„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2004



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martion Banger 


„Adama“
von Turki Al-Hamad

Der Roman um den 18-jährigen Schüler Hischam spielt zu Beginn der 70er Jahre als in Saudi-Arabien ein nationaler Streit zwischen den alten Traditionen und modernen Ideologien herrscht. Hischam liebt alles Verbotene: die Romane der Weltliteratur, westliche Philosophie, Karl Marx und seine Freundin Noura, Tochter einer traditionellen Familie. Jung, idealistisch und übermütig tut Hischam seine politischen Ansichten in der Schule lauthals kund. Seine Mitschüler bewundern seinen Mut, seine Intelligenz, sein rhetorisches Talent – der Schuldirektor droht mit Rausschmiss. Nachdem Hischam einer politischen Untergrundorganisation beitritt, kommen ihm schon bald Zweifel an den Motiven und Methoden seiner Mitstreiter, mehr und mehr entfremdet sein geheimes Leben ihn von Noura und seinen Freunden ...

Turki Al-Hamad: Adama.
Heyne, 380 Seiten; 9,00 €.


„Bakschisch“
von Esmahan Aykol

Kati Hirschel ist gestresst. Nach einem Streit mit ihrem Liebsten stürzt sie sich in die Suche nach einer neuen Wohnung. Kein einfaches Unterfangen in der Millionenstadt Istanbul. Doch Kati erhält ein umwerfendes Angebot: Eine Wohnung mit Blick auf den Bosporus. Nur dumm, dass genau in dieser Traumwohnung kurz darauf ein Mann ermordet wird, ein Parkplatz-Betreiber mit zweifelhaftem Ruf. Ein Ärgernis für die angehende Wohnungsbesitzerin, zumal sie als Tatverdächtige gilt.

Esmahan Aykol führt ihre Leser in ihrem zweiten Roman durch die Gassen und Boulevards der Millionenstadt Istanbul: in die Villen und Kellerwohnungen, Immobilien-Agenturen und Anwaltskanzleien – überall dahin, wo man mit Bakschisch etwas erreichen kann ...

Esmahan Aykol: Bakschisch.
Diogenes, 331 Seiten; 19,90 €.


„Der achte Tag“
von John F. Case

Wo Menschen lebendig eingemauert werden, geht es nicht mehr um Kleinigkeiten. Es geht um Geld, Macht und die Beherrschung der Welt. Wer da hineingezogen wird, kommt nicht mit heiler Haut heraus. Als der erfolglose Künstler Danny Cray im Nebenjob ein paar Recherchen übernimmt, stößt er auf teufelsanbetende Sekten und unbekannte Hochtechnologien, kann sich aber keinen Reim darauf machen. Schon bald sind seine Auftraggeber seine erbittertsten Feinde – eine abenteuerliche Flucht von Washington über den Vatikan bis ins hinterste Kurdistan beginnt. Der Journalist John F. Case wurde für seine Reportagen mehrfach ausgezeichnet. Er hat zwei Bücher über die amerikanischen Geheimdienste geschrieben und leitet eine eigene Firma, die sich auf internationale Recherchen für Anwaltskanzleien und Gewerkschaften spezialisiert hat.

John F. Case: Der achte Tag.
Verlag Scherz, 384 Seiten, 16,90 €.


„Der harte Engel“
von Adrian Plitzco

Drei Jahre ist es her, seit Maryanne Winter im Melbourner Stadtteil St. Kilda brutal ermordet wurde. Den Mörder hat man nie gefasst. Eric, der tagsüber fast blind ist, hat sich nach dem Mord an seiner Frau in sein Ferienhaus am Mount Buller zurückgezogen. Abgeschieden von der Welt, entdeckt er an sich eine besondere Begabung: er ist in der Lage, am Ort eines Ereignisses ein lange zurückliegendes Geschehen noch einmal zu sehen. Mit dieser Fähigkeit hofft Eric nun, den Mörder seiner Frau doch noch zu finden. Adrian Plitzco, in der Schweiz geboren, lebt seit elf Jahren in Australien. Er schreibt Kinderbücher, ist Hörspiel-Produzent und Lyriksprecher. Der harte Engel ist sein erster Psycho-Thriller.

Adrian Plitzco: Der harte Engel.
DTV, 302 Seiten, 10,00 €.


„Der letzte Alchemist –
Die Geschichte des Grafen Cagliostro“
von Iain McCalman

Die Lebensgeschichte einer der einflussreichsten und schillerndsten Gestalten des 18. Jahrhunderts liest sich spannend wie ein Roman. Iain McCalman folgt nicht nur dem Leben des Giuseppe Balsamo, der sich Alessandro Graf von Cagliostro nannte, sondern auch seiner Wirkungsgeschichte, die bis heute andauert. 1743 in einem Armenviertel Palermos geboren, bricht Giuseppe Balsamo mit zwanzig Jahren zu einer Reise nach Nordafrika auf und bereist unter dem Namen Graf Cagliostro zehn Jahre lang Europa. Als Geisterbeschwörer, Wunderheiler und Prediger machte er sich einen berühmt-berüchtigten Namen in allen Ländern seiner Zeit: In Rom und Venedig, in London, St. Petersburg und Paris vollbrachte er alchemistische Kunststücke und unerklärliche Wunder, behandelte Kranke, gründete Filialen seiner Freimaurerloge und kam in Konflikt mit Katharina der Großen, Marie-Antoinette und Papst Pius VI. Auf der Grundlage historischer Recherchen erzählt Iain McCalman das Leben und die Wirkungsgeschichte des Cagliostro und entwirft ein eindringliches Porträt des Mannes und seiner Epoche am Beginn der Moderne.

Iain McCalman: Der letzte Alchemist –
Die Geschichte des Grafen Cagliostro.
Insel Verlag, 331 Seiten, 22,90 €.


„Der Schatten“
von Hans Christian Andersen und GĂĽnter Grass

Der dänische Schriftsteller Hans Christian Andersen hat viele unvergessliche Figuren erschaffen, die schon zu seinen Lebzeiten weltberühmt wurden: die Prinzessin auf der Erbse, der standhafte Zinnsoldat, die Schneekönigin. Auch heute noch faszinieren seine Märchen Menschen jeden Alters; seit über eineinhalb Jahrhunderten werden sie immer wieder neu aufgelegt und ziehen auch Illustratoren geradezu magisch an. Günter Grass hat die Auswahl dieses Bandes – viele bekannte, viele weniger bekannte Erzählungen – selbst getroffen und in Lithographien umgesetzt. „Der Schatten“ ist eine liebevolle Hommage an das Werk des großen dänischen Geschichten-Erfinders und ein Hausbuch für die ganze Familie.

Hans Christian Andersen / GĂĽnter Grass: Der Schatten.
Steidl, 280 Seiten, 39,50 €.


„Gefährliche Riten“
von Alicia Giménez-Bartlett

Die frisch geschiedene Anwältin Petra Delicado fristet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Polizeiarchiv ein eher unspektakuläres Dasein. Doch plötzlich wendet sich das Blatt, und schneller als ihr lieb ist, leitet sie die Ermittlungen in einem spektakulären Fall: Ein Vergewaltiger treibt sein Unwesen in den Straßen Barcelonas. Am Tatort hinterlässt er ein mysteriöses Zeichen in Form einer Blume. Der komplizierte Fall und ein ebenso schwieriger Kollege fordern die Inspectora heraus. Denn Subinspector Fermín Garzón ist nicht nur neu in Barcelona – für den Dickschädel aus der Provinz sind auch die ganz eigenen Methoden seiner forschen Chefin neu.

Alicia Giménez-Bartlett zählt zu den erfolgreichsten spanischen Autorinnen der Gegenwart. Ihre größte Popularität erlangte sie mit ihren bisher fünf Kriminalromanen um Inspectora Delicado und Subinspektor Garzón.

Alicia Giménez-Bartlett: Gefährliche Riten.
Lübbe, 334 Seiten, 8,90 €.


„Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe“
von Carl-Johan Vallgren

In einer stürmischen Winternacht des Jahres 1813 wird Doktor Götz zum prominentesten Bordell Königsbergs gerufen, um dort zwei Frauen zu entbinden. Das Licht der Welt erblicken ein gesundes Mädchen und ein missgestalteter Knabe, dem niemand Überlebenschancen einräumt. Doch auch er, dessen bloßer Anblick Abscheu hervorruft, bleibt am Leben. Die beiden Kinder wachsen miteinander auf und entwickeln eine tiefe Zuneigung zueinander. Als das Etablissement ihrer Mütter viele Jahre später geschlossen wird, werden Hercule Barfuss und Henriette Vogel getrennt, verlieren sich aus den Augen. Hercules abenteuerlicher Lebensweg führt ihn durch ganz Europa, von Königsberg nach Rom, von Liverpool nach Berlin. Taubstumm und kleinwüchsig, ein Zwerg, besitzt Hercule nicht nur ungeahnte Lebenskräfte, sondern auch die Fähigkeit, die Gedanken anderer zu lesen und zu beeinflussen. Ein Liebes- und Kriminalroman und zugleich ein historischer Roman über eine aufregende Epoche.

Carl-Johan Vallgren: Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe.
Insel, 350 Seiten, 19,80 €.


„Größenwahn“
von Lee Child

Auf dem Weg von Tampa nach nirgendwo ist Jack Reacher in einer Kleinstadt in Georgia aus dem Bus gestiegen. Wenige Stunden später findet er sich im Gefängnis wieder. Er steht unter Mordverdacht. Doch statt einer schnellen Lösung hat Detective Finlay bald ein noch größeres Problem: einen Hauptverdächtigen, der seine Unschuld beweisen kann, und das Geständnis eines Bankers, der die Tat nicht begangen hat.

Lee Child: Größenwahn.
Heyne, 480 Seiten, 8,95 €.


„Hotel Bosporus“
von Esmahan Aykol

Deutsche trinken Bier und Türken essen Kebap. Kati Hirschel kämpft jeden Tag gegen solche Klischees. Seit dreizehn Jahren betreibt sie in Istanbul ihren Krimibuchladen, und noch immer fallen die Türken in Ohnmacht, wenn sie lacht – Deutsche lachen nicht. Als der Regisseur einer türkisch-deutschen Koproduktion in seiner Suite im#I: Hotel Bosporus ermordet wird, tritt Kati Hirschel in Aktion. Schließlich ist sie mit der Hauptverdächtigen, der Schauspielerin Petra Vogel, befreundet. Sie wächst über ihre Rolle als Krimibuchhändlerin hinaus und wird zu einer charmanten Detektivin. Nach dem Motto: Die Buchhändlerin, dein Freund und Helfer. Hotel Bosporus ist ein Roman, in dem deutsch-türkische Vorurteile mit voller Wucht aufeinanderprallen und mit Leichtigkeit und Humor vom Tisch gefegt werden; ein Roman, in dem es um internationale Verbrechen, aber auch grenzüberschreitende Freundschaft geht. In der Türkei wurde Hotel Bosporus bereits zum Bestseller.

Esmahan Aykol: Hotel Bosporus.
Diogenes, 287 Seiten, 19,90 €.


„Im Saal der Mörder“
von P. D. James

Ein kleines Privatmuseum im vornehmen Londoner Stadtteil Hampstead wird Schauplatz grausamer Verbrechen. Sie scheinen im Zusammenhang mit Bluttaten aus der Vergangenheit zu stehen, die im berühmten „Saal der Mörder“ des Museums dokumentiert werden ... Drei Geschwister sollen über den Fortbestand des von ihrem Vater gegründeten Museums abstimmen. Eine Einigung ist nicht in Sicht, und nach der entscheidenden Sitzung verbrennt der Bruder, der für die Schließung votierte, in seinem Jaguar. Wichtigster Zeuge ist Tally Clutton, der gute Geist des Museums, eine rechtschaffene, resolute, äußerst liebenswerte alte Dame, die ein Cottage in der Nachbarschaft bewohnt. Während allen noch der Schreck über einen plötzlichen zweiten Mord im Museum in den Knochen sitzt, streckt der unbekannte Täter seine Hand bereits nach Tally Clutton aus.

P. D. James: Im Saal der Mörder.
Droemer, 608 Seiten, 19,90 €.


„Kartell des Schweigens“
von Philip Jolowicz

Von seinem Büro an der Wall Street sieht der junge Anwalt Fin Border einer strahlenden Zukunft entgegen. Sein Freund, Star-Banker J. J. Carlson, präsentiert ihm eines Morgens stolz seinen neuen McLaren F1. Nach einer gemeinsamen Probefahrt soll Fin aussteigen. Wenige Sekunden später schießt das Traumauto über eine Böschung und landet auf einem Highway: eine Amokfahrt mit Toten und Verletzten. Doch für Fin Border ist das erst der Anfang vieler Probleme. Er sieht sich konfrontiert mit Mord, Intrigen und Geldwäsche im großen Stil. In Bombay, wo vor Jahren Fins Vater unter mysteriösen Umständen ums Leben kam, laufen alle Spuren zusammen. Dort macht sich Fin, begleitet von seiner Kollegin Carol, auf die Suche nach der Vergangenheit und stößt auf ein geheimes Kartell, zusammengehalten durch Geld und Macht und ein düsteres Geheimnis.

Philip Jolowicz: Kartell des Schweigens.
Lübbe, 540 Seiten, 9,90 €.


„Klarer Fall“
von David Rosenfelt

Rechtsanwalt Andrew Carpenter ist ein Mann mit Ecken und Kanten: Er verbringt seine Zeit am liebsten mit Bier und Hamburger vor dem Fernseher einer Bar. In den Gerichtssälen von New Jersey ist er eher für seine Manöver am Rande der Legalität bekannt als für seinen Ehrgeiz. Diese Beschaulichkeit findet ein jähes Ende, als Andrew von seinem Vater, ehemals leitender Staatsanwalt von New Jersey und eine lebende Legende in der Welt der Jurisdiktion, gebeten wird, den Berufungsfall Jonny Miller zu übernehmen. Miller sitzt seit sieben Jahren wegen Mordes in der Todeszelle – ein scheinbar aussichtsloser Fall. Doch Andrew ist trotz der erdrückenden Indizienlast von der Unschuld seines Mandanten überzeugt. Er beginnt, erste Nachforschungen anzustellen, als sein Vater während eines Baseballspiels überraschend stirbt. Von heute auf morgen ist Andrew zu seinem eigenen Erstaunen Erbe von 22 Millionen US-Dollar. Woher hatte sein Vater bloß das viele Geld? Neben seiner Arbeit für den Berufungsprozess Miller beginnt Carpenter, die Vergangenheit seines Vaters zu erforschen und stößt dabei auf erschreckende Bezüge zum Fall Miller.

David Rosenfelt: Klarer Fall.
Ullstein, 335 Seiten, 7,95 €.


„Regenzauber“
von Michael Obert

Jenseits der Reiseprospekte und Safarikataloge liegt das alltägliche, heiße, staubige Afrika. Michael Obert entführt uns in das Afrika der Fischer, Händler und Nomaden, das Afrika der weiten Flusslandschaften, aber auch in das grausame Afrika der Organhändler, der Piraten und der durchgeknallten Sonnenbrillen-Rebellen. Einem Jugendtraum folgend, bereist Obert sieben Monate lang den drittgrößten Strom Afrikas, den Niger. Völlig auf sich allein gestellt, überlässt er sich der Strömung des mächtigen Flusses. Während seiner abenteuerlichen Reise durch Guinea, Mali, Niger und Nigeria entschleiert sich Afrika immer mehr. Obert begegnet Schamanen, Wasserfrauen und Leoparden-Männern. Sie weihen ihn ein in die Glaubenswelt der Flussvölker, die von bedrohlichen Geistern und mächtigen Regengöttern beherrscht wird.

Michael Obert: Regenzauber.
Droemer, 487 Seiten, 22,90 €.


„Salve, Roma!“
von Akif Pirincci

Als Francis' Herrchen der Ruf des römischen Kulturamts erreicht, im Forum Romanum die Ausgrabungen neu entdeckter Katakomben zu überwachen, will er Francis in einer Katzen-Pension unterbringen. Doch der gerissene Kater macht das Spiel nicht mit und geht als blinder Passagier mit auf die Reise. Der spitzohrige Tourist landet zielsicher am Largo Argentina, wo ungezählte herrenlose Streuner leben und die gefährliche Katzenmafia alles kontrolliert. Bald stellt sich heraus, dass die streunende Gemeinde ein grausames Geheimnis hütet. Seit einiger Zeit schon wütet eine Mordserie unter den obdachlosen Katzen. Francis’ kriminalistischer Spürsinn ist entfacht. Mit Hilfe eines neu gewonnenen Freunds, der sich im Gassen- und Katakombenwirrwarr der Metropole bestens auskennt, nimmt er die Spur des monströsen Schlächters auf. Der fünfte Felidae-Roman, dessen Vorgänger Millionen-Auflagen erreichten und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.

Akif Pirincci: Salve, Roma!
Eichborn Verlag, 271 Seiten, 19,90 €.


„Sündenherz“
von Julie Parsons

Eigentlich sind die Cassidys eine perfekte Familie – Nick, Susan und ihr kleiner Sohn Owen. Susan ist Ärztin, Spezialistin für Krebs im besten Kinderkrankenhaus Irlands. Nick ist Autor und Illustrator von Kinderbüchern. Aber an Halloween 1991 zerfällt die Dubliner Idylle jäh – der achtjährige Owen verschwindet spurlos am hellichten Tag. Der Verlust seines Sohnes stürzt Nick in tiefe Schuldgefühle, denn an diesem Tag verbrachte er den Nachmittag mit einer Nachbarin im Bett. Seine Familie, seine Ehe, sein Glück zerbrechen daran. Nick flüchtet nach Amerika, lässt sich dort von Ort zu Ort, von Job zu Job treiben und versucht verzweifelt, zu vergessen. Erst nach zehn Jahren ruhelosen Umherirrens kehrt er zurück nach Dublin, um sich seiner Vergangenheit zu stellen und endlich herauszufinden, was damals geschah. Dabei gerät er in eine Welt des Schreckens, von der er nichts geahnt hat – und begibt sich selbst in Gefahr.

Mit SĂĽndenherz erreichte Julie Parsons, deren Romane in 14 Sprachen ĂĽbersetzt wurden, bereits Platz 1 der irischen Bestseller-Liste.

Julie Parsons: SĂĽndenherz.
Droemer, 428 Seiten, 19,90 €.


„Traumklänge
oder Das längste Märchen, das es je gab“
von Frederik Hetmann

Im Zentrum der Geschichte steht eine geheimnisvolle Kugel, gegossen von einem indischen Magier als Geschenk für eine Prinzessin aus Samarkand. Der Leser begleitet die Kugel auf ihrem Weg durch die Zeiten, von Besitzer zu Besitzer, durch wechselvolle Ereignisse und erstaunliche Geschichten. Nur wenige Menschen werden auf den Klang der Kugel aufmerksam, einen Klang, der ihrem Leben eine neue Richtung gibt. Als der verhinderte Schriftsteller Izaak in New York die Kugel von einer schönen Unbekannten mit Namen Eliza erhält, verändert sich auch sein Leben auf mysteriöse Weise. Endlich findet er für seinen großen Roman den Stoff, nach dem er schon so lange sucht: er erzählt die weitverzweigte und märchenhafte Geschichte der Kugel und ihrer Traumklänge – das längste Märchen, das es je gab.

Frederik Hetmann: Traumklänge
oder Das längste Märchen, das es je gab.
Lübbe, 525 Seiten, 22,00 €.


„Venus im Pelz“
von Leopold von Sacher-Masoch

Severin lernt in einem Karpatenbad die reiche Witwe Wanda kennen, die sein ausschließlich auf Venusstatuen gerichtetes erotisches Interesse auf sich zu ziehen vermag. Wanda erklärt sich bereit, an der Verwirklichung von Severin's Fantasiebildern teilzunehmen, als Gegenleistung verpflichtet sich Severin, ein bis zur Selbstaufgabe ergebener Sklave der geliebten Frau zu sein. Ein Vertrag besiegelt das illusorische Spiel der beiden. Ästhetisch gestaltete Ausgabe des bekanntesten Werkes von Sacher-Masoch. Als das Buch herauskam, nahm niemand Anstoß an der Geschichte des seinerzeit überaus erfolgreichen Autors, bis in einer Schrift von 1886 die Symptome einer bestimmten Perversion unter dem Namen Masochismus zusammengefasst wurden. Leopold von Sacher-Masoch und seine Anhänger wehrten sich vergebens gegen diese Bezeichnung. Sacher-Masoch geriet in Verruf, seine Literatur in Vergessenheit.

Leopold von Sacher-Masoch: Venus im Pelz.
Illustrationen von Gerd Mackensen.
Edition Büchergilde, 200 Seiten, 24,90 €.

Geändert:  10 / 2020