„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2020



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Isabella Magdalena Banger 


„Buch der Engel“
von Marah Woolf

Von Lucifer betrogen und benutzt, von der eigenen Schwester verraten – das ist alles, woran Moon denken kann. Doch das ist nicht das eigentliche Problem, auf das sie sich konzentrieren sollte: Nur eine Schlüsselträgerin fehlt den Engeln noch. Ein letztes Mädchen, um die Tore zum Paradies zu öffnen und damit die Erde zu zerstören. Die Welt steht kurz vor ihrem Untergang.

Um dem Anblick ihrer Schwester mit Lucifer zu entkommen, wechselt Moon von Lucifer's zu Michael's Hof. Dort erfährt sie, dass die anderen Erzengel planen, Lucifer zu hintergehen. Sie werden das Paradies nicht mit ihrem verhassten Bruder und den gefallenen Engeln teilen. Sie haben einen Weg gefunden, der zu seiner endgültigen Vernichtung führt.

Bevor Moon diese Information verarbeiten kann oder gar entscheidet, wie sie sie einsetzt, erfährt sie von ihrer eigenen Bestimmung. Sie wusste, dass ihre Mutter sie als Waffe gegen den Weltuntergang ausbildete, doch als sie erfährt, was ihre Aufgabe ist, wendet sie sich ab. Sie soll die anderen Schlüsselträgerinnen vergiften und so die Apokalypse aufschieben.

Da sie sich weigert, unschuldige Leben zu opfern, muss sie einen eigenen Weg finden, die Welt zu retten. In verschiedenen Interpretationen der Bibel sucht sie nach Antworten: Wie wird die Apokalypse verlaufen? Was hat Lucifer vor? Welche Rolle spielt ihre Schwester? Und vor allem: Wie kann Moon den Untergang der Welt aufhalten, wenn alle gegen sie sind und niemand das ist, was er zu sein scheint?

„Das Buch der Engel“ überzeugt als packendes Finale der „Angelussaga“. Wie schon in den ersten zwei Bänden ist es unmöglich zu sagen, wer gut und wer böse ist, wodurch Spannung beim Lesen garantiert wird. Neben der Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen, dass die Welt retten muss und einem Engel, der sie vernichten will, gibt die Autorin hier im dritten Band der Reihe noch mehr Einblick in eine persönliche und sehr spannende Interpretation der Bibel. Ein gelungener Abschluss der Buchreihe.

Marah Woolf: Buch der Engel.
Piper, 480 Seiten, 12,00 €


„Das Hotel der Erinnerung“
von Chelsea Bobulski

Das „Great Winslow Hotel“ ist anders als alle anderen Hotels, in denen Nell bisher gewohnt hat – und sie hat in vielen gewohnt. Mit einem Hotel-Manager als Vater kann sie sich gar kein anderes Leben vorstellen. Doch dieses Hotel ist größer, imposanter, vornehmer und teurer als alles, was Nell bisher gesehen hat.

Sie hält es für ihr ganz persönliches Traumschloss – bis sie die Eingangshalle betritt. Dort hört sie Stimmen, die niemand sonst hört, sie wird von einer unerklärlichen Panik überfallen und hat das starke Verlangen, wegzulaufen. Und es wird nicht besser: Sie hat die schlimmsten Albträume und fühlt sich verfolgt, bis sie schließlich an ihrem Verstand zweifelt.

Um sich abzulenken und sich nicht in der Panik zu verlieren, hilft sie dabei, alte Akten des Hotels für eine Ausstellung zu sortieren und stößt dabei auf einen Zeitungsartikel, der sie nicht mehr loslässt: Der Bericht über ein Mädchen namens Lea, das vor Jahren im Hotel ermordet wurde – ohne dass der Mörder je gefasst wurde. Nell ist wie besessen von dieser Geschichte und versucht, mehr darüber hinauszufinden. Ihre Suche führt sie immer wieder zu dem Hotelangestellten Alec, der zum einen nichts mit ihr zu tun haben will, sie zum anderen aber auch übervorsichtig beschützt.

Was verheimlicht Alec vor Nell? Warum kommt er ihr so vertraut vor? Und was weiß er über den Mord an Lea? Eine spannende Geschichte mit undurchschaubaren Verwicklungen, die vom Schicksal zweier Mädchen berichtet, die nur durch die Zeit getrennt sind und die eine tragische Liebesgeschichte verbindet, die von einem dunklen Schicksal überschattet wird. Das Buch ist spannend, gruselig, romantisch und unmöglich aus der Hand zu legen. Die perfekte Mischung aus Thriller und Liebesgeschichte.

Chelsea Bobulski: Das Hotel der Erinnerung.
Carlsen, 352 Seiten, Taschenbuch 13,00 €.


„Die Frau in der Themse“
von Steven Price

1885 stirbt Charlotte Reckitt in London – doch wo ihr Leben endet, erreicht ihre Geschichte die Pointe. Wie ist sie gestorben? Sie wurde ermordet. Vermutlich. Aber wer kann das schon so genau wissen? Sie war eine schöne Frau, stolz, unabhängig und vor allem eine Gesetzlose.

In ihrem Leben war sie das Ziel zweier Männer: William Pinkerton, ein berüchtigter Detektiv aus Amerika, und Adam Foole, ein Dieb und Gesetzloser, genau wie Charlotte. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, doch nun werden sie gegen ihren Willen durch eines einander gebunden: Den Drang, den Mörder von Charlotte Reckitt zu finden.

Für Adam Foole ist sie die Vergangenheit: Eine teuflische Geliebte, die ihn bei seinen größten Verbrechen begleitete, die er aber seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Für William Pinkerton ist sie das Ende einer langen Suche, einer Besessenheit, denn sie hätte ihn zu einem Mann führen können, den schon sein Vater jagte: Edward Shade.

Als Foole und Pinkerton aufeinandertreffen, ahnt keiner der beiden, welche Auswirkungen diese Begegnung haben wird. Beide haben andere Sorgen: Wer ist Edward Shade? Und was passierte wirklich mit Charlotte Reckitt?

Was diesem Roman hervorragend gelingt, ist, vergangene Welten lebendig werden zu lassen. Nicht nur London 1885 wird authentisch beschrieben und zieht den Leser in eine andere Zeit, auch etliche weitere Schauplätze geben ein eindrucksvolles Bild der Vergangenheit wieder. Jede Figur hat ihre eigene Vorgeschichte und jede dieser Geschichten spielt an einem anderen Ort – der Leser wird in der Vergangenheit um die halbe Welt geführt und glaubt, sich selbst dort zu befinden.

Die Handlung an sich ist auch spannend, es werden einige mysteriöse Fragen aufgeworfen, deren Auflösung oft einen Aha-Moment bewirkt. Insofern ein gelungenes Buch.

Allerdings muss die Vorliebe für historische Kriminalromane beim Leser schon vorhanden sein: Das hier ist kein Buch zum schnellen Lesen zwischendurch, einzelne Handlungsstränge werden aufwendig eingeführt und müssen für ein komplettes Verständnis aufmerksam gelesen werden. Der Roman ist sehr umfangreich, und nur jemand, der sich in dem Genre zuhause fühlt, wird die 1.000 Seiten mit Spannung durchhalten. Wem diese Art von Erzählung aber bereits in der Vergangenheit Freude bereitet hat, wird vor der Länge nicht zurückschrecken.

Steven Price: Die Frau in der Themse.
Diogenes, 928 Seiten, 28,00 €.


„Die Rückkehr der Engel“
von Marah Woolf

Die Welt hat sich verändert. Früher gab es nur wenige, die an die Existenz Gottes geglaubt haben, und davon träumten, dass Engel die Erde betreten würden, um die Menschen von ihrem Leid zu erlösen.

Diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen glaubt jeder an die Engel. Als sie vor ein paar Jahren zum ersten Mal die Erde betraten, war der Jubel groß. Die Menschen sprachen von Wundern und Erlösung, sie wollten ihre Welt mit den Engeln teilen und mit ihnen zusammen ins Paradies eintreten. Doch die Engel waren nicht die göttlichen, rein guten Geschöpfe, als die sie in den Legenden dargestellt werden.
Sie sind grausam. Menschen sind für sie eine niedere Rasse und sie wollen nichts weniger, als das Paradies mit ihnen zu teilen. Dennoch brauchen die Engel die Hilfe der Menschen, um ihr Ziel zu erreichen und beherrschen deshalb seit ihrer Ankunft die Erde.

Es ist eine Welt voller Ungerechtigkeit und Grausamkeit. In dieser Welt lebt die 18-jährige Moon mit ihrer Zwillingsschwester und ihrem jüngeren Bruder. In einem dystopischen Venedig unter der Herrschaft der Engel kämpft sie in der Arena, um Geld zu verdienen. Alles, was sie will, ist, ihre Geschwister aus der Stadt zu bringen und sie vor den Engeln zu schützen.

Ihre wichtigste Regel ist, niemandem zu vertrauen, ganz besonders keinem Engel. Doch als sie einen verletzten Engel vor Plünderern rettet, kommt alles anders. Denn offenbar sind nicht alle Engel grausam. Einige sind einfühlsam, liebevoll und verdrehen Moon den Kopf. Oder ist das nur ein Trick, um hinter ihre Geheimnisse zu kommen?

Der erste Band dieser Trilogie ist spannend und mit viel Gefühl geschrieben. Anfänglich kann es schwer sein, sich in die Situation der Geschichte zu versetzten – die bösen Engel sind gar nicht, was man gewohnt ist und anfänglich kann dies befremdlich sein. Aber es lohnt sich, dranzubleiben und Szenerie und Charaktere näher kennenzulernen. Bald fiebert der Leser auf jeder Seite mit und wartet mit Spannung auf die Auflösung.

Auch die Situation an sich ist extrem spannend – ein interessanter Blick auf den Charakter eines himmlischen Geschöpfs aus einer ganz neuen und auch überzeugenden Perspektive.

Marah Woolf: Die Rückkehr der Engel.
Piper, 384 Seiten, 39,00 €.


„Evil Miss Universe“
von Tobias O. Meissner

Was tut man, wenn man schlau, einfallsreich, hinterhältig, grandios und hübsch ist? Man wird zu einer Superschurkin! Das findet zumindest Dominique, eine kleine, eindrucksvolle Frau mit misteriöser Vergangenheit. Von ihrem Wohnsitz in der obersten Etage des „Tour Montparnasse“ aus, erfindet sie die wahnwitzigsten Übeltaten und Abenteuer. Auch wenn ihre Motivationen nicht immer verständlich sind und viele Ideen den Verstand eines einfachen Menschen übertreffen, ist sie so erfolgreich, wie sie nur sein kann.

Egal, ob sie die britischen Kronjuwelen stehlen oder den „Euro Vision Song Contest“ gewinnen will – alles, was sie sich vornimmt, zieht sie mit beeindruckender Präzision durch. Und die Welt bewundert sie. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sich selbst als wunderschöner Engel inszeniert. Woher sollen die Menschen auch wissen, dass der Firmenname „EMU“ nicht für „Emotions Morals Uniqueness“ steht ...

Einzig ein Widersacher stellt sich ihr in den Weg und das immer wieder: Mr. Right, ein selbsternannter Superheld der USA, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Dominique zu vernichten.

Dieses Buch ist auf eine herrlich humorvolle Art kritisch. Durch den zynischen Einbezug der Realität wird der Roman lebendig und lässt den Leser stellenweise daran zweifeln, ob wirklich alles nur erfunden ist. Die Mischung aus Superschurkin und modernem Robin Hood, die sich in Dominique vereint, mach das ganze zu einem absoluten Lesevergnügen für alle, die Abwechslung und Zynismus zu schätzen wissen.

Tobias O. Meissner: Evil Miss Universe.
Piper, 320 Seiten, 15,00 €.



„Falling Skye – Kannst du deinem Verstand trauen?“
von Lina Fritsch

Seit die Vereinigten Staaten von den ‚gläsernen‘ Nationen abgelöst wurden, ist Amerika ein besserer Ort. Denn die Führer der ‚gläsernen‘ Nationen haben einen Weg gefunden, Diskriminierung und Kriminalität für immer zu beenden. Durch die Einteilung der Menschen in „Ratio“ und „Senso“ wird jede Unzufriedenheit ausgelöscht, jeder bekommt den Platz in der Gesellschaft, der ihm durch sein Temperament zusteht. Die Rationalen leiten den Staat, sie haben die obersten Positionen, die meiste Macht und führen Berufe aus, in denen wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen. Das steht den Emotionalen nicht zu. Durch ihr gefühlsbasiertes Handeln sind sie nicht in der Lage, die richtige Entscheidung in einer Krisenlage zu treffen. Sie werden mit der Aufgabe der Kindeserziehung betraut, sie arbeiten in Pflegeheimen und überall sonst, wo eine mitleidige Hand gebraucht wird.

Als die 16-jährige Skye zu ihrer Testung einberufen wird, macht sie sich wenig Sorgen – sie ist davon überzeugt, eine Rationale zu sein. Doch kurz vor ihrem Aufbruch ins Testungszentrum überschlagen sich die Ereignisse und Skye beginnt an ihrer Bestimmung zu zweifeln. Dennoch will sie den Traum von einem großartigen Leben und dem Studium an einer Elite-Universität nicht aufgeben, drängt ihre Gefühle zurück und benimmt sich in jeder Hinsicht rational. Mit Erfolg, denn anders als die meisten besteht sie jede Prüfung mit einem rationalen Ergebnis.

Doch ihr wird schnell klar, dass mit dem Zentrum etwas nicht stimmt. Warum werden Mädchen und Jungs vollkommen voneinander isoliert? Und wohin verschwinden die Mädchen, die jeden Tag im Ranking absinken?

Als die Prüfungen immer verstörender und unmenschlicher werden, versucht Skye mit der Hilfe eines mysteriösen Testleiters herauszufinden, was wirklich im Zentrum passiert. Ihre Entdeckung zerstört brutal ihr bisheriges Weltbild. Denn es ist nicht Rationalität und Emotionalität worauf die Mädchen getestet werden ...

Ein Geschichte der Ungerechtigkeit und guter Vorsätze, die zur Unterdrückung der andersartigen führen. „Falling Skye>“ zeigt dem Leser eine neue Weltordnung der totalen Überwachung, in der ein Mensch nicht mehr nach seinen Fähigkeiten, sondern nur nach seinen Charakterzügen beurteilt wird. Ein wirklich erschütternder Roman, der gnadenlos die Beeinflussbarkeit und die Tendenz zur Mitläuferschaft der Menschheit beleuchtet.

Lina Frisch: Falling Skye – Kannst du deinem Verstand trauen?
Coppenrath, 464 Seiten, 20,00 €.


„Four dead Queens“
von Astrid Scholte

Quadara ist ein Land, das von vier Königinnen regiert wird. Jede herrscht über den Quadranten, in dem sie aufgewachsen ist, jede muss sich an Regeln halten, um den Frieden des Landes zu gewährleisten. Doch nicht alle Regeln sind leicht zu befolgen und im Laufe der Zeit hat jede von ihnen mindestens eine gebrochen.

Im Quadranten Toria lebt die junge Diebin Keralie. Um ihrer Vergangenheit zu entkommen, konzentriert sie sich nur auf das Leben als Diebin – dieses Leben wird jedoch komplett aus der Bahn geworfen, als ihr Mentor und bester Freund Mackiel ihr befiehlt, einem eonistischen Boten vier Erinnerungschips zu stehlen. Doch anders als sonst verkauft Mackiel Keralies Beute nicht, sondern behält sie für sich selbst. Keralie beginnt zu ahnen, dass er nicht der harmlose Boss einer Diebesgilde ist, der er zu sein scheint. Kurz entschlossen stielt sie die Chips mit Hilfe des Boten zurück – und wird unfreiwillig Zeugin der darauf enthaltenen Erinnerungen: Jeder Chip zeigt den Mord an einer Königin. Alle vier Königinnen von Quadara sind tot.

Keralie und der Bote beschließen, ihre Informationen über den Mörder in den Palast zu bringen; beide hoffen auf eine Belohnung, die ihr aussichtsloses Leben verändern könnte. Doch im Palast angekommen erwartet sie ein Schock: Es waren keine Erinnerungen, die sie auf den Chips gesehen haben. Es waren Pläne. Die Königinnen leben. Für Verwirrung bleibt ihnen nicht viel Zeit, denn kurz darauf stirbt die erste Königin vor ihren Augen, genauso, wie die Chips es zeigten. Sie müssen schnell handeln, denn niemand weiß, wie lange der Mörder wartet, bevor er das nächste Mal zuschlägt ...

Ein Kriminalroman in einer Fantasy-Welt. Spannend, grausam und fantasievoll. Der Leser fiebert mit, ob wenigstens eine der Königinnen, die einem im Laufe des Buches ans Herz wachsen, den Mörder überlebt. Die unerwartete Auflösung über Mörder und Drahtzieher im Hintergrund beruht auf einer unglaublichen Verschwörung, die viel tiefer geht, als man es zu Beginn des Buches auch nur ahnen könnte.

Astrid Scholte: Four dead Queens.
Piper, 448 Seiten, 16,00 €.


„Ich hab' nichts gegen Frauen, du Schlampe!“
von Sarah Bosetti

Ob es die bösen Ausländer sind, die dumme Frau oder der böse Feminismus – als politisch engagierte Feministin bekommt Sarah Bosetti jeden Tag Hasskommentare von fremden Menschen. Eine Frau solle nicht sprechen, das störe ihr Aussehen und derartige Sachen muss sie täglich lesen, einige Menschen wünschen ihr sogar den Tod.

Natürlich könnte sie diese Kommentare mit Hass erwidern – aber wo bliebe denn da der Spaß? So entstand dieses Buch – ein Gedichtband, in dem Sarah Bosetti mit Liebesgedichten auf ihre Hasskommentare antwortet. Ihre Gedichte sind witzig, zynisch und stellen den wütenden Hasskommentar-Verfassern eine ordentliche Portion Intelligenz und Schlagfertigkeit entgegen.

Neben ihrer hohen thematischen Wichtigkeit sind die Gedichte auch noch sehr unterhaltsam; Spaß ist beim Lesen dieses Buches auf jeden Fall garantiert. Die meisten Gedichte enthalten eine humorvolle Schlusspointe, sie passen sich in Sprache und Stil perfekt an den heuteigen Zeitgeist an.

Auch die behandelten Probleme spiegeln unsere Zeit wieder: Durch Anonymität im Internet, kommt es oft zu Wellen von Hasskommentaren, Negativität wird wahl- und grundlos vergeben. Es gibt Menschen, die ihren Frust über das Internet an Fremden auslassen, einfach weil sie wütend sind, weil es ihnen Macht gibt oder weil sie mit der Masse schwimmen. Auf diese Probleme weist Sarah Bosetti mit ihrem Werk nicht nur hin, sie ist uns allen auch ein gutes Beispiel, wie man mit Hass umgehen sollte.
Würden alle Menschen so auf Hass reagieren, wie sie es tut, gäbe es vermutlich gar keinen Hass mehr.

Damit ist dieses Buch etwas für alle, die in irgendeinem Regal noch Platz dafür haben. Man muss dafür weder weiblich noch feministisch veranlagt sein, ihr Humor und ihre Art, Hass mit schlagfertiger Liebe zu erwidern, werden jeden begeistern.

Sarah Bosetti: Ich hab' nichts gegen Frauen, du Schlampe.
Rowohlt, 128 Seiten, 10,00 €.


„Katzen – Samtpfoten aus aller Welt“
von Tuul und Bruno Morandi

Seit Jahren reist das Fotografenpaar Morandi durch die ganze Welt und nimmt eindrucksvolle wie unbeschreibliche Momente auf. Ein Motiv kam den Fotografen während ihrer Reisen immer wieder vor die Kamera: die Katze. Beheimatet in aller Welt kreuzte sie immer wieder ihren Weg und hat in diesem Buch den Ehrenplatz gefunden, der ihr gebührt.

Diese Mischung aus Fotobuch, Poesiealbum und Reiseführer zeigt nicht nur niedliche, bewegende und spannende Bilder, es führt den Betrachter außerdem einmal um die Welt und lässt ihn einen Blick auf enge Gassen in Marokko werfen, auf griechische Inseln und japanische Katzentempel. Man bekommt einen Eindruck von den verschiedensten Orten und auch von ihren Bewohnern, die auf vielen Bildern mit den Katzen zu sehen sind.

Die Fotos sind hochwertig und werden durch verschiedene Perspektiven und ein gutes Auge zu echter Kunst.

Die Bilder sind nicht das Einzige, was das Buch beinhaltet, auf vielen Seiten finden sich Gedichtauszüge oder die Gedanken berühmter Menschen zur Katze. Die besondere Bedeutung der einzelnen Bilder wird hierdurch noch stärker hervorgerufen und betont, die verschiedenen Kunstformen von Bild und Text ergänzen sich zu einer perfekten Harmonie.

Auch interessante Informationen über die Katze werden im Buch erläutert, vor allem mit dem Blick auf ihre interkontinentale Verbreitung. Und nicht nur der historische Weg der Katze wird beschrieben, auch die Reise der Fotografen wird thematisiert.

Ein Buch, das zum Träumen anregt und Sehnsucht nach fernen Ländern weckt. Es ist etwas für alle Katzenliebhaber, Reisebegeisterte und Bewunderer der künstlerischen Fotografie.

Tuul und Bruno Morandi: Katzen – Samtpfoten aus aller Welt.
Frederking & Thaler Verlag, 256 Seiten, 29,99 €.


„Kill the Queen – Die Splitterkrone 1“
von Jennifer Estep

Als Siebzehnte in der Thronfolge von Bellona ist Lady Everleigh Winter Blair für all die Dinge zuständig, die sonst keiner aus der königlichen Familie übernehmen will. So backt sie Kuchen, lernt Begrüßungstänze und lebt abseits von den wirklich Mächtigen in einer kleinen Kammer im obersten Winkel der Burg. Denn wer mächtig ist, entscheidet sich durch die Magie, die jemand besitzt und Evie hat keine einzige übernatürliche Fähigkeit. Zumindest lässt sie das jeden glauben, denn sie weiß, in welcher Gefahr sie sich sonst befinden würde.

Dass sie als harmlos eingestuft wird, rettet ihr kurz darauf das Leben: Als ihre Cousine, die Kronprinzessin Vasilia, ihre Mutter und den Rest der Familie ermordet, um unbegrenzte Macht zu erlangen, ist Evie die einzige, die entkommen kann.

Die letzten Worte ihrer Königin führen sie zu einer berühmten Gladiatorengruppe, deren Anführerin die einzige sein soll, der Evie vertrauen kann. Doch nachdem die komplette Familie vor einem ermordet wurde und die Mörderin nicht nur ungestraft davonkommt, sondern auch Anstalten macht, den Thron zu besteigen und das Land in einen Krieg zu stürzen, ist es gar nicht so einfach zu vertrauen. Evie beschließt, sich selbst zur Gladiatorin ausbilden zu lassen, ohne ihre Herkunft zu verraten, um herauszufinden, ob sie diesen Menschen wirklich vertrauen kann. Denn sie ist die einzige, die die Wahrheit über den Anschlag in der Burg kennt, der einzige Zeuge, der überlebt hat. Und sie ist die letzte Überlebende der königlichen Familie und damit die einzige, die Vasilia die Macht entreißen und das Land retten kann.

Die erste High-Fantasy-Welt, die die Autorin erschaffen hat, kann als großartiger Erfolg gewertet werden. Das Buch ist spannend und witzig, dazu kommt die starke Heldin mit dem leicht zynischen Humor, die alles aufs Spiel setzt, um die Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Alle Figuren haben ein hohes Identifikationspotenzial, es macht Spaß, an ihrer Seite den Weg zur Gerechtigkeit zu gehen. Für jeden Fantasy-Fan und solche, die es werden wollen absolut lesenswert!

Jennifer Estep: Kill the Queen – Die Splitterkrone 1.
Ivi, 496 Seiten, 17,00 €.


„Lebensläufe der berühmtesten Maler,
Bildhauer und Architekten“
von Georgio Vasari

25 Biografien befinden sich in diesem Buch. Von Cimabue über Giotto und da Vinci zu Michelangelo beschreibt Georgio Vasari das Leben aller namenhaften Künstler der italienischen Renaissance. Dabei wird zum einen deren Hauptwerk beleuchtet, welches in chronologischer Reihenfolge steht, zum anderen wird lebendig beschrieben, wie die jeweiligen Künstler zu ihrer Berufung fanden, wo sie in die Lehre gingen und wie ihr Privatleben aussah.

Wer ging bei wem in die Lehre, wer übertraf seinen Meister mit seiner Kunst und welche bahnbrechenden Veränderungen brachten viele der genannten Künstler in das damalige Verständnis der Kunst?

All diese Informationen werden von Vasari im Kürzesten zusammengefasst, jede Biografie umfasst nur wenige Seiten. So ist es jedem möglich, die wichtigsten Informationen in kurzer Zeit zu erfassen und einen Schnelldurchlauf in künstlerischer Bildung durchzumachen.

Obwohl der Text schon alt ist – Vasari selbst war ein italienischer Künstler des 16. Jahrhunderts – lässt er sich für den heutigen Leser gut verstehen und einfach nachvollziehen. Italienische Zitate und Anspielungen auf nicht beschriebene Kunstwerke sind mit Fußnoten versehen und können im hinteren Teil des Buches nachgeschlagen werden, sollte Unverständnis auftreten.

Der kleine Teil schriftstellerische Fantasie, die in die Biografien eingebaut wird, nimmt dem Ganzen den Charakter einer trockenen wissenschaftlichen Arbeit und macht das Buch durch verschiedene Anekdoten zu einem echten Lese- wie Lernvergnügen. Ob Giotto wirklich von seinem Meister entdeckt wurde, als er ein Schaf auf einen Stein zeichnete, kann heute nicht mehr geklärt werden. Fakt ist aber, dass es den Leser unterhält und diese Sammlung an Biografien durch derart faszinierende Details einzigartig wird.

Die neuste Übersetzung dieses Wegleiters der Kunstgeschichte ist in einem praktischen Format gedruckt – die Kürze der Biografien findet sich im Äußeren des Buches wieder: Recht dick, dafür aber sehr klein und praktisch zu verstauen und ideal für jede Italienreise. Kunstliebhaber können vor Ort schnell das Leben eines Künstlers nachschlagen, wenn sie vor einem beeindruckenden Werk der Renaissance stehen, das Buch passt garantiert in jede Reisetasche, nimmt wenig Platz weg und ist sehr leicht.

Wer sich für Kunstgeschichte interessiert, von der italienischen Kunst begeistert ist oder sich einfach schnell etwas Wissen aneignen will, ist mit diesem Buch gut beraten. Es gibt wohl kein zweites Buch, das die italienische Kunstgeschichte von drei Jahrhunderten so kompakt wie komplex wiedergibt.

Georgio Vasari: Lebensläufe der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten. Manesse Verlag, 768 Seiten, 25,00 €.


„Teenie Voodoo Queen“
von Nina MacKay

Als leicht pummeliger Teenager hat man es zwischen oberflächlichen Mitschülern nicht immer leicht. Die Voodoo-Hexen-Abendschule sollte also eigentlich eine Abwechslung für Dawn Decent sein, denn dort geht es vielmehr darum, sich mit den Loas – götterähnlichen Geisterwesen – zu verbinden, statt auf Äußerlichkeiten zu achten. Nur ist Dawn leider die unbegabteste Voodoo-Hexe der Welt. Welchen Zauber sie auch versucht, am Ende entstehen nur Rüben und Frösche.

Als sei das alles nicht genug, empfangen die Voodoohexen auch noch die Prophezeiung einer Naturkatastrophe, die ihre Heimatstadt New Orleans zu vernichten droht. Ausgerechnet Dawn wird von ihrer Loa auserwählt, die Stadt zu retten.

Ihr stehen zwei unverhoffte Freunde zur Seite: Jax und Lin, ein Junge, der Jahre in der Gestalt eines Alligators verbracht hat und jetzt schokoladensüchtig ist, und ein Loa, der in eine menschliche Lebensform gezwungen wurde. Ihre Mitschüler beneiden sie um die beiden Jungen an ihrer Seite, doch Dawn hat Zweifel an der Sache, denn keiner der beiden scheint wirklich der zu sein, für den er sich ausgibt. Sind sie wirklich ihre Freunde? Warum schleicht Jax sich nachts weg und tut am nächsten Tag so, als könne er sich an nichts erinnern? Was treibt Lin wirklich an – der Wunsch, Dawn zu helfen, oder das Verlangen, wieder zum Loa zu werden?

Eine spannende und witzige Geschichte voll interessanter Informationen über Voodoo und fremde Kulturen. Bestechende Charaktere überzeugen mit Einzigartigkeit und unerwarteten Wendungen. Genau das richtige Buch für jeden, der sich für Magie, unbekannte Kulturen und eine gewisse Portion Spannung interessiert.

Nina MacKay: Teenie Voodoo Queen.
Verlag Ivi, 448 Seiten, 15,00 €.


„Verborgenes Venedig“
von Thomas Jonglez, Paola Zoffoli und Irene Galifi

Venedig ist eine der meistbesuchten Städte der Welt. Jährlich bewundern Menschen aus aller Herren Länder die einzigartige Stadt – und werden dabei oft vom Touristenstrom mitgerissen, ohne sich wirklich auf alle Sehenswürdigkeiten konzentrieren zu können. Man neigt dazu, in den Gassen enge Kreise um die Hauptattraktionen zu ziehen ohne auch an die weniger bekannten Schönheiten der Stadt zu gelangen.

Dieser Reiseführer kann dagegen helfen. Er beinhaltet unzählige geheime Orte, Sehenswürdigkeiten und Details, die teilweise nicht einmal als solche scheinen, sondern so unscheinbar sind, dass man ohne die Hilfe dieses Buches daran vorbeigegangen wäre. Mit historischem Hintergrundwissen ergänzt, werden eine Kerbe im Boden, der Steinkopf einer Frau und unzählige in die Wände eingelassene Symbole zu spannenden Wegweisern durch die Stadt abseits der üblichen Touristenpfade.

Was bedeuten die Linien auf dem Markusplatz? Was ist die Himmelsarznei? Wie sollte die Rialtobrücke ursprünglich aussehen? Das Buch gibt antworten hierauf und weist auf geheime Orte und versteckte Gärten hin, von denen teilweise auch Einheimische nichts wissen.

Die einzelnen Plätze sind nach Stadtteilen sortiert, auf Karten werden sie genau verzeichnet, sodass man sie gut finden kann. Bei jeder Sehenswürdigkeit befindet sich auch eine Anmerkung, was in nächster Umgebung bewundert werden kann, weiterhin sind Öffnungszeiten und eventuelle Ansprechpartner abgedruckt, dazu kommen hilfreiche Anmerkungen, wie zum Beispiel die beste Zeit für einen Besuch.

Für Reisende, die Venedig zum ersten Mal besuchen, empfiehlt es sich, das „Verborgenes Venedig“ in Ergänzung zu einem konventionellen Reiseführer zu nutzen, denn durch die vielen Details kann man schnell den Überblick über das Gesamtbild der Stadt verlieren. Der Reiseführer ist jedoch unglaublich gut recherchiert und die ideale Lösung für Reisende, die mehr sehen wollen, als alle anderen. Auch Leuten, die zum widerholten Mal die Stadt besuchen, werden von diesem Reiseführer begeistert sein, denn er gibt immer etwas Neues zum Entdecken. Sogar Leser, die nicht planen, die Stadt zu besuchen, sich aber für italienische Geschichte interessieren, werden mit dem Buch ihre Freude haben.

Thomas Jonglez / Paola Zoffoli / Irene Galifi: Verborgenes Venedig.
Jonglez Verlag, 432 Seiten, 19,95 €.


„Zorn der Engel“
von Marah Woolf

Moon's Plan, ihre Geschwister aus Venedig zu schmuggeln, um sie vor den Engeln zu schützen, ist fehlgeschlagen. Sie wurde verraten. Statt ihre Geschwister zu beschützen ist sie selbst in die Hände der Engel gefallen, sie selbst ist eine der Schlüsselträgerinnen, die die Tore zum Paradies öffnen und die Menschheit vernichten sollen.

Als Moon die Flucht aus dem Kerker des Dogenpalastes gelingt, kann sie ihr Glück kaum fassen, doch dann gerät sie ausgerechnet an den gefährlichsten aller Engel: Lucifer. In Erwartung einer Bestrafung ist sie umso überraschter, als Lucifer sich ihr gegenüber sanft und freundlich verhält. Statt sie zurück in den Kerker zu schicken und dem Schicksal zu überlassen, lässt er sie in seinen Teil des Palastes ziehen, wo sie zwischen seinem Gefolge, den gefallenen Engeln leben soll.

Was wie ein Albtraum klingt, ist in Wirklichkeit Moon's Rettung. Die Engel des fünften Hofes hassen sie nicht, sie behandeln sie wie Ihresgleichen, allen voran Lilith, Mutter aller Dämonen. Sie alle helfen Moon, sich auf die Prüfung zur Schlüsselträgerin vorzubereiten. Doch sie ahnen nicht, dass Moon Teil eines größeren Plans ist. Sie ist keine Schlüsselträgerin und soll durch ihre Anwesenheit die Öffnung der Himmelstore verhindern. Doch nur eine echte Schlüsselträgerin kann die Prüfung gewinnen ... Wer unwürdig ist, stirbt meist.

Während ihrer Vorbereitung kann Moon die Ablenkung, die von Lucifer und seinem Gefolge ausgeht wirklich nicht gebrauchen, doch sie machen es ihr nicht leicht. Wem kann sie vertrauen? Immerhin ist es Lucifer, der die Vernichtung der Menschheit hinnimmt, um sich an seinen Brüdern zu rächen und die Himmelstore zu öffnen.
Mit dem zweiten Band der „Angelussaga“ übertrifft die Autorin sich selbst. Während der erste Band aufgrund der Rollenverteilung von Gut und Böse noch gewöhnungsbedürftig erschien, werden die Charaktere und Motive der einzelnen Figuren nun genauer beleuchtet und lassen den Leser verstehen, wieso die Engel böse sind, die gefallen Engel hingegen gut. Spannung und Aufregung sind auf jeden Fall garantiert. Ein Fantasy-Roman, der unsere Definition von Gut und Böse neu interpretiert.

Marah Woolf: Zorn der Engel.
Piper, 448 Seiten, 12,00 €.

Geändert:  07 / 2020