„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

Im März 2017

INTERVIEW
mit Andrea Mangels  (Hunde-Trainerin)


Wie Hunde und Hundehalter ticken ...

CELLE. Zusammen mit Katzen gehören Hunde zu der Deutschen liebsten Haustiere. Während Katzen meistens eher zurückhaltendere Zeitgenossen und meist auch eher Einzelgänger sind, treten Hunde öfter in Erscheinung – optisch wie akustisch – und fast ausschließlich an der Seite ihres Menschen, einem Menschen, der nicht selten ein sehr emotionales Verhältnis zu seinem Tier unterhält, wodurch durchaus auch mal der objektive Blick verlorengeht und der Blick dafür, dass ein Hund eben kein Mensch ist; und dass das Verhalten eines Hundes mit dem Verantwortungsbewusstsein des Hundehalters steht und fällt.

Interview-Partnerin Andrea Mangels hat seit ihrer Jugend mit Tieren zu tun. Es hat ihr nie genügt, einfach nur mit einem Hund an der Leine spazierenzugehen oder sich aufs Pferd zu setzen und loszureiten. Vielmehr war sie schon immer fasziniert davon, einen möglichst artgerechten Weg der Verständigung mit dem jeweiligen Tier zu finden. Nachdem sie sich einige Jahre ausschließlich auf die Arbeit mit Pferden konzentriert hatte, bekam sie beim „Hundetrainerteam Hannover“ Einblicke in die Arbeit mit Hunden. Dort absolvierte sie auch ihre Ausbildung und ist inzwischen zertifizierte Hunde-Trainerin und Hunde-Verhaltenstherapeutin.

In dem Interview wird einer ganzen Reihe von Fragen nachgegangen, die sowohl für Hundehalter interessant sein dürften als auch für Leute, die ihre Probleme im Umgang mit Hunden haben.


„Celler Scene“: Wenn von Hunden die Rede ist, spricht man oft auch von einer Einteilung der Hunde in harmlose und gefährlich Arten. Was ist davon zu halten?



(Foto: © Frank R. Bulla)

Andrea Mangels: Wenig. Tatsächlich sprechen die Statistiken über Beißvorfälle mit Hunden eine andere Sprache als die Listen, auf denen in einigen Bundesländern ‚gefährliche‘ Rassen aufgeführt sind. Die Statistiken werden seit Jahren angeführt vom deutschen Schäferhund, gefolgt von Mischlingen. Auch Dobermann und Spitz liegen in der Statistik noch weit vor den sogenannten Kampfhunden. In Niedersachsen gibt es übrigens keine Rasse-Liste. Gleichwohl kann jede Gemeinde für Hunde, die irgendwo auf irgendeiner Liste stehen, beliebig höhere Steuern verlangen.

„Celler Scene“: Wo wir gerade bei Steuern sind: Was ist eigentlich Sinn und Zweck der Hundesteuer? Viele Hundebesitzer scheinen zu glauben, die Zahlung der Hundesteuer legitimiert das Häufchenmachen ihrer Lieblinge ...

Andrea Mangels: Die Frage kann ich nicht beantworten. Es ist eine reine Luxussteuer. Die Beseitigung von Hundekot wird damit jedenfalls nicht finanziert! Das sollte auch jeder Hundehalter wissen.

 

   Die Steuersätze in Celle betragen derzeit jährlich (2017)

 

  • für einen Hund:  78 Euro
  • für den zweiten Hund:  120 Euro
  • für jeden weiteren Hund:  156 Euro
  • für jeden gefährlichen Hund:  600 Euro


„Celler Scene“: Das Thema Hundesteuer soll an dieser Stelle abgeschlossen werden mit einem aussagekräftigen Statement, das bei „Wikipedia“ zu finden ist:

 

   Hundesteuer

 

  • „Die Hundesteuer ist eine Gemeindesteuer, mit der das Halten von Hunden besteuert wird. Wie jede Steuer ist sie eine öffentlich-rechtliche Abgabe, der keine bestimmte Leistung (etwa das Reinigen der Straßen von Hundekot) gegenübersteht und die nach dem Gesamtdeckungs-Prinzip zur Finanzierung aller kommunalen Aufgaben mitverwandt wird.“


„Celler Scene“: Der sogenannte Hundeführerschein ist immer wieder Thema, wenn Bürger um ihre Sicherheit bangen. Ist eine solche Legitimation sinnvoll?

Andrea Mangels: Ja. Zunächst einmal werden zumindest Ersthundehalter dadurch gezwungen, sich vor Anschaffung eines Hundes mit einigen theoretischen Fragen zum Thema „Hundehaltung“ auseinanderzusetzen. Auch, um dann innerhalb eines Jahres nach Anschaffung des Hundes die praktische Prüfung abzulegen, wird man nicht umhin kommen, sich mit dem Thema „Erziehung / Training“ zu befassen.
Die Rahmenbedingungen sind allerdings meiner Meinung nach nicht ganz zu Ende gedacht. Vom sogenannten Sachkundenachweis bleibt z. B. verschont, wer im vergangenen Jahrzehnt bereits zwei Jahre lang ohne Unterbrechung einen Hund gehalten hat und mit diesem nicht ‚auffällig‘ geworden ist. Das bedeutet nach meiner Erfahrung aber noch lange nicht, dass ein Hundehalter, der einige Jahre sein Leben beispielsweise mit einem Kleinpudel geteilt hat, jetzt auch über ausreichend Sachkunde verfügt, um für einen Herdenschutzhund ein geeignetes Zuhause mit entsprechender Beschäftigung zu bieten.

Außerdem besteht die Möglichkeit, den praktischen Teil mit einem fremden Hund zu absolvieren. Weshalb das so ist, erschließt sich mir nicht.

 

   Haustiere in Deutschland (2015)

 

  • Hunde: rund 7,9 Millionen
  • Katzen: rund 12,9 Millionen


„Celler Scene“: Es besteht zur Brut- und Setzzeit – in Niedersachsen bedeutet das vom 1. April bis zum 15. Juli – Leinenpflicht. Warum halten sich viele Hundehalter nicht daran oder geben Begründungen ab, warum die gesetzlichen Vorgaben in ihrem Falle nicht zutreffen?

Andrea Mangels: Darüber lässt sich trefflich spekulieren. Die Argumente gehen von „meiner jagt nicht“ über „meiner bekommt den Hasen doch sowieso nicht“ bis hin zu „der ist mir noch nie weggelaufen“ – und dazwischen gibt es natürlich eine ganze Bandbreite von Ausreden.

Ich denke, wir Hundehalter müssen es einfach akzeptieren, dass es eben ein Gesetz gibt, was wir zu befolgen haben. Ob das nun sinnvoll ist oder nicht, steht nicht zur Debatte.

Andererseits bin ich der Meinung, dass ein Hund, der nicht zuverlässig abrufbar oder gar als gefährlich einzustufen ist, das ganze Jahr an der Leine seines Halters geführt werden muss.

„Celler Scene“: Hunden, die an der Leine geführt werden, geben viele Hundebesitzer heutzutage viel, manchmal zu viel Leine. Zuweilen werden rund zehn Meter lange Leinen beobachtet, sodass ein etwas ängstlicher Passant möglicherweise nicht das Gefühl hat, sicher an dem Hund vorbeizukommen, weil er den Hund in einem Abstand von weniger als drei Metern passieren müsste.

 

   Leinenpflicht für Hunde während der Brut- und Setzzeit

 


Andrea Mangels: Diese langen Leinen sind sogenannte Schleppleinen. Sie werden im Training eingesetzt, wenn mit dem Hund die Kontrolle über eine größere Distanz erarbeitet wird, zum Beispiel „Rückruf“, „Stoppen auf Zuruf“, „Sitz!“, „Platz!“ auf Distanz. Sie sind nicht dazu gedacht, dem Hund die größtmögliche Freiheit bei minimaler Bewegung des Hundehalters zu ermöglichen.

Fälschlicherweise sind aber auch viele Hundehalter der Meinung, dass sie der Anleinpflicht während der Brut- und Setzzeit auch mit einer Flexi- oder Schleppleine gerecht werden. Das halte ich zumindest im Wald und an anderen Stellen, wo tatsächlich Wildtiere sowie auch Enten, Schwäne u. dgl. gestört werden können, für nicht vertretbar.

„Celler Scene“: Braucht ein Hund ‚von Natur aus‘ überhaupt so viel Spielraum? Oder ist es besser, wenn der Hund an der kurzen Leine geführt wird? Oder ist nur der Besitzer nur zu faul, dem Hund auf seinen ‚Abwegen‘ zu folgen?

Andrea Mangels mit Herrn Andor und Fräulein Momo
(Foto: © René Stang / https://renestangfotografie.jimdo.com)

Andrea Mangels: Hunde benötigen je nach Rasse, Größe und Alter sehr unterschiedlich viel Bewegung. Einem Mops wird es wenig ausmachen, seine ohnehin kurzen Spaziergänge ausschließlich an der Leine zu absolvieren, wohingegen ich mit meinen beiden Magyar Vizsla (Jagdhunde) ernsthafte Probleme zu erwarten hätte, wenn ich nicht für regelmäßige körperliche und geistige Auslastung sorgen würde.

„Celler Scene“: Weshalb fehlt es manchen Hundehaltern an der Einsicht, dass nicht jeder es leiden kann, von dem Hund ‚feucht‘ beschnuppert zu werden, und dass es Passanten gibt, die sich vor Hunden fürchten?

Andrea Mangels: Auch dazu kann ich natürlich keine Antwort geben. Ich habe meine Hunde so trainiert, dass sie sich nicht ohne meine Erlaubnis bzw. die ‚Einladung‘ anderen Menschen aufdrängen.

Ich schlage hierbei nochmals den Bogen zum Sachkundenachweis: Tatsächlich wird sich hier auch mit der Frage befasst, wie man sich verhält, wenn einem Kinder, Jogger, Radfahrer etc. entgegenkommen oder Ähnliches. Wer also einen Sachkundenachweis abgelegt hat, wird möglicherweise auch rücksichtsvoller sein.
Die Leute, die aber ihr Leben lang einen aufdringlichen, sabbernden und ungehorsamen Hund hatten, brauchen den Sachkundenachweis nicht zu machen und die werden auch ihr Verhalten nicht überdenken.

Wenn ein freilaufender Hund auf einen zukommt und der Halter brüllt einem zu: „Der tut nix!“, dann kann man nur entgegnen: „Jedenfalls nicht das, was Sie ihm sagen.“ Denn nach meiner Erfahrung sind überwiegend jene Hunde so aufdringlich, deren Menschen sich schlicht nicht um Erziehung und Gehorsam ihres Hundes gekümmert haben. Die rufen ihren Hund einfach deswegen nicht zurück, weil sie genau wissen, dass der Hund sowieso nicht gehorcht.

„Celler Scene“: Apropos: schnuppern. Ein Mensch besitzt rund fünf Millionen Riechzellen, während ein Hund im Mittel über 200 Millionen Riechzellen verfügt. So kann man davon ausgehen, dass ein Hund ständig alle möglichen Gerüche wahrnimmt. Was bedeutet es für einen Hund beim Gassigehen, wenn er permanent herumschnüffelt?

Andrea Mangels: Es ist schon richtig: Hunde scannen ihre Umwelt in erster Linie über ihren hervorragenden Geruchssinn. Es gibt allerdings typbedingt sehr große Unterschiede in der Motivation. So wird sich ein intakter Rüde – d. h., ein unkastrierter – vornehmlich für die Duftspuren möglicherweise läufiger Hündinnen interessieren. Ein anderer Hund ist vielleicht ständig auf der Suche nach irgendetwas Fressbarem – gerne auch mal Kot von Kaninchen, Hasen, Enten etc. –, wieder ein anderer bemüht sich nach Kräften, etwas für die menschliche Nase besonders Widerliches zu finden, z. B. Aas, um sich genüsslich darin zu wälzen. Bei der letzten Variante steckt nicht die Absicht des Hundes dahinter, sein Herrchen / Frauchen zu ärgern, sondern für ihn ist es einfach ein unwiderstehliches Parfum. Fakt ist, dass man als Hundehalter gut daran tut, einen Hund nicht unendlich lange an einer Stelle verweilen zu lassen. Ich zähle immer „21 ... 22“ und weiter geht's ...

„Celler Scene“: Man hört immer wieder davon, dass Postboten besonders im Visier von Hunden sein sollen. Liegt das möglicherweise daran, dass Hunde rot-grün-blind sind und von daher Farben wie Gelb („Deutsche Post“) oder Blau („Citipost“) besonders intensiv wahrnehmen? Oder gibt es relevantere Gründe?

Andrea Mangels: Mit der Farbe der Uniformen hat es nichts zu tun. Ein Postbote riecht zum einen nach extrem vielen Menschen, da er in viele verschiedene Territorien zwangsläufig eindringen muss und auch die mitgebrachten Briefe riechen ja allesamt nach einem anderen Absender. Das ist etwas, was auf Hunde provokant wirken kann. Zum anderen findet oft ungewollt eine Konditionierung statt. Wenn ein Hund sehr territorial eingestellt ist und schon beim ersten Besuch eines Postboten ordentlich Randale macht, hat er spontan ein Erfolgserlebnis. Nachdem der Postbote seine Sendungen abgeliefert hat, verschwindet er nämlich ganz schnell wieder. Und der Hund hat gelernt: „Wenn ich ordentlich Rabbatz mache, ist der Eindringling ganz schnell wieder weg!“ Und so klopft er sich gewissermaßen selbst auf die Schulter und wird sein Verhalten künftig manifestieren. Inzwischen gibt es aber viele Post- und / oder Paketboten, die sich statt mit Pfefferspray mit Leckerlis bewaffnen und – zumindest nach meiner durchaus positiven Erfahrung – nachdem sie um Erlaubnis gefragt haben, den Hund ‚bestechen‘. Das funktioniert fast immer! Meine beiden sind die besten Freunde des Paketboten – zumal der das Hundefutter liefert ...

„Celler Scene“: Dann bleibt nur zu hoffen, dass Postboten gut bezahlt werden, damit sie sich das Leckerli auch leisten können!

 

   Heimtierbedarf: Umsätze in Deutschland (2015)

 

  • Hundefutter: rund 1,3 Milliarden Euro
  • Katzenfutter: rund 1,6 Milliarden Euro


„Celler Scene“: Wieso schlagen (gut erzogene?) Hunde nur an, wenn man direkt an der Gartenpforte vorbeigeht oder diese berührt, andere (schlecht erzogene?) dagegen bereits, wenn man auf der gegenüberliegenden Straßenseite passiert?

Andrea Mangels: Die Frage zum Bellen auf dem Grundstück kann gar nicht pauschal beantwortet werden. Grundsätzlich handelt es sich in den meisten Fällen um territoriales Verhalten, das heißt, der Hund verteidigt ‚sein‘ Grundstück. Die Intensität hingegen ist von verschiedenen Faktoren abhängig. So spielt zum einen die Rasse eine gewisse Rolle, aber auch das Training bzw. das Verhältnis des Hundes zu seinen Menschen. Auch eine individuelle Vorgeschichte kann das Verhalten auf dem Grundstück beeinflussen.

Mit konsequentem Training kann man es schaffen, einen ausdauernden Kläffer von seinem Tun abzubringen, das heißt, das Bellen auf ein zumutbares Maß zu reduzieren. Ob jemand seinem Hund das komplett abgewöhnen möchte, wage ich zu bezweifeln.

Grundsätzlich gilt: Das Bellen ist nicht immer aggressiv oder angriffslustig motiviert. Mein Rüde beispielsweise bellt, wenn es klingelt und Besuch kommt, weil er sich irrsinnig über Besuch freut. Meine Hündin bellt nicht oder nur selten. Was aber natürlich ein ausgemachter Blödsinn ist, ist der alte Spruch „Hunde, die bellen, beißen nicht“. Das gilt vielleicht für den Moment. Aber eher könnte man etwas scherzhaft sagen: Ein Hund der beißt, kann in dem Moment nicht bellen.

„Celler Scene“: Wie verhält man sich, um einen Hund nicht unnötig zu reizen?

Andrea Mangels: Grundsätzlich sollte man davon ausgehen können, dass ein nicht angeleinter Hund, dessen Besitzer entspannt oder auch gleichgültig seinem Hund hinterherschlendert, keine bösen Absichten hegt.


(Foto: © René Stang / https://renestangfotografie.jimdo.com)

Das heißt, wenn man keinen Kontakt haben möchte, sollte man den Hund nicht anschauen oder ansprechen. Man kann sich auch direkt von ihm abwenden. Da viele Menschen sehr gerne Hunde mögen und dann sogar auch ansprechen, sind etliche Hunde natürlich schon darauf ‚trainiert‘, mal an einem Menschen schnuppern zu gehen. Könnte ja sein, dass es wieder mal ein netter Streichler ist, der ein paar freundliche Worte loslässt.

Man kann natürlich auch den Besitzer bitten, den Hund kurz zu sich zu rufen, und sagen, dass man Angst hat. Wenn ein Hundebesitzer das nicht akzeptiert und seinen Hund nicht zu sich ruft, weiß ich auch nicht weiter ... Auf jeden Fall erreicht man mit der Aussage, dass man Angst hat, bestimmt mehr, als wenn man anfängt, mit dem Hundehalter über Ungehorsam, Anleinpflicht, Rücksichtnahme etc. zu diskutieren – das schürt eher den Widerstand.

„Celler Scene“: Wie erkennt man, ob ein Hund angriffslustig ist oder nur ‚spielen‘ oder einen „ansabbern‘ will?

Andrea Mangels: Kein Hund geht auf der Straße spazieren, weil er angriffslustig ist. Wenn ein Hund auf einen zuläuft, womöglich noch mit kleinen Sprüngen dabei und / oder sich der ganze Hund regelrecht windet, weil der ganze Körper beim Wedeln hin und herschwingt, kannt man sicher sein, dass er spielen möchte. Dass er dabei vielleicht auch sabbert, ist dem Hund völlig gleichgültig. Kein Hund kommt mit dem Wunsch daher, den Menschen besabbern zu wollen.

Ein in der Nähe befindlicher Besitzer sollte aber auch hier wieder berücksichtigen, wenn ein Passant eben nicht spielen möchte, und seinen Hund zu sich rufen.

„Celler Scene“: Nimmt man mal an, dass der Hundehalter mit seinem Statement „Der beißt nicht, der will nur spielen“ grundsätzlich Recht hat. Hunde allerdings haben einen sehr ausgeprägten Geruchssinn und können vermutlich im wahrsten Sinne des Wortes riechen, wenn jemand Angst vor dem Hund hat oder ihm nicht gut gesinnt ist. Könnte es sein, dass sich der sonst friedfertige Hund durch diesen speziellen Geruch provoziert fühlen könnte?

Andrea Mangels: Es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung, die beweisen würde, dass Hunde auch Angst oder andere Gefühle riechen können. Forscher vermuten aber, dass die Tiere sie spüren können – denn durch unsere Körperhaltung und unser Auftreten senden wir unbewusst Signale aus. Aber dass sich ein Hund davon ‚provoziert‘ fühlen könnte, ist recht abwegig. Mir ist ein solcher Fall auch noch nicht zu Ohren gekommen.

„Celler Scene“: Wie verhält man sich bei einem (offensichtlich bevorstehenden) Angriff?

Andrea Mangels: Wenn ein großer Hund auf einen zugelaufen kommt und nicht im Einflussbereich seines Besitzers ist, stelle man sich etwas breitbeinig hin, sodass man einen sicheren Stand hat. Und wenn der Hund bei einem ist und an einem hochspringen möchte, ziehe man schwungvoll ein Knie nach oben, sodass der Hund daran abprallt. Dabei ist es auch egal, ob der Hund spielen will oder womöglich aggressiv ist. Letzteres ist, wie gesagt, eher unwahrscheinlich.

Anders verhält es sich natürlich auf einem geschlossenen Grundstück. Da muss man nicht wissen, ob der Hund aggressiv ist oder nicht. Man sollte ein Grundstück mit Hund nicht betreten, wenn der Eigentümer nicht anwesend ist.

„Celler Scene“: Wie kann man sich bei einem Angriff wehren?

Andrea Mangels: Wehren kann man sich gegen einen bevorstehenden Angriff kaum. Das Einzige, was man tatsächlich machen kann, ist, einen Hund, der (wenn auch nur nach eigenem Empfinden) bedrohlich auf einen zukommt, anzuschreien, sich dabei groß machen und ihm sehr energisch entgegentreten. Also richtig mit dem Fuß in Richtung des Hundes auf den Boden stampfen und brüllen „Hau ab!“, „Geh nach Hause“ oder Ähnliches. Wenn's funktioniert, war der Hund nicht wirklich angriffslustig.

Celler Scene“: An wen wendet man sich bei Übergriffen durch Hunde? Welche Behörde ist bevorzugter Ansprechpartner?

Andrea Mangels: Wenn etwas passiert sein sollte, ist das Veterinäramt zuständig. Dort ist auch zu prüfen, ob der Hund registriert und ob der Sachkundenachweis des Halters erbracht ist.

(Foto: © René Stang / https://renestangfotografie.jimdo.com)

„Celler Scene“: Es gibt bei besonders kleinen Hunden ein immer wieder zu beobachtendes Phänomen: Sie scheinen ein völlig übersteigertes Selbstbewusstsein zu besitzen, zeigen sie doch oft nicht die geringste Angst vor körperlich deutlich größeren und überlegeneren Hunden, die sie mit Bellen versuchen einzuschüchtern und auf die sie durchaus auch tätlich losgehen würden, wenn Frauchen / Herrchen sie nicht davon abhalten würden. Wie erklärst du dir solch merkwürdiges Verhalten?

Andrea Mangels: Meist hat es nicht mit ‚Selbstbewusstsein‘ zu tun, sondern mit Angst / Unsicherheit.

Bei angeleinten Zwergen gilt häufig: Angriff ist die beste Verteidigung. Beurteilen kann man die Motivation nur, wenn man eine solche Situation miterlebt und das Verhalten genau beobachtet. Oft würde ein Zwerg, sobald er abgeleint ist, eher die Flucht ergreifen oder im besten Fall Schutz bei seinem Besitzer suchen – aber die Klappe halten.

„Celler Scene“: Es gibt Fälle von großen Hunden, beispielsweise kräftigen Dobermännern, die in einer normalen oder auch eher zu kleinen Wohnung gehalten werden. Wie sieht eine für Hunde geeignete Wohnung aus? Gibt es die Empfehlung einer Mindestgröße?

Andrea Mangels: Eine Wohnung muss keine Mindestgröße haben, wenn der Halter für ausreichend Bewegung und Auslastung sorgt. Ein in einer Ein-Zimmer-Wohnung gehaltener Dobermann, der jeden Tag ausreichend bewegt und auch geistig ausgelastet wird, kann dort zufriedener sein als ein Yorkshire-Terrier, der in einem Haus mit großem Garten lebt, der aber außer diesem Haus und diesem Garten nichts zu sehen bekommt und der nicht beschäftigt wird.

Wichtiger sind bei der Wohnsituation eher Überlegungen, in welchem Stockwerk die Wohnung liegt. Es könnte sein, dass ein Dobermann im Alter keine Treppen mehr steigen kann / darf und man ihn gegebenenfalls tragen muss. Dann wäre eine Wohnung im vierten Stock schon schlecht.

Celler Scene“: Bei der Anschaffung eines Hundes stellt sich eine ganz entscheidende Frage: Für welche von weltweit rund 400 Rassen soll man sich entscheiden?

Andrea Mangels: Es ist schon vor der Anschaffung eines Hundes unerlässlich, sich Gedanken darüber zu machen: Welcher Hund passt zu mir, zu meiner Umgebung, zu meiner Situation ... Und verkehrt ist es sicher nicht, sich diesbezüglich beraten zu lassen. Nicht jede Rasse ist für jeden Menschen geeignet!

„Celler Scene“: Ein Thema, das immer wieder die Gemüter bewegt, ist der mangelhafte Tierschutz im Ausland ...

Andrea Mangels: Im Ausland liegt sicherlich einiges im Argen – sogar mehr noch als hierzulande. Dennoch ist Vorsicht geboten! Nicht immer ist ‚gut gemeint‘ auch ‚gut gemacht‘.

Wer wirklich in der Situation ist – keine Kinder, finanziell ‚unbeschwert‘ etc. –, das Risiko eingehen zu können, einen Auslandshund aufzunehmen, soll das sicherlich gerne tun. Aber wenn schon eine Familie vorhanden ist – insbesondere Kinder –, sollte man sich so einen Schritt ganz genau überlegen.

„Celler Scene“: Ist es sinnvoll, nur einen Hund zu halten oder besser zwei?


(Foto: © René Stang / https://renestangfotografie.jimdo.com)

Andrea Mangels: Es gibt kein Argument für das Halten von mehreren Hunden. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Man muss sich nur dessen bewusst sein, dass zwei Hunde erheblich mehr Arbeit machen, mehr Dreck machen, höhere Kosten verursachen usw.

Ein einzeln gehaltener Hund ist nicht unglücklich, weil er Einzelhund ist. Hunde begleiten den Menschen schon seit 30.000 Jahren und haben sich sehr an ein Zusammenleben mit ihm angepasst. Gundsätzlich würde ich sagen, dass manch einer schon mit der Erziehung eines Hundes überfordert ist – und da würde ich von einem zweiten Hund immer abraten.

„Celler Scene“: Was ist von der Kombination Hund / Katze zu halten?

Andrea Mangels: Hund und Katze sind kein Problem. Es ist durchaus möglich, Hund und Katze zusammen zu halten. Eine Katze verursacht zumindest weniger Kosten als ein zweiter Hund (Versicherung, Steuern etc.). Als ich meinen ersten Hund hatte, hatte ich auch zwei Katzen im Haushalt.

„Celler Scene“: Babys / Kleinkinder und Hunde – verträgt sich das?

Andrea Mangels: Es ist immer schön, wenn Kinder mit Tieren aufwachsen können. Wenn ich aber von jungen Leuten gefragt werde, was für eine Hunderasse ich ihnen empfehlen würde, frage ich immer erst nach deren Familienplanung. Wenn dann Kinderwunsch angegeben wird, empfehle ich, erst das Kind zu bekommen und einen Hund erst dann anzuschaffen, wenn das Kind nicht mehr auf dem Boden rumkrabbelt.

Wenn der Hund schon jahrelang in der Familie ist und sich dann ein Baby ankündigt, ist das aber kein Grund, sich von dem Hund zu trennen. Aber natürlich sollte man sich dann auch gut auf das gemeinsame Leben vorbereiten. Hygiene und die Sicherheit des Kindes stehen natürlich an erster Stelle. Niemals darf ein Baby / Kleinkind / Kind mit einem Hund unbeaufsichtigt sein!

„Celler Scene“: Ein immer wieder leidiges Thema ist das Entfernen bzw. Nicht-Entfernen von Hundekot. Die Gründe, warum Leute die Hinterlassenschaften ihrer Hunde liegenlassen, sind vielfältig. Bei den einen ist es pure Faulheit, sich zu bücken, bei anderen ist es Gleichgültigkeit / Rücksichtslosigkeit, ganz andere wiederum lassen die Haufen aus Renitenz liegen, weil sie ja schließlich schon reichlich für die Hundesteuer berappen müssen.

(Foto: © Frank R. Bulla)

Andrea Mangels: Das Entfernen der Häufchen sollte natürlich selbstverständlich für jeden Hundehalter sein.

Wenn ich einen Hundebesitzer sehe, der das Häufchen seines Hundes nicht mitnimmt, gehe ich zu ihm und reiche ihm einen Kotbeutel mit den Worten „Ich habe gerade gesehen, dass Sie ihre Beutel zu Hause vergessen haben. Ich gebe Ihnen gern einen von meinen ...“ Und bisher hat es noch keiner gewagt, abzulehnen. Also: Das gern auch als Nicht-Hundebesitzer nachmachen!

„Celler Scene“: Es gibt inzwischen Kotbeutel, die schneller verrotten. Wäre es nicht sinnvoll, an jenen Stellen, wo Städte und Gemeinden eh entsprechende Beutelspender bereitstellen, diese mit diesen speziellen Beuteln zu bestücken?

Andrea Mangels: Die Beutel, die schneller verrotten, sind leider teurer. Aber das ist es mir persönlich wert. Sicher wäre es wünschenswert, wenn die Stadt solche Beutel anbieten würde. Allerdings ist das kaum umsetzbar, weil die Dinger nicht feucht werden dürfen. Und dann müssten noch die Beutelspender umgerüstet werden ... Nee – das ist wohl nicht drin!

„Celler Scene“: Vielen Dank für deine interessanten und umfassenden Ausführungen.


Links

Geändert:  05 / 2020