„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2013



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„Abgeschnitten“
von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos

Rechtsmediziner Paul Herzfeld untersucht in Berlin die Leiche einer ermordeten Frau und findet in deren Mundhöhle eine Kapsel, die ein Stück Papier mit einer Telefonnummer enthält. Als er diese Nummer wählt, muss er erfahren, dass seine Tochter Hannah entführt wurde und sich in großer Gefahr befindet. Zur gleichen Zeit stößt auch die Comiczeichnerin Linda am Strand von Helgoland auf eine Leiche. Linda hat sich auf die Insel zurückgezogen, um ihrem ehemaligen Freund zu entkommen, einem Psychopathen, der sie seit langem belästigt und ihr ständig folgt. Neben dem Toten liegt eine Handtasche, die nichts außer einem Handy enthält. Linda wählt die einzige gespeicherte Nummer, und am anderen Ende nimmt Herzfeld ab. Dem ist sofort klar, dass der Mörder eine Art Schnitzeljagd mit ihm spielt, und dass die zweite Leiche ebenfalls Hinweise auf den Verbleib seiner Tochter bei sich tragen muss. Da vor Helgoland ein schwerer Orkan aufzieht, gibt es für ihn allerdings keine Möglichkeit, auf die Insel zu gelangen. Es sieht dennoch eine Chance, an die Informationen zu kommen: Linda, eine der wenigen Personen, die auf der Insel geblieben sind, muss die Leiche sezieren. Die Anweisungen will Herzfeld ihr per Telefon durchgeben. Für beide ist dies erst der Beginn eines Horror-Trips ...

Sebastian Fitzek / Michael Tsokos: Abgeschnitten.
Droemer, 400 Seiten, 19,99 €.


„Abrechnung“
von Petros Markaris

Ein Fall für Kostas Charitos

Petros Markaris gehört zu den bekanntesten Schriftstellern Griechenlands. Seine Romane um Kommissar Kostas Charitos wurden vielfach ausgezeichnet. Der nun achte Fall des Athener Ermittlers spielt in der nahen Zukunft und beginnt in der Neujahrsnacht 2014. In Griechenland, Spanien und Italien feiert man den Austritt aus dem Euro; die Drachme ist wieder Währungseinheit in Griechenland. Doch für die notleidende Bevölkerung gibt es wenig Grund zur Freude. In den ersten drei Monaten des Jahres werden weder Löhne noch Renten ausgezahlt, und niemand weiß, ob diese Frist dann wirklich endet. Auch Charitos Familie leidet unter der Gehaltssperre, und während der Kommissar in einer Reihe ungeklärter Morde ermittelt, kümmert sich seine Frau Adriani um die Familie, indem sie mit dem, was ihnen zur Verfügung steht, für alle zusammen kocht. In Athen kommt es weiterhin zu Massendemonstrationen und Verbrechen aus Not, aber auch zu vielfältigen Formen von Nachbarschaftshilfe und spontanen sozialen Aktivitäten. Charitos ist unterdessen einem Mörder auf der Spur, der seine Taten mit „Brot, Bildung, Freiheit“ unterzeichnet, einer der Parolen der Studentenbewegung in der Zeit der Militärdiktatur. Zunächst geht man von einem rechtsextremen Hintergrund aus – ein Verdacht, der sich schon bald als unhaltbar erweist ...

Petros Markaris: Abrechnung.
Diogenes, 311 Seiten, 22,90 €.


„Alle Wege führen nach Morden“
von Christiane Güth

Trixi Gellert arbeitet als Aushilfe in einem Verlag, der Reiseführer herausgibt. Gern würde sie eine feste Anstellung erhalten, doch dem Verlag geht es wirtschaftlich nicht so gut. Um ihr Engagement zu beweisen, trägt sie das Konzept eines neuen Reiseführers für Norderney vor. Dass die Idee begeistert aufgenommen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Nun soll sie vor Ort Recherchen anstellen, doch was sich zunächst nach bezahltem Urlaub anhört, entpuppt sich schnell als nerviger Auftrag mit allerlei Hürden. Als erstes wird ihr der schlechtgelaunte Kollege Robert von Gendt an die Seite gestellt, dessen Gesellschaft sie bisher gern gemieden hat. Dann ist ihr Programm so vollgepackt, dass an sonnenbaden am Strand gar nicht zu denken ist. Kaum auf Norderney angekommen stößt sie auf Leiche einer Ökoaktivistin, und schon bald gibt es einen weiteren Mord in ihrem Umfeld. Die Arbeiten an ihrem Projekt verzögern sich zusehends, und dann gibt es noch ein weiteres kleines Problem: die Idee für den Reiseführer stammt gar nicht von ihr, sondern von ihrer pubertierenden Nichte Rachel, die sich damit in dem Verlag für ein Praktikum bewerben wollte.

Christiane Güth: Alle Wege führen nach Morden.
Ullstein, 320 Seiten, 8,99 €.


„Am Freitag schwarz“
von Michael Sears

Der ehemalige Börsenmakler Jason Stafford saß zwei Jahre wegen unlauterer Finanztransaktionen im Gefängnis. Durch Buchungstricks hatte er die Gewinne seiner Abteilung maximiert und flog damit auf. Nach seiner Entlassung reist er, obwohl er damit gegen die Bewährungsauflagen verstößt, zu seiner Schwiegermutter in den Süden, die sich während seiner Haft um seinen Sohn Kid gekümmert hat. Jason hatte nichts davon gewusst, dass Kid Autist ist – er nimmt ihn mit nach New York und besorgt ihm dort einen Platz an einer Spezialschule. Vor seiner Reise hatte er von einem Finanz-Investor einen ungewöhnlichen Auftrag angeboten bekommen, der ganz auf seine Fähigkeiten zugeschnitten scheint: Ein junger Trader, der angeblich bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen ist, hat im großen Maßstab betrügerische Geschäfte betrieben. Jason soll mit seinem Spezialwissen Licht in die Sache bringen. Da er dringend Geld benötigt, um seinen Sohn zu fördern, nimmt er den Auftrag an. Dass er Kid damit in größte Gefahr bringt, kann er nicht ahnen, auch nicht, warum sich das „FBI“ plötzlich so sehr für ihn interessiert.

Michael Sears: Am Freitag schwarz.
DTV, 432 Seiten, 9,95 €.


„Antoine de Saint-Exupéry“
von Alain Vircondelet

Sein Leben in Bildern und Dokumenten

Er wurde berühmt als Flieger und als Schriftsteller, war Journalist und Werbebeauftragter, hielt 1935 per Flugzeug eine Vortragsreise rund ums Mittelmeer und bekam für die Rettung von insgesamt 14 verunglückten Piloten den höchsten Orden Frankreichs verliehen, der an Zivilisten vergeben wird. Seine Werke wurden welbekannt, „Der Kleine Prinz“ gehört mit über 80 Millionen Exemplaren zu den meistverkauften Büchern aller Zeiten. Antoine de Saint-Exupérys Leben verlief so ungewöhnlich, wie viele seiner Erzählungen. Nach eigenen Aussagen sah sich der erfolgreiche Autor als einen nebenbei schriftstellernden Berufspiloten, der davon träumte, ein einfacher Gärtner zu sein. Antoine de Saint-Exupéry schien vielen Bestimmungen zu folgen. Dieser reich illustrierte Band versucht, sein abwechslungsreiches Leben nachzuzeichnen. Der erfolgreiche Biograph Alain Vircondelet lädt uns ein auf eine Entdeckungsreise durch das Leben Saint-Exupérys. Er nähert sich dem literarischen Genie auf vielen Wegen; mit Fotos, Manuskriptseiten und anderen einzigartigen Zeitdokumenten, die überwiegend aus dem Archiv von Consuelo de Saint-Exupéry stammen, der Frau des Schriftstellers. Im Stil eines privaten Photo-Albums mit begleitenden Texten widmen sich sieben Kapitel den verschiedenen Abschnitten des Lebens Saint-Exupérys – von seiner Kindheit bis zu seinem immer noch rätselhaften Tod. Vircondelet ist es gelungen, den Mythos Saint-Exupéry zu lüften, ohne ihm seine Magie zu nehmen.

Alain Vircondelet: Antoine de Saint-Exupéry.
Edition Olms, 192 Seiten, 39,95 €.


„Balthasar's Vermächtnis“
von Charlotte Otter

Magdalena Cloete, genannt Maggie, ist Kriminalreporterin in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal und arbeitet dort für die lokale Tageszeitung der Hauptstadt Pietermaritzburg. Eines Tages erhält sie einen Anruf von Balthasar Meiring, der sie dazu bewegen möchte, sich mit einem laufenden Gerichtsverfahren zu befassen, in dem es seiner Meinung nach einige Ungereimtheiten gibt. Maggie wimmelt Meiring ab, da die Angelegenheit nicht in ihr Ressort passt. Das allerdings ändert sich schnell, als Balthasar Meiring wenige Tage später auf der Schwelle des AIDS-Hilfe-Zentrums erschossen wird. Die Tat wird als unbedeutender Raubmord eingeschätzt, doch Maggie entschließt sich, eigene Recherchen anzustellen. Sie befasst sich nun doch mit dem betreffenden Prozess, in dem ein Arzt angeklagt ist, einfache Vitaminpillen als Heilmittel gegen Aids verkauft zu haben. Derartige Fälle sind nicht selten in ihrem Land, doch dieser scheint einige besondere Verwicklungen mit sich zu bringen. Maggie stößt auf Spuren, die in politische Kreise führen, und bringt sich selbst damit in höchste Gefahr. Der in Deutschland lebenden südafrikanischen Autorin ist ein temporeicher Polit-Thriller gelungen, der die Gewalt, den Machtmissbrauch und den Umgang mit AIDS-Opfern in ihrer Heimat thematisiert.

Charlotte Otter: Balthasar's Vermächtnis.
Argument Verlag, 256 Seiten, 13,00 €.


„Bis es dunkel wird“
von Kevin Brooks

Nach „Schlafende Geister“ nun der zweite Roman um den Privatdetektiv John Craine. Der Ermittler ist durch die zurückliegenden Ereignisse ausgebrannt und beschließt, für eine Weile nach Hale Island zu gehen, wo er als Kind oft mit seinen Eltern die Wochenenden verbracht hat. Das alte Hotel, das er von früher kennt, ist schon halb verfallen, doch John hatte ohnehin nicht vor, hier nur Urlaub zu machen. Als sein Vater sich vor 19 Jahren umbrachte, hatte der ein Verhältnis mit einer jungen Frau, Serina Mayo, die jetzt mit ihrer 19-jährigen Tochter Robyn in der Nähe von Hale Island lebt. Jetzt möchte John herausfinden, ob sie seine Halbschwester ist. Als erstes muss er feststellen, dass Robyn ein Junkie ist – er kennt die Symptome nur zu gut, da er seit dem Tod seiner Frau selbst gelegentlich Drogen nimmt. Auf einem seiner Strandspaziergänge entdeckt John in einem alten Bunker die Leiche einer jungen Frau. Er alarmiert die Polizei, doch als die eintrifft, ist die Tote verschwunden. Der Fall ist nicht nur mysteriös, sondern wird nach kurzer Zeit auch immer gefährlicher.

Kevin Brooks: Bis es dunkel wird.
DTV, 400 Seiten, 9,95 €.


„Bruder Kemal“
von Jakob Arjouni

Der Frankfurter Privatdetektiv Kayankaya ist zurück und übernimmt gleich zwei Fälle, die er für so unbedeutend hält, dass er meint, sie nebenbei erledigen zu können. Doch die Dinge entwickeln sich in beiden Angelegenheiten völlig anders als erwartet. Den ersten Auftrag erhält er von einer reichen Bankierstochter, die sein kleines Büro in einer heruntergekommen Gegend in der Nähe des Hauptbahnhofs aufsucht. Marieke, die sechzehnjährige Tochter der Dame, ist verschwunden, vermutlich ist sie bei einem älteren Mann untergetaucht, um sich an ihren Eltern zu rächen. Kemal sieht kein besonderes Problem in dem Fall und sagt zu, das Mädchen ausfindig zu machen. Zur gleichen Zeit bittet man ihn, auf der Frankfurter Buchmesse den Personenschutz für einen marokkanischen Schriftsteller zu übernehmen, der ein Buch veröffentlicht hat, das religiöse Fanatiker verärgern könnte. Beide Fälle entpuppen sich schon bald darauf als reichlich riskant, Kemal bekommt es mit Islamisten zu tun, mit Mord, Vergewaltigung und Entführung, und er gerät sogar selbst in den Verdacht, ein Auftragskiller zu sein.

Jakob Arjouni: Bruder Kemal.
Diogenes, 225 Seiten, 19,90 €.


„Chef Ramzi's Arabisches Kochbuch“
von Ramzi Coueiry

Ramzi Coueiry, auch ‚Chef Ramzi‘ genannt, ist in Deutschland nur wenigen bekannt. Und das, obwohl ‚Chef Ramzi‘ als berühmtester Koch Arabiens gilt. Seine Koch-Show beim libanesischen Sender „Mustaqbal TV“ wird über Satellit in die ganze Welt übertragen und von zehn Millionen Menschen weltweit gesehen. Täglich. Dieses Kochbuch, das nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt, erhielt in der französischen Ausgabe den Preis „Bestes arabisches Kochbuch der Welt“. Coueiry absolvierte seine Ausbildung im berühmten Restaurant „La Minaudière“ in Lyon und ging anschließend in die Lehre des renommierten Konditors Bernard Moine. Nach den Wirren des Bürgerkrieges kehrte er in den Libanon zurück und übernahm die Leitung einer Gastronomie-Fachschule, in der mehrere hundert Jugendliche aus armen libanesischen Familien zu Köchen, Kellnern und Konditoren ausgebildet werden. Chef Ramzis Buch umfasst nicht nur traditionelle Rezepte aus allen Regionen Libanons, sondern auch aus den Nachbarstaaten. Es ist gegliedert in Vorspeisen (Mezzeh), Hackfleischgerichte (Kibbeh), Hauptspeisen und Süßspeisen und Gebäck. Auch wenn Fleischgerichte hier eine deutliche Rolle spielen, kommen Vegetarier nicht zu kurz. Alle Rezepte in diesem ästhetisch gestalteten Werk sind zweisprachig aufgeführt, auf Deutsch und auf Arabisch. Nebenbei erfährt der Leser Wissenswertes über den Libanon, seine Menschen und seine Geschichte.

Ramzi Coueiry: Chef Ramzi's Arabisches Kochbuch.
Verlag Olms, 165 Seiten, 29,80 €.


„Das dritte Licht“
von Claire Keegan

An einem heißen Sommertag, gleich nach der Frühmesse, liefert ein Vater seine kleine Tochter bei entfernten Verwandten auf einer Farm im tiefsten Wexford ab. Seine Frau ist schon wieder schwanger, das Leben auf dem Land hart, das Geld wie immer knapp. Der Vater hat keine glückliche Hand für die Landwirtschaft und nimmt es auch mit der Wahrheit nicht zu genau. Sollen die kinderlosen Kinsellas die Kleine ruhig so lange dabehalten, wie sie wollen. So findet sich das Mädchen an einem seltsam fremden Ort wieder: Hier gibt es Milch und Rhabarber und Zuwendung im Überfluss. Sie ist überrascht, dass sie nicht auf dem Feld arbeiten muss, darüber, wie freundlich man mir ihr umgeht und dass es neue Kleider gibt. Zum ersten Mal wird ihr bewusst, wie liebevoll es in anderen Familien aussehen kann. Doch etwas scheint die Stimmung in ihrer Pflegefamilie zu überschatten, ein Geheimnis, das lange zurück liegen muss. Aus Gesprächen mit den Nachbarn erfährt das Mädchen, dass das Ehepaar einen Sohn hatte, der im Brunnen ertrunken ist. Das dritte Licht ist eine außerordentlich bewegende Geschichte darüber, was ein Kind zum Leben braucht.

Claire Keegan: Das dritte Licht.
Steidl, 96 Seiten, 16,00 €.


„Das Ende der Sterne, wie Big Hig sie kannte“
von Peter Heller

Ein Supervirus hat einen Großteil der Menschheit vernichtet, eine darauf folgende Blutkrankheit sorgt für die weitere Dezimierung des Lebens auf der Erde. Auch viele Tierarten sind bedroht oder längst verschwunden. Zu den wenigen Überlebenden gehört Big Hig, der auf dem Hangar eines verwilderten Flughafens lebt und mit einer uralten Cessna täglich einige Kontrollrunden fliegt, seinen Hund Jaspar als treuen Begleiter immer dabei. Big Hig's einziger Nachbar ist Bangley, ein alter Waffennarr, der diejenigen Plünderer verjagt, die Big Hig aus der Luft ausmacht. Meist ist keine Gefahr in Sicht und Big Hig angelt und jagt in den nahen Wäldern. Und er träumt von der Vergangenheit, von der Zeit mit seiner Frau und seiner Familie. Doch es gibt noch etwas anderes, dass ihn seit Langem beschäftigt: Vor Jahren fing er ein Funksignal von einem weit entfernt gelegenen Flughafen auf, und ihn lässt der Gedanke nicht los, dass sich außerhalb seiner kleinen Welt noch zivilisiertes Leben befinden könnte. Schließlich macht er sich auf die Reise ohne Rückkehrgarantie – sein Treibstoff reicht nur für den Hinweg zu dem anderen Flughafen. Doch bereits auf halber Strecke macht er eine Entdeckung, mit der er nie hätte rechnen können ...

Peter Heller: Das Ende der Sterne, wie Big Hig sie kannte.
Eichborn, 320 Seiten, 19,99 €.


„Das Ende der Welt“
von Sara Gran

Im zweiten Roman um die unkonventionelle Claire DeWitt muss sich die koksende und kiffende Detektivin mit einem Fall befassen, der ihr persönlich sehr nahe geht. Ihr Ex-Freund Paul wurde in seiner Wohnung erschossen aufgefunden, und alles sieht nach einem Raubmord aus. Erstaunlicherweise scheint Paul's Ehefrau Lydia der Tod ihres Mannes weit weniger mitzunehmen. Claire durchsucht Paul's Haus, es macht sie stutzig, dass die fünf Gitarren des Musikers verschwunden sind. Sie setzt alles daran, Licht in die Angelegenheit zu bringen und macht auch vor Traumdeutungen nicht halt. Vor allem aber muss Claire feststellen, dass sie weit mehr an Paul gehangen hat, als sie sich bisher eingestehen mochte, und das trägt nicht gerade dazu bei, ihren Drogenkonsum zu drosseln. Dass sie sich längst in ganz anderen Schwierigkeiten befindet, ahnt sie noch nicht ...

Sara Gran: Das Ende der Welt.
Droemer, 368 Seiten, 14,99 Euro. €.


„Das Rad der Ewigkeit“
von Tibor Rode

Patentanwalt Robert Weber erhält von einem Unbekannten Druckplatten aus dem 18. Jahrhundert zugespielt. Der Text auf diesen Platten handelt von der Möglichkeit, unbegrenzt Energie zu erzeugen, doch sind wesentliche Teile der Botschaft verschlüsselt. Zusammen mit der Buchrestauratorin Julia Wall macht sich Weber daran, die geheimnisvollen Symbole zu deuten und muss schon bald feststellen, dass jemand dies mit allen Mitteln zu verhindern versucht. Ein zweiter Handlungsstrang spielt dreihundert Jahre zuvor: Der Mühlenbauer Johann Bessler, auch bekannt als Orffyreus, glaubt, eine Maschine erfunden zu haben, die unendliche Energie liefert. Mit seiner Behauptung bringt er die Wissenschaftler der Royal Society gegen sich auf, die unter dem Vorsitz von Isaac Newton gegen Orffyreus Stellung bezieht und seine Erfindung verunglimpft. Schließlich war es Newton, der Jahre zuvor behauptet hatte, eine derartige Apparatur sei unmöglich. Orffyreus fürchtet um sein Leben und verschlüsselt die Technik seines „Bessler-Rades“ auf den erwähnten Druckplatten. Auch Robert Weber und Julia Wall müssen feststellen, dass ihre Gegenspieler vor keinen Mitteln zurückschrecken. Beide Handlungsstränge besitzen bereits ihre eigene große Spannung, durch das Wechseln der zeitlichen Perspektive wird die Gesamtspannung des Romans sogar noch gesteigert.

Tibor Rode: Das Rad der Ewigkeit.
Bastei-Lübbe, 592 Seiten, 19,99 Euro. €.


„Das Washington-Dekret“
von Jussi Adler-Olsen

Bruce Jansen, der neugewählte amerikanische Präsident, ist noch nicht vereidigt worden, da wird seine schwangere Frau Opfer eines Attentats. Auch das ungeborene Kind kann nicht gerettet werden. Ein angeblich geistig Verwirrter gab die Schüsse auf die Frau des demokratischen Senators ab, der Mann selbst stirbt dabei unter ungeklärten Umständen. Jansen gerät in eine tiefe Krise – 16 Jahre zuvor hatte er bereits seine erste Frau bei einem Attentat verloren. Unter dem Schock der Ereignisse trifft er schwerwiegende Entscheidungen: Das von ihm erlassene „Washington-Dekret“ versetzt das Land in den Ausnahmezustand. Die Pressefreiheit wird aufgehoben, die Todesstrafe immer häufiger durchgesetzt, Waffenverkäufe sind verboten. Die USA sind zu einem totalitären Staat geworden, es herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Währenddessen sitzt der vermutete Auftraggeber des Attentats, ein schwerreicher Hotelier, im Gefängnis und wartet auf die Vollstreckung der Todesstrafe. Seine Tochter, Doggi Rogers, arbeitet für den Präsidenten und ist von der Unschuld ihres Vaters überzeugt. Um seine Hinrichtung zu verhindern, setzt sie alles in Bewegung, um den Hintergründen des Attentates auf die Spur zu kommen. Dabei stößt sie auf Verbindungen, die auf eine unvorstellbare Verschwörung deuten. Obwohl ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht, lässt sie sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Jussi Adler-Olsen: Das Washington-Dekret.
DTV, 656 Seiten, 19,90 Euro. €.


„Der fünfte Zeuge“
von Michael Connelly

Aufgrund seiner schwierigen wirtschaftlichen Lage arbeitet Mickey Haller wieder als Strafverteidiger und vertritt vor Gericht insolvente Hausbesitzer. Da sich dort alle Fälle recht ähnlich gestalten, gibt es keine große Herausforderung für ihn. Das ändert sich mit seiner neuen Klientin Lisa Trammel – der droht nicht nur der Verlust ihres Hauses, sondern auch eine Verurteilung wegen Mordes. Lisa hat so ziemlich alles unternommen, um eine Zwangsräumung zu verhindern. Inzwischen wurde ihr gerichtlich untersagt, sich der Bank zu nähern. Als der Chef der Bank ermordet aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf sie, und sie bittet Haller, sie vor Gericht zu vertreten. Haller sieht zwar Möglichkeiten, einen Freispruch zu erwirken, sein größtes Problem ist allerdings die Beschuldigte selbst. Lisa ist ihm nicht gerade sympathisch und sie kooperiert so gut wie gar nicht. Fast scheint es, als ob sie seine Ermittlungen gezielt behindert. Und auch von anderer Seite werden ihm plötzlich Steine in den Wege gelegt. Mickey Haller ahnt, dass der Fall sich komplizierter entwickeln wird als erwartet ...

Michael Connelly: Der fünfte Zeuge.
Knaur, 640 Seiten, 9,99 €.


„Der Mann, der niemals schlief“
von Simon X. Rost

Jahre ist es her, dass Tom zusammen mit seinem Freund Huck St. Petersburg unsicher machte. Als er vor langer Zeit die Stadt verließ, fand er zunächst eine Anstellung in der Detektei Pinkerton, später wurde er sogar beauftragt, für die Sicherheit von Abraham Lincoln zu sorgen. Doch das Attentat auf den Präsidenten konnte er nicht verhindern, und nun kann er seit Wochen nicht mehr einschlafen. Für kurze Zeit kommt Tom in seine Heimatstadt zurück, um an der Hochzeitsfeier seines Halbbruders Sidney teilzunehmen. Hätte er geahnt, dass Sid ausgerechnet seine Jugendliebe Becky Thatcher heiraten wird, wäre er ganz sicher nicht erschienen. Doch das ist nicht die einzige Überraschung, die ihn erwartet. Kaum angekommen, muss er auch erfahren, dass Tante Polly ermordet wurde. Und ausgerechnet sein alter Freund Huckleberry Finn steht unter Mordverdacht. Doch Tom glaubt nicht an die Schuld von Huck und beginnt, selbst Nachforschungen anzustellen. In einer alten Dose in Tante Polly's Küche stößt er auf eine erste Spur. Eine gelungene und spannende Story, selbst für die, die Tom und Huck nicht kennen sollten.

Simon X. Rost: Der Mann, der niemals schlief.
Lübbe, 480 Seiten, 14,99 €.


„Der Schock“
von Marc Raabe

Der Psychologe Jan Floss hat einen Kurzurlaub an die Côte d'Azur organisiert. Er, seine Schwester Katy und ihre gemeinsamen Freunde Greg und Laura wollen ein paar Tage im Ferienhaus seines Vaters verbringen. Doch was als erholsame Abwechslung vom Arbeitsalltag geplant war, stellt sich zunächst als Reinfall, dann als Katastrophe heraus. Der Süden Frankreichs ist völlig verregnet und die Spannungen in der Gruppe nehmen zu. Jan, der seit langem in Laura verliebt ist, kommt ihr zwar endlich näher, doch auf einer Autofahrt gibt es einen heftigen Streit zwischen Laura und den anderen. Laura wird aus dem Auto geworfen und taucht danach nicht mehr wieder auf. Die Gruppe kann nicht ahnen, dass sie entführt wurde. Als Jan auf ihrem Handy eine kurze Sequenz entdeckt, die sie aus dem Auto heraus gefilmt hatte, ist er sich sicher, dass etwas passiert sein muss. Das Filmchen zeigt einen fremden Wagen, der dem der Gruppe folgt. Jan beginnt, nach Laura zu suchen und gerät schon schnell in eine vollkommen undurchschaubare Lage. Als er zurück in Berlin seine Nachbarin brutal ermordet auffindet, wird ihm klar, dass ihn jemand in eine Falle locken will. Wie Jan, wird auch der Leser immer wieder auf falsche Fährten gelockt, wodurch sich die Spannung bis zum Ende ständig weiter steigert.

Marc Raabe: Der Schock.
Ullstein, 400 Seiten, 9,99 €.


„Der stille Sammler“
von Becky Masterman

Die 59-jährige Brigid Quinn hat jahrelang als „FBI“-Agentin gearbeitet. Seit ihrem schweren Unfall ist sie im Ruhestand und inzwischen verheiratet. Ihrem Mann Carlo hat sie nie viel über ihre Tätigkeit bei der Polizei erzählt, weil sie ihn nicht beunruhigen wollte. Schließlich war sie an der Fahndung nach Serienkillern beteiligt, insbesondere an der nach dem berüchtigten Route-66-Mörder. Während ihrer Zeit beim „FBI“ konnte der Täter nicht ermittelt werden, weshalb sie sich noch immer für den Fall interessiert. Zudem verlor eine junge Kollegin damals bei einem der Einsätze ihr Leben und Brigid plagen seitdem Schuldgefühle. Als sie erfährt, dass der Täter gefasst wurde und die Morde gestanden hat, ist sie zunächst erleichtert. Doch die „FBI“-Agentin Laura Coleman entdeckt Ungereimtheiten und ermittelt weiter. Da deren Vorgesetzten ihr nicht glauben, nimmt sie Kontakt mit Brigid auf. Als Brigit Laura innoffiziell bei der Suche nach dem wahren Täter unterstützt, riskieren beide Frauen ihr Leben. Ein spannender Thriller mit ständig überraschenden Wendungen.

Becky Masterman: Der stille Sammler.
Bastei-Lübbe, 400 Seiten, 18,00 €.


„Der Weg – Wenn Gott dir eine zweite Chance gibt“
von William Paul Young

Nach einem Unfall fällt der skrupellose Multimillionär Tony Spencer ins Koma und ‚erwacht‘ in einer surrealen Zwischenwelt, die er weder als Himmel noch als Hölle identifizieren kann. Seine Seele scheint durch den Geist anderer Menschen zu wandern und Tony lernt, die Welt aus völlig anderen Perspektiven zu betrachten. Vor allem lernt er das Schicksal von Menschen kennen, denen es wesentlich schlechter geht als er es sich je hätte vorstellen können. Tony begreift, dass in seinem Leben vieles falsch gelaufen ist und sehnt sich danach, noch einmal von Vorn beginnen zu können. Schon bald trifft er auf einen Fremden, der sich als Jesus zu erkennen gibt und auf eine alte Dame, die sich als der Heilige Geist entpuppt. Die beiden sind bereit, Tony eine zweite Chance zu geben, doch bevor er zur Erde zurückkehren kann, muss er eine Prüfung bestehen. Er soll sich einen Menschen aussuchen und diesen heilen. Doch damit sind Herausforderungen verbunden, von denen Tony nichts ahnen kann.

William Paul Young: Der Weg – Wenn Gott dir eine zweite Chance gibt.
Allegra, 304 Seiten, 16,99 €.


„Der Wissenschaftswahn“
von Rupert Sheldrake

Warum der Materialismus ausgedient hat

Der Biologe und Bestseller-Autor Rupert Sheldrake gehört zu den Vorreitern eines neuen ganzheitlichen Weltbildes, das Naturwissenschaft und Spiritualität miteinander verbindet. Seine Theorie der morphogenetischen Felder entwirft die Vision eines lebenden, sich entwickelnden Universums, das über eine eigene Form von Gedächtnis verfügt. Sheldrake ist Autor internationaler Bestseller, wie „Das Gedächtnis der Natur“ und „Der siebte Sinn der Tiere“. In seinem neuen Werk tritt er die Beweisführung dafür an, dass das etablierte materialistische Weltbild nicht mehr haltbar ist. Er führt zehn wissenschaftliche Dogmen auf, an denen die meisten Forscher festhalten, obwohl diese Dogmen längst widerlegt sind. Sheldrake fordert ein neues, grenzüberschreitendes Denken und plädiert für mehr Offenheit und Neugier in den Naturwissenschaften. Der in Harvard und Cambridge ausgebildete Wissenschaftler versteht es, verständlich und packend zu schreiben und präsentiert Forschungsergebnisse, die man anderswo nur schwer finden wird.

Rupert Sheldrake: Der Wissenschaftswahn.
O. W. Barth, 486 Seiten, 24,99 €.


„Die da kommen“
von Liz Jensen

Ein siebenjähriges Mädchen tötet seine Großmutter auf brutale Weise. Ein tragischer Einzelfall, sagen die Experten, doch sie täuschen sich. Es scheint sich zu einem weltweiten Phänomen zu entwickeln, dass immer mehr Kinder grausame Gewalttaten gegen ihre Familien verüben. Der Anthropologe Hesketh Lock hat zunächst ein ganz anderes Rätsel zu lösen. Hesketh wird von großen Unternehmen beauftragt, interne Skandale aufzuklären. Hesketh leidet am Asperger-Syndrom, das ihn zu seiner speziellen Tätigkeit außerordentlich befähigt. Da er kaum Emotionen kennt, ist er ein nüchterner Analytiker. Derzeit ist er für eine Firma in Taiwan tätig, als er feststellen muss, dass es zwischen den sich häufenden Fällen von schwerer Industriesabotage und der grassierenden Gewalt von Kindern gegen Erwachsene auffallende Parallelen gibt. Als auch in seinem Umfeld ein Sohn seine Mutter angreift, ist es mit seiner rein analytischen Haltung allerdings erst mal vorbei – die Sache nimmt ihn mehr mit als er erwartet hätte. Dabei eilt die Zeit: Hesketh ist sich sicher, dass die Menschheit kurz vor dem Kollaps steht.

Liz Jensen: Die da kommen.
DTV, 320 Seiten, 14,90 €.


„Die Maly-Meditation“
von Wolfgang Maly

Wie Zuwendung heilen kann

Wolfgang Maly erlitt 1989 eine schwere Rückenmarksschädigung. Da kein Arzt oder Therapeut seine erhebliche Gehbehinderung lindern, geschweige denn heilen konnte, begab er sich selbst auf die Suche nach einem Heilungsweg. Er absolvierte eine tiefenpsychologische und hypnotherapeutische Ausbildung und entwickelte eine Heilmeditation, die er erfolgreich an sich selbst anwandte und später auch mit anderen kranken Menschen praktizierte. Die Maly-Meditation besteht aus einer Kombination von – Gebetsmeditation, Lichtvisualisierung und Handauflegen. Vorrangiges Ziel ist es, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, um einen Heilprozess in Gang zu bringen. Maly betont, dass es keine Garantie dafür gebe, dass dies passiert – dennoch hat seine Methode zu zahlreichen verblüffenden Heilerfolgen geführt, die zum Teil hier dokumentiert sind. Maly ist in eigener Praxis in Augsburg tätig und inzwischen arbeiten auch einige Schulmediziner mit ihm zusammen. Die beiliegende CD ermöglicht einen schnellen Einstieg in die Techniken.

Wolfgang Maly: Die Maly-Meditation.
Knaur, 224 Seiten, 18,99 €.


„Die Tage des Zweifels“
von Andrea Camilleri

Kurz vor seinem neuen Fall träumt Commissario Montalbano, er wäre gestorben. Auf seiner Arbeitsstelle bekunden ihm seine Kollegen ihre Anteilnahme, der Gerichtsmediziner kann ihm die genaue Todesursache nicht nennen, da die Autopsie noch nicht vorgenommen wurde, sein Vorgesetzter setzt jemand anderen auf den Fall an, da Montalbano angeblich zu sehr darin verwickelt ist. Noch schwieriger als die Deutung seines Traums erscheint ihm allerdings die Aufklärung eines mysteriösen Todesfalls. Im Fahrwasser einer Luxusjacht wird eine stark verstümmelte Leiche angespült. Die Schiffskapitänin gibt sich ebenso verschlossen wie ihre Besatzung. Doch dies ist nicht der einzige Grund, weshalb Montalbano neuerdings so häufig am Hafen von Vigàta anzutreffen ist. Der Commissario hat sich verliebt – und zwar in Laura, die Chefin der Hafenkommandantur, die er im Laufe der Ermittlungen kennen gelernt hat. Montalbano ist ziemlich verwirrt deswegen, überlegt, wie er Laura seine Liebe gestehen soll, und vor allem, wie er das seiner Livia erklären kann. Die Ermittlungen bezüglich der unbekannten Leiche werden ihm zunehmend lästig, da aus niemandem etwas herauszubekommen ist. Doch am Schluss fällt im ein Trick ein, doch noch jemanden zum reden zu bringen – seine eigene Verliebtheit inspiriert ihn dazu.

Andrea Camilleri: Die Tage des Zweifels.
Lübbe, 256 Seiten, 19,99 €.


„Die Wahrheit des Blutes“
von Jean-Christophe Grangé

Der Pariser Polizeikommissar Olivier Passan und sein ständig bekiffter Partner Fifi sind einem raffinierten und äußerst brutal vorgehenden Serienkiller auf der Spur, der es auf schwangere Frauen abgesehen hat. Im Grunde steht der Fall kurz vor der Lösung – doch Passan werden von vorgesetzter Stelle immer wieder Steine in den Weg gelegt. Es ist ihm sogar verboten worden, sich dem mutmaßlichen Täter auf 200 Meter zu nähern. „Der Geburtshelfer“, wie der Killer genannt wird, entwischt dem Team immer wieder, obwohl Passan längst gegen alle ihm auferlegten Regeln verstößt. Nach und nach wird klar, dass der Kommissar noch eine Rechnung mit dem Flüchtigen offen hat. Und auch privat läuft bei Passan gerade alles schief: die Ehe mit seiner japanischen Frau Naoko ist gescheitert und er bemüht sich immer noch, herauszufinden, wie es soweit kommen konnte. Passan, dessen besonderes Interesse schon immer der alten japanischen Kultur gegolten hat und Naoko, die alle Traditionen zutiefst ablehnt. Während der Kommissar weder beruflich noch privat einen Schritt weiterkommt, passieren in seinem Haus erschreckende Dinge, die auch noch mit dem Fall in Verbindung zu stehen scheinen.

Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes.
Bastei-Lübbe, 432 Seiten, 19,99 €.


„Elsa Ungeheuer“
von Astrid Rosenfeld

In dieser Geschichte wird das Leben von Lorenz und Karl Brauer aus zwei zeitlich verschiedenen Perspektiven geschildert. Der eine Teil spielt in der Kindheit der beiden und beginnt mit dem Verlust ihrer Mutter, die sich nach langem psychischem Leiden selbst das Leben genommen hat. Der Vater, Randolph Brauer, ist mit der Situation völlig überfordert; er muss sich außer um seine Söhne auch noch um eine Ferienpension kümmern. Zum Glück gibt es die Haushälterin Frau Kratzler und Herr Murmelstein, genannt das Murmeltier, die die beiden Jungen versorgen. Und dann taucht Elsa auf, die ungewöhnliche Elfjährige, die von ihren Eltern zu Verwandten geschickt wird, während sie selbst auf Weltreise gehen. Elsa scheint überall anecken zu wollen – das Mädchen mit den Streichholzarmen trägt seltsame Kleidung, ist frech und rebellisch. Die Jungen freunden sich mit Elsa an – vor allem Karl ist von ihr fasziniert – und die drei verbringen einen Sommer, den sie nie vergessen werden. In zweiten Erzählstrang sind Lorenz und Karl erwachsen. Als Maler ist Lorenz in kürzester Zeit erfolgreich und international bekannt geworden. Nur sein jüngerer Bruder weiß, dass dies nicht nur auf Talent beruht, sondern auch auf dem gewichtigen Einfluss zweier Frauen. In seinen Bildern verarbeitet Lorenz die schmerzhafte Vergangenheit, aber auch die Eindrücke, die Elsa bei ihm hinterlassen hat. Doch auch Karl hat Elsa nie vergessen. Für ihn ist sie die erste Liebe seines Lebens – eine Liebe, die nie erwidert wurde.

Astrid Rosenfeld: Elsa Ungeheuer.
Diogenes, 276 Seiten, 21,90 €.


„Femme fatale“
von Martin Walker

Der fünfte Fall für Bruno, Chef de Police

Das Périgord ist ein Paradies für Schlemmer, Kanufahrer und Liebhaber des gemächlichen süßen Lebens. Doch kurz vor Beginn der Touristen-Saison kommt es hier zu höchst ungewöhnlichen Ereignissen. Kaum hat Bruno einmal Zeit gefunden, dem örtlichen Kirchenchor beim Proben zuzuhören und alle weltlichen Probleme hinter sich zu lassen, wird er zu seinem nächsten Fall gerufen. In der Vézère treibt ein Kahn mit einer nackten Frau, mit an Bord ein Hahn und große schwarzen Kerzen. Bald darauf wird in die örtliche Höhle eingebrochen und ein blutiger Ziegenkopf sowie eine schwarz angemalte Madonna zurückgelassen. Das alles sieht nach satanistischen Ritualen aus, doch kaum beginnt Bruno, Nachforschungen anzustellen, befindet er sich in einem verwirrenden Fall, dessen Spuren in die Finanzwelt und die Rüstungsindustrie weisen. Es stellt sich heraus, dass die Ermordete aus einem Adelsgeschlecht der Umgebung stammt, das den Kontakt mit der Öffentlichkeit scheut. Neben all den Ungereimtheiten des Falles machen dem gemütlichen Chef-Ermittler auch noch seine Frühlingsgefühle zu schaffen. Wie soll er so zu Ergebnissen kommen? Dem fünften Band um den Chef de Police liegt ein kleiner, von Martin Walker gestalteter Reiseführer bei, in dem der Autor seine Lieblingsplätze im Périgord vorstellt.

Martin Walker: Femme fatale.
Diogenes, 426 Seiten 22,90 €.


„Fenster zum Tod“
von Linwood Barclay

Thomas Kilbride, der seit seiner Kindheit schizophren ist, verlässt nur selten das Haus. Seine ausgeprägte Manie gilt dem Studium von Landkarten und Stadtplänen, die er täglich auf seinem PC betrachtet. Es kennt die Straßenkarten von Städten auf der ganzen Welt, merkt sich aufgrund seines ungewöhnlich guten Gedachtnisses alle Details und arbeitet dabei an einem Notfallplan für die „CIA“. In seiner Fantasie hat er ständigen Kontakt zum Präsidenten. Bei einem virtuellen Rundgang durch Manhattan entdeckt Thomas im Fenster eines Hauses die Abbildung eines Mannes mit einer Plastiktüte über dem Kopf. Er ist sich sicher, dass hier versehentlich ein Mord aufgenommen wurde. Der Versuch, seinen Bruder Raymond, der als sein Betreuer mit ihm zusammen lebt, von seiner Entdeckung zu überzeugen, schlägt natürlich fehl. Am folgenden Tag ist die Abbildung verschwunden, und auch Thomas beginnt, an seiner Wahrnehmung zu zweifeln. Dennoch gelingt es ihm, Raymond dazu zu überreden, mit ihm zusammen nach Manhattan zu fahren, um sich das Haus einmal anzusehen. Doch damit werden die beiden in einen Machtkampf hineingezogen, der sie da Leben kosten kann.

Linwood Barclay: Fenster zum Tod.
Knaur, 592 Seiten, 14,99 €.


„Haus der Erde“
von Woody Guthrie

Woody Guthrie, Songwriter, Lyriker, politischer Aktivist und Sänger hatte maßgeblichen Einfluss auf die US-amerikanische Folk-Musik – und hat ihn immer noch. Guthrie schrieb 3.001 Songs, von denen viele bekannt wurden und einer weltberühmt. „This Land is your Land“, unzählige Male neu interpretiert, wird inzwischen als zweite amerikanische Nationalhymne angesehen. Kaum bekannt ist, dass Guthrie sich auch als Autor versucht hat, ohne je etwas zu veröffentlichen. Seine Tochter Nora Guthrie entdeckte das Manuskript von „Haus aus Erde“ in einer Schublade, in der es 60 Jahre lang lag.

„Haus aus Erde“ schildert den Alltag und den Überlebenskampf von Tike und Ella, einem verarmten Farmerehepaar, das sich eine sichere Unterkunft bauen möchte, die den Sandstürmen standhält. Das jedoch ist nicht möglich, da das Land der Bank gehört, die die Genehmigung nicht erteilt. Im Leben der beiden scheint ein Schicksalsschlag den nächsten abzulösen, und dennoch verlieren sie nie ihren Sinn für Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Guthrie selbst träumte lange davon, in einem Haus aus Erde – einem aus selbsthergestellten Lehmziegeln gebauten Heim zu leben. Als junger Mann musste er miterleben, wie die einfachen Holzhütten der Landbevölkerung von einem verheerenden Sandsturm weggefegt wurden.

„Haus aus Erde“ erschien Anfang 2013 als erstes Buch bei „Infinitum Nihil“, dem Verlag, der von Johnny Depp und dem Historiker Douglas Brinkley gegründet wurde.

Woody Guthrie: Haus aus Erde.
Eichborn Verlag, 304 Seiten, 16,99 €.


„Lampedusa – Begegnungen am Rande Europas“
von Gilles Reckinger

Lampedusa ist eine kleine italienische Insel im Mittelmeer, 200 Kilometer entfernt von Sizilien, aber nur 120 Kilometer von der Küste Nordafrikas. Weniger als 6.000 Menschen wohnen auf der felsigen Insel, die auf vielen Karten noch nicht einmal verzeichnet ist. Lampedusa ist so klein, dass man es in Rom und in Brüssel leicht vergessen könnte, wären da nicht Zehntausende von Bootsflüchtlingen aus Afrika, die in den letzten Jahren dort angekommen sind. Wann immer eine besondere Tragödie zu vermelden ist, richten die Medien reflexartig ihre Spots auf die Insel, tragen diese Bilder von der Peripherie in die Mitte Europas und wenden sich genauso schnell wieder ab. Von Lampedusa und den Lampedusani hat man kaum je etwas gehört. Der Ethnologe Gilles Reckinger hat sich Zeit genommen und die Menschen von Lampedusa haben ihm viel von sich erzählt. Von denen, die weggingen und denen, die zurückkamen, von ihren eigenen Lebensträumen, von den täglichen Widrigkeiten, den Versorgungslücken, der Langeweile. Von dem Wunsch, der Insel den Rücken zu kehren und der Unmöglichkeit, woanders zu leben. Die Lampedusani zeichnen ihre Insel als einen Ort der Übergänge. Und was uns aus der Ferne erstaunt, wird durch Reckingers Buch verständlich: Die Begegnung mit dem Fremden lässt wenig Raum für rassistische Projektionen.

Gilles Reckinger: Lampedusa – Begegnungen am Rande Europas.
Verlag Hammer, 227 Seiten, 19,90 €.


„M“
von Friedrich Ani

Ein Tabor Süden-Roman

2005 beendete Friedrich Ani seine erfolgreiche Reihe um den Kriminalkommissar Tabor Süden, inzwischen ist der schwermütige Ermitter längst wieder aktiv. Süden hatte seinen Beruf aufgegeben und jahrelang in Köln als Kellner gearbeitet. Nun hält er sich in München auf – auf der Suche nach seinem Vater, vom dem er 35 Jahre lang nichts gehört hat. Der hatte sich vor einer Weile von dort bei ihm gemeldet. Da Süden von irgendetwas leben muss, arbeitet er nun in einer Detektei, in der man ihn noch aus seiner Zeit als Kommissar kennt. Als die Journalistin Mia Bischof die Detektei beauftragt, Nachforschungen nach ihrem seit zwei Jahren verschollenen Freund Siegfried Denning anzustellen, ahnen Süden und seine Kollegen bereits, dass es um mehr geht als nur um einen Vermissten. Bischof scheint kein wirkliches Interesse an der Aufklärung des Falls zu haben. Als Süden beginnt, sich mit der Vergangenheit Dennings, der angeblich ein einfacher Taxifahrer war, zu befassen, stößt er auf Verbindungen ins rechtsradikale Milieu der Stadt und auf den Anschlag auf die neue Münchner Synagoge. Das „LKA“ recherchiert ebenfalls in der Angelegenheit und empfiehlt der Detektei, sich aus der Sache rauszuhalten. Als Süden und seine drei Kollegen weitermachen, geraten sie in höchste Gefahr. Edith Liebergesell, die Chefin der Detektei, wird im Laufe der Ermittlungen mit einem eigenen tragischen Verlust konfrontiert. Vor langer Zeit verschwand ihr kleiner Sohn spurlos, und nun stößt sie auf Hinweise darüber, wer in die Sache verwickelt ist.

Friedrich Ani: M.
Droemer, 368 Seiten, 19,99 €.


„Mental Healing“
von Clemens Kuby

Gesund ohne Medizin – Anleitung zum Andersdenken

Clemens Kuby, Mitbegründer der Grünen, preisgekrönter Dokumentarfilmer und Bestseller-Autor, war querschnittsgelähmt und erlebte eine Spontanheilung, als er gleichzeitig einen radikalen Bruch in seinem Leben vornahm. Diese Erfahrung inspirierte ihn dazu, sich mit alternativen Formen des Heilens zu befassen. In seinem Kinofilm „Unterwegs in die nächste Dimension“ stellte er sechs beeindruckende Heiler aus verschiedenen Kulturen vor. Seine bisherigen Erkenntnisse und Erfahrungen gibt er in Vorträgen und Seminaren weiter und in seinem neuen Buch. In „Mental Hearing“ geht es viel darum, die eigene Lebensperspektive zu definieren und zu klären, um dem Thema Gesundheit auf die Spur zu kommen. Heilung bedeutet für Kuby immer auch Auseinandersetzung mit den eigenen Mustern, mit nicht gelebten Träumen und verdrängten Ängsten. Dabei geht er auch auf die unterschiedlichen Zugänge von Männern und Frauen zu dem Thema ein. Wer ohne Medizin gesund sein will, so sein Fazit, muss sich von krank machenden Belastungen befreien und sein Leben auf Erfüllung ausrichten. Hier stellt er die von ihm entwickelte Methode vor, mit der er in seinen Workshops arbeitet.

Clemens Kuby: Mental Healing.
Kösel, 160 Seiten, 14,99 €.


„Mick Jagger – Die Biographie“
von Philipp Norman

Für viele ist er der größte Star der Rock-Geschichte. Mit seiner röhrenden Stimme und der aufreizenden Show bringt Mick Jagger, der in diesem Jahr 70 wird, auch 50 Jahre nach der Gründung der Rolling Stones noch Fußballstadien zum Kochen. Die Rolling Stones haben die Geschichte der Rock-Musik mitgeschrieben wie kaum eine andere Band. Autor Philip Norman zählt zu den bekanntesten Rock-Journalisten der Welt. In den 70er Jahren wurde er berühmt durch seine Kolumnen über Stars in der „Sunday Times“. Bereits in den 80er Jahren veröffentlichte er wichtige Bücher über die Beatles und die Rolling Stones. Für diese Biographie hat er mit vielen aktuellen und ehemaligen Weggefährten Jaggers gesprochen und lässt sie auch alle zu Wort kommen. Das Bild, das er von Jagger zeichnet, ist keineswegs das eines Fans, der seinen Star idealisiert. Philip Norman würdigt Jagger's Leistungen und sein Werk, ohne seine Augen vor dessen Schattenseiten zu verschließen. Wenn es um Geld oder Frauen, kennt Jagger keine Freundschaften und kein Pardon. Doch trotz seiner Exzesse hat er nie die Kontrolle über das Geschäft verloren. Ohne seinen ausufernden Egoismus wäre die Band nie zu dem geworden, was sie ist.

Philip Norman: Mick Jagger – Die Biographie.
Droemer, 720 Seiten, 24,99 €.


„Null-Null-Siebzig – Agent an Bord“
von Marlies Ferber

James Gerald, Agent des britischen „Secret Intelligence Service“, ist 70 und im Ruhestand. Zusammen mit seiner ehemaligen Kollegin Sheila Humphrey (67) befindet er sich auf einer Kreuzfahrt durchs Mittelmeer. Doch im Gegensatz zu den anderen etwa 600 Passagieren ist er nicht wirklich freiwillig an Bord und schon gar nicht gern. Er mag weder Meer noch Schiffe und noch weniger schätzt er die Gesellschaft so vieler älterer Menschen auf einem Haufen. Doch Sheila's exzentrische Mutter Phyllis will ihren 90. Geburtstag feiern, und Sheila hat ihn zu dieser Reise überredet, während der die Feier stattfinden soll. Schon bald allerdings kann James der Kreuzfahrt mehr abgewinnen als er vermutet hätte. Neben den Landausflügen nach Nizza und Rom. die er durchaus genießt, ist auch sein Einsatz wieder gefragt: Der neue Ehemann von Phyllis, der fünfte in ihrem Leben, ist plötzlich nicht mehr aufzufinden. James ganzer Agentenspürsinn ist gefragt, als nach und nach noch mehr Passagiere verschwinden.

Marlies Ferber: Null-Null-Siebzig – Agent an Bord.
DTV, 352 Seiten, 9,95 €.


„Orient Express“
von Silvena Rowe

Unkomplizierte und schnelle Rezepte aus der orientalischen Küche

Silvena Rowe, Küchenchefin im Londoner „May Fair Hotel“, ist in England durch regelmäßige Auftritte auf „BBC“ und „ITV“ bekannt. Sie hat mehrere mit internationalen Preisen ausgezeichnete Bücher veröffentlicht. In ihrem neuen Buch „Orient Express“ widmet sie sich der schnellen nahöstlichen Küche, ideal für alle, die wenig Zeit haben und dennoch Abwechslung in ihrem Speiseplan schätzen. Hier dreht sich alles um die vielen kleinen Köstlichkeiten, wie man sie auf den Straßen und Märkten von Istanbul oder Damaskus findet: Köfte, Falafel und Pilaws, aber auch Süßes wie Vanille-Baklava oder Schokoladen-Pistazien-Mousse. Mehr als 100 neue Rezepte, schnell zubereitet, die sich für leichte Sommermahlzeiten ebenso eignen wie für eine große festliche Mezze-Tafel. Hier vereinen sich Honig mit Zimt, Safran mit Sumach, verschmilzt Süßes mit Säuerlichem. Ob Böreck-Röllchen mit Krabben, Safran und Fenchel, Garnelen-Süßkartoffel-Küchlein oder Chili-Kichererbsen-Pilaw #150; in vielen neuen Variationen kommt die Aromenvielfalt des Orients zur Anwendung.

Silvena Rowe: Orient Express.
AT-Verlag, 208 Seiten, 24,90 €.


„Schicksal“
von Scott G. Browne

Sergio erscheint zwar in Menschengestalt, er ist aber alles andere als ein Normalsterblicher. Sergio ist das Schicksal; er und seine Freunde, Karma, Wahrheit, Faulheit und all die anderen, können sich nach Belieben unsichtbar machen und die Wege der Menschen beeinflussen. Allerdings darf Sergio nicht selbst entscheiden, welchen Einfluss er nimmt – er bekommt genaue Anweisungen, was er zu tun hat. Nach 257.000 Jahren hängt ihm das langsam zum Hals raus. Er beschließt, mit einigen seiner Freunde einen trinken zu gehen und verliebt sich dabei in die schöne Sara. Damit verstößt er natürlich gegen sämtliche Regeln seines Arbeitgebers Jerry, auch bekannt als Gott, der Allmächtige. Gegen gelegentliche kurze Affären mit Sterblichen hat niemand etwas einzuwenden, aber eine handfeste Liebesbeziehung würde von Jerry niemals geduldet werden. Und selbstverständlich darf Sergio sich nicht als der zu erkennen geben, der er ist. Solange Jerry davon nichts mitbekommt, wird schon alles gut gehen, meint Sergio. Eine Fehleinschätzung, wie sich herausstellt – schließlich bringen seine Gefühle für Sara sein Existenz mehr und mehr durcheinander.

Scott G. Browne: Schicksal.
Knaur, 416 Seiten, 9,99 €.


„Schrei aus der Ferne“
von John Harvey

Der britische Bestsellerautor John Harvey wird zunehmend auch in Deutschland bekannt. Nach „Splitterndes Glas“ ist nun sein zweiter Krimi um das Ermittler-Duo Detective Inspector Will Grayson und Detective Sergeant Helen Walker bei uns erschienen. Der Flötenunterricht der 10-jährigen Beatrice Lawson endet kurz vor 18 Uhr. Sie verlässt die Wohnung des Musiklehrers, um vor dem Haus auf Ihren Vater zu warten. Als der eintrifft, ist seine Tochter spurlos verschwunden, niemand hat etwas von ihr gesehen. Die Ermittler Will Grayson und Helen Walter gehen anfangs von einem Routinefall aus, doch schon bald müssen sie feststellen, dass sie es mit zwei Fällen zu tun haben, die möglicherweise miteinander in Verbindung stehen. Bereits vor 15 Jahren hatte Beatrices Mutter Ruth ein Kind bei einem tragischen Unfall verloren. Während eines Campingurlaubs an der Küste von Cornwall verschwand ihre Tochter Heather. Nach tagelanger Suche wurde die Leiche des Kindes in einem alten Minenschacht aufgefunden. Auch wenn es Hinweise auf ein mögliches Verbrechen gab, wurde die Sache damals als Unfall zu den Akten gelegt. Ruths erste Ehe zerbrach an den Ereignissen und Ruth hat den Schock über den Verlust ihrer Tochter nie überwunden. Je mehr sich Grayson und Walker mit der Vergangenheit der Mutter befassen, desto mehr Verbindungen zwischen beiden Ereignissen treten ans Licht.

John Harvey: Schrei aus der Ferne.
DTV, 544 Seiten, 9,95 €.


„Schwarzer Schmetterling“
von Bernard Minier

Commandant Servaz ist verärgert, als er einen Fall übernehmen soll, in dem es um ein getötetes Pferd geht. Doch da dessen Besitzer einer der reichsten Männer Frankreichs ist, wollte man keinen Dorfpolizisten auf die Sache ansetzen. Außerdem scheint die Angelegenheit von Anfang an ziemlich mysteriös: Mitten im Winter wird in einem kleinen Dorf in den französischen Pyrenäen ein grauenvoll inszenierter Tierkadaver in 2.000 Metern Höhe gefunden. Alles deutet auf das Werk eines Wahnsinnigen. Als man von den Spuren am Tatort DNA-Analysen erstellt, weisen diese auf den gefährlichen Serien-Killer Julian Hirtmann. Der jedoch sitzt seit Jahren im Hochsicherheitstrakt einer psychiatrischen Klinik und hat seine Zelle nie verlassen. Während Commandant Servaz versucht, Licht den Fall zu bringen, erschüttert eine unfassbaren Mordserie den kleinen Ort. Auch die Schweizer Psychologin Diane Berg ist an der Aufklärung der Morde interessiert. Genau wie Servaz begibt sie sich dabei in tödliche Gefahr.

Bernard Minier: Schwarzer Schmetterling.
Knaur, 688 Seiten, 9,99 €.


„Spur der Angst“
von Lisa Jackson

Shaylee Stillmann, mitten in der Pubertät, ist zum wiederholten Mal mit dem Gesetzt in Konflikt geraten. Diesmal lässt sich eine Jugenstrafe nicht mehr vermeiden, und sie hat die Wahl zwischen dem Jugendgefängnis oder einem abgelegenen Internat für straffällige Jugendliche. Die Entscheidung hat letzten Endes ihre Mutter zu treffen, die im Internat die bessere Lösung sieht. Shaylees Schwester, die 27-jährige Jules Farentino, hält dies für keine gute Idee, da sie selbst Lehrerin ist und sich über die Erziehungsmethoden an der Blue Rock Academy in den Bergen Oregons erkundigt hat. Außerdem hat Jules herausgefunden, dass dort eine Schülerin vor kurzem spurlos verschwunden ist, und sie befürchtet, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Tatsächlich werden kurz nach Shaylee's Ankunft zwei Mitschüler ermordet aufgefunden. Da Jules ohnehin gerade auf Arbeitssuche ist, beschließt sie, eine Stelle in dem Internat anzunehmen, ohne zu erwähnen, dass sie Shaylees Schwester ist. Dass sie sich damit in große Gefahr begibt, ahnt sie lange Zeit nicht. Zum Glück befindet sich auch Detective Trent Cooper an der Schule – er ermittelt dort, getarnt als Lehrer.

Lisa Jackson: Spur der Angst.
Knaur, 592 Seiten, 14,99 €.


„Tierische Profite“
von Donna Leon

Im nunmehr 21. Fall, den der Commissario zu lösen hat, geht es zunächst um einen Toten, den niemand zu vermissen scheint. Weder die Venezianer noch die Touristen haben eine Suchanzeige nach dem Mann aufgegeben. Der Körper des Erstochenen, der aus dem Kanal gezogen wird, ist seltsam deformiert, da er an einer seltenen Krankheit litt. Ein teurer Lederschuh bringt Brunetti auf eine erste Spur, und die führt ihn aufs Festland nach Mestre. Es dauert eine ganze Weile, bis er mit Unterstützung seinen Assistenten Vianello herausfindet, dass es sich um den Tierarzt Nava handelt, der eine Kleintierpraxis führte und auch als Fleischbeschauer in einem Schlachthof tätig war. Dort war er dafür verantwortlich, den Gesundheitszustand der Tiere zu überprüfen und deren Fleisch für den Verzehr freigeben. Bei seinen Recherchen wird Brunetti mit den grauenhaften Zuständen in den italienischen Schlachthöfen konfrontiert, die von Gier und Skrupellosigkeit bestimmt werden. Sein Verständnis für seine Tochter Chiara wächst. Die nämlich ist schon lange Vegetarierin, und auch Vianello hat ihm schon geraten, auf den Verzehr von Rindfleisch zu verzichten.

Donna Leon: Tierische Profite.
Diogenes, 327 Seiten. 22,90 €.


„Todesengel“
von Andreas Eschbach

An einer Berliner U-Bahn-Station wird ein alter Mann von zwei Jugendlichen brutal angegriffen und zusammengetreten. Rentner Erich Sassbeck glaubt, dass seine letzte Stunde geschlagen hat. Doch genau in dem Moment werden die beiden Angreifer erschossen – von einem Unbekannten, der sofort wieder verschwindet. Sassbeck verliert das Bewusstsein und kommt erst im Krankenhaus wieder zu sich. Das letzte, woran er sich erinnern kann, ist eine Lichtgestalt, die wie aus dem Nichts auftauchte, um ihm das Leben zu retten. Diese Version der Ereignisse wird von der ermittelnden Polizei allerdings nicht geteilt. Sassbeck steht unter Mordverdacht, man nimmt an, dass er Selbstjustiz ausgeübt hat. Doch dann ereignen sich weitere Zwischenfälle, in denen Gewaltopfer davon berichten, dass ihnen eine strahlende Gestalt zuhilfe kam. Der „Todesengel“, wie der Unbekannte schon bald von der Presse genannt wird, tötet die Angreifer unschuldiger Opfer. Dem bisher eher erfolglosen Journalisten Ingo Praise wird ein Video zugespielt, auf dem der „Todesengel“ zu sehen ist. Praise wittert seine große Chance. Zusammen mit Kriminalhauptkommissar Justus Ambick kommt er tatsächlich einer unglaublichen Geschichte auf die Spur.

Andreas Eschbach: Todesengel.
Bastei-Lübbe, 544 Seiten, 19,99 €.


„Unterm Messer“
von Eva Rossmann

Reporterin Mira Valensky freut sich auf einen bezahlten Kurzurlaub mit Verwöhnbonus im steirischen Vulkanland. Das Lifestile-Magazin, für das sie arbeitet, möchte von ihr eine Reportage über die Beauty-Farm „Oasis“, die sie vor Ort verfassen soll. Dort verbindet man Schönheits-Chirurgie mit Anti-Aging-Kuren, Gentechnologie mit Kräuteressenzen nach Hildegard-Rezepten. Wichtig ist, dass der Artikel ansprechend rüberkommt, da Professor Grünwald, der Leiter des „Oasis“, ein wichtiger Anzeigenkunde des Magazins ist. Zunächst läuft alles wie erwartet. Mira wird verwöhnt und zu einem Abendessen mit Professor Grünwald eingeladen. Dort jedoch genießt sie ein Gläschen zu viel des guten steirischen Weines und verliert anschließend die Orientierung in dem weitläufigen Gebäude. Als sie auf eine verstörte Nonne trifft, hat Mira plötzlich Stoff für mehr als einen Artikel. Die Nonne hat soeben eine junge Mitschwester tot aufgefunden – die war tagelang in einer zugenagelten und eingeschalteten Sauna regelrecht gegart worden. Als Mira anfängt, unbequeme Fragen zu stellen, wird sie kurzerhand ausquartiert. Längst ahnt sie, dass es im „Oasis“ um mehr gehen muss als um „Botox“ und Gesichtsmasken. Zusammen mit ihrer Freundin Vesna Krajner, die eine Detektiv-Agentur leitet und sich als Kundin auf der Beauty-Farm anmeldet, stößt Mira auf ein geheimes Labor, das mysteriösen Forschungszwecken zu dienen scheint.

Eva Rossmann: Unterm Messer.
Lübbe, 318 Seiten, 8,99 €.


„Verachtung“
von Jussi Adler-Olsen

Dies ist die vierte Folge um das Team von Carl, Rose und Assad, und wieder lernt der Leser die drei Ermittler ein kleines bisschen besser kennen. Diesmal gräbt Rose einen Fall von 1987 aus, der damals als Selbstmord zu den Akten gelegt worden war. Es geht um das spurlose Verschwinden von Rita Nielsen, einer Prostituierten. Carl hält zunächst gar nichts davon, sich mit dieser Sache zu befassen, doch schon bald entdeckt Rose eine Reihe von Unstimmigkeiten, die auch ihn neugierig machen. Und dann finden Rose und Asad heraus, dass damals in der gleichen Woche fünf Menschen verschwanden, von denen man nie wieder etwas gehört hat. Als die drei mit ihren Nachforschungen beginnen, stoßen sie auf das Schicksal der damals jungen Nete Hermansen, die in eine Besserungsanstalt auf der Insel Sprogø eingeliefert wurde. Es scheint, dass Nete Hermansen zwangssterilisiert wurde und sich später für dieses Verbrechen gerächt hat. Doch die Spur führt auch in die Kreise rechtsgerichteter Politik.

Im Nachwort erzählt Adler-Olsen, dass es die Anstalt auf Sprogø tatsächlich gegeben hat, und dass dort bis 1961 etwa 10.000 Frauen zwangssterilisiert wurden. Er weist darauf hin, dass es von Seiten des dänischen Staates bis heute keine Form der Wiedergutmachung geben hat.

Jussi Adler-Olsen: Verachtung.
DTV, 544 Seiten. 19,90 €.


„Vergeltung“
von Val McDermid

Mit „Vergeltung“ liegt nun der siebte Krimi der Erfolgsautorin Val McDermid um die Ermittler Tony Hill und Carol Jordan auf Deutsch vor. In diesem Band lässt McDermid den ehemaligen Sportler, Fernsehstar und Serien-Killer Jacko Vance wieder auftreten, der schon in „Schlußblende“ die Hauptrolle spielte. Vance gelingt es, nach zwölf Jahren Haft aus einen Gefängnis zu flüchten, das als als ausbruchssicher galt. Ganz offensichtlich geht es ihm nur um eines: Vergeltung an allen zu üben, die zu seiner Inhaftierung beitrugen. Doch er hat nicht vor, direkt auf seine Opfer loszugehen, sondern sie dort zu treffen, wo sie am verwundbarsten sind. Carol Jordan hält die Angelegenheit zunächst für nebensächlich, da sie gerade mit der Suche nach einem Prostituierten-Mörder beschäftigt ist. Was sie nicht ahnt, ist, dass sie und Tony Hill auf Vances Liste an oberster Stelle stehen. Als ihr Bruder und dessen Frau ermordet aufgefunden werden, löst dies bei ihr ein Trauma aus und führt auch zu einer Krise in ihrer Beziehung zu Tony Hill. Außerdem spielt Alkohol eine immer größere Rolle in ihrem Leben. Der psychopathische Mörder scheint sein erstes Ziel erreicht zu haben ...

Val McDermid: Vergeltung.
Knaur, 512 Seiten, 10,99 €.


„Verheimlicht – vertuscht – vergessen“
von Gerhard Wisnewski

Was 2012 nicht in der Zeitung stand

Gerhard Wisnewski, Politikwissenschaftler, Schriftsteller und Dokumentarfilmer, befasst sich seit langem mit Themen, die es nicht oder nur verzerrt in die Medien schaffen. In seinen jährlichen Rückblick „Verheimlicht – vertuscht – vergessen“, der seit 2009 erscheint, führt er auch diesmal wieder eine Fülle von Ereignissen auf, über die anderswo nur oberflächlich und unkritisch berichtet wurde. Dabei gilt sein Augenmerk besonders solchen Nachrichten, die von Interessensgruppen, Regierungen oder Geheimdiensten in die Welt gesetzt werden, um deren Zielen zu dienen. Schwerpunkte dieser Ausgabe sind die Krise in Syrien und die Berichterstattung über den Iran. Um sich selbst ein Bild zu machen, ist Wisnewski im April 2012 in den Iran gereist und hat auch dessen Präsidenten getroffen, der hierzulande von der Presse als „der Irre von Teheran“ bezeichnet wurde. Wisnewski zeigt, dass Zweifel an der Berichterstattung der etablierten Medien berechtigt sind, ohne immer fertige Antworten auf offene Fragen zu liefern. Er überlässt es dem Leser, sich selbst ein Bild zu machen.

Gerhard Wisnewski: Verheimlicht – vertuscht – vergessen.
Knaur, 368 Seiten, 7,99 €.


„Walküre“
von Craig Russell

Dies ist der fünfte Krimi des schottischen Autoren und spielt wie auch die vorhergehenden vier in Hamburg. Hauptkommissar Jan Fabel ist gerade dabei, beim „BKA“ eine eigene Abteilung für Serienmorde aufzubauen, als im Hamburger Rotlichtviertel ein britischer Popstar tot aufgefunden wird, von Messerstichen zerfetzt. Einiges deutet darauf hin, dass der „Engel von St. Pauli“ wieder am Werk sein könnte, ein Serien-Killer, der vor zehn Jahren seine blutige Spur durch Hamburg zog und nie gefasst wurde. Obwohl das Opfer kurz vor seinem Tod entsprechende Aussagen machte, glaubt Kommissar Fabel nicht an diese Möglichkeit. Fabel steht unter starkem Druck, um sein Ansehen bei der Polizei nicht zu gefährden. Tatsächlich kommt es zu weiteren Morden und keiner weist einen Bezug zum „Engel“ auf. Und dann meldet sich eine dänische Kollegin bei ihm, die sich um die Leiche eines Kollegen kümmern soll, die in einem Hamburger Hotel gefunden wurde. Sie misstraut der Diagnose der Ärzte, die von einem Herzinfarkt ausgehen, und meint, dass es sich um einen geschickt getarnten Mord handeln muss. Damit verdichtet sich Fabels Verdacht, dass Geheimdienstkreise an der aktuellen Mordserie beteiligt sein könnten.

Craig Russell: Walküre.
Bastei-Lübbe, 448 Seiten, 9,99 €.


„Wie die Seele uns durchs Leben führt“
von Thomas Schäfer

Die Essenz des Familien-Stellens

Thomas Schäfer arbeitet seit vielen Jahren als Heilpraktiker mit dem Schwerpunkt Psychotherapie und Familienaufstellungen. Gelernt hat er unter anderem bei Bert Hellinger, der die Technik des Familienstellens weiterentwickelte und ihr Impulse gab, die Therapeuten weltweit inspiriert haben. Bei dem Familienstellen nach Hellinger geht es darum, verborgene Dynamiken innerhalb der Familie bewusst zu machen, um Dynamiken im eigenen Schicksal aufzulösen. Oft sind es Muster innerhalb der Familie, die unser Leben, unsere Partnerwahl, den Verlauf von Beziehungen und die Frage nach Erfolg und Misserfolg im Beruf prägen. Im Familienstellen gelingt es häufig, solche Muster aufzudecken und damit neue Lösungen zu ermöglichen.

Thomas Schäfer fasst hier seine Erfahrungen aus jahrelanger Praxis zusammen und zeigt, was genau während einer Aufstellung geschieht. Ein Buch, das Einsteiger mit dem Thema vertraut macht und Fortgeschrittenen erstaunliche Einblicke ermöglicht.

Thomas Schäfer: Wie die Seele uns durchs Leben führt.
Knaur, 240 Seiten €.


„Zanskar und ein Leben mehr“
von Ulli Olivedi

Ulli Olvedi ist Qi Gong-Lehrerin, ausgebildet in buddhistischer Psychologie und Gründerin der Hochschule für traditionelle tibetische Medizin, das Shelkar Tibetan Medical Institute in Kathmandu. Ihr neuer Roman handelt von einer jungen Frau, deren Mutter in Nepal verschollen ist. Die 28-jährigen Pema-Marie erhält überraschend einen Brief aus Nepal, in dem ihr mitgeteilt wird, dass die Tagebücher ihrer vor zehn Jahren verschwundenen Mutter in Kathmandu gefunden wurden. Damals hatte die Mutter die Familie verlassen, um sich im Himalaya auf die Suche nach sich selbst zu begeben. Pema-Marie trägt ihr das immer noch noch, vor allem auch, nie Nachricht von ihr erhalten zu haben. Nun begibt sie sich selbst auf die Reise, um die Tagebücher in Empfang zu nehmen und nachzuspüren, was es mit dem Weg der Mutter auf sich hat. In ihren Aufzeichnungen berichtet die Mutter über ihren inneren Entwicklungsweg, der sie nach Zanskar führte, einer entlegenen Region im westlichen Himalaya. Dort, in einem Nonnenkloster, wo das alte Tibet noch lebendig ist, scheint die Mutter ihren Frieden gefunden zu haben. Pema-Marie folgt ihren Spuren und entdeckt nicht nur eine völlig fremde Welt, sondern auch eine eigene innere Entwicklung, mit der sie nie gerechnet hätte

Ulli Olivedi: Zanskar und ein Leben mehr.
O. W. Barth, 336 Seiten, 19,99 €.


„Zeig mir den Tod“
von Petra Busch

Der Schauspieler Günther Assmann glaubt sich endlich vor seinem langersehnten internationalen Durchbruch. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht mehr, denn er geht auf die 50 zu. Hinter den Kulissen hat er alles dafür getan, soweit zu kommen: intrigiert, gelogen und betrogen. Doch kurz vor der karrierewichtigen Premiere verschwinden seine Kinder Marius und Rebecca und sein Traum droht zu zerbrechen. Der Entführer will kein Geld, sondern stellt Rätselaufgaben. Die Lösung soll Assmann auf der Bühne darbieten, sonst sterben die Kinder. Assmann muss sich schnell zwischen Ruhm und dem Wohl seiner Kinder entscheiden, denn Rebecca benötigt lebenswichtige Medikamente. Petra Busch's dritter Thriller mit dem Hauptkommissar Moritz Ehrlinspiel führt den Leser auf geschickte Weise immer wieder in die Irre, bevor sich erst ganz am Schluss die Lösung abzuzeichnen beginnt.

Petra Busch: Zeig mir den Tod.
Knaur, 432 Seiten, 9,99 €.

Geändert:  07 / 2020