„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2008



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„Angst und Schrecken im Wahlkampf“
von Hunter S. Thomson

Hunter S. Thompson wurde 1937 in Louisville, Kentucky geboren. Er begann seine Laufbahn als Sportjournalist, bevor er Reporter fĂŒr den „Rolling Stone“ und als BegrĂŒnder des Gonzo-Journalismus zu einer Ikone der Hippiebewegung wurde. Zu seinen großen BĂŒchern zĂ€hlen neben „Fear and Loathing in Las Vegas“ die journalistischen Romane „Hells Angels“, „Königreich der Angst“ und „Rum Diary“.

Thompson nahm sich am 20. Februar 2005 in seinem Wohnort Woody Creek, Colorado, das Leben. 1972 hat Hunter S. Thompson die Tour des amerikanischen PrĂ€sidentschafts-Wahlkampfes begleitet und in diesem Buch schonungslos Bilanz gezogen. Er enthĂŒllt die Intrigen hinter den Kulissen des Wahlkampfes und entlarvt dabei die Mechanismen des politischen Machtkampfes. Ein kritisches Statement, das noch immer GĂŒltigkeit hat.

Hunter S. Thomson: Angst und Schrecken im Wahlkampf.
Heyne, 576 Seiten, 9,95 €.


„BaumhĂ€user – TrĂ€ume aus Holz in luftiger Höhe“
von Alain Laurens, Daniel Dufour und Ghislain Andre

Dieses wunderschöne Buch stellt 50 TrĂ€ume aus Holz vor, BaumhĂŒtten und BaumhĂ€user, die alle vom gleichen Architektenteam geschaffen wurden: der weltweit einzigartigen Manufaktur fĂŒr BaumhĂ€user, „La Cabane PerchĂ©e“. Diese kleine Firma wurde im Jahr 2000 gegrĂŒndet und arbeitet in Frankreich und in anderen LĂ€ndern Europas fĂŒr alle, die sich einen Kindheitstraum in luftiger Höhe erfĂŒllen wollen.

Alle im Buch vorgestellten HĂŒtten und HĂ€user sind einzigartig. Sie wurden gebaut, ohne dass ein einziger Nagel in den Baum geschlagen oder ein einziger dicker Ast abgesĂ€gt wurde. Presse, Rundfunk und Fernsehen in aller Welt haben ĂŒber „La Cabane PerchĂ©e“ und die hohe PrĂ€zision ihrer Arbeit berichtet. Es gibt HĂŒtten mit Komfort, rustikale HĂŒtten fĂŒr Erwachsene oder Kinder, BambushĂŒtten oder ganz einfach ein Bett in den BĂ€umen. Das Buch zeigt 300 bisher unveröffentlichte Abbildungen, die feinen Aquarelle von Daniel Dufour und die stimmungsvollen Fotos von Vincent Thfoin.

Alain Laurens / Daniel Dufour / Ghislain Andre: BaumhĂ€user –
TrÀume aus Holz in luftiger Höhe.
AT-Verlag, 216 Seiten, 209 Farbfotos, 80 Illustrationen, 35,00 €.


„Befremdliche Völker, seltsame Sitten“
von Evelyn Waugh

Expeditionen eines britschen Gentleman

Als der Verlegersohn Evelyn Waugh am im Oktober 1930 von London nach Addis Abeba aufbrach, wusste er nicht recht, was ihn erwarten wĂŒrde. Durch eine Verkettung verschiedener UmstĂ€nde war die Krönung eines unbekannten StammesfĂŒrsten im afrikanischen Hinterland zum Politikum geworden. Alle bedeutenden WeltmĂ€chte reisten zum schĂ€bigen Dorfspektakel in die unfertige Hauptstadt Äthiopiens – und bauschten das Ereignis reichlich auf. In Europa klangen die Berichte von der ungeheuerlichen Prachtentfaltung bei der Krönungszeremonie des Königs der Könige wie ein MĂ€rchen aus Tausendundeiner Nacht. Waugh dagegen fĂŒhlte sich wie ein britischer Gentleman inmitten geschmackloser Barbarei und sah ganz andere Dinge als seine diplomatischen Kollegen – und auch bei seiner Heimreise ĂŒber Aden, Sansibar, Kenia, Belgisch-Kongo und SĂŒdafrika zeigt sich Waugh als Mann totaler Illusionslosigkeit mit staubtrockenem Humor. Sein zeitloser Bericht gehört zu den Juwelen der Reise-Schriftstellerei.

Evelyn Waugh: Befremdliche Völker, seltsame Sitten.
Eichborn, 325 Seiten, 24,95 €.


„Chinesen spielen kein Mao-Mao“
von Xinran

Geschichten aus meinem Land

Warum waschen Chinesen sich tĂ€glich die FĂŒĂŸe? Aus welchem Grund tragen Chinesinnen auch im Sommer immer StrĂŒmpfe? Und gibt es ĂŒberhaupt etwas, das Chinesen nicht essen? China ist ein Land voller GegensĂ€tze. Die bekannte Autorin Xinran, die seit langem in Europa lebt, öffnet uns mit ihren Geschichten aus ihrer Heimat die Augen fĂŒr die MerkwĂŒrdigkeiten des chinesischen Alltags und erklĂ€rt auch, warum die Chinesen Mao noch immer lieben. Xinran, 1958 in Beijing geboren, arbeitete jahrelang als Radio-Journalistin. Ihre Sendung „Words on the Night Breeze“ war in ganz China bekannt und berĂŒhmt. 1997 verließ sie China und lebt seither mit ihrem Sohn und ihrem Ehemann in England.

Xinran: Chinesen spielen kein Mao-Mao.
Knaur, 256 Seiten, 7,95 €.


„Das GeschĂ€ft mit dem Tod“
von Michael Adams (Hrsg.)

Der Anfang vom Ende der Tabak-Industrie

1999 verklagten die USA die amerikanische Zigaretten-Industrie auf Grundlage eines Gesetzes gegen die organisierte KriminalitĂ€t. Hauptvorwurf: Die Angeklagten hĂ€tten ein Kartell gebildet, um die Verbraucher durch chemische ZusĂ€tze in Zigaretten sĂŒchtig zu machen. Der grĂ¶ĂŸte Prozess der US-Justizgeschichte endete vorlĂ€ufig mit einer klaren Verurteilung der Unternehmen. Die im Prozess öffentlich gemachten, geheimen Dokumente der Industrie belegen, wie sich große Markenhersteller zusammenschlossen, um die Verbraucher ĂŒber die Gefahren des Rauchens systematisch zu tĂ€uschen, wie sie das Suchtpotenzial und die GesundheitsschĂ€dlichkeit der Zigaretten durch bis zu 600 chemische Beigaben erheblich steigerten und wie sie mit Werbemaßnahmen Kinder und Jugendliche zu Rauchern machten. Diese Dokumentation zeigt in AuszĂŒgen die wesentlichen Zeugenaussagen und zentralen Urteilspassagen. Einer der Zeugen ist Jeffrey Wigand, der Protagonist in dem Hollywood-Thriller „Der Insider“. Die aus vielen tausend Seiten Gerichtsakten ausgewĂ€hlten Texte lesen sich so spannend wie ein Krimi und liefern zugleich ein niederschmetterndes Sittenbild vom Big Business unserer Gesellschaft in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts.

Michael Adams: Das GeschÀft mit dem Tod.
Zweitausendeins, 556 Seiten, mit CD-ROM, 29,90 €.


„Denken hilft zwar, nĂŒtzt aber nichts“
von Dan Ariely

Warum wir immer wieder unvernĂŒnftige Entscheidungen treffen

Wider besseres Wissen greifen wir bei Gratisangeboten gerne zu, auch wenn wir ahnen, dass sie uns meist teuer zu stehen kommen. Wir nehmen fĂŒr freiwillige Hilfsdienste auch lieber kein Geld als wenig. Welche verborgenen KrĂ€fte unsere Entscheidungen im Großen wie im Kleinen tĂ€glich lenken, erklĂ€rt der renommierte amerikanische Verhaltens-Ökonom Dan Ariely. Seine verblĂŒffenden Experimente beweisen, dass unser Tun und Lassen höchst berechenbar ist – nĂ€mlich berechenbar unvernĂŒnftig! Wir verhalten uns in vielen Situationen so, wie wir glauben, dass man es von uns erwartet; wir fallen wissentlich auf Köder herein und lassen uns zu unvernĂŒnftigem Handeln verleiten, weil wir im Moment der Entscheidung nicht Herr unseres Verstandes sind. Warum wir dennoch daraus lernen können, wenn wir immer wieder die gleichen Fehler machen, das zeigt uns dieses Staunen machende Buch.

Dan Ariely: Denken hilft zwar, nĂŒtzt aber nichts.
Droemer, 320 Seiten, 19,95 €.


„Der letzte Weynfeldt“
von Martin Suter

Adrian Weynfeldt, Mitte 50, Junggeselle, großbĂŒrgerlicher Herkunft, Kunst-Experte bei einem internationalen Auktionshaus, lebt in einer riesigen Wohnung im Stadtzentrum. Mit der Liebe hat er abgeschlossen. Bis ihn eines Abends eine jĂŒngere Frau dazu bringt, sie entgegen seinen Gepflogenheiten mit nach Hause zu nehmen. Am nĂ€chsten Morgen steht sie außerhalb der BalkonbrĂŒstung und droht zu springen. Adrian vermag sie davon abzuhalten, doch von nun an macht sie ihn fĂŒr ihr Leben verantwortlich. Immer wieder nötigt sie ihn, sie aus ihren Schwierigkeiten zu befreien. Weynfeldt's geregeltes Leben gerĂ€t aus den Fugen – bis er schließlich merkt, dass nichts ist, wie es scheint.

Martin Suter: Der letzte Weynfeldt.
Diogenes, 320 Seiten, 19,90 €.


„Der Tote auf der Schaukel“
von Cynthia Harrod-Eagles

Die Leiche sitzt auf einer Schaukel, nur aufrecht gehalten vom eigenen Gewicht, das gegen die Ketten drĂŒckt. Der muskulöse Mann ist teuer gekleidet, doch seine FingernĂ€gel sind abgekaut und am Mittelfinger trĂ€gt er einen goldenen Siegelring – dort, wo SchlĂ€ger ihn tragen. Wie ist der Tote in den Park gekommen, der von den Bewohnern der Sozialwohnungssiedlung Woodlands als AbkĂŒrzung nach Shepherd's Bush benutzt wird? Der ParkwĂ€chter, der ihn am Morgen entdeckt hat, schwört Stein und Bein, dass er vor Einbruch der Dunkelheit die beiden hohen Tore verschlossen hat. Getrieben von der Presse, die bereits voll HĂ€me die verbalen Messer wetzt, muss Detective Inspector Bill Slider beweisen, dass er den Mordfall schnell zu lösen versteht. Die Spur fĂŒhrt von den heruntergekommenen Pubs von Shepherd's Bush ĂŒber die Bordelle von Notting Hill zu einem Tattoo-Studio in Hong Kong.

Cynthia Harrod-Eagles: Der Tote auf der Schaukel.
DTV, 416 Seiten, 8,95 €.


„Der Zug nach Pakistan“
von Khushwant Singh

Das Grauen begann im Jahr 1947: Die EnglĂ€nder waren gerade abgezogen, Indien und Pakistan wurden geteilt und Menschen ihrer Religionszugehörigkeit entsprechend umgesiedelt – mit verheerenden Folgen. Es kam zu einer der grĂ¶ĂŸten Vertreibungen der Geschichte, zehn Millionen Menschen waren auf der Flucht. Familien wurden getrennt, Frauen vergewaltigt, Hunderttausende getötet. Von diesem Trauma Indiens erzĂ€hlt Khushwant Singh in seinem Roman. Der Roman erschien erstmals 1956, heute ist er in Indien ein Klassiker. Khushwant Singh erzĂ€hlt anhand von zahlreichen Einzelschicksalen in erschĂŒtternder Weise von der grĂ¶ĂŸten politischen, sozialen und menschlichen Katastrophe Indiens, vom abrupten Wandel einer friedlichen Welt in die Hölle des Krieges, der noch heute grausame Nachwirkungen zeigt: im Kaschmirkonflikt, in blutigen Ausschreitungen zwischen den Religionsgruppen, in der Zerstörung von Moscheen und Tempeln.

Khushwant Singh: Der Zug nach Pakistan.
Insel Verlag, 234 Seiten, 19,80 €.


„Die Hunde fliegen tief“
von Alek Popov

Eine schwarze Tasche voller Asche, das ist alles, was Ned und Ango, den ungleichen BrĂŒdern aus Bulgarien, von ihrem Vater geblieben ist. 15 Jahre ist es her, dass er, ein Mathematiker zwischen Genie und Wahnsinn, als Gastprofessor in Amerika unter rĂ€tselhaften UmstĂ€nden zu Tode gekommen ist. Jeder der beiden Söhne lebt inzwischen sein eigenes Leben, und der Vater ist lĂ€ngst nur mehr ein Gespenst. Bis sich die Wege der BrĂŒder fern der Heimat in New York wieder kreuzen: Ned, der Tunichtgut, hat es bis in die Top-Etagen der Wall Street geschafft, wĂ€hrend der smarte Ango im Central Park mit den Hunden reicher Snobs Gassi geht. Doch dann wendet sich das Blatt, und der Geist des Vaters ist plötzlich wieder lebendig. Mehr jedenfalls, als den beiden lieb ist ...

Alek Popov's neuer Roman, in Bulgarien wochenlang Top 1 auf den Bestseller-Listen, ist eine Satire auf die GoldgrĂ€ber im Westen wie im Osten, auf die GlĂŒckssehnsucht der Erfolgreichen wie der Underdogs und auf die falschen Bilder, die wir voneinander haben, sobald uns eine Welt trennt.

Alek Popov: Die Hunde fliegen tief.
Residenz Verlag, 416 Seiten, 22,00 €.


„Die konzentrischen Tode“
von Jack London

In der „Bibliothek von Babel“ versammelt der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges 30 BĂ€nde fantastischer Literatur aus drei Jahrhunderten, allesamt Meisterwerke der Weltliteratur. Der 14. Band enthĂ€lt wenig bekannte ErzĂ€hlungen von Jack London. London's wahrer Name war John Griffith – er wurde 1876 als unehelicher Sohn eines umherziehenden Astrologen in San Francisco geboren. Seinen Lebensunterhalt musste er schon frĂŒh selbst verdienen und fĂŒhrte so ein abenteuerliches und bewegtes Leben als Fabrikarbeiter, Goldsucher, Landstreicher, Soldat, Perlenfischer und Kriegsberichterstatter. Jack London's Tiergeschichten und Abenteuerromane – zu seinen berĂŒhmtesten Werken gehören die Romane „Ruf der Wildnis“ und „Der Seewolf“ –, wurden in alle Sprachen ĂŒbersetzt und brachten ihm schließlich ein Vermögen ein. Im Alter von 40 Jahren setzte Jack London seinem Leben selbst ein Ende. London's ErzĂ€hlungen entfĂŒhren in fremde und entlegene Regionen der Welt: Sie spielen auf einem Atoll in der Karibik, auf dem amerikanischen Kontinent oder in der Arktis. London scheint ĂŒberall heimisch zu sein. Er findet zu den dort lebenden Ureinwohnern Zugang und schildert ihre Traditionen, ihre Religion oder den Umgang mit dem Tod auf packende Weise, ohne zu werten.

Jack London: Die konzentrischen Tode.
Edition BĂŒchergilde, 136 Seiten, 17,90 €.


„Die RĂŒckkehr“
von Galsan Tschinag

Nach vielen Jahren des Unterwegsseins kehrt Galsan Tschinag, Schamane, Bestseller-Autor und Stammesoberhaupt, zu seinem Volk, den Tuwa-Nomaden im Altai-Gebirge im Nordwesten der Mongolei, zurĂŒck, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Aber die Lage ist schwierig, seine beiden Schamanen-SchĂŒlerinnen wie auch das Volk sind uneins ĂŒber den Weg in die Zukunft; traditionelles Nomadenleben und die Neuzeit stehen sich scheinbar unversöhnlich gegenĂŒber. Um den Streit zu schlichten, wird eine Karawane zum Gelben See geschickt, wo ein Owoo, ein heiliger SteinhĂŒgel geweiht werden soll. In die Handlung verwoben sind TrĂ€ume und Erinnerungen des ErzĂ€hlers, die sein Leben Revue passieren lassen und bedeutsame Stationen festhalten: die Schulzeit in der stalinistischen Ära der 50er Jahre, das Studium in Leipzig in den 60ern, die erste Begegnung mit dem Dalai Lama 1981 und die ErfĂŒllung seines Lebenstraums: die große Karawane, mit der sein Volk 1995 in den Hohen Altai zurĂŒckkehrt, um die ursprĂŒngliche Lebensweise als Nomaden wieder aufzunehmen.

Galsan Tschinag: Die RĂŒckkehr.
Insel Verlag, 254 Seiten, 19,80 €.


„Die schwarze Seele des Sommers“
von Andrea Camilleri

Es ist August, die sizilianische Sonne brennt, alle sind im Urlaub – bis auf Commissario Montalbano. Und nun soll er auch noch nach einer am Meer gelegenen Villa Ausschau halten, weil Freunde aus dem Norden dort ihren Urlaub verbringen wollen. Er wird fĂŒndig und alle sind zufrieden. Zumindest bis zu dem Tag, als der Sohn der Urlauber zunĂ€chst spurlos im Innern der Villa verschwindet. Trotz aller Versuche, bei der sommerlichen Gluthitze einen kĂŒhlen Kopf zu bewahren, hat Montalbano irgendwann das GefĂŒhl, alles doppelt zu sehen: Nicht nur die Villa narrt ihn mit einem mysteriösen Innenleben, auch ein Jahre zurĂŒckliegender Mordfall wird zum unheimlichen DĂ©jĂ -vu, als sich herausstellt, dass die Ermordete eine DoppelgĂ€ngerin hat, die nun ein erbarmungsloses Spiel mit ihm zu treiben scheint ...

Andrea Camilleri: Die schwarze Seele des Sommers.
LĂŒbbe, 286 Seiten, 19,95 €.


„Die Shakespeare-Morde“
von Jennifer Lee Carrell

Kate Stanley fĂŒhrt zum ersten Mal Regie, mit „Hamlet“ hat sie in London Premiere. Doch am Vorabend brennt das „Globe-Theatre“ ab und Shakespeare-Expertin Ros Howard wird ermordet aufgefunden. Kurz vor ihrem Tod hat Ros Kate eine mysteriöse Schachtel ĂŒberreicht und von einer bedeutenden Entdeckung gesprochen – ohne jedoch preiszugeben, um was es sich handelt. Ahnte Ros bereits, dass ihr jemand nach dem Leben trachtet? In der Schachtel findet Kate den ersten Teil eines bedrohlichen Shakespeare-Puzzles, das sie von Harvard's ehrwĂŒrdiger Bibliothek bis in die WĂŒste Arizonas fĂŒhrt, gejagt von einem Unbekannten, der seine Opfer nach Vorlagen von Shakespeare tötet. Ein Thriller um die wahre IdentitĂ€t des Mannes, der sich William Shakespeare nannte.

Jennifer Lee Carrell: Die Shakespeare-Morde.
List, 464 Seiten, 19,90 €.


„Die Welt ist flach“
von Thomas L. Friedman

Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts

Der Welt-Bestseller als Taschenbuch, erweitert und aktualisiert: Thomas L. Friedmans kontrovers diskutierte Bestandsaufnahme der Gegenwart ist zugleich packende Reportage und prĂ€gnante EinfĂŒhrung in das, was die Welt von heute im Innersten antreibt. Globale Wertschöpfungsketten und Insourcing, RFID und Workflow: Friedman schildert die HintergrĂŒnde der Schlagworte, stellt uns Menschen vor, deren Visionen unsere Zukunft bestimmen. Er fĂŒhrt den Leser hinter die Kulissen der Wirtschaftswelt, ob in Bangalore, Indien, wo der asiatische Boom stattfindet, oder in Bentonville, Arkansas, wo das Herz von „Wal-Mart“ schlĂ€gt, dem grĂ¶ĂŸten Unternehmen der Erde. Friedman erzĂ€hlt von VerĂ€nderungen, die gerade stattfinden und von denen, die auf uns zukommen.

Thomas L. Friedman: Die Welt ist flach.
Suhrkamp, 765 Seiten, 15,00 €.


„Die WĂŒstenapotheke“
von Daniel Oliver Bachmann

Die lebensfeindliche WĂŒste Kalahari im SĂŒdwesten Afrikas birgt eine wahre Schatzkammer an Heilpflanzen, die von den traditionellen Heilern der BuschmĂ€nner seit Generationen genutzt werden. Daniel Oliver Bachmann hat sich auf die Suche nach dieser geheimnisvollen WĂŒstenapotheke begeben. Eine magische Welt eröffnet sich ihm auf seiner ĂŒber 8.000 Kilometer langen Reise durch die WĂŒstengebiete Namibias. Unterwegs begegnet er Menschen der verschiedenen Volksgruppen – der San, Ovambo, Nama und Herero. KrĂ€uterkundige MedizinmĂ€nner wie der sagenumwobene Doktor Kuvare weihen ihn in ihr altes Wissen ein und veranschaulichen mit ihrer rituellen Heilkunst, dass sie Zugang zu einer Dimension der Wirklichkeit haben, die uns wohl immer verschlossen bleiben wird.

Daniel Oliver Bachmann: Die WĂŒstenapotheke.
Droemer, 248 Seiten, 18,00 €.


„Edmund und Rosemary in der Hölle“
von Bruce Eric Kaplan

An einem Sonntagnachmittag macht ein ganz normales Ehepaar einen Spaziergang durch sein Viertel in Brooklyn. Ehe Edmund und Rosemary sich versehen, befinden sie sich samt ihrer Katze Delia in einem nervenaufreibenden, einzigartigen Abenteuer, das mit einem Handy beginnt und am Ende der Welt aufhört. Eine boshaft-komische und eigenartig berĂŒhrende Bildergeschichte fĂŒr Erwachsene. Der berĂŒhmte Cartoonist des „New Yorker“ fĂŒhrt uns vor, wie wir es vermeiden, die Wahrheit zu erkennen. Ein Buch fĂŒr alle, die sich selbst schon einmal im Weg gestanden haben.

Bruce Eric Kaplan: Edmund und Rosemary in der Hölle.
Dörlemann, 128 Seiten, 16,90 €.


„Ein KĂŒrbis fĂŒr Mma. Ramotswe“
von Alexander McCall-Smith

Mma. Ramotswe, die sympathische botswanische Privatdetektivin von „traditioneller Statur“, ist endlich mit Mr. J. B. Matekoni verheiratet. Ihre Agentur ist ausgebucht, und das Leben könnte kaum schöner sein, wĂ€ren da nicht der gestörte Arbeitsfrieden in der Werkstatt ihres Mannes und ein völlig ĂŒberflĂŒssiges Missgeschick ... Ein KĂŒrbis fĂŒr Mma. Ramotswe ist der sechste Band der weltweit erfolgreichen Serie – ein sanfter und kluger Roman voll von Lebensweisheiten und afrikanischem Flair, kurzweilig und humorvoll.

Alexander McCall-Smith: Ein KĂŒrbis fĂŒr Mma. Ramotswe.
LĂŒbbe, 299 Seiten, 7,95 €.


„Gelber Wind oder Der Aufstand der Boxer“
von Gerhard Seyfried

Peking im Jahr 1900: Baron von Ketteler, der deutsche Botschafter in Peking, wird von einem Mitglied des fremdenfeindlichen Geheimbunds der chinesischen „Boxer“ erschossen – der Startschuss zum „Boxer-Aufstand“. Missionare, chinesische Christen und „fremde Teufel“ werden landauf, landab massakriert. Tausende chinesische AufstĂ€ndische wollen das Gesandtschaftsviertel in Peking stĂŒrmen, in dem die schlecht bewaffneten Diplomaten und ihre Familien, Diener und GĂ€ste sich in ihrer Verzweiflung verschanzt haben. Unter den Belagerten befindet sich auch die gerade frisch in China eingetroffene Familie des deutschen Kaufmanns Lenk, dessen Handelsimperium in der deutschen Kolonie Tientsin gerade zu florieren begann. EinundfĂŒnfzig Tage mĂŒssen die Belagerten unter immer dramatischeren UmstĂ€nden ausharren und um ihr Leben fĂŒrchten ... Gerhard Seyfried, Cartoonist, Comic-Zeichner und Erfolgsautor, recherchierte mehrere Jahre und durchforstete Hunderte von Quellen und verschiedenste Archive.

Gerhard Seyfried: Gelber Wind oder Der Aufstand der Boxer.
Eichborn, 656 Seiten, 29,95 €.


„Hundert Jahre? Kein Problem!“
von Seo Yoon-Nam

Gesund, glĂŒcklich und beweglich bleiben – wer will das nicht? Meister Seo zeigt, wie es gelingt. Sein dynamisches Drei-Schritte-Programm spricht den Körper ebenso an wie den Geist: Mit einfachen Übungen gewinnt man Ă€ußere Kraft, steigert die geistige Beweglichkeit und stabilisiert sein Wohlbefinden. Ein unterhaltsames Gesundheitsprogramm und Mitmachbuch, mit Humor und Fantasie und vielseitigen Tipps, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen. Seo Yoon-Nam kam 1967 nach seinem Jura-Studium in Korea nach Deutschland, um als einer der ersten Lehrer Taekwondo zu unterrichten. Er ist TrĂ€ger des 9. Dan und Leiter des MĂŒnchner Tae-Kwon-Do-Centers.

Seo Yoon-Nam: Hundert Jahre? Kein Problem!
Knaur, 176 Seiten, 17,95 €.


„Impossible – Wenn Unglaubliches passiert“
von Stanislav Grof

Das Abenteuer außergewöhnlicher Bewusstseinserfahrungen

Dr. med. Dr. phil. Stanislav Grof ist Psychiater mit mehr als 50-jĂ€hriger Erfahrung auf dem Forschungsgebiet außergewöhnlicher BewusstseinszustĂ€nde und gilt international als der maßgebliche Experte fĂŒr transpersonale Psychologie. Sein Interesse an ungewöhnlichen Bewusstseinserfahrungen wurde geweckt, als er innerhalb seiner medizinischen Ausbildung an einem psychiatrischen Experiment mit LSD teilnahm. Inspiriert durch seine Erlebnisse, begann er die Wirkung psychedelischer Substanzen in der Therapie zu erforschen. SpĂ€ter entwickelte er bewusstseinsverĂ€ndernde Atemtechniken und arbeitete mit Menschen, die ungewöhnliche Wahrnehmung spontan erlebten. Ob außerkörperliche Erfahrungen oder Erinnerungen an frĂŒhere Leben: die LektĂŒre dieses spannendes Buches stĂ¶ĂŸt immer wieder die Frage an, wie der Geist eigentlich beschaffen ist.

Stanislav Grof: Impossible – Wenn Unglaubliches passiert.
Kösel, 416 Seiten, 21,95 €.


„Kardamom und Honig“
von Roopa Farooki

Henna trĂ€umt von einer großen Karriere als Film-Star in „Bollywood“. Nur aus diesem Grund willigt sie in die Verlobung mit dem wohlhabenden Ricky-Rashid Karim aus Kalkutta ein. Der junge Mann ist entsetzt, als er in der Hochzeitsnacht begreift, dass er statt einer klugen Schönheit die ungebildete, faule Tochter eines einfachen Ladenbesitzers zur Frau genommen hat. Sich von ihr zu trennen, das wagt er nicht. Doch die Ereignisse ĂŒberschlagen sich, als er meint, sein wahres GlĂŒck in England gefunden zu haben.

Roopa Farooki: Kardamom und Honig.
BLT, 380 Seiten, 7,95 €.


„Kill your Friends“
von John Niven

England in den spĂ€ten 90er Jahren. Steven Stelfox ist als Manager fĂŒr eine große Plattenfirma tĂ€tig. Um Erfolg zu haben, schreckt Steven vor nichts zurĂŒck. Er lĂŒgt, betrĂŒgt und schleppt sich unterstĂŒtzt von jeder Menge Drogen durch den Tag. FĂŒr ihn zĂ€hlt nur der schnelle Hit, Musik an sich interessiert ihn nicht. Jahrelang mogelte er sich so durch den Arbeitsalltag, doch jetzt Ă€ndern sich die Zeiten. Im Zeitalter von Blair droht sich eine neue Moral durchzusetzen, die auf harter Arbeit beruht. ZunĂ€chst belĂ€chelt Steven die neue Order, doch als er seine Stellung gefĂ€hrdet sieht und zunehmend unter Erfolgsdruck gerĂ€t, greift er zu radikalen Mitteln. Als er einen Konkurrenten erschlĂ€gt, beginnt fĂŒr ihn eine Orgie der Zerstörung, die ihn in immer tiefere AbgrĂŒnde stĂŒrzt. Im Visier der Polizei versucht Steven alles, um sich an der Spitze zu halten – notfalls mit Gewalt.

John Niven: Kill your Friends.
Heyne, 352 Seiten, 12,00 €.


„Lasset die Kinder zu mir kommen“
von Donna Leon

Commissario Brunetti's 16. Fall

Am Abend war Dottor Gustavo Pedrolli noch ĂŒberglĂŒcklich: Sein kleiner Adoptivsohn Alfredo hat ihn zum ersten Mal „Papà“ genannt. Nur wenige Stunden spĂ€ter brechen bewaffnete MĂ€nner in die Wohnung ein und bringen das Baby in ihre Gewalt. Nicht um EntfĂŒhrer handelt es sich, sondern um eine Sturm-Abteilung der Carabinieri. Als Commissario Brunetti mitten in der Nacht ins Ospedale Civile gerufen wird, um den Kinderarzt zu vernehmen, den ein Carabiniere krankenhausreif geprĂŒgelt hat, stĂ¶ĂŸt er mit seinen Fragen ins Leere. Dottor Pedrolli hat durch den Schock seine Sprache eingebĂŒĂŸt. In „Lasset die Kinder zu mir kommen“ wird der Familienmensch Brunetti vor eine harte Zerreißprobe gestellt.

Donna Leon: Lasset die Kinder zu mir kommen.
Diogenes, 368 Seiten, 21,90 €.


„Sich selbst auf die Schliche kommen“
von Åsa Nilsonne

Kleine Alltags-Psychologie

Dr. Åsa Nilsonne ist Professorin fĂŒr Psychiatrie am berĂŒhmten Karolinska Institut in Stockholm. Seit 1991 schreibt sie Kriminalromane, fĂŒr die sie vielfach ausgezeichnet wurde. In diesem psychologischen Ratgeber fĂŒr den Alltag zeigt sie, wie wir unseren eigenen unbewussten Motivationen auf die Spur kommen können. Durch Aufmerksamkeit und bewusstes Vorgehen ist es möglich, die eigenen Gedanken und Taten gezielt zu steuern. Damit wird es möglich, das Drehbuch unseres Lebens umschreiben, wenn wir nicht damit zufrieden sind. Åsa Nilsonne zeigt einfache Techniken auf, wie wir mit Gedanken und GefĂŒhlen umgehen können, ohne uns diesen auszuliefern, wie wir Beziehungen pflegen und uns unserer eigenen Rolle in Partnerschaften bewusst werden können.

Åsa Nilsonne: Sich selbst auf die Schliche kommen.
Kösel, 173 Seiten, 14,95 €.


„Tote essen keinen Döner“
von Osman Engin

Don Osman's erster Fall

Die Engins ziehen in die sehr gĂŒnstige Wohnung eines Kollegen, der diese verlĂ€sst, weil er seinen Nachbarn, einen faschistischen Skinhead, nicht lĂ€nger ertragen kann. Doch schon am Umzugstag erleben die Engins eine böse Überraschung: besagter Nachbar liegt ermordet im Keller. Osman hat sofort seinen linksradikalen Sohn Mehmet im Verdacht, doch der hat ein Alibi. WĂ€hrend ein Trupp Schwarzarbeiter seine Wohnung auseinandernimmt und unertrĂ€glichen LĂ€rm veranstaltet ist Mördersuche auf Osman'sche Art angesagt ... Osman Engin, 1960 in der TĂŒrkei geboren, lebt seit 1973 in Deutschland. Als freier Schriftsteller schreibt er unter anderem fĂŒr „Titanic“ und die „TAZ“.

Osman Engin: Tote essen keinen Döner.
DTV, 238 Seiten, 8,95 €.


„Unsere 60er Jahre“
von Rudolf Großkopff

Im Herbst 2007 startete die „ARD“ die sechsteilige TV-Dokumentation ĂŒber die 60er Jahre. Dieses Begleitbuch zur Serie erzĂ€hlt nicht nur die typischen Lebensgeschichten der Zeitzeugen aus Ost und West, sondern zeigt ĂŒber den Film hinaus, wie die ‚große‘ Geschichte die Alltags- und Familiengeschichte von Menschen bestimmt hat. „Spiegel“-AffĂ€re und „Contergan“-Skandal, Bildungsnotstand und Studentenbewegung, Beat-Musik und deutscher Schlager, 11. Plenum des ZK, Prager FrĂŒhling und Vietnamkrieg: Die 60er Jahre waren eine Zeit großer gesellschaftlicher und politischer Ereignisse und VerĂ€nderungen. Die Mauer zementierte die deutsche Teilung, besiegelte Schicksale und verursachte Familientragödien. Rudolf Großkopff verknĂŒpft persönliche Erlebnisse von Zeitzeugen mit Hintergrundwissen zur politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschichte der 60er Jahre.

Rudolf Großkopff: Unsere 60er Jahre.
Eichborn, 304 Seiten, 19,95 €.


„Visus“
von Richard Hayer

Ein internationales Forscher-Team birgt ein rĂ€tselhaftes, spiegelĂ€hnliches Objekt aus dem Wrack eines Schiffes, das seit Jahrhunderten auf dem Grund des Schwarzen Meeres liegt. Und holt sich damit die Pest an Bord, denn der Spiegel trĂ€gt die Erbinformation von Milliarden verschiedenartiger Lebewesen. Als der Spiegel bei einem Überfall auf das Forschungsschiff gestohlen wird, bedroht der Schwarze Tod des Mittelalters die ganze Welt. Rettung kann nur ein zweiter Spiegel bringen, der einer Legende nach seit Jahrhunderten in einem Kloster in Armenien existieren soll. Die junge armenische Biologin Anahit macht sich auf in ihre Heimat ...

Richard Hayer: Visus.
Ullstein, 572 Seiten 8,95 €.


„Wolfsspur“
von Kit Whitfied

Der Mystery-Thriller „Wolfsspur“ spielt in einer Welt, die der unseren vollkommen gleicht – mit der Ausnahme, dass sich die große Mehrheit der Bevölkerung bei Vollmond zu Werwölfen verwandelt. Dann gelten völlig andere Gesetze. In diesen NĂ€chten wird es gefĂ€hrlich fĂŒr Lola Galley – wie alle verbliebenen echten Menschen ist sie ĂŒber die Regulationsbehörde fĂŒr Werwolf-AktivitĂ€ten verpflichtet, in VollmondnĂ€chten auf der Straße fĂŒr fĂŒr Ruhe zu sorgen. Als einer ihrer Kollegen eines Nachts tot aufgefunden wird, ist sie entschlossen, den Mord um jeden Preis aufzuklĂ€ren. Doch im Laufe ihrer Ermittlungen sieht sie sich mit einem tödlichen Geheimnis konfrontiert: die Ursache fĂŒr die Verwandlungen liegt tief in der Geschichte ihrer Zivilisation verborgen ...

Kit Whitfied: Wolfsspur.
Heyne, 640 Seiten, 13,00 €.


„Zahl, Zeit, Zufall – alles Erfindung?“
von Rudolf Taschner

Oft scheint der blinde Zufall unser Schicksal zu leiten – aber was ist Zufall? Wir glauben uns dem Diktat der Zeit unterworfen – aber was ist Zeit? Nur was man mit Zahlen belegen kann, zĂ€hlt – aber woher kommen die Zahlen? Rudolf Taschner nĂ€hert sich solch tiefgrĂŒndigen Fragen verstĂ€ndlich und unterhaltsam zugleich. UnterstĂŒtzt von anschaulichen Bildern, Geschichten und Anekdoten verfĂŒhrt er uns zu mathematischen SeitensprĂŒngen, aber auch zur Einsicht: Immer, wenn man Zeit oder Zufall zu fassen vermeint, verflĂŒchtigen sich beide ins unendliche Reich der Zahlen. Zahl, Zeit und Zufall sind untrennbar ineinander verwoben, und das Geflecht, das sie zusammenhĂ€lt, ist nicht irgendwo draußen im Universum, sondern in uns selbst, in unserem Denken und in unserem Bewusstsein. Prof. Dr. Rudolf Taschner studierte Mathematik und Physik. 2004 wurde er vom Klub der Bildungs- und Wissenschafts-Journalisten zum Wissenschafter des Jahres gewĂ€hlt.

Rudolf Taschner: Zahl, Zeit, Zufall – Alles Erfindung?
Ecowin, 187 Seiten, 22,00 €.


„Zehn zĂ€rtliche KratzbĂŒrsten“
von Arto Paasilinna

GeschĂ€ftsfĂŒhrer Rauno RĂ€mekorpi feiert seinen 60. Geburtstag. Gratulanten gibt es viele, und so hĂ€ufen sich BlumenstrĂ€uße und Geschenke. Schade nur, dass seine Frau gegen Blumen allergisch ist. Die BlĂŒtenpracht muss also weg, jedoch keinesfalls auf den MĂŒll! So beginnt Rauno eine Fahrt durch Helsinki, und mit einem Strauß in der Hand stattet er seinen verflossenen Liebschaften einen Besuch ab. Arto Paasilinna zĂ€hlt zu den populĂ€rsten Schriftsteller Finnlands. Er wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Inzwischen hat er viele Romane mit großem Erfolg veröffentlicht, von denen einige verfilmt und in mehrere Sprachen ĂŒbersetzt wurden. Auch bei uns erwarten die Fans jedes Jahr ungeduldig eine neue skurrile Geschichte vom finnischen Kultautor.

Arto Paasilinna: Zehn zĂ€rtliche KratzbĂŒrsten.
BLT, 270 Seiten, 7,95 €.


 Rezensionen Frank R. Bulla 


„Jesses Maria – Kulturschock“
von Carla Berling

Carla Berling ist Autorin von derzeit elf BĂŒchern, darunter Romane und Kurzgeschichten. Protagonistin der Kurzgeschichten in vorliegendem Taschenbuch ist Jesses Maria.

Im Klappentext heißt es: „Jesses Maria ist nicht neugierig. Sie will nur alles wissen. Sie ist eine Frau wie du und ich: ganz normal, mit ganz normalen Ansichten. Sie hat vorm Friseur mehr Angst als vorm Frauenarzt und findet schwule MĂ€nner trotzdem nett. Sie geht gern ins Theater, zu Vernissagen, Lesungen, BegrĂ€bnissen und anderen kulturellen Ereignissen. Maria ist geschieden und erinnert sich noch genau an ihr erstes und an ihr letztes Mal. Über Manni, ihren Ex, könnte sie Geschichten erzĂ€hlen Tut sie auch. Ob beim Frauenarzt, beim Klassentreffen oder bei einer Weinprobe – die Gedanken von Jesses Maria sind innere Monologe, die wir alle kennen. Wir wĂŒrden nur nie zugeben, sie je gefĂŒhrt zu haben. Wetten?“

Die Locations jedenfalls, wo die Protagonistin regelmĂ€ĂŸig aufschlĂ€gt, sind zwar einigermaßen gewöhnliche StĂ€tten, an denen in irgendeiner Form Kultur stattfindet, aber der Autorin gelingt es durch reichlich Sprachwitz, diese StĂ€tten zu etwas ganz Besonderem zu machen, indem sie sozusagen aus der allerletzten Ritze, in der vielleicht von der Putzfrau etwas Unappetitliches vergessen worden ist, noch etwas herauszuholen, was den Leser in Erstaunen versetzt, vielleicht sogar schockt, letztlich aber zu fesseln vermag. Dabei ist die Sprache einfach, ohne irgendwelche Schnörkel. Und wenn man sich dann noch das Foto der Autorin vor Augen hĂ€lt, das im Internet auf einigen Websites zu finden ist, kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass diese hĂŒbsche, ein wenig damenhaft wirkende Frau nicht nur in den AbgrĂŒnden menschlichen Tuns und Denkens wĂŒhlt, sondern es ihr auch noch gelingt – und das weder schamvoll noch krampfhaft! –, das Ganze in Worte zu fassen.

Am Ende bleibt ein BĂŒchlein, das randvoll ist mit kleinen Geschichten, an die man sich aufgrund ihrer Besonderheit bei passender Gelegenheit immer wieder erinnert, ja, geradezu erinnern muss. Das Ungewöhnliche darin sind in der Tat jene Momente, die wir selbst vielleicht auch schon am eigenen Leibe erlebt haben, die wir aber vermutlich so nie zugeben wĂŒrden.

Carla Berling: Jesses Maria – Kulturschock.
BoD, 111 Seiten, 9,90 €.

GeÀndert:  10 / 2020