin“-Hersteller „Bayer“ wirbt mit „Kompetenz und Verantwortung“, „Shell“ rĂŒhmt sich fĂŒr seine ökologische und soziale Vorreiterrolle und „Nike“ sieht sich als ‚Corporate Citizen‘, der liebevoll fĂŒr die „weltweite ‚Nike‘-Farnilie aus Sportlern, Konsumenten und jenen, die fĂŒr uns arbeiten“, sorgt. Doch „die fĂŒr uns arbeiten“, das sind immer öfter Menschen aus den Billiglohn-LĂ€ndern in Afrika, Asien, Latein-Amerika und Ost-Europa. Ausbeutung, Zwangs- und Kinderarbeit sind dort an der Tagesordnung. Menschen und LebensrĂ€urne werden vergiftet, Regierungen erpresst, Krisen und bewaffnete Konflikte ungeniert ausgenutzt oder sogar finanziert. Bekannte und beliebte Weltmarken tolerieren Folter, Sklaverei, unerlaubte Medikamentenversuche, Diskriminierung, TierquĂ€lerei, Umweltzerstörung und die Verfolgung von Gewerkschaften und Kritikern. Doch die Autoren wollen nicht nur anprangern, sondern zeigen auch was jeder einzelne von uns tun kann. LĂ€ngst setzen immer mehr Konsumenten auf ethische Mindeststandards und die Konzerne reagieren empfindlich auf die Stimmung ihrer Kundschaft.

Hans Weiss / Klaus Werner: Schwarzbuch Markenfirmen.
Deuticke, 349 Seiten, 39,90 DM.


„Zwillingspark“
von John Darnton

Als der New Yorker Journalist Jude Harley eines Tages einem Mann gegenĂŒbersteht, der genauso aussieht wie er, ist er zwar verblĂŒfft, ahnt jedoch nicht, dass er selbst Teil eines lebensgefĂ€hrlichen Experiments ist. Denn Skyler, so heißt sein GegenĂŒber, ist von einer Insel geflohen auf der Kinder und Jugendliche in einer Art wissenschaftlichem Paradies leben. Skyler möchte herausfinden, warum die Insel so hermetisch abgeschirmt wird, und Jude beschließt, ihm bei seinen Nachforschungen zu helfen. Als Jude mehrfach nur knapp einem Anschlag entgeht, ahnen sie, dass sie es mit einem mĂ€chtigen Gegner zu tun haben. Auf den Spuren seiner eigenen Biographie entdeckt Jude schließlich Hinweise auf einen Geheimzirkel elitĂ€rer Wissenschaftler, die sich den selbstherrlichen Traum von der eigenen Unsterblichkeit zu erfĂŒllen suchen.

John Darnton: Zwillingspark.
Bertelsmann, 509 Seiten, 48,00 DM.

GeÀndert:  10 / 2020