„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2007



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„1.001 BĂŒcher, die Sie lesen sollten,
bevor das Leben vorbei ist“
von Peter Boxall

„1.001 BĂŒcher“ lĂ€dt zum Stöbern ein und bietet einen roten Faden durch die Weltliteratur. Vorgestellt werden BĂŒcher, die von Lesern und Kritikern weltweit zu Kult-Romanen erhoben wurden. Die Auswahl traf ein internationales Team, bestehend aus 157 Schriftstellern, Literatur-Wissenschaftlern und Journalisten. Sie haben literarische Klassiker entstaubt, vergessene Kostbarkeiten wiederentdeckt und die zeitgenössische Literatur nach dem Lesenswertesten durchforstet. Von den Fabeln Äsops bis zu den Werken Émile Zolas bietet dieses Leselexikon prĂ€gnante Zusammenfassungen der ausgewĂ€hlten Werke, AutorenportrĂ€ts, Zitate und spannende Hintergrund-Informationen. Ein ideales Buch fĂŒr alle, die gerne lesen.

Peter Boxall: 1001 BĂŒcher, die Sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist.
Edition Olms, 960 Seiten, 29,95 €.


„An der schönen blauen Donau“
von Ludwig Bemelmans

Als dieser Roman 1945 in New York erschien, erregte er sofort einiges Aufsehen. Sein Verfasser, der 30 Jahre zuvor von Deutschland nach Amerika ausgewandert war, erzĂ€hlt vom Alltag des Terrors in der deutschen Provinz. Der Roman spielt 1944 und beginnt in einem Biergarten an der Donau. Die Anwesenden beobachten ein Schwein, das mitten im Fluss auf einem Floß dahintreibt und schließlich auf einer Insel landet, die von den Fischers bewohnt wird, die hier den Regensburger Rettich anbauen. Die Insel ist „ein Stachel im Fleisch des Finanzamts“, weil sie nirgends registriert ist, offiziell gar nicht existiert. Vor allem aber erweisen sich die Inselbewohner nicht nur als eigensinnig, sondern auch als renitent gegenĂŒber der Nazi-Herrschaft. Bemelmans beschreibt von New York aus das Leben in Regensburg unter dem Hakenkreuz, die BanalitĂ€t des Bösen und zugleich das Grauen in der Idylle des Biergartens.

Ludwig Bemelmans: An der schönen blauen Donau.
Insel Verlag, 172 Seiten, 17,80 €.


„Anklage: Kindesmord“
von Angela Cannings und Megan Lloyd Davies

Eine Mutter kÀmpft gegen einen ungeheuerlichen Vorwurf

Kurz nachdem Angela Cannings und ihr Mann Terry 1999 ihr drittes Baby in zehn Jahren durch plötzlichen Kindstod verloren haben, geschieht das Ungeheuerliche: Die Britin wird des Mordes an ihren Söhnen beschuldigt. Aufgrund eines zweifelhaften Gutachtens des frĂŒheren Kinderarztes wird Angela Cannings, die verzweifelt ihre Unschuld beteuert, strafrechtlich verfolgt und im April 2002 zu lebenslanger Haft verurteilt. UnermĂŒdlich kĂ€mpft sie zusammen mit ihrem Mann um eine Wiederaufnahme des Verfahrens und wird 2004, nach zwei langen Jahren im GefĂ€ngnis, freigesprochen. Mit ihrer bewegenden Geschichte plĂ€diert sie fĂŒr die Wichtigkeit der Unschuldsvermutung in Justizsystem.

Angela Cannings / Megan Lloyd Davies: Anklage: Kindesmord.
Heyne, 400 Seiten, 8,95 €.


„Ausgebrannt“
von Andreas Eschbach

Das Ölzeitalter wird nicht erst mit dem letzten Barrel enden. Es endet, sobald mehr verbraucht wird, als gefördert werden kann. Und dieser Moment ist nĂ€her, als die meisten Menschen ahnen. Das eigentliche Problem daran ist, dass es keinen realistischen Plan fĂŒr die Zeit danach gibt. Markus Westermann weiß von all dem nichts, als er endlich mit seiner Karriere durchstarten will. Als er Karl Walter Block kennenlernt, sieht er seine Chance gekommen. Der alte Öltechniker behauptet, dass in den Tiefen der Erde noch genug Öl fĂŒr die nĂ€chsten tausend Jahre schlummert – und dass nur er die Methode kennt, wie man es findet. Als in Saudi-Arabien das grĂ¶ĂŸte Ölfeld der Welt versiegt und die Saudis alles daransetzen, die erschreckende Wahrheit zu vertuschen, kommt es nicht nur im Nahen Osten zu Unruhen. Die Menschheit steht plötzlich vor ihrer grĂ¶ĂŸten Herausforderung. Doch Markus Westermann ist ĂŒberzeugt, das Ruder herumreißen zu können ...

Andreas Eschbach: Ausgebrannt.
LĂŒbbe, 750 Seiten, 19,95 €.


„BlĂ€tter von BĂ€umen“
von Susanne Fischer-Rizzi

Heilkraft und Mythos einheimischer BĂ€ume

Der Baum ist eines der Ă€ltesten Symbole des Menschen und als Lebensbaum in allen Kulturen zu finden. Genauso alt ist das Wissen um die Heilkraft der BĂ€ume, aus dessen Wurzeln, Harz, Trieben und BlĂ€ttern Heilmittel hergestellt werden. Susanne Fischer-Rizzi hat Geschichten, Sagen, Mythen, Lieder und BrĂ€uche gesammelt, die zum Teil Jahrtausende alt sind und – in Form von Christbaum, Palmweihe, Maibaum und Richtfest – noch bis in die heutige Zeit hinĂŒberklingen. In diesem Buch prĂ€sentiert sie viel Wissenswertes aus Mythologie, Botanik und Brauchtum im Zusammenhang mit unseren heimischen BĂ€umen. Aus ihrer langjĂ€hrigen Erfahrung in der Pflanzenheilkunde hat sie jedem Baum ein Kapitel ĂŒber seine Heilwirkungen hinzugefĂŒgt, mit erprobten Rezepten zum Selbermachen von Tees, Salben und Tinkturen.

Susanne Fischer-Rizzi: BlÀtter von BÀumen.
AT-Verlag, 180 Seiten, 22,90 €.


„Blutpreis“
von Jon Evans

Als Paul mit seiner Freundin Talena 2003 nach Sarajewo fliegt, um Talena's Schwester Saskia zu besuchen, finden sie eine verĂ€ngstigte Frau vor, die von ihrem Mann seit Jahren brutal misshandelt wird. Talena ist klar, dass sie ohne ihre Schwester nicht wieder abreisen wird. Da fĂŒr Saskia eine legale Ausreise unmöglich ist, bleibt nur der Weg ĂŒber MenschenhĂ€ndler. So geraten sie an Sinisa, der anbietet, Saskia umsonst nach Amerika zu bringen. Als Gegenleistung fordert er Paul's Dienste als Programmierer. ZunĂ€chst scheint alles scheint gut zu laufen, doch nach und nach tun sich um Sinisa ungeahnte AbgrĂŒnde auf: Er hat zahlreiche Menschen auf dem Gewissen und ist in eine finstere Sache verwickelt, deren Ausmaße Paul nicht erahnen kann. Eine gefĂ€hrliche Reise ĂŒber den halben Globus beginnt ...

Jon Evans: Blutpreis.
DTV, 475 Seiten, 14,50 €.


„Bombay – Maximum City“
von Suketu Mehta

Mit ĂŒber 14 Millionen Einwohnern ist Bombay die inzwischen grĂ¶ĂŸte Stadt der Welt; bald werden mehr Menschen in ihr leben als auf dem gesamten australischen Kontinent. Der preisgekrönte Autor Suketu Mehta, der nach 21 Jahren in die Stadt seiner Kindheit und Jugend zurĂŒckkehrt, beschreibt sie uns mit seinen Augen; taucht ein in die kriminelle Unterwelt, in der sich muslimische und Hindugangs schwere Gefechte im Streit um die politische und wirtschaftliche Herrschaft liefern; spricht mit Straßenkindern, die zu Profi-Killern ausgebildet werden, und Polizisten, die diese Kinder foltern und töten; er öffnet die TĂŒren zu „Bollywood“, interviewt Filmproduzenten und Bar-TĂ€nzerinnen, die von einer Schauspiel-Karriere trĂ€umen, um den Slums zu entkommen, und zahllose Menschen, die tĂ€glich aus den Dörfern in die Stadt ziehen und statt Arbeit nur Elend finden. Sprachlich brillant verknĂŒpft Suketu Mehta die einzelnen Geschichten und Bilder zu einem großen Ganzen, das so faszinierend wie abgrĂŒndig ist, so abschreckend wie sinnlich und reich.

Suketu Mehta: Bombay – Maximum City.
Suhrkamp, 781 Seiten, 26,80 €.


„City of Light“
von Philip Steele

Die letzten Tage von Jim Morrison

Sein Leben als großer Rock-Poet und charismatischer SĂ€nger der Doors ist unvergessen, doch Jim Morrison's letzte Tage in Paris im Jahre 1971 sind kaum dokumentiert. Der damals noch unbekannte Rock-Musiker Philip Steele traf Jim Morrison kurz vor seinem Tod in einem Pariser Straßen-CafĂ©. Morrison suchte in der französischen Hauptstadt Abstand vom Leben als Rock-Star und neue Inspiration. Die beiden Musiker trafen sich noch viele Male. In seinem bewegenden Roman schildert Steel den tragischen Niedergang des einst gefeierten Helden bis zu dessen mythen-umwobenem Tod.

Philip Steele: City of Light. Heyne, 480 Seiten, 8,95 €.


„Das heilende Bewusstsein –
Wunder und Hoffnung an den Grenzen der Medizin“
von Joachim Faulstich

Die moderne Medizin kann sich mit der Macht des Bewusstseins nur schwer abfinden. Die Vertreter einer mechanistischen Medizin liegen mit jenen Ärzten im Streit, die sich in das unerforschte Grenzgebiet von Körper und Seele wagen. Joachim Faulstich nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Kontinente und die Zeit – von den Heilungszeremonien der Indianer im Amazonas-Gebiet ĂŒber die Traumtempel des antiken Griechenlands bis in die Labors der Hirnforscher – und zeigt, wie sich Glaube und Hoffnung als verborgene Macht der Selbstheilung offenbaren. In der Begegnung mit Ärzten, Heilern und Schamanen und ihren Patienten entsteht ein neues und zugleich altes Bild der Wirklichkeit: Der Geist kann Wunder wirken, aber Wunder geschehen nicht im Gegensatz zur Natur, sondern im Gegensatz zu dem, was wir von der Natur wissen. Joachim Faulstich ist Autor und Regisseur wissenschaftlicher Fernsehdokumentationen und hat fĂŒr seine Arbeit zahlreiche nationale und internationale Preise erhalten.

Das heilende Bewusstsein –
Wunder und Hoffnung an den Grenzen der Medizin.
Knaur, 336 Seiten, 17,90 €.


„Das Teubner-Handbuch KĂ€se“
von Christian Teubner

KĂ€se ist ein Lebensmittel mit vielen, sehr unterschiedlichen Sorten und ebenso vielen Verwendungsmöglichkeiten. Teubner's „Handbuch KĂ€se“ vermittelt alles Wissenswerte zum Thema: der Warenkunde-Teil gibt Einblick in die Geschichte des KĂ€ses und die Grundlagen der KĂ€se-Herstellung sowie einen umfassenden Überblick ĂŒber die verschiedensten KĂ€sesorten der Welt. Mehr als 280 KĂ€sesorten – von Appenzeller bis Zamorano – werden in Bild und Text vorgestellt, die Unterschiede zwischen den einzelnen Arten und ihre Herstellung erlĂ€utert. Der Rezeptteil enthĂ€lt ĂŒber 100 bewĂ€hrte und ausgefallene Rezepte, außerdem Tipps zur Kombination von KĂ€se und Wein und zum Zusammenstellen von KĂ€seplatten.

Christian Teubner: Das Teubner-Handbuch KĂ€se.
Teubner, 416 Seiten, 25,00 €.


„Das wahre Kreuz“
von Jörg Kastner

Als Napoleon 1798 Kairo erobert, wird er von einer Gruppe von Wissenschaftlern begleitet. Unter ihnen befindet sich der junge Zeichner Bastien Topart, der in einem WĂŒstentempel eine furchterregende Entdeckung macht. Er wird Zeuge einer unheimlichen Zeremonie, bei der MĂ€nner in mittelalterlichen RitterkostĂŒmen eine junge Frau opfern wollen. Den Forschern gelingt es, das Leben der Fremden zu retten, und beim Verlassen des Tempels findet Bastien ein mysteriöses Schwert: Es scheint im Nahen Osten gefertigt worden zu sein, trĂ€gt jedoch Zeichen der abendlĂ€ndischen Kultur – auf dem Griff sind Kreuze eingraviert. Nachdem Bastien nach Kairo zurĂŒckkehrt, scheint ĂŒberall Gefahr auf ihn zu lauern ...

Jörg Kastner: Das wahre Kreuz.
Knaur, 432 Seiten, 18,90 €.


„Der 50/50-Killer“
von Steve Mosby

John Mercer, ein altgedienter Detective, gerĂ€t in die Fallstricke eines perfiden Serienkillers. Der unbekannte „50/50-Killer“ hat es auf junge Paare abgesehen. Eiskalt quĂ€lt und manipuliert er sie eine Nacht lang, um die Liebe zwischen ihnen zu zerstören. Nur wer den anderen verrĂ€t, wird die Nacht ĂŒberleben. Als die Polizei einen verstörten jungen Mann aufgreift, der Folterspuren aufweist und unverstĂ€ndliches Zeug ĂŒber seine Flucht aus dem Wald redet, ist Detective Mercer klar, dass ihm die Zeit davonlĂ€uft. Offensichtlich hat der Killer neue Opfer gefunden, und durch sein Verschwinden hat der Mann seine Freundin dem Tod geweiht. Ein unerbittlicher Wettlauf auf Leben und Tod beginnt, den Mercer nur gewinnen kann, wenn er ein altes Trauma ĂŒberwindet.

Steve Mosby: Der 50/50-Killer.
Knaur, 492 Seiten, 19,90 €.


„Der TĂŒrke – das Original“
von Ihsan Acar

Wir leben nebeneinander, wir arbeiten miteinander, wir gehen gerne in tĂŒrkische Lokale – aber wissen wir, was TĂŒrken wirklich bewegt? Was sie denken, was sie fĂŒhlen, was ihnen wichtig ist? Etwa der Sonntag, in der TĂŒrkei zweifelsohne der schönste Wochentag. Aber hierzulande? Die GeschĂ€fte geschlossen, die Straßen wie leergefegt. Einfach öde! Wo bleibt da die Geselligkeit, die Lust am Diskutieren? Ihsan Acar schildert so liebe- wie humorvoll, was passiert, wenn ‚DeutschlĂ€nder‘ Urlaub in der alten Heimat machen, warum junge TĂŒrken stundenlang mit dem Auto scheinbar ziellos durch die Gegend fahren, wieso Grillen zum LebensgefĂŒhl gehört, wie Ehen arrangiert werden oder auch nicht, und warum Istanbul die schönste Stadt der Welt ist.

Ihsan Acar: Der TĂŒrke – das Original.
DTV, 112 Seiten, 7,90 €.


„Die dunkle Wahrheit des Mondes“
von Andrea Camilleri

Commissario Montalbano sieht sich mit einem rĂ€tselhaften Mordfall konfrontiert: Pardo wurde von einem Stirnschuss getötet und in obszöner Position in seiner Wohnung aufgefunden. Alles deutet auf ein Verbrechen aus Leidenschaft hin, denn Frauen, das findet Montalbano schnell heraus, gab es genĂŒgend in Pardo's Leben. Seine Schwester zum Beispiel, die Ă€therische Michela, mit der ihn offensichtlich ein inniges VerhĂ€ltnis verband, oder die schöne Elena, eine der letzten Geliebten Pardos. Doch auch wenn die beiden Frauen alles daran setzen, Montalbano die Sinne zu verwirren, verliert dieser nie den Blick fĂŒr all jene unscheinbar wirkenden Details, die ihn schließlich einer folgenreichen Tragödie auf die Spur kommen lassen ...

Andrea Camilleri: Die dunkle Wahrheit des Mondes.
LĂŒbbe, 269 Seiten, 19,95 €.


„Die ethnische SĂ€uberung PalĂ€stinas“
von Ilan Pappe

Der israelische Historiker Ilan Pappe zeigt in seiner erschĂŒtternden Dokumentation, wie es der FĂŒhrung des gerade gegrĂŒndeten Staates Israel gelang, die arabische Bevölkerung zu vertreiben und eigene Greueltaten zu legitimieren. Zwei Monate vor dem Ende der britischen Verwaltung PalĂ€stinas im MĂ€rz 1948 verabredeten zionistische Politiker und MilitĂ€rfĂŒhrer einen Plan zur Vertreibung der arabischen Bevölkerung: „Plan Dalet“. Das Land – nur zu elf Prozent im Besitz jĂŒdischer Einwanderer, die nicht einmal ein Drittel der Einwohner stellten – sollte freigemacht werden fĂŒr eine endgĂŒltige jĂŒdische Besiedelung. Es kam zu Angriffen auf palĂ€stinensische Dörfer und Stadtviertel und zu Massakern, bei denen unterschiedslos auf MĂ€nner und Frauen, Greise und Kinder geschossen, bei denen vergewaltigt und geplĂŒndert wurde. Nach der UnabhĂ€ngigkeit Israels wurden 800.000 PalĂ€stinenser zur Flucht gezwungen, ihre HĂ€user dem Erdboden gleichgemacht und die Ruinen vermint, damit die Vertriebenen nicht zurĂŒckkehren konnten. Anhand von Augenzeugenberichten, Tagebuch-AuszĂŒgen und Dokumenten aus MilitĂ€rarchiven, die bis vor kurzem unter Verschluss gehalten wurden, zeichnet Pappe ein Bild der Ereignisse zwischen 1947 und 1948, das der offiziellen Geschichtsdarstellung und dem GrĂŒndungsmythos Israels in entscheidenden Punkten widerspricht.

Ilan Pappe: Die ethnische SÀuberung PalÀstinas.
Zweitausendeins, 413 Seiten, 22,00 €.


„Die Geschichte des Blues“
von Bill Wyman

Der Blues ist mehr als nur eine Musikrichtung: Er ist eine Lebenseinstellung. Hinter seiner scheinbar simplen musikalischen Struktur verbirgt er die Tiefe und den Gehalt der Songs, die nicht nur Kummer, sondern auch Lebensfreude ausdrĂŒcken. Moderner Pop und Rock sind ohne die verwandtschaftliche NĂ€he zum Blues nicht zu verstehen. Anfang 1963 „waren wir noch lange nicht ‚the greatest Rock ’n’ Roll-Band in the World‘, aber wir waren eine Blues-Band“, erinnert sich Bill Wyman, Ex-Bassist der Rolling Stones. Aus seinem riesigen Privatarchiv hat Wyman eine große, mit vielen seltenen oder bislang unveröffentlichten Fotos illustrierte Geschichte des Blues zusammengestellt. Mit großer Sachkenntnis gibt er einen authentischen Einblick in die AnfĂ€nge des Blues und stellt 38 legendĂ€re Musiker und deren wichtigsten Aufnahmen vor.

Bill Wyman: Die Geschichte des Blues.
Zweitausendeins, 400 Seiten, ĂŒber 700 Fotos, 14,95 €.


„Die Schattenuhr“
von Alfred Komarek

Der ehemalige Chef-Redakteur Daniel KĂ€fer will die Sommerfrische im Salzkammergut gerade verlassen, um sich in Wien wieder ernsthaft dem Berufsleben zu widmen. Da begegnet ihm der Bergler Bernd GamsjĂ€ger. Und der erzĂ€hlt Geschichten von Hallstatt und dem Salzbergwerk, die Daniel KĂ€fer schon bald mehr fesseln als jede Story aus der Stadt. Was hat es mit dem Mann im Salz auf sich? Ist er eine Art „HallstĂ€tter Ötzi“? Ein sagenhafter archĂ€ologischer Fund wĂ€re nicht nur eine touristische Sensation, sondern auch genau der journalistische Coup, der KĂ€fer wieder ins GeschĂ€ft bringen könnte ... ArchĂ€ologische Abenteuer, MĂ€nnerrituale und Frauen, die beschĂ€digte Helden pflegen, halten Daniel KĂ€fer in Atem. FĂŒr langweiligen Alltag bleibt spĂ€ter noch Zeit genug ...

Alfred Komarek: Die Schattenuhr.
Diogenes, 273 Seiten, 9,90 €.


„Die unfreiwilligen Reisen des Putti Eichelbaum“
von Bernt Engelmann

Putti Eichelbaum's Vater war vor 1933 einer der bekanntesten RechtsanwĂ€lte Berlins. Weil er Jude war, flĂŒchtete mit seiner Familie vor den Nazis ĂŒber die Schweiz, Italien, die Bahamas und Kuba in die USA. Putti wuchs auf der Flucht auf – er machte eine Schusterlehre, lernte unterwegs Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Nach dem Eintritt der USA in den Krieg wurde er Soldat der US-Armee, nahm an der Landung in der Normandie teil, wurde als Kriegsheld ausgezeichnet und marschierte schließlich wieder in die Stadt ein, aus der er zwölf Jahre zuvor vertrieben worden war. Ein deutsch-jĂŒdisches Emigrantenschicksal, das bei aller Dramatik und Tragik keine traurige Geschichte ist. Putti Eichelbaums abenteuerliche Odyssee liest sich wie ein moderner Schelmen-Roman, und doch ist nichts erfunden: Bernt Engelmann hat sie nach dem Bericht seines Jugendfreundes aufgezeichnet.

Bernt Engelmann: Die unfreiwilligen Reisen des Putti Eichelbaum.
Steidl, 320 Seiten, 8,50 €.


„Die Welt ist flach“
von Thomas L. Friedman

Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts

Im Zeitalter der Globalisierung werden jĂ€hrlich hunderttausende amerikanische SteuererklĂ€rungen in Indien erstellt. US-Radiologen schicken kurz vor Feierabend CT-Aufnahmen nach Australien, um die fertige Auswertung am nĂ€chsten Morgen aus dem elektronischen Postfach zu nehmen, und die Reservierung im Restaurant wird vielleicht vom Callcenter in Istanbul abgewickelt. Thomas L. Friedman, Kolumnist der „New York Times“ und renommierter Autor zum Thema Globalisierung, zeigt, das schon lange nicht mehr nur Turnschuhe und T-Shirts produziert werden, wo es am billigsten ist, sondern auch geistige Dienstleistungen dorthin abwandern, wo sie am wenigsten kosten. Oft ist es gĂŒnstiger und schneller, Informationen einmal um die halbe Welt zu senden als einen Stapel Papiere ins BĂŒro nebenan zu tragen. Friedman folgt den Datenströmen und untersucht, wie sie die Existenz von Managern und MittelstĂ€ndlern, von chinesischen Studenten und Hausfrauen in Utah entscheidend verĂ€ndern. Sein fesselndes Buch dokumentiert VerĂ€nderungen, die uns alle betreffen, egal, wo wir leben und was wir tun.

Thomas L. Friedman: Die Welt ist flach.
Suhrkamp, 720 Seiten, 26,80 €.


„Flucht zum Mars“
von Herbert W. Franke

Herbert W. Franke, der in diesem Jahr 80 wird, studierte Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie. Er promovierte an der UniversitĂ€t Wien mit einem Thema aus der theoretischen Physik zum Doktor der Philosophie. 1957 begann er seine Karriere als freier Schriftsteller und er gehört heute zu den bekanntesten Science Fiction-Autoren Europas. Sein neuester Roman handelt von einer achtköpfigen Gruppe, die im 23. Jahrhundert zu einem Erlebnisspiel auf den Mars fliegt. Die Aufgaben, die bewĂ€ltigt werden sollen, wirken realistisch und gefĂ€hrlich, und alle Mitglieder gehen von einer Simulation aus. Doch als sich herausstellt, dass ĂŒberhaupt kein Kontakt zur Erde besteht, wird aus dem Spiel bitterer Ernst. Ramses, der selbsternannte AnfĂŒhrer, treibt ein merkwĂŒrdiges Spiel und weiß viel mehr ĂŒber die Expedition, als er zugibt ...

Herbert W. Franke: Flucht zum Mars.
DTV, 360 Seiten, 14,50 €.


„Gonzo-Generation“
von Hunter S. Thompson

Das Beste der „Gonzo-Papers“

Hunter S. Thompson begann seine Laufbahn als Sport-Journalist, bevor er Reporter fĂŒr den „Rolling Stone“ und als BegrĂŒnder des Gonzo-Journalismus zu einer Ikone der Hippie-Bewegung wurde. Zu seinen BĂŒchern zĂ€hlen neben „Fear and Loathing in Las Vegas“ die journalistischen Romane „Hells Angels“, „Königreich der Angst“ und „Rum Diary“. Wie niemand vor ihm ging er mit den Verfehlungen, der Doppelmoral und der Heuchelei der westlichen Gesellschaft ins Gericht. Drogen, Politik, Armut – Thompson's Nachrichten vom Rande des Abgrunds sind aufrĂŒttelnd, erschĂŒtternd, aber auch hellsichtig und komisch. Thompson nahm sich am 20. Februar 2005 in seinem Wohnort Woody Creek, Colorado, das Leben. Dieser Band versammelt erstmals die besten Reportagen und Artikel aus vier Jahrzehnten schonungslosem Journalismus.

Hunter S. Thompson: Gonzo-Generation.
Heyne, 576 Seiten, 9,95 €.


„GrĂŒnes Gift“
von Patric Nottret

Wer auf Pilzsuche geht, findet manchmal alles andere als Pilze. Eine Leiche kann auch schon mal dabei sein. Patric Nottret's erster Roman, der in Frankreich sehr erfolgreich war, beginnt mit einer Leiche, in einem Wald bei Paris, in deren Tasche Teile einer unbekannten Pflanze gefunden werden. SĂ©nĂ©chal, Mitarbeiter, einer auf Verbrechen spezialisierten Abteilung des Umweltministeriums, wird gerufen, um an dem Fall mitzuarbeiten. Normalerweise fristet seine Abteilung ein Schattendasein und findet kaum jemals Anerkennung. Als kurz darauf ein Professor fĂŒr Bio-Technologie ermordet wird, ahnt SĂ©nĂ©chal einen Zusammenhang, der sich bald immer deutlicher abzeichnet: die Pflanze stellt sich als gentechnisch verĂ€ndert heraus, und jemand scheint daran interessiert, dass SĂ©nĂ©chal und ein Kollege fĂŒr ihre Recherchen nach SĂŒdamerika reisen. Auf der Suche nach Biopiraten muss der Ermittler schon bald sein eigenes Leben aufs Spiel setzen.

Patric Nottret: GrĂŒnes Gift.
LĂŒbbe, 430 Seiten, 8,95 €.


„Im Tal der schwarzen Tauben“
von Juan Carlos Arce

Juan Carlos Arce ist Schriftsteller als auch Anwalt. FĂŒr sein TheaterstĂŒck „Retrato en Blanco“ ernannte ihn die texanische Stadt Dallas zum EhrenbĂŒrger. Sein Roman „Im Tal der schwarzen Tauben“ spielt 1939 in Figueres, als der der Sieg der faschistischen Truppen absehbar wird. Um die Kunstwerke des Prado vor den Bomben Francos zu schĂŒtzen, soll die wertvolle Fracht außer Landes gebracht werden. Dabei kreuzen sich die Wege von Carlos und Teresa, deren Schicksal eng mit dem der Bilder verwoben ist und deren wachsende Zuneigung sich gegen einen unergrĂŒndlichen Sumpf aus Spionage, Verrat und politischer Intrige behaupten muss.

Juan Carlos Arce: Im Tal der schwarzen Tauben.
LĂŒbbe, 285 Seiten, 7,95 €.


„Intelligenz in der Natur“
von Jeremy Narby

Nicht nur der Mensch verfĂŒgt ĂŒber eine unabhĂ€ngige Intelligenz, auch Tiere, Pflanzen und Bakterien zeigen die erstaunliche Neigung, eigene Entscheidungen zu treffen und neue Handlungsmuster zu entwickeln. Jeremy Narby entdeckt intelligentes Verhalten ĂŒberall in der Natur und prĂ€sentiert dazu ĂŒberwĂ€ltigendes Beweismaterial. DarĂŒber hinaus geht er der Frage nach, was der Mensch auf seiner Suche nach einem gesĂŒnderen und nachhaltigeren Leben von einer beispielhaft sparsamen und anpassungsfĂ€higen Natur lernen kann. Seine Forschungen ĂŒber die Intelligenz in der Natur fĂŒhrten ihn von Heilern in Amazonien bis zu den Vordenkern der gegenwĂ€rtigen Naturwissenschaften. In seinem packenden Buch versucht er darzulegen, wie Natur ihr Wissen und ihre Weisheit erlangt.

Jeremy Narby: Intelligenz in der Natur.
AT-Verlag, 272 Seiten, 19,90 €.


„Liebes-Geschichten“
von Bert Hellinger

Geschichten zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern,
uns und der Welt

Bert Hellinger studierte alle bedeutsamen Therapie-Systeme und entwickelte schließlich eine eigene System- und Familientherapie, das Familienstellen. In diesen Aufstellungen können Probleme gelöst werden, die unbewusst von Generation zu Generation als Erbe weitergegeben werden. Die „Liebes-Geschichten“ in Hellinger’s neuem Buch zeigen, wie solche Probleme eine Beziehung erschweren und wie die Liebe zwischen Mann und Frau gelingt. In einigen Geschichten geht es außerdem um die tiefe, oft verborgene Liebe zwischen Kindern und Eltern, in anderen um die umfassende Liebe in der Familie als auch in grĂ¶ĂŸeren Gruppen. Eindrucksvolle Beispiele aus der Praxis zeigen, wie durch das Familien-Stellen unbewusste Muster aufgedeckt und neue Ordnungen in Beziehungen ermöglicht werden.

Bert Hellinger: Liebes-Geschichten.
Kösel, 255 Seiten, 19,95 €.


„Memento Mori“
von Muriel Spark

Gegen Ende des Weltkriegs arbeitete Muriel Spark als SekretĂ€rin im NachrichtenbĂŒro des englischen Außenministeriums, wo sie Falschmeldungen produzierte, um die Deutschen irrezufĂŒhren. SpĂ€ter wurde sie Journalistin und Herausgeberin und eine der der produktivsten und wichtigsten englischen Schriftstellerinnen. In „Memento Mori“ schildert sie mit erbarmungsloser Komik schildert die Abenteuer des unverbesserlichen alten SĂŒnders Godfrey, seiner Gattin Charmian und seiner Schwester Lettie. Ihr hohes Alter schĂŒtzt die drei nicht vor Tor- und Bosheiten aller Art. Eine bissige Satire voller Überraschungen, die vielen als der beste Roman von Muriel Spark gilt.

Muriel Spark: Memento Mori.
Diogenes, 259 Seiten, 8,90 €.


„Moralischer Bankrott“
von Wayne Madsen

Der amerikanische Offenbarungseid

Der US-Journalist Wayne Madsen war einer der ersten, die ĂŒber den globalen Folter-Tourismus der USA berichteten. Jetzt lĂ€sst er mit neuen EnthĂŒllungen aufhorchen. Nicht MilitĂ€r und Geheimdienst sind fĂŒr den Transport der Folter-Opfer verantwortlich. Private Firmen lassen sich die schmutzige Arbeit teuer bezahlen. Die Spur fĂŒhrt in ein Geflecht aus Lobbyisten mit direkten Beziehungen in den Beraterstab von George W. Bush. Madsen nennt 37 maßgebliche Unternehmen, die seit 1994 mit weltweiten Söldner-EinsĂ€tzen Millionen umsetzen. Er tritt den Beweis dafĂŒr an, dass die Außenpolitik von George W. Bush dazu dient, das Privatvermögen seiner Familie und seiner Parteifreunde zu mehren. Hunderte Politiker, Firmen und ihre Eigner werden beim Namen genannt. Wo auch immer weltweit eine Krise ausbricht, sind die in diesem Buch genannten Konsortien lĂ€ngst vor Ort, um an ihr zu verdienen.

Wayne Madsen: Moralischer Bankrott.
HWK-Verlag, 416 Seiten, 19,95 €.


„Reisen in die Hölle und andere UrlaubsschnĂ€ppchen“
von P. J. O'Rourke

Seit 30 Jahren ist P. J. O'Rourke als Liberalenschreck, bekennender Whisky- und Zigarrenfan und als Reporter bekannt, der keine Kriegs- oder Krisenregion der Welt auslĂ€ĂŸt. Warum eigentlich an den immer gleichen StrĂ€nden die immer gleichen Langweiler treffen, fragte sich O'Rourke im Jahre 1984. Er rief stattdessen beim Reiseministerium des Libanon an und buchte eine Woche BĂŒrgerkrieg in Beirut. O'Rourke lernte nicht nur die berĂŒhmte Strandpromenade kennen (die man der ScharfschĂŒtzen wegen allerdings nur im Laufschritt passieren konnte), sondern auch das richtige Verhalten bei Straßensperren verschiedenster Milizen, die beste Reaktion im Feindfeuer und die Kunst, in allen Lebenslagen die richtigen Antworten zu geben. Ob in Nordirland, Israel, Albanien oder auf den Philippinen: In den folgenden 20 Jahren bereiste O'Rourke fast alle touristenfreien Regionen der Erde. Auf wundersame Weise gelingen ihm dabei nicht nur höchst informative, sondern auch irrwitzig komische Reportagen ĂŒber den alltĂ€glichen Wahnsinn auf unserer Welt.

P. J. O'Rourke: Reisen in die Hölle und andere UrlaubsschnÀppchen.
Eichborn / Die Andere Bibliothek, 320 Seiten, Leinen 28,50 €, Leder 75,00 €.


„Sondermann“
von Bernd Pfarr

Bernd Pfarr zeichnete viele Jahre lang Cartoons fĂŒr „Titanic“ und das „Zeit-Magazin“. Bekannt wurde er vor allem mit der verschrobenen Figur Sondermann, die ein fester Bestandteil der Titanic wurde. Bis zu seinem Tod im Jahr 2004 schuf Pfarr ĂŒber 500 Bildgeschichten ĂŒber den kleinen Mann mit Hut – ein Werk, das nun erstmals vollstĂ€ndig vorliegt. FĂŒr diese aufwendig produzierte Gesamtausgabe wurde wo immer möglich auf die handaquarellierten Originale zurĂŒckgegriffen. Durch Sondermanns Brille gesehen wird die Welt schöner und reicher, denn Bernd Pfarr hat seine Abenteuer liebevoll ausstaffiert: Nach Genuß der hintersinnigen, oft staunenswerten Pointen warten zahllose Details, Landschaften, Interieurs oder Wolkenbildungen darauf, entdeckt zu werden.

Bernd Pfarr: Sondermann.
Steidl 504 Seiten, 48,00 €.


„Tatort Eine Welt“
von Karl-Albrecht Immel und Klaus TrÀnkle

CO₂-Ausstoß, AufrĂŒstung, Entwicklungshilfe, Energieverbrauch – die Medien liefern uns rund um die Uhr Fakten und Zahlen zum Thema Globalisierung. Doch der Überblick ĂŒber die ZusammenhĂ€nge geht dabei meist verloren. Was hat ein Streak auf unserem Teller mit der Abholzung des Regenwaldes zu tun? Wie kann der Hunger in den Ă€rmsten LĂ€ndern wirkungsvoll bekĂ€mpft werden? „Tatort Eine Welt“ behandelt alle Themen, die im Zusammenhang mit der Globalisierung von Bedeutung sind: von ErnĂ€hrung, Gesundheit, Wohnung und Bildung ĂŒber Wirtschaft, Finanzen, RĂŒstung und Kriege bis hin zu Umwelt und Menschenrechten. Dabei stellt es immer den Bezug zum Leser her, indem es der Frage nachgeht: Was haben wir damit zu tun?

Karl-Albrecht Immel wurde mit dem „Deutschen Journalistenpreis Entwicklungspolitik“ ausgezeichnet. Der ehemalige Pressesprecher des Kinderhilfswerks „Terre des Hommes“ ist heute Redakteur beim „SĂŒdwestrundfunk“ in Stuttgart. Mit seinen Reportagen zur Kinderarbeit in indischen Fabriken verhalf er dem „Rugmark“-Siegel fĂŒr kinderarbeitsfreie Teppiche zum Durchbruch.

Karl-Albrecht Immel / Klaus TrÀnkle: Tatort: Eine Welt.
Peter Hammer Verlag, 199 Seiten, 19,90 €.


„Verschlusssache Terror“
von Gerhard Wisnewski

Wer die Welt mit Angst regiert

Seit dem 11. September 2001 werden die Sicherheits-Apparate immer mehr ausgebaut, doch neue AnschlĂ€ge konnten nicht verhindert werden. Die Explosionen von London und Madrid, Bombenattrappen in Deutschland, selbst fadenscheinige Geheimdienst-Meldungen werden zum Anlass genommen, mit immer grĂ¶ĂŸerem finanziellen und logistischen Aufwand noch den letzten Winkel der PrivatsphĂ€re des BĂŒrgers zu durchleuchten. Gerhard Wisnewski entwirft ein beklemmend realistisches Szenario, in dem die Terroristen nur Handlanger in einem viel grĂ¶ĂŸeren Plan sind. Im Windschatten von TerroranschlĂ€gen und Kriegen wird unsere Demokratie allmĂ€hlich zerstört und durch immer autoritĂ€rere Strukturen ersetzt. Gerhard Wisnewski studierte Politikwissenschaften und arbeitet als freier Autor, Schriftsteller und Dokumentarfilmer. Seit dem Bestseller „Das RAF-Phantom“, an dem er als Co-Autor mitwirkte, gilt er als einer der fĂŒhrenden EnthĂŒllungs-Journalisten Deutschlands.

Gerhard Wisnewski: Verschlusssache Terror.
Knaur, 354 Seiten, 12,85 €.


„Vom Blitz getroffen“
von Jeffrey S. Rosenthal

Die seltsame Welt des Zufalls

Wie wahrscheinlich ist es, einer bestimmten Person zu begegnen, im Lotto oder im Kasino zu gewinnen, Opfer einer Krankheit, einer Straftat oder eines Flugzeug-Absturzes zu werden? Warum ist es nicht sonderlich erstaunlich, wenn sich auf einer Party zwei Menschen mit demselben Geburtstagsdatum befinden oder wenn wir feststellen, dass unser Nachbar der Vetter des Hausmeisters unseres Bruders ist? Der Mathematik-Professor Jeffrey S. Rosenthal erklÀrt die Gesetze des Zufalls und zeigt, dass wir zwei Möglichkeiten haben: Opfer des Zufalls zu werden oder zu lernen, ihn zu verstehen. Das Fazit seines unterhaltsamen Buches: Es ist möglich, die Ungewissheiten des Lebens realistisch einzuschÀtzen.

Jeffrey S. Rosenthal: Vom Blitz getroffen.
Eichborn, 320 Seiten, 22,90 €.

GeÀndert:  10 / 2020