„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2011



(Abb. N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„Abgründe“
von Arnaldur Indriðason

Islands Wirtschaft boomt im Jahr 2005 in nie zuvor gekanntem Ausmaß. Ehrgeizige junge Unternehmer, die in ganz Island für ihren Erfolg bewundert werden, machen durch clevere Finanzgeschäfte weltweit von sich reden. In dieser Zeit des scheinbar unbegrenzten Wachstums stürzt ein Banker von einer Steilklippe in den Tod. Ein Jahr später wird Kommissar Sigur'ur Óli von einem Freund um Hilfe gebeten. Es geht zunächst um eine Erpressung, doch als der Kommissar die Erpresserin zur Rede stellen will, findet er diese brutal zusammengeschlagen vor. Kurze Zeit später stirbt die junge Frau und Sigur'ur Óli verwickelt sich immer tiefer in einen Fall, mit dem er offiziell gar nicht betraut wurde, und der mit dem Tod des verunglückten Bankers in Zusammengang zu stehen scheint. Schon bald gerät er in die Kreise, in denen das ganz große Geld gemacht wird.

Arnaldur Indriðason: Abgründe.
Lübbe, 432 Seiten, 19,99 €.


„Adrenalin“
von Greg Iles

Penn Cage ist Bürgermeister in Natchez, Mississippi. Um seiner Stadt zu Geld zu verhelfen, hat er sich darum bemüht, die Genehmigung für Glücksspiele zu erhalten. Jetzt fahren prächtige Dampfschiffe auf dem Fluss, die alle zu Kasinos umgebaut wurden. Doch ein Schiff unterscheidet sich von den anderen: die „Magnolia Queen“ – auf ihr werden nur die finanzstärksten Spieler empfangen. Ein Freund von Penn Cage hat Beweise, dass an Bord massive Verbrechen verübt werden. Als er kurz darauf brutal ermordet wird, verbeißt Cage sich in den Fall. Schon bald steht fest: Die Gäste der „Magnolia Queen“ kommen nicht nur wegen des Glücksspiels. Als Cage allmählich begreift, dass seine schöne Stadt so manche dunkle Seite hat, ist er auch schon in die Machenschaften von skrupellosen Gangstern verwickelt.

Greg Iles: Adrenalin.
Lübbe, 653 Seiten, 9,99 €.


„Allmen und der rosa Diamant“
von Martin Suter

Allmen und Carlos stehen wieder einmal kurz vor der Pleite, da kommt – Rettung in letzter Minute – der ersehnte Auftrag ins Haus, und damit der erste wirklich große Fall für „Allmen International Inquiries“. Doch allzu schnell stellt sich heraus, dass dieser Auftrag vielleicht etwas zu groß für die beiden frisch gebackenen Detektive ist. Ein sehr wertvoller rosa Diamant ist seinem Besitzer abhanden gekommen, und der in der Schweiz lebende Russe Sokolow wird verdächtigt, ihn entwendet zu haben. Was zunächst recht übersichtliche erscheint, entpuppt sich als verworrener Fall mit internationalen Verwicklungen. Als Allmen Sokolow findet, ist dieser schon nicht mehr am Leben. Almen und Carlos folgen der Spur des Diamanten über London und Zürich ins deutsche Ostseebad Heiligendamm und von dort zurück zum Gärtnerhaus der Villa Schwarzacker. Und langsam wird den beiden klar, dass es gar nicht um einen Diamanten geht ...

Martin Suter: Allmen und der rosa Diamant.
Diogenes, 208 Seiten, 18,90 €.


„Ahnenland
oder Die Suche nach der Seele meiner Familie“
von Boris Kálnoky

Als Boris Kálnoky's Großvater Hugó aus dem kleinen Dorf in Transsilvanien in die weite Welt hinaus wollte, kam er nicht weit: Auf halbem Weg verliebte er sich und führte seine Herzensdame kurzerhand ins Schloss zu Köröspatak zurück. Über 700 Jahre lebte das Adelsgeschlecht der Kálnokys dort am Fuße der Karpaten – einem heiß umkämpften Landstrich in der Mitte Europas, der bis heute von einem Völkergemisch aus Ungarn, Deutschen und Rumänen bewohnt ist. Ebenso bewegt wie die Geschichte ihres Landes ist auch die Familiengeschichte der Kálnokys: Königsrichter und Rebellen, Hasardeure und Husaren, „k. u. k.“-Minister und Literaten sind aus ihr hervorgegangen. 1938 wurde die Familie dann von den Rumänen des Landes verwiesen – und später enteignet. Boris Kálnoky kannte das Land seiner Vorfahren lange Zeit nur aus Erzählungen. Als er erstmals zum einstigen Schloss seines Großvaters reiste, war er nicht darauf gefasst, mitten im Nirgendwo plötzlich die Seele seiner Familie zu finden – und dem Zauber der Heimat zu erliegen ...

Boris Kálnoky: Ahnenland
oder Die Suche nach der Seele meiner Familie.
Droemer, 496 Seiten, 22,99 €.


„Allmen und die Libellen“
von Martin Suter

Mit „Allmen und die Libellen“ startet Martin Suter eine neue Krimiserie. Zentrale Figur ist Allmen, ein eleganter Gentleman, Lebemann, Kunstsammler und charmanter Hochstapler, der im Laufe der Jahre das Millionenerbe seines Vaters durchgebracht hat. Lebte Allmen früher in einer vornehmen Villa, muss er inzwischen in einem Gewächshaus im Park übernachten. Bei seinen Abenteuern begleitet ihn Carlos, ein ehemaliger Schuhputzer aus Guatemala, jetzt ‚Mädchen für alles‘ bei Allmen. So schlecht Allmen mit Geld umgehen kann, so erfahren ist er im Umgang mit Schulden und Gläubigern. Insbesondere die diskrete Geschäftsbeziehung zu einem Antiquitätenhändler hilft ihm immer wieder aus der Klemme. Anfangs war Allmen bei ihm guter Kunde, mittlerweile ist er guter Lieferant, erst mit Stücken aus der eigenen Sammlung, dann mit Objekten, über deren Herkunft ein Gentleman besser schweigt. Fünf zauberhafte Jugendstil-Schalen, jede verziert mit einer großen Libelle, bringen ihn und Carlos auf eine Geschäftsidee: eine Firma für die Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Doch noch befinden sich diese Schalen gar nicht in ihrem Besitz ...

Martin Suter: Allmen und die Libellen.
Diogenes, 208 Seiten, 18,90 €.


„Ausgelöscht“
von Cody McFadyen

Smoky Barrett und die anderen Hochzeitsgäste blicken gespannt auf das Brautpaar vor dem Altar. Kaum hat dieses sich das Ja-Wort gegeben, kommt ein schwarzer Mustang angerast und hält mit quietschenden Bremsen direkt vor der Kirche. Als sich die Tür des Wagens öffnet, wird eine Frau auf die Straße gestoßen. Die Frau ist stark unterernährt, ihr kahl geschorener Kopf von blutigen Schnitten gezeichnet. Doch das Erschreckendste an ihr: Sie kann nicht sprechen. Sie taumelt auf den Altar zu, fällt auf die Knie und stößt einen lautlosen Schrei aus. Es stellt sich heraus, dass es sich bei ihr um eine Polizistin handelt, die vor sieben Jahren spurlos verschwunden war. Da jemand gezielt einige Nervenbahnen ihres Gehirns durchtrennt hat, wird sie nie wieder sprechen können. Bei ihren Ermittlungen stoßen Smoky und ihr Team auf immer mehr Fälle von verschwundenen Frauen, die nach langer Zeit wieder auftauchen und Opfer einer schrecklichen Gehirn-OP wurden. Eine einzige gemeinsame Verbindung scheint es zu geben: die bei allen gescheiterte Ehe. Als Smoky nach einem Täter fahndet, der seine Opfer im Internet findet, entschließt sie, ihm eine Falle zu stellen. Doch damit rechnet der Gesuchte.

Cody McFadyen: Ausgelöscht.
Lübbe, 464 Seiten, 19,99 €.


„Böse Dinge geschehen“
von Harry Dolan

Kaum ist David Loogan nach Ann Arbor gezogen, lernt er den Verleger Tom Kristoll kennen, der ihn als Redakteur bei seinem Krimi-Magazin einstellt. Die Männer freunden sich schnell miteinander an, so sehr, dass Loogan sich bereit erklärt, seinen Chef bei einem ungewöhnlichen Vorhaben zu unterstützen. Eine Leiche muss beseitigt werden, und Loogan stellt nicht allzu viele Fragen. Doch kaum ist das heikle Projekt abgeschlossen, wird wird der Verleger selbst tot aufgefunden. Kommissarin Elizabeth Waishkey übernimmt die Ermittlungen und hat schon bald David als Täter im Visier. Der sieht keine andere Möglichkeit, als selbst Nachforschen anzustellen. Während er und die Kommissarin sich ständig in die Quere kommen, scheint nach und nach der gesamte Autorenstamm von Loogans Magazin das Zeitliche zu segnen. Loogan ist sich sicher, eine heiße Spur zu verfolgen – dumm nur, dass er Angst im Dunkeln hat ...

Harry Dolan: Böse Dinge geschehen.
DTV, 416 Seiten, 14,90 €.


„Choral des Todes“
von Jean-Christophe Grangé

In der kleinen armenischen Kirche Saint-Jean-Baptiste in Paris wird der Mann an der Orgel brutal ermordet aufgefunden. Lionel Kasdan, ehemaliger Polizist mit armenischen Wurzeln, ist zufällig als Erster am Tatort, nur kurz nachdem das Verbrechen verübt wurde. Die Chorjungen, die sich in unmittelbarer Nähe des Geschehens befinden, hätten den Mörder eigentlich sehen müssen, doch von denen will keiner etwas mitbekommen haben. Der Fall lässt Kasdan nicht mehr los, und als er auf eigene Faust zu recherchieren beginnt, findet er heraus, dass der Tote, der den Knabenchor leitete, seinerzeit vor dem Pinochet-Regime von Chile nach Frankreich floh. Während seiner Ermittlungen lernt Kasdan den jungen Polizisten Cédric Volokine kennen, der ebenfalls in dem Fall ermittelt und ebenfalls nicht offiziell damit beauftragt wurde. Volokine arbeitet im Jugendschutzdezernat und durchläuft gerade eine Entzugstherapie wegen seiner Heroinsucht. Die beiden freunden sich mehr oder weniger miteinander an und überprüfen schließlich die Möglichkeit eines Mordes mit politischem Hintergrund. Als weitere Morde geschehen, geraten die beiden Ermittler immer tiefer in den Sog der unbearbeiteten Vergangenheit der französischen Militär- und Kolonialgeschichte, deren Verbrechen noch heute schwerwiegende Folgen haben.

Jean-Christophe Grangé: Choral des Todes.
Lübbe, 576 Seiten, 9,99 €.


„Dark Silence“
von Lisa Jackson

Marla Cahill überlebt einen brutalen Mordanschlag auf einem Highway in San Francisco, doch sie kann sich an nichts mehr erinnern. Weder an ihr Baby, das nach dem Autounfall spurlos verschwunden ist, noch an ihre Beifahrerin, die den Unfall nicht überlebt hat. Auch ihre Familie kommt ihr vollkommen fremd vor, besonders ihr Ehemann, der sie im Krankenhaus vehement von der Außenwelt abschottet. Zu ihrem Besten, wie er sagt. Doch ist Marla wirklich Marla? Und wem kann die Frau ohne Gedächtnis noch vertrauen, wenn ein wahnsinniger Serien-Killer ihr nach dem Leben trachtet? Als Marla's Erinnerungen langsam und in Bruchstücken zurückkehren, ist es beinahe schon zu spät ...

Lisa Jackson zählt zu den amerikanischen Top-Autorinnen, deren Romane regelmäßig die Bestsellerlisten der „New York Times“, der „USA Today“ und der „Publishers Weekly“ erobern. Ihre Hochspannungs-Thriller wurden in 15 Länder verkauft.

Lisa Jackson: Dark Silence.
Knaur, 560 Seiten, 8,95 €.


„Das Netz der großen Fische“
von Andrea Camilleri

Die junge Amalia Sacerdote, Tochter eines einflussreichen Politikers, wird ermordet aufgefunden. In Tatverdacht gerät sofort ihr Verlobter, Manlio Caputo, der der Sohn eines Abgeordneten der sizilianischen Linkspartei ist. Beim Sender des italienischen Staatsfernsehen „RAI“ hält man diese Meldung zunächst noch zurück, um weitere Informationen abzuwarten. Programmdirektor Michele Caruso weiß, dass es hinter den politischen Kulissen kaum ohne Intrigen abgeht und dass verschiedene Kräfte versuchen werden, den Mord für sich zu nutzen. Geschickt nutzt er die eigenen Möglichkeiten und Verbindungen, um das Aufdecken des Falls voranzutreiben. Auch ohne seinen Commissario Montalbano ist Camilleri wieder ein spannender und vor allem gesellschaftskritischer Krimi gelungen.

Andrea Camilleri: Das Netz der großen Fische.
Lübbe, 224 Seiten, 19,99 €.


„Das Paradies des August Engelhardt“
von Marc Buhl

Eine wahre Geschichte, die sich in der Zeit des des wilhelminischen Kaiserreichs ereignete, diente als Vorlage zu diesem Roman. Anfang des 20. Jahrhunderts gelangt der 27-jährige August Engelhardt auf die Insel Kabakon nördlich von Australien. Der Aussteiger aus Deutschland hofft, in der Südsee Freiheit und Erfüllung zu finden. Die junge Kolonie Deutsch-Neuguinea, die bislang nur von wenigen Europäern besucht wurde, scheint ihm diese Möglichkeit zu bieten. Die Europäer auf der Insel, der Gouverneur der Kolonialhauptstadt Herbertshöhe, der Missionar und die wenigen Beamten, sind sich sicher, dass der sonderbare Gast nicht lange unter den Eingeborenen überleben kann. Diese aber akzeptieren seine Anwesenheit schneller als erwartet. Engelhardt will seine Vorstellung eines ursprünglichen Lebens verwirklichen, indem er auf Kleidung verzichtet und sich schwört, kein Lebewesen zu töten. Mit der Zeit gewinnt er die Anerkennung der Eingeborenen und die der deutschen Bewohner der Nachbarinseln. Für eine Weile scheint Engelhardt sein Paradies gefunden zu haben. Als man in Deutschland von ihm hört, machen sich immer mehr Aussteiger auf die Reise nach Kabakon. In Engelhardt sehen die Neuankömmlinge einen Vorreiter und geistigen Führer. Aus dem Wunsch nach Abkehr von der Zivilisation entsteht schließlich eine Religion – der Kokovorismus, der die reine Kokosnussdiät lehrt. Doch kaum jemand ist in der Lage, die asketischen Ideale zu verwirklichen, die Engelhardt seiner kleinen Gemeinde vorlebt. Alleingelassen versinkt der Held der Geschichte in Erinnerungen und Phantasien.

Marc Buhl: Das Paradies des August Engelhardt.
Eichborn, 236 Seiten, 18,95 €.


„Das weiße Mädchen“
von Andreas Laudan

In der kargen Moor- und Waldlandschaft des niedersächsischen Wendlands berichten Autofahrer immer wieder von einer unheimlichen Erscheinung am Straßenrand. „Das weiße Mädchen“ soll der Geist der vor langer Zeit aus Verchow verschwundenen Christine Herforth sein, die angeblich ermordet wurde. Die Journalistin Lea Petersen, die für eine niedersächsische Tageszeitung arbeitet, erhält über 20 Jahre nach dem Verschwinden des damals 16-jährigen Mädchens eine anonyme Mail, die sich auf den nie aufgeklärten Vermisstenfall bezieht. Lea Petersens Interesse ist sofort geweckt, sie fährt nach Verchow und beginnt, die Bewohner zu befragen. Doch bei den Dorfbewohnern stößt sie auf eine Mauer des Schweigens und der Ablehnung. Die einzige Ausnahme ist der attraktive Kai, der Neffe ihres Vermieters im Ort. Als Lea schon nicht mehr glaubt, etwas über den Fall herauszubekommen, hat sie eines Abends selbst eine Begegnung mit dem weißen Mädchen. Oder hat sie sich die nur eingebildet? Vielleicht war es ein Lichtreflex, in dem sie meinte, ein Gesicht zu erkennen. Ohne es zunächst zu bemerken, gerät Lea Petersen im idyllischen Wendland mehr und mehr selbst in Gefahr.

Andreas Laudan: Das weiße Mädchen.
DTV, 336 Seiten, 8,95 €.


„Den ersten Stein“
von Elliott Hall

In den USA kommt es in kürzester Zeit zu dramatischen Entwicklungen. Christliche Fundamentalisten haben die Macht übernommen und die Bürgerrechte weitgehend eingeschränkt. Als der Prediger Isaiah, dessen Radiosendung fast bundesweit bekannt ist, in New York ermordet wird, beauftragt man Privatermittler Felix Strange mit dem Fall – eine unübliche Vorgehensweise, die Strange zunächst an den Absichten seiner Auftraggeber zweifeln lässt. Obwohl Strange kein Freund der Evangelikalen ist, bleibt ihm keine Wahl. Im Iran-Krieg hat er sich eine Krankheit zugezogen, die sein Leben stark verkürzen wird. Die Medikamente gegen sein Leiden kann er sich nur auf dem Schwarzmarkt beschaffen. Ihm ist klar, dass seine Auftraggeber ihre eigenen Ziele verfolgen: Sie müssen einen Grund dafür haben, ausgerechnet ihn mit dem Fall zu beauftragen. Ihm bleibt nur wenig Zeit, um das Rätsel zu lösen. Schon bald entdeckt er, dass Isaiah hochrangige Politiker und Prominente erpresst hat, doch ihm bleiben nur sieben Tage, den Täter zu finden.

Elliott Hall: Den ersten Stein.
DTV, 350 Seiten, 14,90 €.


„Der blutige weiße Baron“
von James Palmer

Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist reich an furchtbaren Despoten, doch mancher von ihnen ist heute in Vergessenheit geraten. Das gilt zumindest für Nicolai Robert Max Baron von Ungern-Sternberg, der 1885 in Graz in einer deutsch-estnischen Familie geboren wurde und im damaligen Reval aufwuchs. Der Aristokrat, der Antisemitismus, fromm-fanatischen Buddhismus und hasserfüllten Antikommunismus in sich vereinte, sah sich selbst als Nachfahre Dschingis Khan. Mit seiner Truppe aus Weißrussen, Sibiriern, Japanern und Mongolen eroberte er 1920 die Mongolei. Während einer 130-tägigen Herrschaft ließ er Kommissare, Kommunisten und Juden zusammen mit ihren Familien vernichten. Sein grausamer Kreuzzug gegen den Bolschewismus im russischen Bürgerkrieg sollte den Traum eines frühen Fundamentalisten verwirklichen: ein Großreich, das sich von China bis zum Ural erstreckt. Die meisten russischen Befehlshaber, ob sie zur bolschewistischen Roten Armee gehörten oder zu deren Gegnern, hatten kein Problem damit, Tausende von Bürgern niederzumetzeln, mal im Namen des Volkes, mal in dem des Zaren, aber keinem wäre es je eingefallen, dies, wie von Ungern-Sternberg, im Namen Buddhas zu tun. James Palmer, Historiker und Journalist, unternahm Reisen durch die Mongolei, Russland und China und wertete Berichte von Zeitgenossen aus, um dem unheimlichen Leben dieser zu Lebzeiten legendären Gestalt in einer erhellenden und spannenden Biographie auf die Spur zu kommen.

James Palmer: Der blutige weiße Baron.
Eichborn, 380 Seiten, 32,00 €.


„Der Hypnotiseur“
von Lars Kepler

An einem Sportplatz in der Nähe Stockholms wird die Leiche eines brutal ermordeten Mannes entdeckt. Kurz darauf werden auch die Frau und die Tochter ebenso bestialisch getötet aufgefunden. Offenbar wollte der Täter die ganze Familie auslöschen, doch der Sohn überlebt schwer verletzt. Als Kriminalkommissar Joona Linna erfährt, dass es ein weiteres Familienmitglied gibt, eine Schwester, wird ihm klar, dass er sie vor dem Mörder finden muss. Da der traumatisierte Junge kaum ansprechbar ist, wendet sich Joona Linna an den Arzt und Hypnotiseur Erik Maria Bark. Der zögert zunächst, sich mit der Sache zu beschäftigen, da er sich nach einem früheren Fall geschworen hatte, niemals mehr zu hypnotisieren. Da es um ein Menschenleben geht, willigt er schließlich ein, den Jungen in Trance zu versetzen. Was er dabei erfährt, lässt ihm das Herz gefrieren ...

Hinter dem Pseudonym Lars Kepler stehen die schwedischen Autoren Alexandra und Alexander Ahndoril. Mit ihrem Krimidebüt waren sie in ihrer Heimat so erfolgreich, dass „Der Hypnotiseur“ nun in über 30 Ländern veröffentlicht wird.

Lars Kepler: Der Hypnotiseur.
Bastei-Lübbe, 638 Seiten, 19,99 €.


„Der Monstrumologe“
von Rick Yancey

Die Geschichte spielt im Jahre 1888 in New Jerusalem: Der Junge Will Henry ist ein Waisenkind und wurde nach dem Tod seiner Eltern von dem seltsamen Doktor Warthrop aufgenommen. Dort arbeitet er inzwischen als dessen Assistent. Doch anstatt den Haushalt eines Philosophen zu führen, den Doktor Warthrop nach außen hin darstellt, warten ganz andere Aufgaben auf Will Henry. Der Doktor ist Monstrumologe, er studiert Monster und macht Jagd auf sie. Innerhalb seines ohnehin schon ungewöhnlichen Fachs hat sich Warthrop einem Spezialgebiet verschrieben, den Anthropophagen – kopflosen Monstern, die sich ausschließlich von Menschenfleisch ernähren. Als eines Abends ein Grabräuber seinen schrecklichen Fund im Labor abliefert, beginnt eine neues Kapitel in der Arbeit des Doktors. Ein kopfloses Etwas hat sich in die Leiche einer jungen Frau verbissen, und Doktor Warthrop weiß sofort, dass er und Will die einzigen sind, die die Menschen vor einer neuen Anthropophagenplage retten können. Gruselige Unterhaltung mit zum Teil sehr drastischen bildhaften Beschreibungen, die sicher nichts für schwache Nerven sind.

Rick Yancey: Der Monstrumologe.
Lübbe, 416 Seiten, 14,99 €.


„Der Spieler“
von David Baldacci

Nach „Die Wächter“ und „Die Sammler“ ist dies der dritte von fünf Bänden um den „Camel Club“, der jetzt als Taschenbuch vorliegt (Band fünf ist in Deutschland noch nicht erschienen). Der „Camel Club“ ist eine kleine eingeschworene Gemeinschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die geheimen Machenschaften der amerikanischen Regierung aufzudecken. Die Trickbetrügerin Annabelle Conroy hat den Kasinobesitzer Jerry Bagger um 40 Millionen Dollar betrogen, um sich am Mord an ihrer Mutter zu rächen. Nun ist sie auf der Flucht, denn Bagger setzt alles daran, sie ausfindig zu machen und ebenfalls umzubringen. Oliver Stone und die anderen Mitglieder aus dem „Camel Club“ bieten ihr Rückendeckung und unterstützen sie darin, Bagger endgültig zur Strecke zu bringen. Als mehrere ehemalige Geheimdienst-Agenten, mit denen Stone früher zu tun hatte, ermordet werden, ist plötzlich sein eigenes Leben in Gefahr. Stone, der seine Vergangenheit streng geheim hält, muss untertauchen. Doch auch auf seinen sein persönlichen Feind, Carter Gray, wird ein Anschlag verübt, was die Situation nur noch verworrener macht. Gray dagegen sieht seine Chance gekommen, sich an den Killern und Stone gleichermaßen zu rächen.

David Baldacci: Der Spieler.
Lübbe, 480 Seiten, 9,99 €.


„Die Botschaft der Nahrung“
von Fritz-Albert Popp

Unsere Lebensmittel in neuer Sicht

Um 1923 entdeckte Alexander Gurwitsch ultraschwache Lichtstrahlung in lebenden Zellen. Gurwitsch nahm an, dass Zellen durch Photonen kommunizieren und so zum Beispiel das Zellwachstum regeln. Doch was Gurwitsch „mitogenetische Strahlung“ nannte, geriet bald in Vergessenheit, um erst sehr viel später von der Forschung wieder aufgegriffen zu werden. Die Bedeutung dieser ultraschwachen Strahlung ist umstritten, meist geht man davon aus, dass diese auf Stoffwechselstörungen beruht. Die deutsche Arbeitsgruppe um den Physiker Fritz-Albert Popp entwickelte jedoch einen eigenen Forschungs- und Erklärungsansatz, der davon ausgeht, dass diese Strahlung, ähnlich wie Gurwitsch es vermutete, biochemische Prozesse koordiniert. Sollte dies stimmen, und die Arbeiten Popps legen dies nahe, ohne je widerlegt worden zu sein, hätte dies weitreichende Konsequenzen für unser Bild der Biologie und unsere Vorstellungen von gesunder Ernährung. Nach Popp nehmen wir mit der Nahrung gespeichertes Licht auf, das unsere Zellen brauchen, um sich mit Lichtquanten (Photonen) Signale zufunken zu können. Nicht einzelne Nährstoffe entscheiden dann allein über den Wert eines Nahrungsmittels, sondern auch dessen Lichtspeicherfähigkeit. Ein ausführliches Gespräch des Wissenschaftsjournalisten Mathias Bröckers mit Fritz-Albert Popp führt in die Thematik ein. Popp gibt hier Aufschluss über die Geschichte der Biophotonik, ihren Stellenwert in der Krebsdiagnostik, seine Auffassungen zur Wirksamkeit von Homöopathie, über Mobbing im Wissenschaftsbetrieb und die Forschungsperspektiven der Biophotonik.

Fritz-Albert Popp: Die Botschaft der Nahrung.
Verlag Zweitausendeins, 182 Seiten, 9,99 €.


„Die spinnen, die Finnen –
Mein Leben im hohen Norden“
von Dieter Hermann Schmitz

Ausgerechnet die rheinische Frohnatur Hermann Schmitz hat es nach Finnland gezogen. Doch auch wenn er schon seit Jahren dort lebt, ist er noch immer nicht richtig in Finnland angekommen. Obwohl er inzwischen eine finnische Frau und zwei Kinder hat, bleiben ihm viele Eigenarten und Vorlieben der Finnen rätselhaft. Um sich endlich richtig zu integrieren, stellt er einen Sieben-Punkte-Plan auf, um zum echten Finnen zu werden. Während Schmitz sich auf die Suche nach dem Finnen in sich selbst macht, werden auch wir Leser ein wenig vertrauter mit dieser merkwürdigen Kultur, die so viel Kälte und Dunkelheit erträgt. Niemand kann so gut schweigen wie die Finnen. Niemand kann mehr trinken. Niemand hat schrägere Metal-Bands. Wir begegnen Elchen und Bären, aber auch der Leidenschaft der Finnen für den Tango. Und dann gibt es da noch Finnlands spezielles Verhältnis zur Erbsensuppe, das sich nicht zuletzt darin zeigt, dass es dort Duftbäumchen in dieser Geruchsvariante gibt.

Dieter Hermann Schmitz: Die spinnen, die Finnen –
Mein Leben im hohen Norden.
Ullstein, 368 Seiten, 8,95 €.


„Dschibuti“
von Elmore Leonard

Dara Barr, Mitte 30, ist erfolgreiche Dokumentarfilmerin, die schon die höchsten Preise abgeräumt hat, den „Oscar“, die „Goldene Palme“ in Cannes – was es eben so gibt. An ihrer Seite befindet sich Xavier LeBo, engster Vertrauter, Kameramann und allgemein ein cooler Typ. Die beiden sind nach Dschibuti gekommen, um Bekanntschaft mit den Piraten des Roten Meeres zu machen. Dabei begegnen ihnen ein Ölmilliardär, ein Fashion-Model mit Heiratsplänen, ein „Al Qaida“-Terrorist, der unbedingt etwas Großes in die Luft jagen will und ein entführter Tanker, der randvoll mit Flüssiggas gefüllt ist. Vor allem müssen Dara und Xavier noch einige grundlegende Frage klären, zum Beispiel, ob sie den Film wirklich als Doku drehen wollen oder doch lieber als Hollywood-Thriller. Und wie sie bis dahin am Leben bleiben können.

Elmore Leonard ist Autor von 44 Romanen, von denen viele – wie „Get Shorty“, „Out of Sight“ oder „Jackie Brown“ – mit großem Erfolg verfilmt wurden. Seine Storys zeichnen sich durch verschlungene Handlungen aus, die mit immer neuen Überraschungen aufwarten.

Elmore Leonard: Dschibuti.
Eichborn, 319 Seiten, 19,95 €.


„Ein Herzschlag bis zum Tod“
von Sara J. Henry

Die junge Journalistin Troy führt ein nicht sehr geregeltes Leben. Sie hält sich mehr mit dem Verkauf von Sportartikeln über Wasser als mit dem Schreiben für die Zeitung. Eines Tages beobachtet sie, wie ein Kind von einer Fähre aus über Bord geworfen wird. Mit einem Sprung ins eiskalte Wasser riskiert sie ihr eigenes Leben und rettet einen Jungen. Als sie anschließend versucht, Angehörige des kleinen Paul zu finden, wird dieser offenbar von niemandem vermisst. Da die Ärmel seines T-Shirts verknotet waren, geht Troy von einem Mordversuch aus. Nach und nach gewinnt sie Pauls Vertrauen, doch da der Junge nur gebrochenes Englisch spricht, braucht sie eine Weile, um seine furchtbare Geschichte zusammenzusetzen. Paul wurde gemeinsam mit seiner Mutter entführt und monatelang in einem kahlen Zimmer gefangen gehalten. Da der Vater mit der Sache zu tun haben könnte, beschließt Troy, den Kleinen solange nicht den Behörden oder dem Vater zu übergeben, bis sie sich sicher ist, dass dieser nicht in das Verbrechen verwickelt ist. Ein Entschluss, der dramatische und hochgefährliche Folgen haben wird ...

Sara J. Henry: Ein Herzschlag bis zum Tod.
DTV, 336 Seiten, 14,90 €.


„Ein Riesling zum Abschied“
von Paul Grote

An der Hochschule des deutschen Weinbaus in Geisenheim hat sich ein Mord ereignet. Die Studentin Alexandra wurde erschlagen aufgefunden, und alle Indizien weisen auf Manuel Stern, den Geliebten der Toten, als Mörder hin. Thomas Achenbach, ebenfalls Student an der Hochschule und Freund des Verdächtigen, glaubt als einziger an dessen Unschuld. Er hielt Alexandra von Anfang an für verschlagen und berechnend und glaubt, dass sie nur hinter Manuels Geld her war. Kommissar Sechser jedoch ist von Manuel's Schuld überzeugt und spart sich jede weitere Ermittlungsarbeit. Thomas bleibt nichts übrig, als selbst nachzuforschen, wenn er Manuel helfen will. Zum Glück steht Johanna Breitenbach, Dozentin an der Hochschule, auf seiner Seite. Ausgerechnet ein Riesling bringt Johanna auf die richtige Spur ...

Paul Grote ist nicht nur ein spannender und unterhaltsamer Krimi gelungen, wie in seinen anderen Wein-Krimis führt den Leser wieder ein in die Welt des Weinanbaus und des Weinhandels. Diesmal stehen der ökologische Weinbau und die Interessen der chemischen Industrie im Mittelpunkt der Handlung.

Paul Grote: Ein Riesling zum Abschied.
DTV, 384 Seiten, 8,95 €.


„Elf Leben“
von Mark Watson

Xavier Ireland, Mitte 30, lebt im London und ist tagsüber ein begeisterter Turnier-Scrabble-Spieler. Nachts ist er Radiomoderator, der die Anrufe von verzweifelten Menschen entgegen nimmt und ihnen zuhört. Die Schlaflosen rufen ihn an, um mit ihm zu reden, ihm ihre Geschichten zu erzählen aus der anonymen Millionenstadt London. So sehr Xavier sich den Anliegen seiner Anrufer widmet, so sehr verwundert es, dass er den Problemen der Menschen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft aus dem Wege geht. Und was ist mit Xaviers eigener Geschichte? In seinem Leben scheint es ein Geheimnis zu geben, von dem er niemandem je etwas erzählt. Er ist in Australien aufgewachsen, hatte dort Freunde, seine große Liebe – doch dann ging er fort, änderte seinen Namen, fing noch mal ganz von vorn an. Erst als er sich in die lebenslustige Pippa verliebt, beginnt er, sich jemandem anzuvertrauen und in seinem eigenen Leben aufzuräumen. Parallel werden die Schicksale von elf Menschen erzählt, in dessen Zentrum die Geschichte Xaviers steht. Elf Menschen, die sich niemals begegnen werden, deren Lebenswege unmittelbar miteinander verknüpft sind. Erst gegen Ende des Romans offenbart sich, wie die zunächst unzusammenhängenden Handlungen in einem größeren Zusammenhang stehen.

Mark Watson: Elf Leben.
Eichborn, 272 Seiten, 19,90 €.


„Fast genial“
von Benedict Wells

Francis Dean, der bald 18 wird, lebt zusammen mit seiner psychisch kranken Mutter Katherine in einem Trailerpark an der Ostküste der USA. Bisher hatte Francis seinen Stiefvater, von dem Katherine schon lange geschieden ist, für seine aussichtslose Lage verantwortlich gemacht. Seinem leiblichen Vater ist Francis nie begegnet. Nach dem wenigen, was seine Mutter über ihn erzählt hat, musste Francis annehmen, dass sein Vater weit entfernt lebt und nur eine kurze Affäre mit seiner Mutter hatte. Bisher glaubte er, das Kind eines Versagers zu sein, doch jetzt muss erfahren, dass er ein Retortenkind ist und sein Vater ein überdurchschnittlich intelligenter Wissenschaftler. Francis Mutter hatte Anfang der 80er Jahre an einem Experiment teilgenommen, das sich um die Frage drehte, ob Intelligenz vererbbar sei. Obwohl seine Mutter nicht bereit ist, ihm den Namen seines Vaters zu nennen, beschließt Francis, sich auf die Suche nach ihm zu machen. Begleitet von seiner Freundin Anne-May und seinem besten Freund Grover begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise an die Westküste, wo sein Vater leben soll, und besucht zunächst die Klinik, an der das Experiment damals stattgefunden hatte. Dort muss er erfahren, dass inzwischen alle Unterlagen vernichtet wurden. Dennoch stößt Francis auf eine Spur, die ihn zu seinem Vater führen könnte.

Benedict Wells: Fast genial.
Diogenes, 336 Seiten, 19,90 €.


„Faule Kredite – Ein Fall für Kostas Charitos“
von Petros Markaris

Und wieder ein spannender Krimi aus der Feder des beliebtesten Athener Autors mit aktuellem Bezug: Die Finanzkrise legt Griechenland lahm. Niemand hält mehr die Arbeitszeiten ein, überall wird diskutiert und protestiert. Arbeitnehmer, Rentner und Studenten gehen auf die Straße, und ihre Demonstrationszüge verstopfen das Zentrum Athens mehr, als es der Verkehr je tat. Auch Familie Charitos muss den Gürtel enger schnallen. Gerade haben Kostas und Adriani noch die Hochzeit ihrer einzigen Tochter Katerina ausgerichtet und sich zum ersten Mal seit 30 Jahren ein neues Auto geleistet – und nun wissen sie nicht mehr, wie sie die Raten abzahlen sollen. Als dann innerhalb weniger Tage zwei Banker auf grausame Weise umgebracht werden, herrscht in der Finanzwelt höchste Alarmstufe. Auch weil Presse und Polizei die Hypothese eines Terroranschlags nicht ausschließen. Der Hass auf die Banken scheint in der Tat immer größer zu werden: Die Stadt wird über Nacht mit Plakaten tapeziert, auf welchen die Bürger zur Verweigerung der Rückzahlung von Krediten aufgefordert werden. Die Krise mit ihren Auswüchsen beschert Kostas Charitos und der Athener Polizei mehr Arbeit und Hektik denn je zuvor. Geduld und Sorgfalt wären angesagt, doch dafür hat niemand Zeit. Denn Zeit ist Geld, und Geld gibt's keines.

Petros Markaris: Faule Kredite – Ein Fall für Kostas Charitos.
Diogenes, 396 Seiten, 22,90 €.


„Food Crash“
von Felix zu Löwenstein

Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr

Auch wenn Bio-Lebensmittel inzwischen ihren festen Platz in unseren Supermarktregalen erobert haben, nehmen sie insgesamt nur einen geringen Anteil an allen produzierten Nahrungsmitteln ein. Um sieben Milliarden Menschen zu ernähren, müssen wir auf Gentechnik, Kunstdünger und Pestizide setzen, behauptet die Nahrungsmittel-Industrie, die biologische Lebensmittel als Luxus für die Reichen ansieht. Doch stimmt diese These wirklich oder handelt es sich um eine Marketingstrategie derjenigen, die von chemischen Zusatzstoffen, Biotech und patentiertem Saatgut leben? Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Agrarwissenschaftler und Biolandwirt, studierte an der agrarwissenschaftlichen Fakultät der TU München in Weihenstephan, übernahm den elterlichen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb und stellte das Gut in Südhessen, das seit 500 Jahren im Besitz der Familie ist, auf Bio um. Als Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft ist er politischer Vertreter der deutschen Bio-Branche. In seinem Buch zeigt er auf, weshalb die industrielle Landwirtschaft kein Weg zur Lösung, sondern eine Sackgasse ist. Nur die biologische Landwirtschaft, so der Autor, kann die Zerstörung von fruchtbarem Ackerland aufhalten. Er beschreibt, welche Schritte Politik und Privathaushalte gehen müssen, um den Ablöseprozess von der chemisch-industriellen Landwirtschaft voranzubringen.

Felix zu Löwenstein: Food Crash.
Pattloch, 320 Seiten, 19,99 €.


„Grabeshauch“
von Charlaine Harris

Harper Connelly, eine junge Frau aus den Südstaaten der USA besitzt eine ungewöhnliche Begabung. Seitdem sie als Teenager von einem Blitz getroffen wurde, hat sie die Fähigkeit, Tote intuitiv aufzufinden und Informationen über die Todesumstände zu erspüren. Mit dieser Gabe versucht sie, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und reist mit ihrem Stiefbruder Tolliver Lang durch Amerika. Bei ihrem inzwischen vierten Auftrag wird sie diesmal nicht nur mit einem geheimnisvollen Todesfall konfrontiert, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit. Zunächst scheint der Auftrag nicht allzu spektakulär – eine reiche Geschäftsfrau will aus Neugier herauszufinden, woran ihr Großvater gestorben ist. Doch Harper bringt Informationen ans Licht, die im Umfeld des Verstorbenen für Unruhe sorgen. Als Harper und Tolliver begreifen, dass der Fall komplizierter ist als zunächst angenommen, befinden sie sich längst in Gefahr. Und dann wird noch Tollivers Vater wird aus dem Gefängnis entlassen, ein Mann, vor dem Harper sich schon immer gefürchtet hat ...

Charlaine Harris: Grabeshauch.
DTV, 320 Seiten, 8,95 €.


„Herr aller Dinge“
von Andreas Eschbach

Als Kinder begegnen sich Hiroshi und Charlotte zum ersten Mal. Er ist der Sohn der japanischen Hausangestellten, sie die Tochter des französischen Botschafters. Trotz des Standesunterschiedes entwickelt sich zwischen ihnen schon bald eine dauerhafte Freundschaft. Doch Hiroshi ist sich des sozialen Unterschiedes schmerzhaft bewusst. Der Zehnjährige träumt von einer Möglichkeit, die Welt grundlegend zu verändern, indem die Kluft zwischen Arm und Reich aufgehoben wird. Was mit einer Sandkastenfreundschaft beginnt, wird für Hiroshi die Liebe seines Lebens. Je weniger die wohlhabende und gebildete Charlotte seine Zuneigung erwidert, desto mehr fühlt Hiroshi sich angespornt, sie mit einer wirklich großen Idee zu beeindrucken. Selbst als Student am „Massachusetts Institute of Technology“ lässt ihn die Vision einer Welt, in der alle Menschen glücklich sind, nicht los. Seine Sehnsucht lässt ihn schließlich eine Maschine erdenken, die in der Lage ist, zu produzieren, was die Menschen sich wünschen. Hiroshi und Charlotte haben sich inzwischen aus den Augen verloren, doch ihre Wege sollen sich wieder kreuzen. Als die beiden sich wieder begegnen, ist Charlotte Wissenschaftlerin und auf der Suche nach den Spuren einer untergegangenen Kultur. Als sich herausstellt, dass sich die Forschungsgebiete der beiden überschneiden, erkennt Charlotte, dass es Hiroshi ernst ist mit der Liebe zu ihr.

Andreas Eschbach: Herr aller Dinge.
Lübbe, 688 Seiten, 22,00 €.


„Hunkeler und die Augen des Ödipus“
von Hansjörg Schneider

In seinem neuesten Fall ist Kommissar Hunkeler auf der Suche nach einem Theaterdirektor. Bernhard Vetter ist spurlos verschwunden, sein Hausboot wurde herrenlos beim Stauwehr von Märkt aufgefunden. Und das wenige Tage, nachdem eine Inszenierung von "König Ödipus" für einen regelrechten Skandal in der Baseler Theaterszene gesorgt hat. Die Aufregung war so groß, dass eine Dame aus der feinen Gesellschaft dem Regisseur des Stücks mit ihrem Granatring spontan zwei Zähne ausschlug. In der Presse wird bereits darüber spekuliert, ob der Intendant auf dem Grund des Rheins liegen könnte, möglicherweise rächte sich das verletzte Bürgertum an dem kompromisslosen Theatermann. Peter Hunkeler steht sechs Wochen vor der Pensionierung, als er mit dem Fall beauftragt wird. Was ihm die Dinge anfangs scheinbar erleichtert, ist die Tatsache, dass er selbst als junger Mann als Regie-Assistent am Theater in Basel gearbeitet hat. Doch alle alten Bekannten, denen er begegnet, scheinen mit dem Theaterdirektor noch eine Rechnung offen haben. Und dann gerät Hunkeler bei seinen Recherchen in die schillernde Halbwelt des Basler Rheinhafens, in das Niemandsland zwischen der Schweiz, Deutschland und Frankreich, wo ganz andere Mächte Regie führen.

Hansjörg Schneider: Hunkeler und die Augen des Ödipus.
Diogenes, 240 Seiten, 19,90 €.


„Idioten made in Germany“
von Klaus Norbert

Klaus Norbert, Journalist, Berater für Großunternehmen im In- und Ausland und Coach für namhafte Führungspersönlichkeiten, geht mit der Bildungsreform ins Gericht. Obwohl die Aussichten auf einen Ausbildungsplatz von Jahr zu Jahr sinken, werden die Anforderungen an Schüler und Studierende permanent angehoben. Der Autor legt dar, dass die Politik mit ihrer Fixierung auf Bildungsnormen und Turboleistungen eine winzige Elite heranzüchtet und den Rest jeder Generation zu Versagern stempelt – zu „Idioten made in Germany“. Dies beginnt seiner Meinung nach bereits bei dem veralteten System der Notengebung, das Ungleichheit fördert, statt diese zu beseitigen. Wieso sollten Noten in der Schule so wichtig sein, wenn sie später im Berufsleben keine Rolle mehr spielen? Klaus Norbert stellt den Wert von „Pisa“-Ergebnissen in Frage und plädiert für dafür, sich Disziplinierung nicht als Bildung verkaufen zu lassen. Ein eigenes Kapitel widmet er dem „Spiegel“, dessen Redaktion sich den Interessen der Wirtschaft und der Regierung verschrieben hat und sich für ein immer rigideres Bildungssystem stark macht.

Klaus Norbert: Idioten made in Germany.
Knaur, 384 Seiten, 8,99 €.


„Inzidenz – Lou Beck's zweiter Fall“
von Nicole Bachmann

Lou Beck's einzelgängerischer Freund Gian Cavegn begeht Selbstmord an seinem Arbeitsplatz, dem Bundesamt für Statistik in Neuenburg. Doch Lou glaubt nicht an Suizid, sie beginnt zu ermitteln. Dabei stößt sie auf rätselhafte Vorgänge bei Cavegn's Arbeitgeber und auf ein lange gehütetes Geheimnis. Die Liebe zu Philippe Laval und die Freundschaft zu Helga stehen dabei auf dem Spiel. Denn nach und nach enthüllt sie einen Skandal, der ihre Vorstellungskraft übersteigt und dem sie machtlos gegenübersteht.

Die Schweizer Autorin Nicole Bachmann kommt ursprünglich aus der Gesundheitsforschung. Sie verfasste gesundheitswissenschaftliche Werke und schreibt Reden für Politiker zu gesundheitspolitischen und wissenschaftlichen Themen. Mit ihrem ersten Roman „Doppelblind“ wurde sie bereits einem breiten Publikum bekannt.

Nicole Bachmann: Inzidenz – Lou Beck's zweiter Fall.
Salis, 393 Seiten, 18,90 €.


„Kubu und der zweite Tod von Goodluck Tinubu“
von Michael Stanley

Das Jackalberry-Camp im Chobe Nationalpark in Botswana ist der ideale Ort, um exotische Tiere zu beobachten. Und als Aushängeschild für den Tourismus ist es ein Devisenbringer für das afrikanische Land. Als zwei Gäste des Camps brutal ermordet aufgefunden werden, ist es aus mit der Tropenidylle. Einem der Ermordeten, Goodluck Tinubu, wurden die Kehle durchschnitten und die Ohren in den Mund gestopft. Botswanas Polizeibehörde reagiert ungewöhnlich schnell, gilt es doch, den guten Ruf des Landes nicht zu gefährden. Detective Kubu und sein Kollegen Tatwa werden auf den Fall angesetzt und sofort in das Camp geschickt. Der Verdacht fällt zunächst auf einen Touristen, der Hals über Kopf abgereist ist. Doch obwohl dieser als Dissident in Simbabwe gesucht wird, bleibt Detective Kubu skeptisch. Er vermutet, dass der Fall komplizierter sein könnte als er zunächst erscheint. Die im Camp verbliebenen Gäste sind alle auf die ein oder andere Art verdächtig, mit den Behörden Simbabwes ist eine Zusammenarbeit undenkbar und schon bald stellt sich heraus, dass Tinubu ist schon einmal gestorben – vor 30 Jahren im rhodesischen Bürgerkrieg.

Michael Stanley: Kubu und der zweite Tod von Goodluck Tinubu.
Eichborn, 496 Seiten, 21,95 €.


„Roma“
von Josef Koudelka

Bereits 1968 hatte Josef Koudelka geplant, ein Buch mit seinen Fotografien von Roma herauszugeben – es sollte in der Tschechoslowakei veröffentlicht werden. Doch wegen der sowjetischen Invasion musste der Fotograf das Land verlassen. In Paris entstand eine veränderte und weniger umfangreiche Ausgabe mit 60 Fotografien, die Roma aus dem Osten der Slowakei zeigten. Sie erschien 1975 in Frankreich unter dem Titel Gitans, la fin du voyage und in den USA und wurde eines der wichtigsten Fotobücher des 20. Jahrhunderts. Zum Schutz des Autors erschien das Werk, ohne diesen zu nennen. Für die jetzige Ausgabe von Roma hat Josef Koudelka seinen ursprünglichen Entwurf überarbeitet und erweitert. Das Buch enthält nun alle von 1962 bis 1971 entstandenen Fotografien aus Böhmen, Mähren und der Slowakei, Rumänien, Ungarn, Frankreich und Spanien.

Josef Koudelka: Roma.
Steidl, 192 Seiten, 48,00 €.


„Schutzengel mit ohne Flügel“
von Arto Paasilinna

Sulo Auvinen war zu Lebzeiten Religionslehrer und ein Tollpatsch vor dem Herrn. Nachdem er an einer Lungenentzündung stirbt, gelangt er in den Himmel. Zwar hat er jetzt riesige Flügel, aber seine Neigung zu Missgeschicken hat ihn nicht verlassen. Selbst der Grundkurs in „Himmlisches Beschützen“ kann da nichts ändern. Also wird ihm in seiner neuen Funktion als Schutzengel zunächst eine möglichst einfache Aufgabe anvertraut: Sulo soll soll Aaro Korhonen beschützen, einen Mann in den Vierzigern, dem das Glück bisher stets hold war. Aaro ist wohlhabend und mit sich im Reinen. Bis Schutzengel Sulo seine Arbeit aufnimmt. Suho entschließt sich, den zufriedenen Aaro noch glücklicher zu machen – doch dessen Leben wird stattdessen überhäuft von Unglück und Unfällen. Der Versuch, ihm die passende Frau an die Seite zu stellen – nach Sulo's Meinung ein unverzichtbarer Faktor für ein glückliches Leben – endet in einer Katatrophe. Aaro wird von zwei Frauen regelrecht verfolgt. Es erleidet Gehirnerschütterungen, Unfälle, die Polizei ist ihm auf den Fersen und der Dachboden seines Hauses brennt aus. Und als er meint, es kann nicht schlimmer kommen, taucht auch noch der Teufel auf und treibt sein Unwesen.

Arto Paasilinna: Schutzengel mit ohne Flügel.
Lübbe, 208 Seiten, 18,99 €.


„Schwarze Diamanten“
von Martin Walker

Der dritte Fall für Bruno, Chef de Police

Das Périgord ist die Heimat der schwarzen Trüffeln – sie sind, bei einem Preis von 5.000 Euro pro Kilo, der wichtigste Bodenschatz der Region. Als das Gerücht umgeht, dass die schwarzen Diamanten auf dem Trüffelmarkt des Nachbarorts mit billigen Importen aus Asien verschnitten werden, muss Bruno als Chef de Police aktiv werden. Da Bruno gern kocht und gelegentlich sogar selbst Trüffeln sammelt, interessiert ihn die Sache allerdings auch ganz persönlich. Was zunächst nach einer Routineermittlung aussieht, entpuppt sich schnell als komplizierter Fall mit ungeahnten Verwicklungen und dramatischen Wendungen. Kaum hat Bruno mit seinen Nachforschungen begonnen, wird sein Freund Hercule, der bekannteste Trüffelexperte der Region, brutal ermordet. Als der Polizeichef dessen Verbindungen in seine Untersuchungen mit einbezieht, sieht er sich mit lange zurückliegenden Verbrechen konfrontiert, die stattfanden, als Frankreich Kolonialmacht in Indochina war. Die Geschichte, die als beschauliche Erzählung beginnt, nimmt den Leser mit auf eine rasante Reise über mehrere Kontinente und durch ein halbes Jahrhundert.

Martin Walker ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Historiker und politischer Journalist. Er lebt in Washington und im Périgord, studierte Geschichte in Oxford sowie internationale Beziehungen und Wirtschaft in Harvard. Er verfasste Sachbücher über den Kalten Krieg, über Gorbatschow und die Perestroika, über Präsident Bill Clinton und über das neue Amerika. Seine „Bruno“-Romane erscheinen in zehn Sprachen.

Martin Walker: Schwarze Diamanten.
Diogenes, 351 Seiten, 22,90 €.


„Seelenfänger“
von Rory Clements

Historischer Roman

1587 wird eine Kusine von Elizabeth I. in London brutal ermordet aufgefunden. Kurz darauf erhält die Königin üble anonyme Drohungen, während es zu einem Komplott gegen Sir Francis Drake, den Befehlshaber der englischen Flotte kommt. John Shakespeare, der Ermittler der Krone, soll am besten alle Fälle gleichzeitig lösen. Seine Nachforschungen führen ihn in die Unterwelt, mitten unter Spione, Huren und Theaterleute, darunter sein berühmter Bruder Will. Die Ermittlungen verlaufen viel versprechend, dennoch muss John bald feststellen, dass seine Arbeit behindert wird. Obwohl sein Rivale, der oberste Folterknecht der Queen, vor keinem Mittel zurückschreckt, entdeckt John eine Verschwörung, die bis in die höchsten Kreise reicht. Dass er selbst und seine große Liebe das Opfer einer bösen Intrige werden sollen, ahnt er aber erst, als es beinahe zu spät ist ...

Rory Clements: Seelenfänger.
Lübbe, 479 Seiten, 8,99 €.


„Shaolin – Du musst nicht kämpfen, um zu siegen!“
von Bernhard Moestl

Das chinesische Shaolin-Kloster gilt als Geburtsstätte einer ganzen Reihe von Kampftechniken und des Chan-Buddhismus, dem Ursprung des Zen. Die dort praktizierten Kampfkünste, von denen besonders das Shaolin-Kung-Fu weltbekannt wurde, werden nicht als Technik, sondern als Teil einer ganzheitlichen Lebensführung angesehen und gelehrt. Die Shaolin-Mönche verstehen es, mit Hilfe bestimmter Prinzipien, die Kraft ihrer Gedanken so zu bündeln, dass sie jedes Ziel – ob mental oder körperlich – erreichen. Der ehemalige Shaolin-Schüler Bernhard Moestl stellt in seinem Buch zwölf dieser Shaolin-Prinzipien vor, die wir im Alltag nutzen können, um praktische Ziele zu verwirklichen. Ob es darum geht, eine Gehaltsforderung selbstbewusst vorzutragen, in einem Streit gelassen zu bleiben oder den eigenen Standpunkt zu vertreten – die Kraft dafür ist unpersönlich und jedem Menschen grundsätzlich zugänglich. Die betreffenden zwölf Prinzipien werden zunächst philosophisch betrachtet, dann anhand eines Frage-Katalogs auf die persönliche Lebenssituation übertragen, um dort angewandt werden zu können.

Bernhard Moestl: Shaolin – Du musst nicht kämpfen, um zu siegen!
Knaur, 272 Seiten, 9,99 €.


„Sture Hunde“
von Jens Wonneberger

Martin Rohrbach kehrt nach Jahren zurück an der Ort seiner Kindheit, ins Windmühlenhaus in der ostdeutschen Provinz. Dort, in der Nähe des kleinen Dorfes Ahornstein hat sein Vater allein auf einem Hügel gewohnt bis zu seinem Tod. Rohrbach will nur kurz die Beerdigung hinter sich bringen und so schnell wie möglich wieder abreisen, doch die Vergangenheit zieht ihn in ihren Bann. Plötzlich fragt er sich, was es mit der Freundschaft seines Vaters zum alten Lindner auf sich hatte. Warum haben die beiden so lang um diesen unscheinbaren Streifen Land gerungen, der das Windmühlenhaus umgibt? Rohrbach erinnert sich an vergangene Freundschaften, an eine alte Liebe und an ein Geheimnis, das immer noch nicht gelöst ist. Sein alter Freund Wassili arbeitet auf der Mülldeponie und spricht davon, dass er vor zwanzig Jahre in den Westen hätte gehen sollen. Rohrbach dagegen, der einzige, der den Ort verlassen hat, überlegt, wie es wäre, zurückzukehren.

Wonneberger's Roman lebt von keiner dramatischen Handlung, sondern von einem Erzählstil, dem es gelingt, die Schönheit der Sprache auszuschöpfen.

Jens Wonneberger: Sture Hunde.
Steidl, 233 Seiten, 19,90 €.


„Tod und Nachtigallen“
von Eugene McCabe

Billy Winters, protestantischer Grundbesitzer in der nordirischen Grafschaft Fermanagh, war reichlich betrunken und sehr zornig, als er seiner Frau eröffnete, dass er ihrer Tochter Beth auf keinen Fall etwas vererben wird. Steinbruch, Pachten, Farmland und ein erheblicher Goldschatz sollten dem katholischen Kuckuckskind nicht in die Hände fallen. Hat er nicht genug für das Mädchen getan? Ihr ein Dach über dem Kopf und zu essen gegeben? Jahre später beschließt Beth, den Hof zu verlassen. Sie hat genug davon, Billy's Dienstmagd zu sein, hat genug von den Wutanfällen und der mehr als väterlichen Zuneigung. An ihrem Geburtstag will sie mit seinem Gold und ihrem Geliebten durchbrennen. Doch der Mann, dem sie ihr Leben und das ihres ungeborenen Kindes anvertraut, ist ein skrupelloser Verbrecher. Eugene McCabes spannender und bewegender Roman spielt an einem einzigen Tag des Jahres 1883. Mit beeindruckender sprachlicher Intensität beschwört er den Zauber und Schrecken einer Landschaft voll Moor und Mädesüß für den einen das Paradies, für den anderen die Hölle. Alter Hass, alte und neue Verbrechen haben sich tief in die Seelen der Menschen eingeschrieben und Liebe ohne Verrat scheint unmöglich.

Eugene McCabe: Tod und Nachtigallen.
Steidl, 296 Seiten, 19,90 €.


„Todesstoß“
von Karen Rose

Nach einer Reihe von Operationen beginnt sie, Psychologie zu studieren. Für ihren Abschluss hat sie ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, das sich mit virtuellen Versuchsobjekten im Netz befasst. Als sechs ihrer Test-Personen auf grausame Weise ums Leben kommen, hat Eve eine schockierende Erkenntnis: Wieder könnte sie auf der Liste eines psychopathischen Killers stehen. Der Serienmörder, um den es hier geht, ist bisher niemandem aufgefallen. Obwohl er seinem tödlichen ‚Hobby‘ seit Jahren nachgeht, hat er immer Wert darauf gelegt, seine Morde nicht als Morde erscheinen zu lassen. Doch jetzt hat er sich ein neues Ziel gesetzt: der Elitegruppe der Polizei von Minneapolis zu beweisen, dass er ihr überlegen ist. Eve befürchtet, dass der Killer von ihrem Versuchsaufbau weiß. Detective Noah Webster, der die Elitegruppe leitet, akzeptiert Eve für die Zeit der Ermittlungen als Beraterin der Polizei. Dass schon bald zwischen ihm und Eve auch persönlich die Funken überspringen, macht die Zusammenarbeit allerdings nicht leichter.

Karen Rose: Todesstoß.
Knaur, 656 Seiten, 14,99 €.


„Underground-Killer“
von John Macken

In einer Londoner Bar ereignet sich ein Mord, der für einige Verwirrung sorgt, denn der Täter behauptet, sich nicht an die Tat erinnern zu können und und flieht. Eine Weile später kommt es zu einer ganzen Reihe ungewöhnlicher Morde: in der U-Bahn treibt ein Killer sein Unwesen, der seine Opfer lautlos und unerkannt tötet, vorzugsweise in der rush-hour. Die Ermittler finden trotz intensiver Arbeit keinen Hinweis auf ein Motiv oder ein Muster. Angst macht sich breit – immer mehr Menschen vermeiden es, die U-Bahn zu nutzen. Reuben Maitland, ehemals Chef der Forensik bei der Londoner Polizei, könnte den Täter möglicherweise identifizieren, doch Maitland ist vor kurzem gefeuert worden. Als die Polizei weiter im Dunkeln tappt, wird er schließlich doch noch mit eigenen Ermittlungen beauftragt. Nicht jeder in der Polizeihierarchie ist von dieser Entscheidung überzeugt, denn Maitland befasst sich mit einem ebenso ungewöhnlichen wie umstrittenen Forschungsgebiet: er arbeitet an einem Programm zur genetischen Erkennung von Serien-Killern. Während der Underground-Killer weiter zuschlägt, versucht Maitland, ihm mit modernster Biotechnik auf die Spur zu kommen.

John Macken: Underground-Killer.
Knaur, 416 Seiten, 9,99 €.


„Unter deutschen Betten –
Eine polnische Putzfrau packt aus“
von Justyna Polanska

Was Justyna als Putzfrau in Deutschland erleben würde, hätte sie sich nicht träumen lassen, haben doch die Deutschen den Ruf, einer ordnungs- und sauberkeitsliebenden Nation anzugehören. Neben den kleinen hygienischen Überraschungen in Küche, Schlafzimmer und Bad macht Justyna außerdem fast täglich Bekanntschaft mit den ‚schmutzigen Geheimnissen‘ ihrer Kunden. Sie weiß genau, wer ein teures Auto vor der Tür hat, aber nicht genug im Kühlschrank, um satt zu werden. Wer auf coolen Macho macht, daheim aber in Bärchenwäsche schläft. Oder wer der eigenen Frau den liebevollen Ehemann vorspielt, vor der Putzfrau aber schon mal die Hosen runterlässt. Die Autorin beschreibt humorvoll, wie sie trotz ihrer gesellschaftlichen Stellung als putzende Ausländerin am Ende immer die Oberhand behält.

Justyna Polanska: Unter deutschen Betten –
Eine polnische Putzfrau packt aus.
Knaur, 224 Seiten, 8,99 €.


„Verbrannte Blüten“
von Ngugi Wa Thiong'o

In dem abgelegenen Dorf Ilmorog in Kenia sind drei Menschen ums Leben gekommen. Die Leichen der drei Industriellen wurden im Haus der Prostituierten Wanja gefunden. Die drei Hauptverdächtigen, Wanja, der Händler Abdulla und der arbeitslose Karega werden verhaftet. Der ermittelnde Kommissar stellt außerdem den Lehrer Munira unter Arrest, damit dieser einen Bericht über seine Beziehungen zu den Verdächtigen, und damit über die möglichen Hintergründe der Ereignisse, verfasst. Der Bericht beginnt weit in der Vergangenheit, in der Zeit, als der Lehrer in das Dorf kam. Munira beschreibt das Schicksal der drei Inhaftierten während der wechselvollen Entwicklungen in Kenia. Er erzählt von der Zeit der Kolonisation, von den Freiheitskämpfen und von der Enttäuschung der Dorfbewohner als nach der Unabhängigkeit des Landes allmählich wieder die Geschäftemacher die Kontrolle über das Dorf erlangten und sich die Hoffnungen auf ein selbstbestimmtes Leben nicht erfüllten. Abdulla, Karega und Wanja wollten sich diesen Zuständen nicht unwidersprochen beugen ...

Ngugi Wa Thiong'o: Verbrannte Blüten.
Peter Hammer Verlag, 588 Seiten, 26,00 €.


„Verführung mit Worten –
33 Quickies für erfolgreiche Texte“
von Karen Christine Angermayer

Karen Christine Angermayer schreibt für TV-Sender, Verlage, Werbeagenturen, Versicherungen und Ministerien. Sie schrieb Drehbücher, Kinderbücher, Texte für alle Arten von Auftraggebern. Und sie schreibt über das Schreiben selbst. In Ihrem neuesten Buch stellt sie Schreiben als ein Spiel der Verführung vor, als einen Tanz der Worte. Sie zeigt, was darüber entscheidet, ob ein Text im Papierkorb landet oder zum Lesen und Weiterlesen verführt. In 33 kurzen aber zielgerichteten Anleitungen vermittelt sie dem Leser, wie die Lust am Schreiben zu erfolgreichen Texten führt, wie man als Schreibender den Leser im Auge behält und warum Humor eine wichtige Rolle bei der Arbeit spielt. Die Übungen sind kurzweilig und inspirierend. Sie vermitteln kein festes Konzept über das richtige Vorgehen beim Schreiben, sondern bringen den Übenden in Kontakt mit der eigenen Intuition.

Karen Christine Angermayer: Verführung mit Worten –
33 Quickies für erfolgreiche Texte.
Kösel, 176 Seiten, 15,99 €.


„Verheimlicht – vertuscht – vergessen“
von Gerhard Wisnewski

Was 2010 nicht in der Zeitung stand

Gerhard Wisnewski, Politikwissenschaftler, Schriftsteller und Dokumentarfilmer, befasst sich seit langem mit Themen, die es nicht oder nur verzerrt in die Medien schaffen. In seinen Jahresrückblick „Verheimlicht – vertuscht – vergessen“ führt er auch diesmal wieder eine Fülle von Ereignissen auf, über die anderswo nur oberflächlich und unkritisch berichtet wurde. Dabei gilt sein Augenmerk besonders solchen Nachrichten, die von Interessensgruppen, Regierungen oder Geheimdiensten in die Welt gesetzt werden, um deren Zielen zu dienen. Ob groteske Ungereimtheiten im Falle des so genannten Unterhosenbombers, ob deutsche Beteiligung an den Vorbereitungen zu einem Krieg gegen den Iran oder der angebliche Selbstmord der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig – Wisnewski deckt auf, worüber andere nur allzu bereitwillig hinwegsehen. Dabei vermeidet er es, fertige Antworten zu liefern, sondern zeigt Zusammenhänge auf, die sich unter der Oberfläche dessen verbergen, was uns die Medien als ‚objektive‘ Berichterstattung präsentieren.

Gerhard Wisnewski: Verheimlicht – vertuscht – vergessen.
Knaur, 368 Seiten, 7,99 €.


„Winterkartoffelknödel“
von Rita Falk

In Niederkaltenbach, einem kleinen Dorf in Bayern wird der Dorfgendarm Franz Eberhofer mit seinem ersten Fall konfrontiert. Eberhofer war von München in die Provinz strafversetzt worden und hatte nie damit gerechnet, dass es hier hoch her gehen könnte. Eine ganze Weile lang ist ja auch nichts passiert, und Eberhofer hatte Zeit, die verschiedensten Dorfcharaktere kennen zu lernen. Doch dann passiert die bizarre Geschichte mit den Neuhofers, die an den komischsten Dingen sterben. Mutter Neuhofer wird erhängt im Wald gefunden. Vater Neuhofer stirbt kurz darauf an einem Stromschlag – als Elektromeister wohlgemerkt. Und dann ist da ja noch der Hans, und wer weiß, was dem noch passiert. Aus ist es mit der bayrischen Beschaulichkeit: Konnte Eberhofer bisher eine ruhige Kugel schieben, hat er jetzt einen Vierfachmord an den Hacken. Zum Glück kocht die Oma gern und hervorragend, zum Beispiel den besten Schweinebraten, den Eberhofer kennt. Und das beste Bier gibt es eh beim Wolfi.

Rita Falk: Winterkartoffelknödel.
DTV, 240 Seiten, 12,90 €.


„Wo lassen Sie denken?“
von Reinhard Kreissl

Warum der Glaube an die Wissenschaft uns dumm macht

Reinhard Kreissl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wiener Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie. In „Wo lassen Sie denken?“ wirft er einen kritischen Blick auf die Wissenschaftsgläubigkeit und macht auf bedenkliche Aspekte des Etiketts ‚wissenschaftlich‘ aufmerksam. In der Werbung, im Umweltschutz und bei politischen Diskussionen wird mit der Floskel „wissenschaftlich“ argumentiert, als ob das letzte Wort damit gesprochen wäre. In den Wissenschaften selbst sind statistischen Mogeleien, Gefälligkeitsgutachten und die harte Konkurrenz um Geldquellen gang und gäbe. Vieles, was These ist, wird schnell zur unumstößlichen Wahrheit. Manches, was die wissenschaftlichen Forschung entdeckt, wird vermarktet, obwohl der Nutzen fraglich ist. Eine amüsante und interessante Lektüre, die so manchen Denkanstoß liefert.

Reinhard Kreissl: Wo lassen Sie denken?
Diederichs, 176 Seiten, 16,99 €.



 Rezensionen von Frank R. Bulla 


„Artgerechte Haltung eines Männchens“
von Emma P.

Erwerb, Erziehung, Entsorgung

Resümmierend war zu Emma P.'s Machwerk kürzlich mal irgendwo zu lesen: „Lesen Sie das Buch, es ist eine Frechheit!“ Das trifft den Kern, und man könnte es fast dabei bewenden lassen – fast!

Betrachten wir zunächst mal den Klappentext:

„Emma P. setzt sich auf ihre ganz spezielle Weise mit den Problemen zwischen Mann und Frau auseinander: Weder die Schwächen der Frauen noch die der Männer werden verschont. Nach Emma P. passen Mann und Frau hervorragend zusammen, allerdings nur, wenn die Frau die Fäden zieht. Auch unglückliche Partnerschaften gäbe es nicht, wenn die von ihr auf einzigartige Weise beschriebene Rollenverteilung strikt eingehalten würde. Der Mann wird zum Männchen, wie ein Haustier – und die Frau zum Frauchen, wie die Halterin. ‚Artgerechte Haltung eines Männchens‘ ist ein Ratgeber, der mit einem Augenzwinkern geschrieben wurde, aber gerade deshalb viele Wahrheiten enthält: eine bissige Satire rund um das Thema Mann und Frau.“

OK, das mit dem Augenzwinkern stimmt schon. Manchmal muss man gar beide Augen zudrücken. Zuweilen reißt man auch ungläubig beide Augen auf, weil man nicht glaubt, was man da zu lesen bekommt. Und wenn im Klappentext die Rede ist vom Haustier, dem Männchen, und der Halterin, dem Frauchen, ist das noch sehr gelinde ausgedrückt! Das Verhältnis der im Buch dargestellten beiden Geschlechter erinnert streckenweise gar an den Primatenbereich eines Zoos – wobei sich zwangsläufig die Frage stellt: Wer beobachtet hier eigentlich wen beim Blick durch Panzerglas oder Gitterstäbe und macht sich darüber lustig?

Auf den ersten Blick (und das deckt sich wohl mit der Intention der Verfasserin) ist Emma P.'s Buch ein Leitfaden für Frauen, die vor allem an das beste Teil des Mannes gelangen wollen: an sein Bankkonto. Bei näherer Betrachtung entpuppt es sich jedoch als genialer Ratgeber für emanzipierte Männer (zumal wenn sie betucht sind), denen völlig unabsichtlich gezeigt wird, wie man dem Damoklesschwert und der Büchse der Pandora gleichermaßen entgeht: dem Unglück, vom Prototypen einer solchen Frau nachhaltig heimgesucht zu werden. Und sei es nur für die Dauer von zwei Jahren – der von Emma P. empfohlenen Dauer einer Ehe. Zwei Jahre schwerer Kerker verspricht allein Emma P.'s Lieblings-Tipp an ihre Geschlechtsgenossinnen: „Sie sollten für Ihr Ehemännchen immer so kostspielig sein, dass es sich eine Geliebte gar nicht leisten kann!“

Was den Terminus „artgerechte Haltung“ angeht, ist der Autorin insofern Recht zu geben, als die Spezies Mann grundsätzlich haltbar ist – im Gegensatz zu dem von Emma P. beschriebenen Weibchen, das man eigentlich gar nicht halten kann, denn man bräuchte dafür kein gemütliches Heim, sondern eine Lagerhalle. Ein Käfig normaler Größe zur Unterbringung von allem, was die Schönheit der Frau so fordert, würde viel zu schnell an seine Grenzen stoßen:

Die riesigen Schuh- und Klamottenberge: High-Heels, Push-up-BHs, Miederhöschen, Strapse, Nylon- und Seidenstrümpfe, sexy Söckchen, kurze und enge Röckchen, dekolletierte Kleider und Blusen, knallenge Jeans. Dazu Schmuck, Sonnenbrillen, Handtaschen und tausend andere Accessoires. Ferner: Augenbrauen-Pinzette, Wimpernzange, Wimperntusche, Mascara, Scheren, Nagelfeilen, Hornhautraspel, Nagellack, Nagellackentferner, Haarspray, Puder und Cremes, um auch die kleinsten Fältchen, Pickelchen und Haut-Irritationen verschwinden zu lassen, Mittelchen und Gerätschaften zur Haarentfernung, Zahnseide, literweise „Chanel No. 5“, Lockenwickler, Fön, Ondulierstab, Schmuckschatullen, Pillendöschen und und und ... Dann noch ein prall gefüllter Terminkalender für die Botox-Auffrischungs-Dates, die Silikonkissen-Checks, die Massagen, die Wellness-Wochenenden, die Catwalk-Trainings-Einheiten, die Fitness-Stunden mit dem Personal Trainer, die Solarienbesuche. Und last not least: alles, was der Diät und der körperlichen Fitness zuträglich ist.

Wie auch immer – unterm Strich ergibt das ein Weibchen, das über 40 ist, aussieht wie 30 und das jedem Teenie-Weibchen vor Neid die Kinnlade runterklappen lässt ... Ein Weibchen, das gut zum Repräsentieren, aber für nichts sonst mehr zu gebrauchen ist, weil es viel zu sehr mit sich selbst, mit der eigenen Präsentation beschäftigt ist sowie jedweden Methoden, dem Männchen das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Der auf dem Vormarsch befindliche emanzipierte Mann jedenfalls findet letztlich doch mehr Freude und Gefallen an Frauen mit Ecken und Kanten, an Frauen, die mit kleinen körperlichen Makeln behaftet sind und manche Kleinigkeit zu wünschen übriglassen. Ein Mann braucht schließlich einen Traum – denn eine Traumfrau, wie Emma P. sie zu zeichnen versucht, gibt es eh nicht (genauso wenig wie einen Traummann).

Am Ende käme es das Männchen auch erheblich billiger, wenn es sich aus der Spielwaren-Abteilung eine Barbie-Puppe zulegen würde – mit dem kompletten Zubehör-Programm. Aber so emanzipiert ist das männliche Geschlecht nun doch noch nicht – und spielt wohl lieber mit Autos als mit Puppen. Netter Versuch, Emma P.! ;o)

Emma P.: Artgerechte Haltung eines Männchens.
Marlon, 124 Seiten, 9,95 €.

Weitere Verwendungsmöglichkeiten für das Buch:



(Foto / Grafik: © Frank R. Bulla)


„Bookanizer – Jedes Date ein Bestseller!“
von Susanne Bohne

Aufgrund einer unfreiwilligen Namensgleichheit mit einer Romanfigur wurde die ehemalige Germanistik- und Anglistik-Studentin Susanne Bohne geradezu zur Zielscheibe von Romanlesern, die sie mit E-Mails zutexteten. Aus dieser kuriosen Begegebenheit heraus schuf die Autorin, die bislang lediglich durch Beiträge in Anthologien auffällig geworden ist, ihren ersten Roman: „Bookanizer – Jedes Date ein Bestseller!“. So wurde aus Realität Fiktion.

Der Klappentext fasst die Story folgendermaßen zusammen: „Da sind sie: Sofia Linsgrün's fünf Minuten Ruhm! Eben noch gelangweilte Visitenkartengestalterin, im nächsten Moment göttliche Diva und feuchter Traum aller Halbwüchsigen. Auf dem Papier und völlig unverhofft. Schuld daran ist der bekannte Autor Gregor Steckel, der zufälligerweise der freizügigen Protagonistin seines neuesten Bestsellers Sofia's kompletten Namen gegeben hat. Sehr zum Leidwesen der echten Sofia, denn Fiktion und Zufall hin oder her, sie muss nicht lange auf anzügliche Fan-Post warten.“

Den Leser erwartet hier nicht wirklich eine Lovestory, auch ist es kein Frauenroman im herkömmlichen Sinne – vielmehr wird hier das Bild einer Frau gezeichnet, die auf dem Wege der Selbstfindung ist. Susanne Bohne's Zeichenstil ist lebhaft, präzise, von Metaphern ebenso geprägt wie von Humor. Während man das Buch locker im Stück herunterlesen kann, erfährt der Leser nicht nur eine Menge über die Psyche der Protagonistin Sofia Linsgrün, sondern vermutlich auch eine Menge darüber, wie eine Frau tickt: eine Frau, die nicht nur auf der Suche nach sich selbst ist, sondern auch auf der Suche nach dem Mann an ihrer Seite. Insofern ist das Buch nicht nur für Frauen geeignet, sondern auch für Männer, die wirklich daran interessiert sind, die Denke des weiblichen Geschlechts besser nachvollziehen zu können und besser zu begreifen.

Ergänzend kann sich der Leser noch auf weiteres Material freuen: Zwischen den einzelnen Kapiteln des Romans werden jene ‚Fan‘-E-Mails angeführt, die Susanne Bohne seinerzeit als vermeintliche personifizierte Romanheldin bekam. Hier kommt das ganze Spektrum dessen zum Tragen, was in den Köpfen der Menschen so vor sich geht – von einfühlsam bis absolut widerlich. Und es macht nur zu deutlich, wie sehr man als Leser zuweilen in der Atmosphäre eines Buches aufgeht. So wird aus Fiktion schnell Realität.

Susanne Bohne: Bookanizer – Jedes Date ein Bestseller!
Michason & May, 221 Seiten, 17,90 €.

Geändert:  08 / 2020