„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2003



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„Das Buch, in dem die Welt verschwand“
von Wolfram Fleischhauer

NĂŒrnberg um 1780, kurz vor der Französischen Revolution. Der junge Arzt Nicolai Röschlaub soll im Auftrag des Reichskammergerichts zu Wetzlar einer Reihe beunruhigender TodesfĂ€lle nachgehen. Die Opfer weisen ein merkwĂŒrdiges GeschwĂŒr auf, sind jedoch alle gewaltsam, durch Mord oder Selbstmord, zu Tode gekommen. Ist ein rĂ€tselhaft es Gift im Umlauf? Zur gleichen Zeit finden rĂ€tselhafte FeueranschlĂ€ge auf Postkutschen statt. Ihr Ziel sind BĂŒcher. Raubdrucke. Gibt es einen Zusammenhang? Eine geheimnisvolle junge Frau tritt in Nicolai's Leben, die ihm klar macht, dass etwas Ungeheuerliches hinter den VorfĂ€llen stecken muss. Misstrauisch geworden, entwendet Nicolai wichtige Unterlagen seines Auftraggebers. Darin findet er eine Landkarte – und macht eine Entdeckung, die seine Vorstellungskraft sprengt ...

Wolfram Fleischhauer: Das Buch in dem die Welt verschwand.
Drcemer, 448 Seiten, 19,90 €.


„Das Teubner-Buch der Antipasti“
von Christian Teubner

Alles Wissenswerte zum Thema „Antipasti“, in anregender und informativer Weise prĂ€sentiert. Der Band ist in drei Teile gegliedert: Die Warenkunde widmet sich der ausfĂŒhrlichen Produkt-Information zu wichtigen Zutaten wie Essig, Öl, KrĂ€uter und Knoblauch und wartet mit Hintergrund-Infos und Profi-Tipps auf. Im KĂŒchenpraxis-Teil werden alle Handgriffe Schritt fĂŒr Schritt in Text und Bild darstellt – so zum Beispiel die Herstellung von Salatsoßen, Garnituren oder Techniken des Marinierens und Einlegens. Der umfangreiche Rezeptteil bildet den Schwerpunkt des Buches: Das Angebot reicht von Caprese ĂŒber Vitello tonnato bis hin zu marinierten Sardellen, Falafeln, Tortillas und gefĂŒllten WeinblĂ€ttern, Artischocken in der Teigkruste, Brokkoli-Törtchen oder Gratin vom Taschenkrebs.

Christian Teubner: Das Teubner-Buch der Antipasti.
Edition Teubner, 320 Seiten, 25,00 €.


„Deckname Artischocke –
Die geheimen Menschenversuche der CIA“
von Egmont R. Koch und Michael Wech

„CIA“ und „FBI“ wissen ziemlich sicher, wer im Herbst 2001 mit Milzbrand-Briefen sieben Menschen tötete und ganz Amerika in Angst und Schrecken versetzte. Nicht Terroristen-Chef Osama Bin Laden, sondern einer jener Forscher, die in geheimen Labors der USA an biologischen Waffen basteln. Die große Sorge der „CIA“: Wird der TĂ€ter angeklagt, dĂŒrften auch viele Details bekannt werden, die als „top secret“ eingestuft sind: Großversuche mit Bakterien, Viren, Ultra-Giften, Psycho-Drogen. Ganze StĂ€dte, wie z. B. San Francisco, wurden zu Test-Zwecken mit Keimen verseucht. Eines der geheimsten Projekte mit Menschenversuchen fand unter dem Decknamen „Artischocke“ in Deutschland statt. Als sein Leiter, der US-Chemiker Frank Olson, die grausamen Versuche nicht mehr mittragen wollte, kam er unter mysteriösen UmstĂ€nden ums Leben. Offizielle Diagnose: Selbstmord. Koch und Wech können nachweisen, dass Olson ermordet wurde. Außerdem legen sie eine Vielzahl an Beweisen vor, dass die „CIA“ bis in die 70er Jahre Experimente an Menschen vornahm – an GefĂ€ngnis-Insassen, deutschen Kriegsgefangenen, DDR-Übersiedlern, norwegischen Waisenkindern. Der erschĂŒtternde Report einer menschenverachtenden, mörderischen Wissenschaftim Dienst von „CIA“ und MilitĂ€r.

Egmont R. Koch / Michael Wech: Deckname Artischocke –
Die geheimen Menschenversuche der CIA.
Bertelsmann, 350 Seiten, 23,90 €.


„Der goldene SkarabĂ€us“
von Nicholas Drayson

Das Manuskript eines namentlich nicht bekannten Mannes schildert dessen schier unglaubliche Lebensgeschichte. Jener behauptet von sich, dass er es gewesen sei, der die Theorie vom „Kampf ums Dasein“ entwickelt habe; lediglich ihre Veröffentlichung habe er seinem Jugendfreund Darwin ĂŒberlassen, bevor er zu einer Forschungsreise in die Javasee aufbrach. Auf einer einsamen Vulkaninsel, auf die es den Unbekannten im Jahre 1879 verschlagen hat, schreibt er seine Geschichte nieder; er erzĂ€hlt von seiner Kindheit als Waise und von seiner Aufnahme in die Familie Darwin, von seinen Expeditionen und Abenteuern, von der Inselwelt. Als sich ein gewaltiger Vulkanausbruch ankĂŒndigt, vertraut er seine Lebensbeichte sowie seine wissenschaftlichen Aufzeichnungen als Flaschenpost dem Meer an, denn die gesamt exotische Insel mitsamt ihrer fantastischen Flora und fauna droht vernichtet zu werden: Lebewesen, wie sie kein anderer wohl jemals gesehen hat, die eigentĂŒmlichsten Populationen, Ziegen mit einem höchst merkwĂŒrdigen Sozialverhalten, Vögel, die Tonnen von Tang ans Ufer schleppen, Fische, die nur in kochendem Wasser leben können, wandernde Seerosen, blutsaugende Misteln. Und hier soll es auch jenen sagenhaften goldenen SkarabĂ€us geben, dessen Existenz alles, die gesamte Evolution, erklĂ€ren könnte ...

Nicholas Drayson: Der goldene SkarabÀus.
Insel Verlag, 351 Seiten, 24,90 €.


„Der Kameramörder“
von Thomas Glawinke

„Ich wurde gebeten, alles aufzuschreiben.“ Mit diesem Satz beginnt der Ich-ErzĂ€hler seinen Berict ĂŒber ein Osterwochenende, an dem er und seine LebensgefĂ€hrtin ein befreundetes Paar in der Steiermark besuchen. WĂ€hrend die Medien minutiös ĂŒber einen am Karfreitag geschehenen Doppelmord an zwei Kindern berichteten, den der Mörder mit einer Video aufgenommen haben soll, pendeln die vier Freunde zwischen Fernseher und Kartenspiel, KĂŒche und GesprĂ€chen hin und her. Einerseits angewidert, andererseits fasziniert und voller Lust an der Sensation kommentieren sie dabei die Handlungsweise der Medien. Draußen, in der echten Welt, wird gleichzeitig fieberhaft nach dem Mörder gesucht. Ein atemberaubender Kriminalroman ĂŒber die gefĂ€hrliche Macht der Medien ...

Thomas Glavinic: Der Kameramörder.
DTV, 156 Seiten, 8,00 €.


„Der kretische Gast“
von Klaus Modick

Der ArchĂ€ologe Johann Martens soll im Winter 1943 auf Kreta KulturgĂŒter auf ihren ‚germanischen Charakter‘ hin begutachten um eine RĂŒckfĂŒhrung nach Deutschland zu ermöglichen. Seit Jahren hat der Wissenschaftler die Augen geschlossen, wo er sie schließen wollte. Als Leutnant Hollbach, sein Vorgesetzter, Johann befiehlt, als Dolmetscher einer der deutschen Vergeltungsaktionen in den kretischen Bergdörfern beizuwohnen, dĂ€mmert es dem ArchĂ€ologen, was die Besatzung Kretas bedeutet. Er handelt, fotografiert die Erschießungen und Brandschatzungen der Deutschen, entwickelt Filme, ĂŒbergibt Fotos an seinen kretischen FĂŒhrer Andreas und warnt diesen zu guter Letzt vor einer geplanten Aktion der Deutschen im Dorf Korifi. Hollbach kommt seinem ArchĂ€ologen auf die Schl iche undverhaftet ihn. Als Martens auf dem Weg in das MilitĂ€rgefĂ€ngnis die Flucht gelingt, ist sein Schicksal besiegelt. Er ist Teil des kretischen Widerstands und wird verzweifelt von den Deutschen gejagt. Im Untergrund begegnet er der unendlichen Gastfreundschaft der Menschen dieser Insel, der Liebe und immer wieder dem Tod.

Klaus Modick: Der kretische Gast.
Eichborn, 464 Seiten, 24,90 €.


„Der Moloch“
von Karlheinz Deschner

Puritanischer Fanatismus, wirtschaftliches Profitdenken und ein beispielloser hang zur Selbstlegitimierung: Nicht erst seit den jĂŒngsten Angriffen auf Afghanistan als Reaktion auf die Terror-AnschlĂ€ge vom 11. September sind die USA ins Kreuzfeuer geraten. Karlheinz Deschner erlĂ€utert in seiner provokativ-kritischen darstellung der amerikanischen Geschichte, wie der grĂ¶ĂŸte „NATO“-Partner die Rolle einer friedliebenden Ordnungsmacht fĂŒr sich in Anspruch nimmt und gleichzeitig Ă€ußerst suspekte Seiten aufweist: Von der grausamen Kolonisierung der Neuen Welt und der Ausrottung der Indianer ĂŒber die immensen Kriegsgewinne aus den beiden Weltkriegen bis hin zum Korea- und Vietnam-Krieg und der „Operation WĂŒstensturm“ am Persischen Golf legt der Autor alle historischen Fakten kenntnisreich dar, die „God's own Country“ als gewalttĂ€tige, unmoralische und korrupte Nation zeigen.

Karlheinz Deschner: Der Moloch (aktualisierte Neuausgabe).
Heyne, 384 Seiten, 9,95 €.


„Der Sommer der lachenden KĂŒhe“
von Arto Paasilinna

Er weiß gerade noch, dass er Tavetti Rytkönen heißt und einmal Panzer-Sergeant war, als ihn Taxi-Fahrer Seppo in Helsinki mitten auf der Straße aufgabelt. Auf die Frage „Wo soll's hingehen?“ lautet Rytkönen's Antwort: „Egal, einfach vorwĂ€rts.“ Und so beginnt eine skurrile Tour, die das ungleiche Paar kreuz und quer durch die finnische Seenplatte fĂŒhrt. Das ungleiche Paar hat einige unglaubliche Abenteuer zu bestehen, und der tatkrĂ€ftige junge Mann muss den in die Jahre gekommenen Schwerenöter aus manch grotesker Situation befreien. Dabei wird ein Bauernhof verwĂŒstet, werden KĂŒhe gejagt und ein Dutzend Französinnen beim Überlebens-Training ĂŒberrascht.

Paasilinna auf dem Höhepunkt seiner ErzÀhlkunst.

Arto Paasilinna: Der Sommer der lachenden KĂŒhe.
LĂŒbbe, 223 Seiten, 7,90 €.


„Der zweite Kuss des Judas“
von Andrea Camilleri

Vigata, 1890. Ein mysteriöses Geschehen hĂ€lt die Bewohner des sizilianischen KĂŒstenstĂ€dtchens in Atem. Am Karfreitag, wĂ€hrend der AuffĂŒhrung des Passionsspieles, verschwand auf rĂ€tselhafte Weise Ragioniere Antonio Pato, der Direktor einer örtlichen Bankfiliale. Wie jedes Jahr verkörperte der untadelige Familienvater mit großer schauspielerischer Kunst den Judas und wurdeseit seinemdramatischen Abgang von der BĂŒhne nicht mehr gesehen. „Verschwunden oder ermordet?“ – auf einer Mauer ist zwei Tage spĂ€ter die Frage zu lesen, die sich jeder stellt. Hat ein VerrĂŒckter im religiösen Wahn den Schauspieler fĂŒr den echten Judas gehalten und sich fĂŒr den Verrat an Jesus Christus gerĂ€cht? Hat ein verschuldeter Kunde der Bank die Gelegenheit genutzt, sich des unerbittlichen GlĂ€ubigers zu entledigen? Oder ist Pato als Verkörperung des Judas zur Hölle gefahren? Commissario Ernesto Bellavia und Maresciallo Paolo Giummaro, offiziell mit der Lösung des Falles beauftragt, können sich ĂŒber einen Mangel an öffentlichem Interesse und fantasievoller Hilfsbereitschaft nicht beklagen. Doch das, was sich schließlich als die Wahrheit herausstellt, sorgt fĂŒr eine gewaltige Überraschung.

Andrea Camilleri: Der zweite Kuss des Judas.
LĂŒbbe, 350 Seiten, 18,00 €.


„Die große Herausforderung“
von Ulrike Keding

Nirgendwo sonst in Europa gibt eseine so heftige Debatte ĂŒber die Zugehörigkeit zur „EuropĂ€ischen Union“ wie in Polen. Sie ist verknĂŒpft mit der Frage: Was fĂŒr ein Polen wollen wir? Aber auch in Weißrussland und der Ukraine ist der Beit ritt des Nachbarstaats ein heißes Thema: Was wird an den öst lichen Grenzen Polens geschehen, wenn das Land in die „EU“ aufgenommen wird? Das vorliegende Reise-Tagebuch aus den Jahren 2001 / 2002 vermittelt aktuelle Impressionen aus diesen drei LĂ€ndern. Die Autorin bereiste polnische StĂ€dte und Dörfer, die Metropolen Warschau, Krakau, Lublin und Randau, das weißrussische Grodno und das ukrainische L'viv, das alte Lemberg. Sie befragte sehr unterschiedliche Menschen, fĂŒhrende Politiker und BĂŒrgerrechtler, ebenso wie den ‚kleinen Mann von nebenan‘. Im GesprĂ€ch Ă€ußern sie sehr offen ihre Meinung zu den anstehenden Problemen im Zuge der großen gesellschaftlichen UmwĂ€lzung seit 1990. Zahlreiche Fotos der Autorin vermitte ln zugleich lebendige EindrĂŒcke von dieser Reise zu unseren östlichen Nachbarn.

Ulrike Keding: Die große Herausforderung.
Edition G, 195 Seiten, ca. 60 Fotos, 17,40 €.


„Die Jahre in Solentiname“
von Ernesto Cardenal

Der Name der Inselgruppe Solentiname im Großen See von Nicaragua steht exemplarisch fĂŒr die Theologie der Befreiung, die neue Form eines Lebens mit den Armen und Entrechteten, der Poesie und des politischen Widerstandes gegen die Somoza-Diktatur. 1966 grĂŒndete der junge Priester und Dichter Ernesto Cardenal eine kleine Siedlung von Theologen und Dichtern. Bis zur Zerstörung der Einrichtungen und der Bibliothek 1979 besuchten Autoren, Verleger, Theologen und Philosophen aus aller Welt die Inseln. Der Dichter Cardenal hat ĂŒber seine Jahre in Solentiname bisher nur in Interviews Auskunft gegeben. Erstmals erzĂ€hlt er in diesem Band von den AnfĂ€ngen bis zum Aufstand der Jugendlichen gegen den Diktator und seine Flucht ins Ausland. Seine Aufzeichnungen sind mehr als historische Erinnerung: Sie dokumentieren noch einmal jenen Geist, der fĂŒr Millionen Menschen die Alternative war zu einem unmenschlichen Sozialismus und einer gnadenlosen Globalisierung.

Ernesto Cardenal: Die Jahre in Solentiname.
Peter Hammer Verlag, 320 Seiten, 25,00 €.


„Die Weisheit des Diamanten“
von Geshe Michael Roach

Buddhistische Strategien fĂŒr beruflichen Erfolg und privates GlĂŒck

Der US-amerikanisch-buddhistische Mönch Geshe Michael Roach beweist, SpiritualitĂ€t und materieller Erfolg vereinbar sind. Anfang der 80er Jahre verlĂ€sst er die Abgeschiedenheit seines indischen Klosters und macht sich auf in den Trubel der New Yorker GeschĂ€ftswelt, um dort ein Unternehmen nach buddhistischen GrundsĂ€tzen aufzubauen. Was folgt, ist der atemberaubende Aufstieg einer kleinen, kreditfinanzierten Diamanten-Firma zu einem MarktfĂŒhrer mit 100 Millionen Dollar Jahres-Umsatz. Der SchlĂŒssel zu diesem Erfolg, so erklĂ€rt der Autor, liegt in der Kenntnis und der praktischen Anwendung der Lehren von Karma und Leerheit, die er hier auf klare und einfache Weise erlĂ€utert. Roach greift typische berufliche und private Probleme auf und bietet Lösungsmöglichkeiten aus buddhistischer Sicht.

Geshe Michael Roach: Die Weisheit des Diamanten.
Theseus, 272 Seiten, 22,90 €.


„Ein brillanter Bluff“
von Eric Garcia

Roy und Frankie sind das erfolgreichste TrickbetrĂŒger-Duo aller Zeiten. FrĂ€nkie lebt und liebt auf großem Fuß, flotte Cabrios und wechseinde Damenbegleitung sind sein Steckenpferd. Roy dagegen pflegt seine Zwangsneurosen und trĂ€umt vom Ausstieg. Als auch noch Angela, Roy's angebliche Tochter, auftaucht und ihren kriminellem Vater um den kleinen Finger wickelt, ist das Chaos vorprogrammiert. Ein letzter großer Coup ist geplant, der nehr als grĂŒndlich misslingt.

Die Gauner-Komödie mit Herz, Witz und Intelligenz wird mit Nicholas Cage in der Hauptrolle verfilmt.

Eric Garcia: Ein brillanter Bluff.
Knaur, 253 Seiten, 7,90 €.


„Ein Hauch von Bittermandel“
von Kathy Hepinstall

Die Geschwister Alice und Boone, zwölf und 14 Jahre alt, leben seit Wochen in der Angst, von ihrem Stiefvater Simon vergiftet zu werden. Jedes gemeinsame Essen gerĂ€t ihnen zur Pantomime. Zweimal lang, einmal kurz blinzeln heißt: Der Reis ist in Ordnung, den hat Simon nicht zubereitet. Dreimal kurz zwinkern jedoch: Vorsicht mit dem Huhn! Danach liegen Alice und Boone im Kinderzimmer und warten auf den Tod – sĂ€mtliche Gifte, sĂ€mtliche verdĂ€chtigen Symptome und letalen Wirkungen haben sie aus den einschlĂ€gigen medizinischen Werken auswendig gelernt. Die Bedrohung spitzt sich zu, als selbst die naiv-gutglĂ€ubige Mutter der beiden Verdacht schöpft und panisch zur Flucht rĂ€t. Nun liegt es einzig an der scharfsinnigen Alice, ruhig Blut und Galgenhumor genug zu bewahren, um die Geschichte ihrer Familie und die Vergangenheit des bigotten Stiefvaters neu aufzurollen ...

Kathy Hepinstall: Ein Hauch von Bittermandel.
Knaur, 377 Seiten, 8,90 €.


„Einstein's Schleier“
von Anton Zeilinger

Wieso verhalten sich Teilchen als Wellen? Warum ist die Beschaffenheit eines Teilchens so lange unbestimmt, bis man es misst? Die Quantenphysik gilt gewöhnlich als dunkel, paradox, rĂ€tselhaft, weil sie mit dem gesunden Menschenverstand und unserer natĂŒrlichen Wahrnehmung zu kollidieren scheint. Genau dies macht sie aber auch fĂŒr viele so faszinierend, fesselt Physiker ebenso wie Philosophen, Fachleute ebenso wie Laien. In diesem Buch erlĂ€utert einer der bedeutendsten Physiker unserer Zeit die zentralen Aussagen der Quantenphysik und reflektiert ihre revolutionĂ€ren Auswirkungen auf unser Weltbild. Zu den grĂ¶ĂŸten Herausforderungen der Quantenphysik zĂ€hlt, dass sie uns zwingt, uns von vertrauten Gewissheiten zu verabschieden. In der subatomaren Welt versagen die uns so selbstverstĂ€ndlichen Kategorien wie Raum, Zeit und KausalitĂ€t.

Anton Zeilinger: Einstein's Schleier – Die neue Welt der Quantenphysik.
Verlag C. H. Beck, 237 Seiten, 19,90 €.


„Gaza“
von Amira Hass

Dieses Buch ĂŒber den Nahost-Konflikt ist ein besonderes, weil es von einer ungewöhnlichen Frau und aus ungewohnter Perspektive geschrieben wurde. Als Israelin freiwillig unter PalĂ€stinensern zu leben, gilt nicht wenigen ihrer Landsleute als Kollaboration mit dem Feind, wie ihr andererseits viele PalĂ€stinenser mit tiefem Misstrauen begegnen. Doch ist es gerade diese Existenz als GrenzgĂ€ngerin zwischen den Fronten, die ihr dieses Buch ermöglicht hat.

Amira Hass verleiht dem gewöhnlichen palĂ€stinensischen Leben ein Gesicht. Hier erfĂ€hrt man, was es bedeutet, als Taxifahrer oder Arzt, als Bauer oder Hausfrau in den besetzten Gebieten zu leben. Hass dokumentiert den palĂ€stinensischen Alltag ebenso genau wie das Mit- und Gegeneinander palĂ€stinensischer Organisationen. Sie beschreibt die ohnmĂ€chtige Wut auf die israelischen Besatzer ebenso wie die Selbstherrlichkeit des autoritĂ€ren Regimes Yassir Arafats. Entstanden ist damit ein bedrĂŒckend plastisches Bild jener Mischung aus Fatalismus und Hoffnung, aus Verzweiflung und Zorn, die dem israelisch-palĂ€stinensichen Konflikt immer neue Nahrung zufließen lĂ€sst.

Amira Hass: Gaza. Verlag C. H. Beck,
410 Seiten, 24,90 €.


„Global brutal“
von Michel Chossudovsky

Der entfesselte Welthandel, die Armut, der Krieg

Die weltweite Handelsfreiheit fĂŒhrt mitnichten zur besten aller Welten, sondern zu Unsicherheit, Armut und Krieg. Die vom Westen beherrschte Finanz-Industrie verdient an instabilen FinanzmĂ€rkten. Die internationalen Konzerne, unter dem Druck der von ihnen selbst verschuldeten Überproduktion, setzen auf die Ausweitung der MĂ€rkte in den EntwicklungslĂ€ndern – was nur geht, wenn sie deren produktive Basis zerstören. Die Allianz der Reichen forciert die Globalisierung der Armut, der Umweltzerstörung, der sozialen Apartheid, des Rassismus und der ethnischen Zwietracht. Nach der Ära des Kalten Krieges rutschen große Teile der Weltbevölkerung jetzt in eine beispiellose wirtschaftliche und soziale Krise – brutaler als die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre. Ganze Volkswirtschaften brechen zusammen, ganze Zivilgesellschaften werden zerstört, Arbeitslosigkeit und Armut nehmen ĂŒberhand. Allein durch die FĂŒlle der harten Fakten und die Weite seines Blickwinkels gelingt es Chossudovsky, den aggressiven, anti-demokratischen Geist der Globalisierung durch die reichen LĂ€nder so deutlich ans Licht zu zerren, wie es bislang noch kaum jemandem gelungen ist.

Michel Chossudovsky: Global brutal.
Zweitausendeins, 476 Seiten, 12,75 €.


„Herero“
von Gerhard Seyfried

Mehrere Jahre hat der bekannte Cartoonist Gerhard Seyfried fĂŒr seinen Roman ĂŒber ein verdrĂ€ngtes Kapitel deutscher Geschichte recherchiert. Er hat ĂŒber dsas Leben der Eingeborenen und derDeutschen in den Kolonien geforscht, Wörter- und TagebĂŒcher studiert und alles Erreichbare ĂŒber den Aufstand gelesen, der einem Großteil der Hereros das Leben kostete und den Deutschen den Vorwurf eintrug, einen Völkermord begangen zu haben. In gelungener Weise verbindet er Fiktion mit Dokumenten der Zeit, wie TagebĂŒchern, Briefen und Zeitungsmeldungen, gibt sowohl die Sichtweise der Weißen wie der Schwarzen wieder und jongliert gekonnt mit dem Sprachmaterial, das ihm das Deutsch der Zeit, SĂŒdwester-AusdrĂŒcke, Burensprache, Herereo- und Nama-AusdrĂŒcke bieten. Entstanden ist ein Roman, der das Leben in SĂŒdwest-Afrika bis ins kleinste Detail authentisch wiedergibt – und die Erkenntnis, dass die gĂ€ngige Geschichtsschreibung ĂŒber den Herero-Krieg der historischen Wahrheit nicht gerecht wird.

Gerhard Seyfried: Herero.
Eichborn, 598 Seiten, 29,90 €.


„Hochzeit im Himmel“
von Mircea Eliade

„Ich trĂ€umte von einem Liebesroman, der ganz anders sein sollte als alles, was bis dahin geschrieben worden war – eine vollkommene Liebe, wĂ€re da nicht ein mythisches Element dazwischengetreten, der Wunsch nĂ€mlich, diese Liebe fruchtbar zu machen“ – so umschreibt Eliade die Thematik dieses Romans, der als „Hymnus auf die große Liebe“ gefeiert wurde. In einer JagdhĂŒtte in den Karpaten sitzen zwei MĂ€nner zusammen, rauchen und erzĂ€hlen sich – eine lange Nacht hindurch – von der großen Liebe ihres Lebens. Beide MĂ€nner scheitern, begreifen nichts, als es noch Zeit ist, verlieren die Frau, die sie eigentlich lieben. Einer der beiden, Mavrodin, schreibt einen ganzen Roman, nur um sie wiederzugewinnen, und nennt ihn „Hochzeit im Himmel“.

Der weltberĂŒhmte Religionswissenschaftler Mircea Eliade erlangte literarischen Ruhm durch seine fantastischen ErzĂ€hlungen und durch zahlreiche Romane.

Mircea Eliade: Hochzeit im Himmel.
Herder, 208 Seiten, 9,90 €.


„Im Reich des Goldenen Drachen“
von Isabel Allende

In einem kleinen Königreich im Himalaja bereitet sich der 18-jĂ€hrige Prinz Dil Bahadur unter Leitung des weisen Lama Tensing auf seine kĂŒnftigen Aufgaben als König vor, da dringt von außen eine zerstörerische Gewalt ein. Der legendĂ€re goldene Drache; des buddhistischen Reichs hat die mörderische Gier eines New Yorker MultimilliardĂ€rs geweckt. Die uralte Statue ist von unschĂ€tzbarem Wert, da sie, wie es heißt, die Zukunft voraussagen kann. Zur gleichen Zeit hat sich die Reise-Schriftstellerin Kate Cold mit ihren Begleitern zu einer Expedition in das Bergkönigreich aufgemacht. Im brodelnden Neu-Delhi lernen sie Judit Kinski kennen, eine Gartenarchitektin, die fĂŒr den alternden König neue GĂ€rten anlegen soll. Sie berichtet ihnerrvon ehrwĂŒrdigen und kuriosen Sitten des Landes, und bald sitzt die erwartungsvolle Schar aus dem Westen im Propellerflugzeug, das sie in den Himalaja tragen soll. Doch was als Reise in ein wundersam fremdartiges Land beginnt, entwickelt sich zu einem Abenteuer, bei dem es um Leben und Tod geht.

Isabel Allende: Im Reich des Goldenen Drachens.
Suhrkamp, 325 Seiten, 22,90 €.


„In einem reichen Land“
von GĂŒnther Grass, Daniela Jahn und Johann Strasser (Hrsg.)

Wie sieht es wirklich in Land aus? Was passiert mit Menschen, die ihre Arbeit verloren haben? Welchen Preis mĂŒssen die, die noch Arbeit haben, oft genug dafĂŒr zahlen? Was bedeutet es, wenn immer mehr Frauen oder MĂ€nner ihre Kinder allein erziehen? Wie gehen wir mit Behinderten, mit Einwohnern ohne deutschen Pass um? Ganz normale Leute mĂŒssen tagtĂ€glich im Westen und Osten Probleme meistern, die sie an den Rand der Kraft fĂŒhren, ihre soziale Anerkennung gefĂ€hrden. Quer durch Deutschland haben Journalisten und Publizisten, Schriftsteller und Fotografen intensive GesprĂ€che mit Menschen aller Schichten und Regionen gefĂŒhrt. Die Autoren lassen Straßenkinder und Aussiedler, Selbsthilfe-Gruppen und kinderlose Mittvierzigerinnen zu Wort kommen, begleiten Gerichtsvollzieher und rechte Hooligans. Sie berichten von Amtsstuben und SuppenkĂŒchen, aus GefĂ€ngnissen und Obdachlosenquartieren. Sie schauen auf die sozialen Ursachen von Krankheiten, auf die Folgen von Mobbing, auf die desolate Lage der Schulen und Hochschulen und die StrukturmĂ€ngel der deutschen Justiz. „In einem reichen Land“ ist eine Bestandsaufnahme deutscher VerhĂ€ltnisse, die in der literarischen QualitĂ€t wie in der IntensitĂ€t des Blicks ihresgleichen sucht – ein Atlas der sozialen Verwerfungen unseres reichen Landes.

GĂŒnther Grass / Daniela Jahn / Johann Strasser (Hrsg.): In einem reichen Land.
Steidl, 672 Seiten, 34,00 €.


„Kismet“
von Jakob Arjouni

„Kismet“ beginnt mit einem Freundschaftdienst und endet mit einem so blutigen Frankfurter Bandenkrieg, wie ihn keine deutsche Großstadt zuvor erlebt hat. Kayankaya ermittel – nicht nach einem Mörder, sondern nach der IdentitĂ€t zweier Opfer. Und er gerĂ€t in den Bann einer geheinmnisvollen Frau, die er in einem Videofilm gesehen hat. Eine geschichte von Kriegsgewinnlern und organisiertem Verbrechen, vom Unsinn des Nationalismus und dem Wahnsinn des Jugoslawien-Kriegs, von Heimat im besten wie im schlechtesten Sinne ...

Witzig, schnell, hart und ironisch – Arjouni's Romane gönnen dem Leser keine Ruhepause.

Jakob Arjouni: Kismet.
Diogenes, 265 Seiten, 8,90 €.


„Laviolette auf TrĂŒffelsuche“
von Pierre Magnan

FĂŒnf junge Leute sind kurz nacheinander in der Gegend des Provence-Dorfes Banon, das von TrĂŒffel, Honig und Lavendel lebt, verschwunden. Fast alle waren sie Kinder angesehener, reicher Eltern. Da sich Komplikationen abzeichnen, wird Kommissar Laviolette mit dem Fall betraut. Die meisten Bewohner des 900-Seelen-Dorfes sind miteinander verschwĂ€gert, und sie sind auch alle wegen uralter Geschichten verfeindet, spielen aber jeden Tag Karten und Boule miteinander. Alle sind sie im TrĂŒffelgeschĂ€ft, und manche von ihnen haben offensichtlich etwas zu verbergen. Als der erste der Verschwundenen tot in einer Hotel-KĂŒhltruhe gefunden wird, ist es mit der Dorf-Idylle vorbei. Die rĂ€tselhaften Morde nehmen Laviolette so gefangen, dass er die Aufregung eines alten Freundes in Banon, dem ein Buch gestohlen worden ist, gar nicht verstehen kann. Ein Fehler, wie sich herausstellt ...

Pierre Magnan: Laviolette auf TrĂŒffelsuche.
Scherz, 282 Seiten, 19,90 €.


„RabenbrĂŒder“
von Ingrid Noll

Eine schwer durchschaubare Mutter, zwei grundverschiedene BrĂŒder und eitle unliebsame Schwiegertochter versammeln sich zurnal Totenschmaus im Mainzer Elternhaus, nachdem der hypochondrische Vater das Zeitliche gesegnet hat. Aus gutem Grund hat man sich lĂ€nger nicht gesehen, und kaum ist man wieder beieinander, beginnen alte Konflikte zu schwelen. Ob der Vater auch wirklich ohne Nachhilfe unter die Erde gekommen ist? Erst vor kurzem hatte die Mutter Paul qestanden, dass sie ein selbstbestimmtes Leben fĂŒhren wollte. War das etwa kein Mordmotiv? Die BrĂŒder – der versponnene Paul und der verspielte Achim – entwickeln darauf hin wilde Fantasien, wĂ€hrend Schwiegertochter Annette um ihre eigene Ehe pokert.

Ingrid Noll auf dem Höhepunkt ihrer ErzÀhlkunst: rabenschwarz.

Ingrid Noll: RabenbrĂŒder.
Diogenes, 288 Seiten, 19,90 €.


„Schritt fĂŒr Schritt ins Paradies“
von Otmar Hitzelberger

Frankfurt Anfang der 70er: Eine Gruppe von Lehrlingen probt den Aufstand. Ihr Lebensmotto lautet frei nach der Kult-Band Ton Steine Scherben: „Schritt fĂŒr Schritt ins Paradies“. Sie machen ihren Vorstellungen Luft, kĂ€mpfen fĂŒr eine bessere und gerechtere Welt, reden sich die Köpfe heiß, feiern wilde Partys in selbst verwalteten Jugendzentren und ĂŒberfĂŒllten WGs, planen Hausbesetzungen, knacken Fahrschein-Automaten und entwickeln eine unglaubliche Fantasie in ihrer politischen Arbeit. Mit ihren Sponti-Aktionen fordern sie die Obrigkeit und ihre stĂ€dtischen Lehrbetriebe immer wieder heraus. Nicht nur als Augenzeuge, sondern auch als unmittelbar Beteiligter schildert Otmar Hitzelberger mit viel Witz und Dynamik die wilden 70er Jahre aus der Sicht der Frankfurter Lehrlings-Bewegung. Ein fesselndes Dokument, das eine bewegte Zeit mit ihren TrĂ€umen und Idealen wieder auf leben lĂ€sst.

Otmar Hitzelberger: Schritt fĂŒr Schritt ins Paradies.
Edition BĂŒchergilde, 208 Seiten, 18,00 €.


„Schwarzbuch Globalisierung“
von Jerry Mander und Edward Goldsmith (Hrsg.)

Globalisierung lautet das Zauberwort, das in Zukunft auch Dienstleistungen und die medizinische Versorgung umfassen soll. „Wohlstand fĂŒr alle“, „Die Welt – ein Dorf“ lauten die Verheißungen der BefĂŒrworter des totalen globalen Freihandels. Aber wie sieht die RealitĂ€t aus? Wessen BedĂŒrfnisse werden befriedigt von einem System, das Regierungen impotent macht und die reale Macht gesichtslosen bĂŒrokratischen Körperschaften ĂŒbertrĂ€gt? Jerry Mander und Edward Goldsmith versammeln in ihrem Buch die internationale Creme der Globalisierungs-Kritiker aus den Bereichen Wirtschaft, Landwirtschaft, Finanzwesen, Kultur und Umwelt. In ihren Analysen zeigen sie auf, dass die heute praktizierte Form der Globalisierung in vielen Bereichen das Gegenteil von dem bewirkt, was ihre BefĂŒrworter versprechen. Milliarden Menschen weltweit raubt der globale Handel mit GĂŒtern und Dienstleistungen ihre funktionierenden Wirtschafts- und Sozialstrukturen. Armut und Elend sowie die Zerstörung der kulturellen Vielfalt und eine großflĂ€chige Vernichtung natĂŒrlicher Ressourcen gehören zu den Folgen.

Jerry Mander / Edward Goldsmith (Hrsg.): Schwarzbuch Globaliserung.
Riemann, 520 Seiten, 24,90 €.


„Scipio's Traum“
von Iain Pears

Die Lebensgeschichten dreier MĂ€nner, eng verknĂŒpft durch die Auseinandersetzung mit dem philosophischen Traktat „Scipio's Traum“: Der eine verfasst ihn, der andere schreibt ihn Jahrhunderte spĂ€ter fĂŒr seinen Herrn ab, um ihn zu ergrĂŒnden, und der Dritte entdeckt ihn nach einwer Ewigkeit wieder. Der Aristokrat Manlius Hippomanes lĂ€sst sich taufen, um als Bischof ĂŒber die nötige Macht zu verfĂŒgen, gegen den Untergang des Römischen Reiches zu kĂ€mpfen. Der Dichter Olivier de Noyens am Papsthof wĂ€hrend des Exils von Avignon gerĂ€t in den entmenschlichenden Strudel der Pest, die halb Europa entvölkert. Und der Wissenschaftler Julien Barneuve glaubt Schlimmeres verhĂŒten zu können, wenn er sich in den Dienst der von den Nazis gegĂ€ngelten Vichy-Regierung stellt.

Wie selbstverstĂ€ndlich wechselt der große Romancier Iain Pears die Zeitebenen, wĂ€hrend seine Leser ihm fasziniert und mĂŒhelos durch die Jahrhunderte folgen.

Iain Pears: Scipio's Traum.
Droemer, 603 Seiten, 22,90 €.


„Stunde der Rache“
von James Patterson

Alex Cross, seit Jahren Kriminalpsychologe bei der Polizei, hĂ€lt Vampire eigentlich nur in Filmen fĂŒr interessant. Als aber in einem Park in San Francisco zwei Jogger gefunden werden, die auf höchst makabre Weise getötet wurden, muss er seine Meinung Ă€ndern. Einen Menschen gibt es zumindest, der sich fĂŒr einen Vampir hĂ€lt und in diesem Stil tötet. In acht anderen StĂ€dte sind bereits Ă€hnliche Morde begangen worden. Zusammen mit einer Kollegin vom „San Francisco Police Department“ ermittelt Cross, und die Spuren fĂŒhren bald in die bizarre Welt der Rollenspiele, in der jeder einmal fĂŒr kurze Zeit Held oder Schurke sein kann. Jetzt aber hat jemand den gefĂ€hrlich schmalen Grat ĂŒberschritten, der Spiel und Ernst, ihszeniertes Ritual und echtes Blutvergießen trennt. Niemals stand Alex Cross so kurz vor dem Scheitern, und niemals war er in grĂ¶ĂŸerer Gefahr, alles zu verlieren – seine Freunde, seine Familie, seinen Verstand.

James Patterson: Stunde der Rache.
Blanvalet, 317 Seiten, 7,90 €.


„Wer weint schon um Abdul und Tanaya?“
von JĂŒrgen Todenhöfer

Die IrrtĂŒmer des Kreuzzugs gegen den Terror

Er ist einer der einflussreichen und erfolgreichen Manager der Republik. Eine politische Karriere hat er LĂ€ngst hinter sich. Da kommt der Punkt, an dem er sich wieder einmischt. Einmischen muss. Als nach dem Attentat von New York die Bomben auf Afghanistan fallen, auf unschuldige Menschen eines geschundenen Volkes, da engagiert sich JĂŒrgen Todenhöfer erneut. Pazifist war und ist er nicht. Aber Ungerechtigkeit empört ihn. Die Sorge treibt ihn um, dass die Zukunft unserer Kinder untergehen könnte im Hagel von Bomben und Marschflugkörpern, im Brand ungerechter Kriege, und dass aus unserem Jahrhundert ein Jahrhundert des Terrorismus werden könnte. Mit analytischem Scharfsinn und mit eindringlichen Argumenten klĂ€rt er auf – in der Schlacht der LĂŒgen, die von beiden Seiten immer heftiger tobt. Er war selber vor Ort. In den Gebirgen des afghanischen Hindukusch und in Bagdad. Sein Fazit heute: HĂ€rte gegenĂŒber den Terroristen, aber Gerechtigkeit gegenĂŒber der muslimischen Welt. Ein Leidenschaftliches PlĂ€doyer gegen sinnlose Kriege.

JĂŒrgen Todenhöfer: Wer weint schon um Abdul und Tanaya?
Herder, 223 Seiten, 19,90 €.


„Wildpflanzen fĂŒr die KĂŒche“
von François Couplan

Botanik, Sammel-Tipps, Rezepte Die Natur schenkt dem Menschen eine FĂŒlle essbarer Wildpflanzen. Sie wachsen vor der HaustĂŒr, auf der Wiese, im Wald und am Wegrand. 55 davon stellt der Autor in Text und Bild vor. Er beschreibt knapp und prĂ€gnant ihr Erscheinungsbild und ihre Ă€ußeren Merkmale, ihren Standort, den Ursprung des Namens, ihre Verwendung in der KĂŒche, ihre Inhaltsstoffe und Heilwirkungen sowie Verwechslungsgefahren. ErgĂ€nzt werden die Pflanzen-PortrĂ€ts jeweils durch ein bis zwei einfache, aber delikate Rezepte fĂŒr die AlltagskĂŒche. Wildpflanzen sind in Geschmack, Geruch und Beschaffenheit Ă€ußerst vielfĂ€ltig und bieten unseren Sinnen ein wahres Feuerwerk an GenĂŒssen. Auch bezĂŒglich ihrer Inhaltsstoffe haben sie es in sich: sie sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und hochwertigem Eiweiß und können heilend wirken.

François Couplan: Wildpflanzen fĂŒr die KĂŒche.
AT-Verlag, 144 Seiten, 80 Farbfotos, 22,90 €.


„Wo der Pfeffer wĂ€chst“
von Klaus Trebes

Schon die alten Ägypter, Griechen und Römer verstanden es, ihre Speisen mit erlesenen GewĂŒrzen zu verfeinern. Lorbeer, KĂŒmmel, Kerbel, Safran und natĂŒrlich Pfeffer waren Bestandteile ihrer KĂŒchen. Im Mittelalter dann wurden GewĂŒrze zum Statussymbol; HandelshĂ€user kamen durch sie zu großem Reichtum. Auf der Suche nach einem direkten Zugang zu den GewĂŒrzlĂ€ndern landete Kolumbus 1492 statt in Indien in Amerika und brachte von dort neue GewĂŒrze mit. 1497 schließlich entdeckte Vasco da Gama den Seeweg ums Kap der Guten Hoffnung nach Indien. Portugiesen, HollĂ€nder und Briten fuhren in die Welt und errichteten neue Monopole, die großen Handelskompanien entstanden, GewĂŒrzkriege wurden ausgetragen. Klaus Trebes stellt die wicht igsten GewĂŒrze und KrĂ€uter vor: ihre Geschichte und die Koch- und WĂŒrzgewohnheiten der Menschen von der Antike bis zur Gegenwart. Zu jedem GewĂŒrz gibt es Rezepte von Trebes, einem der besten Köche Deutschlands.

Klaus Trebes: Wo der Pfeffer wÀchst.
Insel, 194 Seiten, 8,00 €.

GeÀndert:  10 / 2020